Freidenkerbewegung

Dissidenten

Wer im Mit­tel­al­ter außer­halb der Kir­che stand, wur­de zu einem Aus­sät­zi­gen, denn Exkom­mu­ni­ka­ti­on bedeu­te­te die Reichs­acht. Abweich­ler von den katho­li­schen Dog­men gal­ten als Häre­ti­ker. Die­se brach­ten, freie­re Reli­gio­si­tät erstre­bend, in der Renais­sance die Refor­ma­ti­on in Gang. Der Augs­bur­ger Reli­gi­ons­frie­den von 1555 gestand Religionsfreiheit/Toleranz zu, aber nur den Lan­des­her­ren und deren Fami­li­en.

Christ­li­che Son­der­grup­pen bezeich­ne­te man seit dem Frie­den von War­schau (pax dis­si­den­ti­um) 1573 als ‘Dis­si­den­ten‘ (Gro­schopp 2011), mit Anklang an die eng­li­schen ‘Dis­sen­ters‘, abge­lei­tet von dis­s­idio (getrennt sein). Dar­un­ter fie­len zunächst alle aner­kann­ten pol­ni­schen Nicht­ka­tho­li­ken – Luthe­ra­ner, Refor­mier­te, (ortho­do­xe) Grie­chen, Arme­ni­er –, aber nicht die Wie­der­täu­fer, Sozi­nia­ner und Quä­ker.

Der Begriff ging mit dem West­fä­li­schen Frie­den von 1648 in die Amts­spra­che ein. ‘Dis­si­den­ten‘ hie­ßen nun die nächs­ten fast 300 Jah­re alle tole­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten außer­halb der Kon­fes­sio­na­li­tät (Katho­li­ken, Pro­tes­tan­ten) und des Juden­tums (Syn­ago­gen­ge­mein­schaf­ten). Die Fürs­ten behiel­ten das Recht, ‘abge­spal­te­ne‘ Gemein­schaf­ten zu akzep­tie­ren oder zu ver­bie­ten.

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Freidenkerei

Erst im 19. Jahr­hun­dert ver­schwand mit dem Rück­gang des Kir­chen­ein­flus­ses und schließ­lich der all­ge­mei­nen staats- und gesell­schafts­po­li­ti­schen Frei­ga­be des „Zwei­fels“ die all­ge­meins­te Ursa­che der Frei­den­ke­rei, näm­lich die Auf­ga­be, die Fackel der Auf­klä­rung in die Kul­tur zu tra­gen, um dort das Dun­kel aus­zu­leuch­ten. Fried­rich Nietz­sche hat im Jahr 1880/81 „Frei­den­ker“ all­ge­mein cha­rak­te­ri­siert, zeit­gleich mit der Grün­dung der „Brüs­se­ler-Frei­den­ker-Inter­na­tio­na­le“ und des „Deut­schen Frei­den­ker­bun­des“, was ihm wohl unbe­kannt blieb. Er mein­te, es wür­den die­je­ni­gen zu Frei­den­kern, denen „schon ein Aus­den­ken und Aus­spre­chen von ver­bo­te­nen Din­gen … Befrie­di­gung gibt“. Er unter­schei­det sie strikt von den „Frei­tä­tern“, die er höher schätzt.

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Atheismus

Bei „Athe­is­mus“ geht es um Nicht-Glau­ben im Gegen­satz zu the­is­ti­schen (oder sogar mono­the­is­ti­schen) kul­tu­rel­len Kon­struk­tio­nen. Dabei gibt es zwei Inter­pre­ta­ti­ons­va­ri­an­ten, näm­lich zum einen als aus­drück­li­che Ver­nei­nung der Exis­tenz einer Gott­heit (oder meh­re­rer Göt­ter) und zum ande­ren als aus­drück­li­che Ver­nei­nung tran­szen­den­ter Wesen über­haupt (Atheo­lo­gie).

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