Die drei berühmten Foersters und die ethische Kultur

Humanismus in Berlin um 1900

Die Foersters

In die­ser Vor­trags­rei­he wer­den wich­ti­ge huma­nis­ti­sche Ide­en vor­ge­stellt und maß­geb­li­che Den­ker prä­sen­tiert.[1] Zugleich the­ma­ti­sie­ren die Vor­trä­ge, ob und inwie­weit deren Ide­en heu­te noch von Bedeu­tung sind und wie sie pro­duk­tiv für das 21. Jahr­hun­dert genutzt wer­den kön­nen. Gera­de dazu bie­ten die Foers­t­ers Anlass genug. Sie wur­den sehr alt und hat­ten, zumal sie bis ins hohe Alter geis­tig rege blie­ben, mehr Zeit als ande­re, ihre Merk­zei­chen zu hin­ter­las­sen – was sie auch zur Genü­ge getan haben.

1896 fand in Zürich ein Kon­gress des Schwei­ze­ri­schen Ethi­schen Bun­des statt. Hier kam es zu einer wich­ti­gen Wei­chen­stel­lun­gen für die gesam­te ethi­sche Bewe­gung. Man hat­te zum einen August Bebel ein­ge­la­den, den Füh­rer der deut­schen Sozi­al­de­mo­kra­tie. Dar­auf wird am Schluss des Vor­tra­ges zurück­kom­men, wegen der Unver­söhn­lich­keit der Stand­punk­te der Foers­t­ers mit denen von August Bebel.

Zum ande­ren aber trug Wil­helm Foers­ter dort die Idee einer „ethi­schen Aka­de­mie“ vor, aus der in den fol­gen­den Jah­ren zunächst der Plan einer Frei­den­ker-Hoch­schu­le wuchs, aus dem sich dann die Idee der URANIA her­aus­schäl­te[2] – eine Tra­di­ti­ons­li­nie, an die ange­sichts von 120 Jah­ren URANIA zu erin­nern ist.

Wil­helm Foers­ter, der Vater, starb in Pots­dam 1921 im Alter von 89 Jah­ren. Hin­ter ihm lag als „akti­ve Zeit“ also fast die gesam­te zwei­te Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts. Sein Sohn Karl Foers­ter starb 1970 in Pots­dam im Alter von 96 Jah­ren. Fried­rich Wil­helm Foers­ter, der zwei­te berühm­te Sohn, 1966 bei Zürich im Alter von 97 Jah­ren. Bei­de Söh­ne Foers­t­ers präg­ten die Wen­de vom 19. zum 20. Jahr­hun­dert maß­geb­lich mit.

Wil­helm Foers­ter wird für gewöhn­lich als Begrün­der der Stern­war­te und der URANIA gewür­digt. Weni­ger bekannt ist der Ver­ein zur Abwehr des Anti­se­mi­tis­mus (1890) und sein Enga­ge­ment für die „Huma­nis­ten­ge­mein­den“ in Deutsch­land sowie sein Pazi­fis­mus. [3]

Als die von Ber­tha von Sutt­ner gegrün­de­te Deut­sche Frie­dens­ge­sell­schaft, die ers­te pazi­fis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on in Deutsch­land, ihren Auf­ruf im Novem­ber 1892 ver­öf­fent­lich­te, im glei­chen Jahr, in dem die noch vor­zu­stel­len­de ethi­sche Kul­tur­ge­sell­schaft ent­stand, trug der Text 16 Unter­schrif­ten. Zu die­sen weni­gen bedin­gungs­lo­sen Kriegs­geg­nern zähl­ten Wil­helm Foers­ter und Lina Mor­gen­stern, die wohl ers­te deut­sche welt­li­che Sozi­al­hel­fe­rin, eben­falls der Ber­li­ner „Huma­nis­ten­ge­mein­de“ ange­hö­rig. Kein Wun­der, dass in die­sem geis­ti­gen Umfeld die Idee und das Pro­gramm einer „welt­li­chen Seel­sor­ge“ ent­stan­den.

Wil­helm Foers­t­ers Sohn Karl Foers­ter, den Bota­ni­ker, kennt jeder Gar­ten­freund noch heu­te als „Stau­den-Foers­ter“, „Blu­men­kö­nig“ oder auch „Pflan­zen­zau­be­rer“. Er wird im Vor­trag weni­ger eine Rol­le spie­len, obwohl gera­de sein Enga­ge­ment für eine Gar­ten­kunst (er nann­te das „Gar­ten­schön­heit“) für „klei­ne Leu­te“ durch­aus ein Huma­nis­mus der Tat war. Im Vol­ke war er durch den moder­nen indus­tri­el­len Ver­sand­be­trieb sei­ner Zucht­er­fol­ge der Bekann­tes­te von den Drei­en, vor allem durch sei­nen Rit­ter­sporn und Phlox. Vie­len Klein­gärt­nern in der DDR war er dem Namen nach bekannt durch sei­ne win­ter­har­ten Gewäch­se und den Pots­da­mern durch die öffent­li­che Gar­ten­schau (seit 1939) auf der Freund­schafts­in­sel. Der Name der Blu­men­in­sel war phi­lo­so­phisch gemeint als eine Art Zau­ber- und Wun­der­land der Natur in einer Groß­stadt­land­schaft.

Karl Foers­ter war vor allem ein begna­de­ter Gar­ten­freund, erfolg­rei­cher Unter­neh­mer und viel­sei­ti­ger Fach­buch­au­tor. Er nann­te sich selbst einen Mys­ti­ker, der sei­ne Natur­phi­lo­so­phie in sei­nen Pflan­zen aus­drü­cke. Er arbei­te­te an einer Lebens­phi­lo­so­phie, die ande­re glück­lich machen soll­te und ihnen über Lebens­brü­che hin­weg­hel­fen könn­te. Der zwei­te Grund aber, war­um aber Karl Foers­ter im Fol­gen­den weni­ger eine Rol­le spielt, ist sei­ne ambi­va­len­te Hal­tung zum Natio­nal­so­zia­lis­mus, sein gele­gent­li­cher Anti­se­mi­tis­mus und sei­ne Eupho­rie gegen­über der frü­hen DDR.[4] Die Gar­ten­kunst ging ihm letzt­lich über alles und ließ ihn poli­ti­schen Sys­te­men gegen­über unkri­tisch sein.

Fried­rich Wil­helm Foers­ter, der zwei­te berühm­te Sohn des Sterne­for­schers, erfand 1905 das Wort „Lebens­kun­de“. Das Wort wur­de in den 1920ern ein reform­päd­ago­gi­sches Kon­zept und ein Fach an welt­li­chen Schu­len. „Huma­nis­ti­sche Lebens­kun­de“ ist heu­te in Ber­lin frei­wil­li­ges Schul­fach und wird als Alter­na­ti­ve zum Reli­gi­ons­un­ter­richt von über 50.000 Kin­dern besucht.

Fried­rich Wil­helm Foers­ter wur­de von sei­nem Vater zum Geschäfts­füh­rer der Ber­li­ner Huma­nis­ten­ge­mein­de beru­fen, muss­te aber bereits 1895 Deutsch­land aus poli­ti­schen Grün­den ver­las­sen. Wegen des Auf­sat­zes Der Kai­ser und die Sozi­al­de­mo­kra­tie[5] waren gegen ihn drei Mona­te Fes­tungs­haft wegen Majes­täts­be­lei­di­gung ver­hängt wor­den. So arbei­te­te Foers­ter bis 1903 als Gene­ral­se­kre­tär des Inter­na­tio­na­len Ethi­schen Bun­des in Zürich. Hier hielt er Vor­le­sun­gen, zuerst ein Jahr an der Uni­ver­si­tät, dann an der Tech­ni­schen Hoch­schu­le. Er wid­me­te sich der Arbei­ter­fra­ge, der Päd­ago­gik, dem Dar­wi­nis­mus und dem Monis­mus.

An der Züri­cher Uni­ver­si­tät wur­de Foers­ter 1898 habi­li­tiert. Wegen sei­nes poli­ti­schen Puris­mus und wegen sei­ner Rezep­ti­on ame­ri­ka­ni­scher Moral­theo­ri­en blieb Foers­ter bis kurz vor dem ers­ten Welt­krieg eine deut­sche Hoch­schul­pro­fes­sur ver­wehrt. Über den Umweg einer Ver­be­am­tung in Wien kam er schließ­lich von 1914 bis 1920 als Ordi­na­ri­us für Päd­ago­gik nach Mün­chen.

Foers­ter woll­te die mora­li­sche Unver­bind­lich­keit und den sozia­len Indi­vi­dua­lis­mus Ame­ri­kas aus Deutsch­land fern­hal­ten. Den­noch galt Foers­ter als Pro­to­typ eines „Moder­nis­ten“. Das war schon des­halb so, weil jede Auf­wei­chung der offi­zi­el­len christ­li­chen Lehr­mei­nung als „modern“ bezeich­net wur­de – und zwar in einem streng pejo­ra­ti­ven Sinn. Nach 1900 neig­te F. W. Foers­ter immer stär­ker zu den Beken­nern der Leh­re Jesu und damit zum Katho­li­zis­mus, ohne sich jedoch kirch­lich neu zu bin­den. Von einem Dis­si­den­ten der evan­ge­li­schen Kir­che hat­te sich Foers­t­ers Bekennt­nis zu dem eines frei­en Katho­li­ken gewan­delt.

Der beken­nen­de Pazi­fist F. W. Foers­ter, einer von ganz weni­gen vor dem ers­ten Welt­krieg, hielt an der Mün­che­ner Uni­ver­si­tät 1918, kurz vor der Revo­lu­ti­on, pazi­fis­ti­sche Vor­le­sun­gen. Die Obers­te Hee­res­lei­tung bat dar­auf­hin Max Weber, den berühm­ten Begrün­der der moder­nen Sozi­al­wis­sen­schaf­ten, dort eben­falls Vor­le­sun­gen zu hal­ten, um Foers­t­ers Idea­lis­mus zu kor­ri­gie­ren, der auf die neue schwär­me­ri­sche jun­ge Intel­li­genz aus­strah­le und deren Kriegs­mü­dig­keit arti­ku­lie­re.[6] Dar­aus ent­stan­den Webers berühm­te Schrif­ten Wis­sen­schaft als Beruf und Poli­tik als Beruf.

Es wird nun ver­sucht, in das Den­ken und Han­deln die­ser Huma­nis­ten ein­zu­füh­ren und zu erläu­tern, wor­in deren Bedeu­tung für den heu­ti­gen Huma­nis­mus gese­hen wer­den kann. Dabei wer­den weni­ger die Per­so­nen im Mit­tel­punkt ste­hen als viel­mehr die kul­tur­ge­schicht­li­chen Vor­gän­ge, in denen sie ihre Spu­ren hin­ter­lie­ßen und dies noch kon­zen­triert auf die Zeit um 1900. Hin­sicht­lich Wil­helm Foers­ter wer­den sechs The­men gestreift: das Pro­gramm der ethi­schen Kul­tur­ge­sell­schaft, ihr Ver­hält­nis zu Reli­gi­on und Kir­che, die welt­li­che Ver­samm­lungs­kul­tur der Huma­nis­ten­ge­mein­de, deren Bil­dungs­ar­beit, die Fra­ge der „welt­li­chen Seel­sor­ge“ und die „Ras­sen­fra­ge“. Bei F. W. Foers­ter sol­len dies vier The­men sein: Lebens­kun­de und Reli­gi­ons­un­ter­richt, Sexu­al­mo­ral, Ver­hält­nis zu Demo­kra­tie und zum Frie­den.

Gründung der ersten „Humanistengemeinden“

1887 war von Frei­re­li­giö­sen in Ber­lin eine Huma­nis­ti­sche Gemein­de ins Leben geru­fen wor­den. Sie ver­folg­te drei Zie­le: Sie woll­te eine Kul­tur­ge­mein­de statt einer Kul­tus­ge­mein­de sein, eine ethi­sche statt einer Bekennt­nis­ge­mein­de und eine huma­nis­ti­sche statt einer reli­giö­sen Gemein­de“.[7]

Die Bis­marck­sche Sozi­al­ge­setz­ge­bung und das Ende von Kul­tur­kampf und Sozia­lis­ten­ge­set­zen nach 1890 neue Ver­ei­ne. Die sozia­lis­ti­sche Arbei­ter­be­we­gung kehr­te in die Lega­li­tät zurück und grün­de­te Kul­tur­ver­bän­de. 1891 kam es zur Errich­tung der Cen­tral­stel­le für Arbei­ter-Wohl­fahrts­ein­rich­tun­gen, die auf sozia­le Refor­men und Sozi­al­ar­beit gerich­te­te Staats-, Ver­eins- und Pri­vat­in­itia­ti­ven bün­deln woll­te. In die­ser Geburts­stun­de des „Kathe­der­so­zia­lis­mus“ wur­den bür­ger­li­che Schich­ten kurz­zei­tig von einer star­ken sozi­al­re­for­me­ri­schen Bewe­gung erfasst.

Die frei­re­li­giö­se Gemein­de Ber­lin, im Vor­märz vor 1848 gegrün­det und auf geis­ti­gem Weg in die Frei­den­ker­be­we­gung, ent­fal­te­te nach 1890 eine rege kir­chen­kri­ti­sche Pro­pa­gan­da. Ein Ver­bund von Staats- und Schul­re­for­mern trat par­al­lel dazu gegen den 1892 vor­stell­ten, stark kon­ser­va­ti­ven Volks­schul­ge­setz­ent­wurf an, der eine stär­ke­re Kon­fes­sio­na­li­sie­rung der Schul­auf­sicht vor­sah.

In Ber­lin begann in die­ser Gemenge­la­ge 1892 ein sich über Jah­re hin­zie­hen­der Rechts­streit zwi­schen der Stadt und den orts­an­säs­si­gen pro­tes­tan­ti­schen Kir­chen. Der Magis­trat wei­ger­te sich, die Kos­ten für Kir­chen­neu­bau­ten zu über­neh­men. Zunächst hat­te es den Anschein, als käme es dar­über zu einem neu­en Kul­tur­kampf, doch ging die Ber­li­ner Stadt­re­gie­rung erfolg­reich den Gerichts­weg und hat­te 1903/04 Erfolg.

Die Idee zu einem ethi­schen Ver­ein, der über sol­chem Streit erha­ben sein woll­te, lag in der Luft und hat­te Vor­bil­der in Eng­land und den USA. Felix Adler, ein in die USA emi­grier­ter säku­la­rer Jude, hat­te von New York aus gute Kon­tak­te nach Ber­lin, vor allem zu Phi­lo­so­phie­pro­fes­sor Georg von Gizy­cki. Sein Wir­ken führ­te schließ­lich zu einem Ver­ein, der sich einer erneu­er­ten Ethik wid­men woll­te, gegen das ego­is­ti­sche Stre­ben nach Beha­gen und Genuss nur für sich und nur die eige­ne Fami­lie.

Zugleich soll­te sich die neue Ethik mit einer vor­bild­li­chen per­sön­li­chen Lebens­füh­rung und Bereit­schaft zur sozia­len Lebens­hil­fe ver­bin­den, denn der All­tag pro­le­ta­ri­scher Unter­schich­ten zei­ge, so Gizy­cki, „daß das Haus, die Schu­le, die Kir­che ihnen in sitt­li­cher Hin­sicht wenig oder nichts“ mehr geben kön­ne.[8] Die Kul­tur tra­gen­den Ober­schich­ten müss­ten an ihre Pflich­ten zu erin­nert und den sozi­al­de­mo­kra­tisch bestimm­ten Ein­rich­tun­gen dür­fe nicht die Ethik der Zukunft über­las­sen wer­den.

Am 7. Mai 1892 sprach Felix Adler auf einer öffent­li­chen Ver­samm­lung im Vic­to­ria-Lyce­um zu Ber­lin. Er for­der­te, in einer „Zeit inne­rer und äuße­rer Zer­fah­ren­heit, in einer Zeit der Zwie­tracht, des Glau­bens-, Klas­sen- und Racen­has­ses, in einer Zeit voll mate­ri­el­ler Gesin­nung und auf­lö­sen­der Ten­den­zen“[9], an die Grün­dung „ethi­scher Gesell­schaf­ten“ zu gehen. Sol­che Ver­ei­ne soll­ten ihre Legi­ti­ma­ti­on aus­drück­lich aus den Leit­ge­dan­ken Imma­nu­el Kants über „ethi­sche Gesell­schaf­ten“ schöp­fen, in Anwen­dung von des­sen Schrift von 1793 Die Reli­gi­on inner­halb der Gren­zen der blo­ßen Ver­nunft. Das sei­en sol­che Orga­ni­sa­tio­nen, die außer­halb von Glau­bens­sät­zen und Kult­bräu­chen „die Gesin­nung eines guten Lebens­wan­dels“ als den wah­ren Got­tes­dienst anse­hen und sich zu die­sem Zwe­cke orga­ni­sie­ren.

Am 18. Okto­ber 1892 saßen dann schließ­lich an die vier­zig Per­so­nen zusam­men, die Mehr­zahl aus Ber­lin, ein Über­ge­wicht an Dok­to­ren, min­des­tens zehn Pro­fes­so­ren und immer­hin auch sechs Frau­en. Am zwei­ten Tag, ins­ge­samt dau­er­te die Kon­fe­renz vier Tage, kam die Deut­sche Gesell­schaft für Ethi­sche Kul­tur tat­säch­lich zustan­de und Wil­helm Foers­ter hielt eine die Öffent­lich­keit erre­gen­de Ein­lei­tungs­re­de.[10]

Die neu gegrün­de­te Gesell­schaft ver­folg­te das Ziel, „die Mensch­heit in ihrem sitt­li­chen Stre­ben zu eini­gen, ohne nach ihrem reli­giö­sen Bekennt­nis zu fra­gen.“[11] Sie war die ers­te moder­ne über­re­gio­na­le Ver­bin­dung zwi­schen sozi­al ein­ge­stell­ten Aka­de­mi­kern und eben­so refor­me­risch über­zeug­ten Fabri­kan­ten, die ihrer­seits – z.B. Ernst Abbe in Jena – als Spon­so­ren auf­tra­ten. Die Kul­tur­ge­sell­schaft erstreb­te öffent­li­che Dis­kus­sio­nen über mora­li­sche Fra­gen und woll­te sich der Jugend­er­zie­hung und der Erwach­se­nen­bil­dung wid­men.

Wil­helm Foers­ter hielt bei der Grün­dung zwei Refe­ra­te, eines über „die lit­te­ra­ri­sche und publi­zis­ti­sche Bet­hä­ti­gung“ und eines über die „Bet­hä­ti­gung gegen­über den Übel­stän­den der gesell­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se“. Mit der Zeit wuchs aus die­sen Ide­en Foers­t­ers ein prak­ti­sches Pro­gramm mit ethi­schen Stel­lung­nah­men zur Frei­mau­re­rei, zur Frau­en­be­we­gung, zu Frie­dens­be­stre­bun­gen, zur Alko­hol­ab­sti­nenz und gegen den Anti­se­mi­tis­mus.

Es bedeu­te­te in Deutsch­land zu die­ser Zeit, wohl bis heu­te, einen exis­ten­ti­el­len Unter­schied, in aka­de­mi­schen Moral­ver­ei­nen sozu­sa­gen ledig­lich pri­vat gegen Über­trei­bun­gen der Kir­chen zu pole­mi­sie­ren oder einen sol­chen Stand­punkt öffent­lich bekannt zu geben. Die­se Gren­ze über­schritt in den Augen sei­ner Umge­bung beson­ders der Vor­sit­zen­de des Ver­eins Wil­helm Foers­ter. Des­halb wur­de er von ehe­ma­li­gen guten Freun­den geschnit­ten (etwa vom Maler Adolph Men­zel). Ihn ereil­te sogar eine Dis­zi­pli­nar­un­ter­su­chung wegen Athe­is­mus und Anar­chis­mus.

Tätigkeit der Gemeinden

Reli­gi­on nah­men die Kul­turethi­ker als Sit­ten­ko­dex. „Wir wol­len es ein­mal ver­su­chen“, schrieb der Sozio­lo­ge Fer­di­nand Tön­nies, spä­ter selbst Lei­ter der Abtei­lung Kiel der ethi­schen Gesell­schaft, „aus der Ethik sel­ber eine Reli­gi­on zu machen, aus ihr ganz allein.“[12] Das ließ ihnen zugleich ganz ande­re Glau­bens­ge­bäu­de als das christ­li­che inter­es­sant erschei­nen, so z. B. den Bud­dhis­mus.

Dar­aus form­ten die Kul­turethi­ker, wie sie mein­ten, wis­sen­schaft­li­che mora­li­sche „Geset­ze“ und „Prin­zi­pi­en“, um „ethi­sche Kul­tur“ respek­ti­ve „ethi­schen Huma­nis­mus“ zu beför­dern. Es ging dabei sowohl um Fürs­ten- wie auch um Volks­er­zie­hung. Die ethi­sche Gesell­schaft wol­le, so Tön­nies, „die Wahr­hei­ten der Ethik“ fest­stel­len und so leh­ren, „wie die Wahr­hei­ten der Astro­no­mie und ande­rer Natur­wis­sen­schaf­ten“.[13] Es ver­steht sich, dass hier Wil­helm Foers­ter, der Astro­nom, ein wich­ti­ger Ver­mitt­ler sol­chen Den­kens war.

Die For­men, in denen sich die Moder­ne in den groß­städ­ti­schen Metro­po­len äußer­te, erschie­nen den Anhän­gern der Kul­tur­ge­sell­schaft als Kri­se reli­giö­ser Bin­dun­gen und dar­aus fol­gen­der mora­li­scher Ver­ir­run­gen. Dage­gen beab­sich­tig­ten sie mas­siv anzu­ge­hen und nah­men sich vor, alle kul­tu­rel­len Akti­vi­tä­ten außer­halb der Betrie­be, des Staa­tes, der Kir­chen und der Sozi­al­de­mo­kra­tie zu bün­deln und ihnen ein gemein­sa­mes Kon­zept auf ethi­scher Basis zu geben, um das Loch zuneh­men­der Reli­gi­ons­lo­sig­keit zu stop­fen.

Das war ein ehr­gei­zi­ges Vor­ha­ben und Wil­helm Foers­ter stand an des­sen Spit­ze. Auf den Ver­samm­lun­gen der Ethi­ker ver­kün­de­ten eini­ge Red­ner sogar das Ende der kirch­li­chen Macht. Die­sem Kehr­aus müs­se man mit einer all­ge­mein ver­bind­li­chen neu­en sozia­len Sitt­lich­keit begeg­nen und auf einen Zustand hin­ar­bei­ten, in dem die Men­schen zwar das Recht auf eine indi­vi­du­el­le Moral haben soll­ten – aber nur auf Basis „wis­sen­schaft­lich“ gesetz­ter Vor­ga­ben.

Durch den beab­sich­tig­ten Ersatz des Chris­ten­tums als Staats­re­li­gi­on durch Ethik hat­ten sich vor den Augen der Anhän­ger der Kul­tur­ge­sell­schaft, die oft als jun­ge Dok­to­ren zugleich auf Arbeits­su­che waren, neue Berufs- und Beschäf­ti­gungs­fel­der auf­ge­tan. Wohl des­halb wuchs die Mit­glie­der­zahl. An der Spit­ze lag dabei Ber­lin mit zeit­wei­se über 2.000 Anhän­gern.

Zum anfäng­li­chen Erfolg der ethi­schen Bewe­gung trug auch eine sofort stark geför­der­te Publi­ka­ti­ons­tä­tig­keit bei, so nach 1893 die Her­aus­ga­be der Halb­mo­nats­schrift Ethi­sche Kul­tur, die zunächst den pro­gram­ma­ti­schen Unter­ti­tel trug: Wochen­schrift zur Ver­brei­tung ethi­scher Bestre­bun­gen. Die Zeit­schrift wur­de von Georg von Gizy­cki begrün­det und, bis zu sei­nem Tode 1895, von ihm (und sei­ner Frau Lily, der spä­te­ren Sozia­lis­tin Lily Braun) redi­giert. 1895 bis 1897 war Fried­rich Wil­helm Foers­ter Redak­teur.

Berühmt wur­den in Ber­lin die welt­li­chen Sonn­tags­fei­ern. Die Ver­samm­lun­gen der Ber­li­ner ethi­schen Gemein­de fan­den in aller Regel ein­mal monat­lich an Sonn­tag­nach­mit­ta­gen statt. Damit sie kei­ne Kon­kur­renz zu den Got­tes­diens­ten dar­stell­ten, aber mit einem Nach­mit­tags­spa­zier­gang der Fami­lie ver­bun­den wer­den konn­ten, traf man sich mit den Frau­en und Kin­dern vor dem Kaf­fee. Das besaß eine Zeit­lang tat­säch­lich eine gewis­se Attrak­ti­vi­tät, zumal man nach kur­zen Ein­lei­tun­gen eher den Dis­put pfleg­te und sich so von der Pre­digt abhob.

Mit der Zeit wirk­te sich aber genau dies nega­tiv aus. Vie­le such­ten Kir­chen­er­satz, fan­den ihn aber nicht. Auch waren der wis­sen­schaft­li­che Vor­trag und das aka­de­mi­sche Streit­ge­spräch immer weni­ger dazu ange­tan, alle anwe­sen­den Dok­to­ren und Pro­fes­so­ren und vor allem deren Ehe­frau­en zu unter­hal­ten.

Jeden­falls ent­brann­te dar­über ein Streit. Die eine Rich­tung mein­te, vie­le Gläu­bi­ge hiel­ten ledig­lich des­halb an der Kir­chen­mit­glied­schaft fest, weil vie­le Kul­te noch in den All­tag inte­griert sei­en. Für die­se Beob­ach­tung sprach, dass zwar nur eine Min­der­heit der Kir­chen­zu­ge­hö­ri­gen prak­ti­zier­te, die Kir­che jedoch wei­ter­hin bei den durch all­ge­mei­ne Sit­te und bür­ger­li­ches Anse­hen begrün­de­ten Haupt­hand­lun­gen (Tau­fe, Hei­rat, Begräb­nis) fast all­ge­mein in Anspruch genom­men wur­de.

Dies vor Augen, sprach sich eine Grup­pe der Huma­nis­ten für eige­ne „welt­li­che“ Kul­te aus und der Nach­fol­ger von F. W. Foers­ter im Amt des Geschäfts­füh­rers der DGEK, Rudolf Pen­zig, ver­öf­fent­lich­te das mit einem Geleit­wort von Wil­helm Böl­sche ver­se­he­ne pro­gram­ma­ti­sche Buch Ohne Kir­che. Eine Lebens­füh­rung auf eige­nem Wege,[14] das auch als Anlei­tung zum Han­deln für den Huma­nis­ti­schen Ver­band gele­sen wer­den kann.

Die ande­re Rich­tung nahm an, die Beja­hung kul­ti­scher Ele­men­te sei gene­rell reli­gi­on­s­im­ma­nent und sie aus­zu­üben hel­fe letzt­lich nur den Kir­chen. Man woll­te ver­mei­den, den Kir­chen gegen­über als Reli­gi­ons­er­satz zu gel­ten.

Der Kon­flikt zwi­schen Befür­wor­tern und Geg­nern eige­ner Kul­te pro­du­zier­te über die Zeit einen prak­ti­schen Kom­pro­miss, der zugleich eine bedeu­ten­de Inno­va­ti­on dar­stell­te – die Beför­de­rung pro­fes­sio­nel­ler welt­li­cher Sozi­al­hil­fe, unab­hän­gig von den welt­an­schau­li­chen respek­ti­ve reli­giö­sen Hin­ter­grün­den.

Mit die­sen prak­ti­schen Akti­vi­tä­ten wuchs die Kon­zep­ti­on der „welt­li­chen Seel­sor­ge“. Sie ist nach der Jahr­hun­dert­wen­de begriff­lich und kon­zep­tio­nell wesent­lich von Wil­helm Bör­ner (1882–1951) geprägt wor­den. Bör­ner war schon als 20-jäh­ri­ger Stu­dent im Jah­re 1902 der ethi­schen Gesell­schaft bei­getre­ten und wur­de von Wil­helm Foers­ter geför­dert. Er war der Auf­fas­sung, die moder­nen Men­schen sei­en von den Kir­chen ent­frem­det. Es feh­le ihnen dadurch „jede Instanz zur Seel­sor­ge“.[15] Dage­gen woll­te er mit „welt­li­cher Seel­sor­ge“ Abhil­fe schaf­fen.

Des­halb setz­ten die Kul­turethi­ker eine Zen­tra­le für pri­va­te Für­sor­ge ein. In Bres­lau bot der Ver­ein in Volks­schu­len ein war­mes „Schü­ler-Früh­stück“ an und unter­hielt eine Ein­rich­tung für den „Arbeits­lo­sen­schutz“.

Die­se und ande­re Akti­vi­tä­ten des ethi­schen Ver­eins wur­den im Ber­li­ner Büro der Gesell­schaft erfasst und unter tat­kräf­ti­ger Lei­tung von Wil­helm Foers­ter koor­di­niert. 1908 zog die Gesell­schaft mit all ihrer Aus­stat­tung in den Spree­pa­last (SO 27, Run­ge­stra­ße 27; Nähe Jan­no­witz­brü­cke; heu­te Ecke Brü­cken­stra­ße), wo sie auch ihre Lese­hal­le eröff­ne­te – mit einer wei­te­ren Sen­sa­ti­on, der ers­ten deut­schen weib­li­chen Biblio­theks­an­ge­stell­ten: Bona Pei­ser.

Die ethi­sche Gesell­schaft rich­te­te nach Ber­lin auch in Bres­lau eine Aus­kunfts­stel­le für Wohl­fahrts­pfle­ge und Rechts­pro­ble­me ein und grün­de­te zuerst in Frei­burg eine All­ge­mei­ne Volks­bi­blio­thek, dann in Frank­furt a. M. (1894) und Ber­lin (1895). Es folg­ten in Bres­lau, Jena, Wies­ba­den, Mühl­hau­sen und Mag­de­burg freie Volks­le­se­hal­len bzw. Volks­bi­blio­the­ken. Es ist unbe­dingt fest­zu­hal­ten (was wenig bekannt ist), dass die Ber­li­ner Stadt­bi­blio­thek auf Ide­en und prak­ti­sche Ver­su­che des Ver­eins von Wil­helm Foers­ter zurück­geht.

Jugendarbeit und Lebenskunde

Die Deut­sche Gesell­schaft für Ethi­sche Kul­tur hat­te mit ihrer Grün­dung eine bis heu­te andau­ern­de Kon­tro­ver­se über einen Moral­un­ter­richt als Alter­na­ti­ve zum Reli­gi­ons­un­ter­richt aus­ge­löst, bei der es auch um ein geson­der­tes Fach „Lebens­kun­de“ ging. Die Dis­kus­si­on begann mit dem Erschei­nen der deut­schen Über­set­zung des Buches von Felix Adler über den Moral-Unter­richt der Kin­der.[16] Adler befür­wor­te­te das Prin­zip eines kon­fes­si­ons­frei­en, ethisch begrün­de­ten, wenn auch auf der christ­li­chen Glau­bens­leh­re auf­bau­en­den Moral­un­ter­richts.

Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis des Vor­ha­bens muss man wis­sen, dass die Frei­re­li­giö­sen einen nicht­kon­fes­sio­nel­len Jugend­un­ter­richt – für Dis­si­den­ten­kin­der – for­der­ten, sozu­sa­gen einen eige­nen Welt­an­schau­ungs- und kei­nen Moral­un­ter­richt.

Über die­sen Jugend­un­ter­richt kam es vor allem in Ber­lin Ende 1893 zu einer offe­nen poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit straf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen, die aber die Frei­re­li­giö­sen stär­ker traf als die ethi­sche Kul­tur­ge­sell­schaft, weil die­se ihr Ange­bot nicht als Ersatz für den Reli­gi­ons­un­ter­richt ver­stand. Die Ethi­ker began­nen im Janu­ar 1893 in der Kleist­stra­ße 29 einen Jugend­un­ter­richt für 24 Kin­der zunächst unbe­hel­ligt durch­zu­füh­ren.

Par­al­lel dazu gin­gen die Behör­den gegen den Jugend­leh­rer der frei­re­li­giö­sen Gemein­de Bru­no Wil­le vor, sperr­ten den Begrün­der der Volks­büh­ne ins Gefäng­nis, dann gegen die dor­ti­ge Leh­re­rin Ida Alt­mann (geb. 1862; Schrift­stel­le­rin) und schließ­lich sogar gegen den Spre­cher der Huma­nis­ten­ge­mein­de, den Theo­lo­gen Georg Sieg­fried Schä­fer, der den Dis­si­den­ten­kin­dern Stun­den gab.

Was immer auch die ver­schie­de­nen Jugend­leh­rer unter­nah­men, stets ver­häng­ten die Behör­den ein Unter­richts­ver­bot. Das Gesetz sah einen aus­rei­chen­den Ersatz­un­ter­richt eben nur dann als gege­ben an, wenn der Leh­rer dem jewei­li­gen Regie­rungs­prä­si­den­ten eine aus­rei­chen­de Bil­dung im Reli­gi­ons­fach [sic!] nach­wei­sen konn­te. Damit ergab sich für die frei­en Gemein­den, die Ber­li­ner Huma­nis­ten und die Behör­den ein unlös­ba­rer Wider­spruch.

Wil­helm Foers­ter schrieb des­halb Ende Okto­ber 1893 (als Auf­ruf ver­öf­fent­licht Ende März 1894) einen Wett­be­werb für ein „volks­tüm­li­ches Hand­buch der Ethik“ (dann prä­zi­siert in „der huma­nen Ethik“) aus und bestimm­te einen Preis von 4.000 Mark. Die Arbei­ten soll­ten bis Okto­ber 1896 ein­ge­reicht und ein Jahr spä­ter beur­teilt sein.[17] Das Ergeb­nis war beschei­den und die vom Vor­stand beru­fe­nen Gut­ach­ter ver­ga­ben nur einen Trost­preis.

Die Füh­rung der ethi­schen Gesell­schaft konn­te sich in die­ser Situa­ti­on nicht ent­schlie­ßen, als Gesamt­ver­ein die For­de­rung nach Welt­lich­keit des Schul­we­sens zu ver­tre­ten. Die Ver­fech­ter der welt­li­chen Schu­le in ihren Rei­hen grün­de­ten dar­auf­hin eine Arbeits­grup­pe, die Liga für Moral­un­ter­richt, mit F. W. Foers­ter an der Spit­ze. In der Liga für Moral­un­ter­richt eska­lier­te dann aber die Debat­te mit dem Ergeb­nis, dass wegen der Domi­nanz einer ableh­nen­den Hal­tung zu jedem Reli­gi­ons­un­ter­richt an den Schu­len, Wil­helm und Fried­rich Wil­helm Foers­ter 1903 von ihren Ämtern in der ethi­schen Kul­tur­ge­sell­schaft zurück­tra­ten.

Den Aus­lö­ser lie­fer­te der Gesell­schafts­tag im Okto­ber 1903 in Eisen­ach mit den dort ver­ab­schie­de­ten Leit­sät­zen Die Stel­lung der Gesell­schaft zu den Reli­gi­ons-Gesell­schaf­ten. In Welt­erklä­rungs­fra­gen ste­he man „auf dem Boden der strengs­ten Neu­tra­li­tät“. Doch habe man die Pflicht zur „Ver­tei­di­gung unse­rer Grund­über­zeu­gung“. Das gebie­te, hin­sicht­lich der „Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten sogar angrei­fend und pole­misch vor­zu­ge­hen“. Man erstre­be schließ­lich die Ver­welt­li­chung des gesam­ten Staats­le­bens und vor allem der öffent­li­chen Schu­le.[18]

Der Athe­ist, Frei­de­mo­krat und spä­te­re Sozi­al­de­mo­krat Rudolf Pen­zig, damals Gene­ral­se­kre­tär der DGEK, trat gegen den Vor­stand auf und kon­ter­ka­rier­te beson­ders die von Fried­rich Wil­helm Foers­ter beför­der­ten Ide­en eines ethi­schen Reli­gi­ons­un­ter­richts auf Basis des Chris­ten­tums. Par­al­lel dazu führ­te Fried­rich Wil­helm Foers­ter den Begriff „Lebens­kun­de“ als Bezeich­nung für den ethi­schen Moral­un­ter­richt ein. Er gab 1904 einer 1905 erschie­ne­nen Schrift den Titel: Lebens­kun­de. Ein Buch für Kna­ben und Mäd­chen.[19] 1909 erreich­te die Auf­la­ge eine Höhe von 25.000 Exem­pla­ren.

Der Erfolg die­ses Buches führ­te 1909 zu einem wei­te­ren, in dem er Eltern, Leh­rer und Geist­li­che anspre­chen woll­te: Lebens­füh­rung. Ein Buch für jun­ge Men­schen.[20] Es war dies eine sehr mora­lisch gehal­te­ne Bei­spiel­samm­lung aus sei­ner knapp ein Jahr zuvor ver­öf­fent­lich­ten „Jugend­leh­re“. Foers­ter ent­wi­ckel­te dar­in eine Stu­fen­fol­ge, Kin­der in sitt­li­che Prin­zi­pi­en ein­zu­füh­ren. Damit ver­wob er eine Lis­te nöti­ger Wis­sens­be­rei­che und Idea­le. In jedem Lebens­al­ter des Kin­des soll­te die­ses eine beson­de­re Pflicht erler­nen – man beob­ach­te schließ­lich die „wach­sen­de Ver­wil­de­rung der Jugend aller Klas­sen“.[21] Die Schul­dis­zi­plin soll­te stär­ker selbst­re­giert gesi­chert wer­den.[22] Auch auf die grö­ße­re Offen­heit der Moder­ne in sexu­el­len Fra­gen sei die Jugend päd­ago­gisch vor­zu­be­rei­ten.[23]

Foers­ter schloss sei­ne Abhand­lung mit der For­de­rung, „daß in allen Staa­ten und Gemein­we­sen mit ver­schie­de­nen Kon­fes­sio­nen die staat­li­chen Schu­len immer kon­se­quen­ter zur vol­len Neu­tra­li­tät in kon­fes­sio­nel­len Fra­gen schrei­ten müs­sen … Aus die­ser Neu­tra­li­tät ergibt sich not­wen­dig die Ein­füh­rung rein ethi­scher Bespre­chun­gen, wel­che die reli­giö­sen Sank­tio­nen des Sitt­li­chen dem kirch­li­chen Unter­rich­te über­las­sen und sich dar­auf beschrän­ken, ange­wand­te Ethik und Lebens­kun­de zu geben.“

Wäh­rend dies auch Rudolf Pen­zig und die Frei­den­ker so sahen, folg­te aus dem Nach­satz die tren­nen­de Dif­fe­renz, „daß ein rein ethi­scher Unter­richt durch­aus der Ergän­zung durch eine tie­fe­re reli­giö­se Bil­dung“ bedarf.[24]

Foers­t­ers Idee, den Staat geis­tig for­men zu wol­len, ließ ihn sogar eine deut­sche „Staats­bür­ger­kun­de“ vor­schla­gen – doch fass­te er die­se in ers­ter Linie als gesell­schaft­li­che Prin­zi­pi­en­kun­de.[25] Ein ent­spre­chen­des Schul­fach schlug Foers­ter eben­falls vor. Es soll­te vor allem der Cha­rak­ter­bil­dung die­nen, die den ein­zel­nen in den Stand setzt, auch ohne staat­li­chen oder kirch­li­chen Zwang die vor­find­li­chen Auto­ri­tä­ten zu ach­ten.[26]

Foers­t­ers Auf­fas­sun­gen inspi­rier­ten die wei­te­re Debat­te. Doch war, um die ethi­sche Gesell­schaft nicht zu gefähr­den, die orga­ni­sa­to­ri­sche Aus­glie­de­rung der Liga für Moral­un­ter­richt nötig. 1906 ent­stand der Deut­sche Bund für welt­li­che Schu­le und Moral­un­ter­richt. Von nun an hat­ten bei­de Foers­t­ers nur noch wenig Ein­fluss auf die Debat­te, wes­halb sie hier ver­nach­läs­sigt wer­den soll.

Die sexuelle Frage

Auch auf eine zwei­te Aus­grün­dung aus der DGEK sei kurz ver­wie­sen, weil die Debat­ten zwar unter Wil­helm und Fried­rich Wil­helm Foers­ter began­nen, aber dann fer­ner von ihnen wei­ter gin­gen. Es han­delt sich hier um den zu Jah­res­be­ginn 1905 in Ber­lin gegrün­de­ten Bund für Mut­ter­schutz, seit 1908 unter dem Namen Deut­scher Bund für Mut­ter­schutz.

Die­se Aus­grün­dung wur­de unbe­ab­sich­tigt von Wil­helm Foers­ter pro­vo­ziert: Als 1909 eine öffent­li­che Debat­te über Prä­ser­va­ti­ve statt­fand, warn­te er vor den „trau­rigs­ten Ras­sen-Ent­ar­tun­gen see­li­scher und leib­li­cher Art“, die deren all­ge­mei­ner Gebrauch her­bei­füh­ren wür­de. Statt­des­sen emp­fahl er „Selbst­be­herr­schung“.[27] Wie das der meis­ten Ethi­ker, so war auch sein Kon­zept weder hedo­nis­tisch noch bedürf­nis­ori­en­tiert, son­dern woll­te erzie­hen. Es ori­en­tier­te sich durch­aus noch an bestimm­ten Sei­ten der sehr prü­den Kul­tur des dama­li­gen Bil­dungs­bür­ger­tums.

Eine Leser­zu­schrift 1909 in der Zeit­schrift Ethi­sche Kul­tur ver­deut­licht die Dis­kre­panz zwi­schen DGEK und den Grün­dern des Mut­ter­schutz­bun­des. Der Brief sah die „Lösung der Sitt­lich­keits­fra­ge“ vor allem in der „Selbst­be­herr­schung [und] Ver­mei­dung all jener eben­so ver­häng­nis­vol­len wie belieb­ten Genuß­gif­te, wie z. B. Alko­hol, Niko­tin, Kaf­fee, Tee, Fleisch und alle Spei­sen und Gewür­ze, die den Geschlechts­trieb rei­zen.“[28]

Gegen­über sol­chen Vor­be­hal­ten begriff sich der Mut­ter­schutz­bund als Pro­test­ver­ein.[29] Hele­ne Stö­cker wur­de in den weni­gen Jah­ren bis zum Kriegs­aus­bruch bekannt dafür, dass sie für Erleich­te­rung der Ehe­schei­dun­gen, Unter­stüt­zung ledi­ger Müt­ter, Mut­ter­schutz­ver­si­che­run­gen und für frei ent­schie­de­ne Lie­be auch unter Homo­se­xu­el­len Män­nern und [!] Frau­en ein­trat, Ers­te­res wur­de damals als Ent­ar­tung gese­hen, Letz­te­res war unvor­stell­bar. Doch sie sag­te schon 1905 in Ber­lin auf einer öffent­li­chen Frau­en­ver­samm­lung: „Denn was heu­te über­all herrscht: das sind die trau­ri­gen Kehr­sei­ten eines glück­li­chen Sexu­al­le­bens: Pro­sti­tu­ti­on und Geschlechts­krank­hei­ten, Geld­hei­rat und Aske­se der Frau.“[30] Letz­te­res erschien den Zeit­ge­nos­sen, die einen Orgas­mus der Frau für unvor­stell­bar hiel­ten, als direk­te Auf­for­de­rung zur Unmo­ral.

Im Mut­ter­schutz­bund mach­te man sich über F. W. Foers­ter öffent­lich lus­tig. In sei­ner „über Kör­per und Fleisch tri­um­phie­ren­den schein­ba­ren Selbst­er­he­bung der See­le“ klin­ge „das heil­päd­ago­gi­sche Sys­tem Förs­ters aus“. Man bezich­tig­te Foers­ter, „das Kul­tur­bild der Erb­sün­de“ wei­ter zu ver­brei­ten und das „Weib als Ver­mitt­le­rin der Ursün­de“ anzu­se­hen.[31]

Foers­t­ers mode­rat vor­ge­tra­ge­nes und sehr päd­ago­gi­sches Kon­zept einer erneu­er­ten Sexu­al­ethik galt aber zugleich in aka­de­mi­schen und kirch­li­chen Krei­sen als Angriff auf die öffent­li­che Moral. Schon das The­ma war ver­pönt. Auf­ge­schlos­se­nen Refor­mern woll­te er sei­ne Vor­schlä­ge nahe­le­gen, wes­halb er sie beru­hig­te und sich von den Extre­men (erfolg­los) distan­zier­te.

Die Moral­vor­stel­lun­gen der Kul­turethi­ker inter­es­sier­ten vor allem Arbei­ter wenig. Sie blie­ben, wenn sie sich in sol­chen Fra­gen orga­ni­sier­ten, den Huma­nis­ten­ge­mein­den fern und gin­gen eher den Weg in die Frei­den­ke­rei. Fried­rich Wil­helm Foers­ter wie­der­um ver­zich­te­te ab 1904 auf frei­geis­ti­ge und fand zurück in reli­giö­se Welt­erklä­run­gen. Er kün­dig­te wegen unüber­brück­ba­rer welt­an­schau­li­cher Dif­fe­ren­zen sei­ne Mit­ar­beit an der Zeit­schrift Ethi­sche Kul­tur.

Zur Ras­sen- und zur Frie­dens­fra­ge

Mit dem Welt­krieg bra­chen meh­re­re Streit­the­men offen aus, die bis dahin weit­ge­hend unter der Ober­flä­che schwel­ten, die Hal­tung zur Frie­dens- und die zur Ras­sen­fra­ge sowie zur Demo­kra­tie. Pazi­fis­ten in der ethi­schen Bewe­gung blie­ben in der Min­der­heit. Sie rich­te­ten den Tenor ihrer kri­ti­schen Argu­men­ta­ti­on auf die „kul­tur­feind­li­che Über­trei­bung der Sicher­heits­maß­re­geln gegen frem­de Gewalt­tat“, hiel­ten aber an der kolo­nia­lis­ti­schen Absicht fest, dass die „Zivi­li­sie­rung der wil­den Stäm­me und die rich­ti­ge Lei­tung der Völ­ker mit rück­stän­di­ger Kul­tur“ eine selbst­ver­ständ­li­che ethi­sche Auf­ga­be sei.[32]

Der 1893 in Eisen­ach gegrün­de­te Inter­na­tio­na­le Bund Ethi­scher Gemein­schaf­ten orga­ni­sier­te 1911 den ers­ten welt­wei­ten Ras­sen­kon­gress, der vom 26. bis 29. Juli in Lon­don unter der mehr­deu­ti­gen Losung von der „Aner­ken­nung der Ras­sen“ statt­fand. Das lief im Ver­ständ­nis der Mehr­heit und der Zeit auf eine recht­li­che Gleich­heit bei kul­tu­rell unglei­cher Bewer­tung hin­aus – also auf die Exis­tenz höhe­rer und nie­de­rer Men­schen­ras­sen. Tole­ranz bezog sich auf Welt­an­schau­un­gen, mein­te nicht sozia­le Aner­ken­nung der Gleich­heit als Men­schen.

In den Rei­hen der ethi­schen Kul­tur­ge­sell­schaft wur­de die Fra­ge der Mög­lich­keit der Demo­kra­tie für Deutsch­land rege dis­ku­tiert. F. W. Foers­ter woll­te die Ein­füh­rung von mehr Demo­kra­tie an bestimm­te kul­tu­rel­le Vor­aus­set­zun­gen bin­den. Es müs­se Einig­keit erzielt wer­den, auf wel­che Wer­te sich die künf­ti­ge mora­li­sche Auto­ri­tät grün­den sol­le. Nach Lage der Din­ge käme sowie­so nur eine aus dem Chris­ten­tum abge­lei­te­te Ethik in Betracht. Des­halb sprach er vehe­ment gegen alle Illu­sio­nen über den „frei­en Men­schen“. Eben weil die radi­ka­len Dis­si­den­ten nach sei­ner Mei­nung auf eine „geis­ti­ge Anar­chie“ hin­steu­ern, wür­den sie eine gro­ße Kri­se her­auf­be­schwö­ren, in der „alle sozia­le und per­sön­li­che Kul­tur zusam­men­bricht“.[33]

Der bes­te Beweis dafür sind eine gan­ze Rei­he neue­rer Schrift­stel­ler, deren ‘auto­no­me’ Ethik dem Töten wie­der einen wei­ten Spiel­raum gewährt: Ost­wald zum Bei­spiel pro­tes­tiert gegen die über­trie­be­ne Hei­li­gung des indi­vi­du­el­len Lebens in unse­rer Zeit, Haeckel emp­fiehlt spar­ta­ni­sche Selek­ti­on, d. h. Tötung abnor­mer, schwa­cher oder miß­ge­bil­de­ter Kin­der, Forel macht ähn­li­che Vor­schlä­ge, ande­re befür­wor­ten die Tötung schwer Lei­den­der und unheil­bar Geis­tes­kran­ker. Wer will nun die­sen Autoren wis­sen­schaft­lich nach­wei­sen, wel­che furcht­ba­ren Fol­gen alle sol­che Prak­ti­ken in der mensch­li­chen See­le zei­ti­gen müs­sen?“[34]

Foers­ter mein­te des­halb, es müs­se eine letz­te mora­li­sche Instanz für mensch­li­ches Tun geben. Sie fin­de sich in dem Glau­ben an den Wert des ein­zel­nen Men­schen an die „Hei­lig­keit des Lebens“. In unse­rem Kul­tur­kreis kom­me die­se Sicher­heit aber nun ein­mal aus dem Chris­ten­tum. – Das sahen die monis­ti­schen Frei­den­ker anders, die sich dann im Krie­ge in eine lin­ke und eine rech­te Linie schie­den.

Foers­ter hielt, trotz mas­si­ver Anfein­dun­gen wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges, sei­nen Pazi­fis­mus durch. Er wur­de als Per­son noch immer iden­ti­fi­ziert mit der ethi­schen Kul­tur­ge­sell­schaft. Sei­ne kos­mo­po­li­ti­sche Offen­heit, sein Ein­tre­ten für einen Ver­stän­di­gungs­frie­den und sei­ne Tätig­keit als Baye­ri­scher Gesand­ter in der Schweiz 1918/19 brach­ten ihn 1922 auf die Mör­der­lis­te, der Wal­ter Rathen­au (1867–1922) zum Opfer fiel.[35] Recht­zei­tig gewarnt, floh Foers­ter zunächst in die Schweiz. Dort ver­folg­ten ihn noch im schon hohen Alter die Natio­nal­so­zia­lis­ten, so dass er 1940 in den USA Exil suchen muss­te und erst 1963 nach Euro­pa zurück­kehr­te.[36]

Was kön­nen die Bio­gra­phi­en der Foers­t­ers leh­ren? Unse­re Gesell­schaft beginnt erneut, Gesin­nun­gen zu ver­han­deln. Es geht um Evo­lu­ti­ons­theo­rie ver­sus Krea­tio­nis­mus, Ethik bzw. Lebens­kun­de ver­sus Reli­gi­ons­un­ter­richt, um Auto­no­mie kon­tra Seel­sor­ge. Zu allen aktu­el­len The­men hat­ten die Foers­t­ers etwas zu sagen. So neu kön­nen also die The­men gar nicht sein.

Abschlie­ßend zurück ins Jahr 1896 und zum ein­gangs erwähn­ten Kon­gress des Schwei­ze­ri­schen Ethi­schen Bun­des in Zürich. Bebel erhielt über eine Stun­de Rede­zeit, in der er sei­nen Stand­punkt vor­trug und sich und sei­ne Par­tei von der „Huma­ni­täts­du­se­lei“ der Ethi­ker abgrenz­te. Ob er dies wört­lich tat, ist bis­her nicht belegt, aber das ent­sprä­che sei­ner Kri­tik am huma­ni­tä­ren Kon­zept der fran­zö­si­schen Fou­rieris­ten.[37]

Bebels Hal­tung war für die ethi­sche Gesell­schaft ernüch­ternd. Für die Befrei­ung der Arbei­ter­klas­se sei die Tätig­keit des Ver­eins „belang­los“. Wer sich als Aka­de­mi­ker der Arbei­ter­sa­che anschlie­ßen wol­le, müs­se sich zur Ver­staat­li­chung der Pro­duk­ti­ons­mit­tel beken­nen. Als die Arbei­ter wäh­rend des Sozia­lis­ten­ge­set­zes ver­folgt wor­den sei­en, hät­ten die Gelehr­ten geschwie­gen.

Tön­nies oppo­nier­te, for­der­te Ant­wor­ten auf ethi­sche Fra­gen ein. Bebel ant­wor­te­te, man kön­ne sich viel­leicht in der Abwehr reak­tio­nä­rer Gelüs­te einig wer­den – aber er hat­te das Tisch­tuch zwi­schen orga­ni­sier­ten Huma­nis­ten und Sozia­lis­ten zer­schnit­ten.[38]

Fuß­no­ten

  1. Der Text ver­wen­det Mate­ri­al aus Horst Gro­schopp: Dis­si­den­ten. Frei­den­ker und Kul­tur in Deutsch­land (1997). 2. Aufl. Mar­burg 2012. – Die Hal­tung der ethi­schen Kul­tur­ge­sell­schaft zur „sozia­len Fra­ge“ ist in einem ande­ren Band bereits publi­ziert, so dass die­se Tei­le hier gestri­chen wur­den. Vgl. Horst Gro­schopp: Moder­ner Huma­nis­mus und die sozia­le Fra­ge. In: Armut. Aspek­te sozia­ler und öko­no­mi­scher Unter­pri­vi­le­gie­rung. Hrsg. von Micha­el Bau­er / Alex­an­der End­reß. Aschaf­fen­burg: Ali­bri Ver­lag 2008, S. 94–108 (Schrif­ten­rei­he der Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie Bay­ern, Band 3).
  2. Vgl. W.C.: Kon­greß des ethi­schen Bun­des in Zürich. In: Aka­de­mi­sche Rund­schau, Leip­zig 1896, 1. Jg., H. 14, S .231.
  3. Vgl. Wil­helm Foers­ter: Zur Ethik des Natio­na­lis­mus und der Juden­fra­ge. Ber­lin 1893. – Ders.: Die Anfän­ge eines neu­en Geis­tes. Ber­lin 1894.
  4. Vgl. Son­ja Düm­pel­mann: Suchet und ihr wer­det noch ande­res fin­den. Die For­schung ent­deckt Neu­es im Leben des Gärt­ners und Schrift­stel­lers Karl Foers­ter. In: Tages­spie­gel, Ber­lin, 16. August 2001, S.23.
  5. Im Heft 37 der Ethi­schen Kul­tur vom 14. Sep­tem­ber 1895.
  6. Vgl. Wis­sen­schaft als Beruf, 1917/19; Poli­tik als Beruf, 1919. Hrsg. von Wolf­gang J. Momm­sen / Wolf­gang Schluch­ter in Zusam­men­ar­beit mit Bir­git Mor­gen­brod. Tübin­gen 1992, S.28 f., 60 f., 115 (Max Weber Gesamt­aus­ga­be, I/17).
  7. Wil­helm Bör­ner: Welt­li­che Seel­sor­ge. Grund­le­gen­de und kri­ti­sche Betrach­tun­gen. Leip­zig 1912, S. 56.
  8. Georg von Gizy­cki: Vor­le­sun­gen über sozia­le Ethik. Aus sei­nem Nach­laß. Hrsg. von Lily von Gizy­cki, 2.Aufl., Ber­lin 1895, S. 31 f.
  9. Felix Adler: Rede, gehal­ten in einer Ver­samm­lung im Vic­to­ria-Lyce­um zu Ber­lin am 7. Mai 1892. In: Die ethi­sche Bewe­gung in Deutsch­land. Vor­be­rei­ten­de Mit­tei­lun­gen eines Krei­ses gleich­ge­sinn­ter Män­ner und Frau­en zu Ber­lin. 2., verm. Aufl. (Som­mer 1892). Ber­lin 1892, S.20, 18, 15.
  10. Vgl. Wil­helm Foers­ter: Lebens­er­in­ne­run­gen und Lebens­hoff­nun­gen. Ber­lin 1911, S.225–228. – Ein Gar­ten der Erin­ne­rung. Sie­ben Kapi­tel von und über Karl Foers­ter. Hrsg. von Eva Foers­ter / Ger­hard Ros­tin, 3. Aufl., Ber­lin 1992, S.50 f.
  11. Hand­buch der frei­geis­ti­gen Bewe­gung Deutsch­lands, Öster­reichs und der Schweiz. Jahr­buch des Wei­ma­rer Kar­tells 1914. Hrsg. im Auf­trag des Wei­ma­rer Kar­tells von Max Hen­ning. Mit einer Über­sichts­kar­te. Frank­furt a. M. 1914, S. 35.
  12. Fer­di­nand Tön­nies: Ethi­sche Cul­tur und ihr Gelei­te. I: Nietz­sche-Nar­ren, II: Wöl­fe in Fuchs­pel­zen. Ber­lin 1893, S. 17.
  13. Fer­di­nand Tön­nies: Die ethi­sche Bewe­gung. In: Die Umschau. Über­sicht über die Fort­schrit­te … Frank­furt a. M. 1899. 3. Jg., H. 43, S. 843.
  14. Rudolph Pen­zig: Ohne Kir­che. Eine Lebens­füh­rung auf eige­nem Wege. Mit einem Geleit­wort von Wil­helm Böl­sche. Jena 1907. – Vgl. Alfred Paris: Das Glau­bens­be­kennt­nis des Huma­nis­ten. Ein Evan­ge­li­um unse­res Zeit­geis­tes. Ber­lin 1893. – Bis Ende der zwan­zi­ger Jah­re gehör­te zu Pen­zigs „Amts­füh­rung … außer den 14täglichen Pre­dig­ten auch die Vor­nah­me der soge­nann­ten Kul­tus­hand­lun­gen (Namens­fest statt Tau­fe, Jugend­leh­re mit nach­fol­gen­der Jugend­wei­he [Kon­fir­ma­ti­on], Trau­ung und Begräb­nis bzw. Ein­äsche­rung“. Vgl. Rudolph Pen­zig: Aposta­ta. Licht- und Schat­ten­bil­der aus mei­nem Leben. Ber­lin 1930, S.90., S. 93 f. – Vgl. Ders.: Lai­en-Pre­dig­ten von neu­em Men­schent­hum. Sonn­tags­vor­trä­ge, gehal­ten in der huma­nis­ti­schen Gemein­de zu Ber­lin. Ber­lin-Schlach­ten­see 1906–1912, 10 Hef­te: 1. Sor­gen und Hoff­nun­gen beim Jah­res­wech­sel. 2. Das Recht auf Muße. 3. Das Evan­ge­li­um des Kin­des. 4. Vom Hof­fen und Har­ren. 5. Die ethi­sche Men­schen­ge­mein­de. 6. Was will die huma­nis­ti­sche Gemein­de? 7. Leben­di­ge Gedan­ken eines Toten (M. v. Egidy). 8. Natür­li­che Erlö­sungs­re­li­gi­on. 9. Frei­es Chris­ten­tum und reli­giö­ser Fort­schritt. 10. Das kom­men­de Heil der Mensch­heit (Zur Fei­er des 25jährigen Bestehens der Huma­nis­ti­schen Gemein­de in Ber­lin am 16. Sep­tem­ber 1912). – Wei­te­re The­men sind Pen­zig: Ohne Kir­che, S .239 f. zu ent­neh­men: Die Pre­digt Zara­thu­stras. Urvä­ter­glau­be und Urvä­ter­weis­heit. Vom Cha­os zum Kos­mos. Zur Ethik der Arbeit. Aus Rück­erts Weis­heit des Brah­ma­nen. Hei­ligt der Zweck die Mit­tel? Das Vater­un­ser. Kin­der­er­zie­hung gleich Selbst­er­zie­hung.
  15. Bör­ner: Welt­li­che Seel­sor­ge, S.50.
  16. Felix Adler: Der Moral-Unter­richt der Kin­der. Ber­lin 1894.
  17. Ange­le­gen­hei­ten der Gesell­schaft. Preis­aus­schrei­ben. In: Mit­tei­lun­gen der deut­schen Gesell­schaft für ethi­sche Kul­tur. Hrsg. von Georg von Gizy­cki, Ber­lin 1894, 2. Jg., H. 1, S. 12 f., 43.
  18. Rudolph Pen­zig: Die ethi­sche Bewe­gung in Deutsch­land. Eine Fest­ga­be der Deut­schen Gesell­schaft für ethi­sche Kul­tur zum fünf­zig­jäh­ri­gen Jubi­lä­um der ame­ri­ka­ni­schen Mut­ter­ge­sell­schaft. Ber­lin 1926, S. 7 f.
  19. Ber­lin 1904.
  20. Ber­lin 1909.
  21. Fried­rich Wil­helm Foers­ter: Jugend­leh­re. Ein Buch für Eltern und Geist­li­che. Ber­lin 1904, S.666.
  22. Vgl. Fried­rich Wil­helm Foers­ter: Schu­le und Cha­rak­ter. Bei­trä­ge zur Päd­ago­gik des Gehor­sams und zur Reform der Schul­dis­zi­plin. 10. Aufl., Zürich 1910.
  23. Vgl. Fried­rich Wil­helm Foers­ter: Sexu­al­ethik und Sexu­al­päd­ago­gik. Eine neue Begrün­dung aller Wahr­hei­ten. 2. Aufl., Kemp­ten / Mün­chen 1909.
  24. Fried­rich Wil­helm Foers­ter: Jugend­leh­re, S. 666.
  25. Vgl. Fried­rich Wil­helm Foers­ter: Staats­bür­ger­li­che Erzie­hung. Prin­zi­pi­en­fra­gen poli­ti­scher Ethik und poli­ti­scher Päd­ago­gik (1910). Leip­zig / Ber­lin 1914.
  26. Vgl. Fried­rich Wil­helm Foers­ter: Auto­ri­tät und Frei­heit. Betrach­tun­gen zum Kul­tur­pro­blem der Kir­che. Kemp­ten, Mün­chen 1910.
  27. Wil­helm Foers­ter in: Ethi­sche Kul­tur 17(1909)12, S.94.
  28. Leser­zu­schrift. In: Ethi­sche Kultrur 17(1909)14, S.111.
  29. Ade­le Schrei­ber: Der Bund für Mut­ter­schutz und sei­ne Geg­ner. Leip­zig 1908, S .1 (Kul­tur und Fort­schritt, 151).
  30. Vgl. Hele­ne Stö­cker: Bund für Mut­ter­schutz. Mit Bei­trä­gen von Ellen Key / Lily Braun …, Ber­lin 1905, S. 7.
  31. Juli­an Mar­cu­se: Die sexu­el­le Fra­ge und das Chris­ten­tum. Ein Waf­fen­gang mit Fr. W. Foers­ter. Leip­zig 1908, S. III, IV f., 81 f.
  32. August Döring: Die Zie­le der ethi­schen Bewe­gung in Deutsch­land. In: Ethi­sche Kul­tur, Ber­lin 1910, 18. Jg., H. 1, S. 2.
  33. Foers­ter: Auto­ri­tät, S. 8, 48 f.
  34. Foers­ter: Auto­ri­tät, S. 17.
  35. Bei spä­te­rer Ableh­nung des Ver­sail­ler Ver­tra­ges. – Zu die­sen Vor­gän­gen vgl. Fried­rich Wil­helm Foers­ter: Erleb­te Welt­ge­schich­te 1869–1953. Memoi­ren. Nürn­berg 1953.
  36. Vgl. Franz Pög­ge­ler: Zwi­schen Staats­rai­son und Welt­frie­den. Der Kampf Fried­rich Wil­helm Foers­t­ers gegen Natio­na­lis­mus und Natio­nal­so­zia­lis­mus. In: 3 x Foers­ter, S. 143–172.
  37. Vgl. Mit­tei­lun­gen der Deut­schen Gesell­schaft für ethi­sche Kul­tur. Neue Fol­ge. Ber­lin 1896, 1. [4.] Jg., H. 8, S. 311 f. – August Bebel: Charles Fou­rier. Sein Leben und sei­ne Theo­ri­en (1907). Leip­zig 1978, S. 232.
  38. Vgl. Mit­tei­lun­gen der deut­schen Gesell­schaft für ethi­sche Kul­tur. Ber­lin 1896, 4. Jg., H. 8, S. 31 f.

 

Quel­le: Horst Gro­schopp: Die drei berühm­ten Foers­t­ers und die ethi­sche Kul­tur. Huma­nis­mus in Ber­lin um 1900. In: Huma­nis­mus und Huma­ni­sie­rung. Hrsg. von Horst Gro­schopp. Aschaf­fen­burg 2014, S. 157–173 (Schrif­ten­rei­he der Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin-Bran­den­burg, Bd. 7). – Dass. u.d.T. Die Ber­li­ner Huma­nis­ten­ge­mein­den. Huma­nis­mus in Ber­lin um 1900. In: Huma­nis­mus, Refor­ma­ti­on, Auf­klä­rung. S. 87–101.