Einführung “Adolph Hofmann”

Adolph Hoffmann aus heutiger Sicht

 

Anlass und Anliegen der Publikation

Wer in die­sem Band liest, wird sich viel­leicht fra­gen, war­um die Säku­la­ren in Deutsch­land noch nicht für ein Adolph-Hoff­mann-Denk­mal sam­meln. Denn wer über die hier vor­ge­stell­ten Befun­de und die breit ange­führ­ten his­to­ri­schen Zita­te tie­fer nach­denkt, wird fest­stel­len, wie gegen­wär­tig vie­les vom dem ist, was die Prot­ago­nis­ten der Rech­te Kon­fes­si­ons­frei­er damals vor­tru­gen und vor allem – was ihnen ent­ge­gen­ge­hal­ten wur­de von Kir­chen­funk­tio­nä­ren und ihnen wohl geson­ne­nen Poli­ti­kern. Bis in die Spra­che weht in den Tex­ten der Wind alter Kämp­fe in die Gegen­wart hin­ein und man schaut, ob das aktu­ell ist oder vor acht­zig oder hun­dert Jah­ren gesagt oder geschrie­ben wur­de.

Die­ser Band doku­men­tiert eine Tagung der Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin vom 15. März 2008. Sie trug den Titel Los von der Kir­che! Staat-Kir­che-Tren­nung in Deutsch­land und huma­nis­ti­sche Kul­tur­be­we­gung. Die dort vor­ge­leg­ten bzw. vor­ge­tra­ge­nen Tex­te wur­den über­ar­bei­tet und für die­sen Band durch eini­ge neue ergänzt. Anlass der Tagung war der 150. Geburts­tag Adolph Hoff­manns (geb. 23. März 1858, gest. 1. Dezem­ber 1930). Ein Motiv der Her­aus­ga­be ist der 90. Jah­res­tag der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung, deren Kir­chen­ar­ti­kel noch heu­te Bestand­teil des Grund­ge­set­zes der Bun­des­re­pu­blik sind (Art. 140 GG).

Es geht in die­sem Band um Adolph Hoff­mann. Sei­ner legen­dä­ren Schrift Die zehn Gebo­te und die besit­zen­de Klas­se (1891) ver­dank­te er sei­nen Spitz­na­men „Zehn-Gebo­te-Hoff­mann“.[1] Sein Pam­phlet Los von der Kir­che! von1908, im Ursprung (wie der lan­ge Unter­ti­tel sagt) Eine, durch drei Ord­nungs­ru­fe und Wort­ent­zie­hung unter­bro­che­ne, aber im „Feen­pa­last“ zu Ber­lin voll­ende­te Land­tags­re­de mit Ein­fü­gung der durch den Prä­si­den­ten Herrn v. Krö­cher ver­hin­der­ten Ergän­zun­gen und einem Anhang über alle Aus­tritts­for­ma­li­tä­ten gab ein Jahr spä­ter einer gro­ßen Kir­chen­aus­tritts­be­we­gung die Losung. Das trug Hoff­mann den Ruf des bekann­tes­ten deut­schen Dis­si­den­ten ein.

In die­ser Schrift kri­ti­sier­te Hoff­mann die damals enor­me Sum­me von 12,5 Mil­lio­nen Mark für die Pfarr­er­be­sol­dun­gen allein in Preu­ßen und über hun­dert Mil­lio­nen im Reich. Außer­dem gei­ßel­te er den Ein­fluss der Kir­chen auf das Schul­we­sen. Er gab der Gewiss­heit Aus­druck, dass ein Volks­par­la­ment das Drei­klas­sen­par­la­ment ablö­sen und die Losung „Los von der Kir­che!“ aus­ge­ben wer­de. Bis dahin sei „Her­aus aus der Kir­che!“ sei­ne For­de­rung.

Die Kir­chen­aus­tritts­be­we­gung mün­de­te 1910 im Komi­tee Kon­fes­si­ons­los und ver­band bedeu­ten­de Wis­sen­schaft­ler, so Ernst Haeckel, Wil­helm Ost­wald, Arthur Drews und Lud­wig Gur­litt. Dane­ben wirk­ten bekann­te lin­ke Poli­ti­ker wie Karl Lieb­knecht, Ewald Vog­t­herr und Georg Zep­ler. In fast allen grö­ße­ren Städ­ten über­nah­men pro­mi­nen­te Kon­fes­si­ons­lo­se die Füh­rung.

Es ist ein wis­sen­schafts­po­li­ti­scher Skan­dal, dass es bis­her über Adolph Hoff­mann kei­ne his­to­risch-kri­ti­sche Bio­gra­phie gibt – auch nicht zu sei­nem 150. Geburts­tag. Auch die­ser Band kann und will dies nicht leis­ten. Es blieb der Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie über­las­sen, von eini­gen weni­gen Gedenk­fei­ern und eher kur­zen Arti­keln in Zei­tun­gen bzw. auf Home­pages der SPD bzw. der LINKEN, Adolph Hoff­mann mit einer beschei­de­nen Tagung und die­sem klei­nen Büch­lein zu wür­di­gen.

Für die Tagung wur­de ein älte­rer, noch in der DDR pro­du­zier­ter Text von Ger­not Bandur als Manu­skript gedruckt. Er wur­de für die­se Publi­ka­ti­on noch ein­mal leicht über­ar­bei­tet, um Leben und Werk von Hoff­mann der Öffent­lich­keit vor­zu­stel­len. Ohne die Redak­ti­on von Eck­hard Mül­ler an dem Manu­skript wäre die­ser Text so nicht vor­han­den und nicht mit den aktu­el­len Archiv­hin­wei­sen ver­se­hen, denn der Autor selbst, der sich sein Leben lang Hoff­mann wid­me­te, ist zu seh­schwach, um selbst noch wis­sen­schaft­lich arbei­ten zu kön­nen. Auch hin­sicht­lich der Abbil­dun­gen in die­sem Band dankt die Aka­de­mie Ger­not Bandur und Eckard Mül­ler.

Die feh­len­de For­schung hat meh­re­re Grün­de. Sie haben einen gemein­sa­men Kern. Das ist die Absti­nenz aktu­el­ler Kul­tur­ge­schichts­schrei­bung, zwei sozi­al­his­to­ri­sche Vor­gän­ge in ihrem Zusam­men­hang zu sehen: Der ers­te ist, dass die Arbei­ter­be­we­gung nicht auch als kul­tu­rel­les Phä­no­men gese­hen wird und nicht nur als gewerk­schaft­li­ches und poli­ti­sches Ereig­nis. Der zwei­te folgt dar­aus, denn nur eine kul­tu­rel­le Sicht dringt zur Bedeu­tung vor, die die insti­tu­tio­nel­le Abkehr gro­ßer Tei­le der Bevöl­ke­rung von den Kir­chen, und hier vor allem der Arbei­ter­schaft, auf die For­mie­rung säku­la­rer Bewe­gun­gen hat­te, die sich mit Arbei­ter­or­ga­ni­sa­tio­nen über­schnit­ten. Nur wer bereit ist, „Los von der Kir­che“ als Frei­heits­ge­winn zu sehen, stößt auf Leben und Werk von Adolph Hoff­mann. Säku­la­ri­sie­rung und Arbei­ter­be­we­gung waren sich gegen­sei­tig bedin­gen­de Kul­tur­strö­mun­gen.

Wer dies anders sieht und unter die­sem Blick­win­kel auf die Bio­gra­phie Hoff­manns schaut, wird auch die kirch­li­chen Schimpf­ka­no­na­den, die die­ses Leben beglei­te­ten und das öffent­li­che Urteil über ihn stark präg­ten, nicht so kri­tisch sehen, son­dern viel­leicht dar­in Kör­ner von Wahr­heit ent­de­cken.[2] Hoff­mann hat sei­nen poli­ti­schen Geg­nern nichts geschenkt, aber per­sön­li­che Belei­di­gun­gen blie­ben ihm fremd. Sei­ne Fein­de haben ihm eben­falls nichts geschenkt. Sie haben ihn aber oft und absicht­lich als Per­son her­ab­ge­wür­digt und beson­ders sei­nen Bil­dungs­weg kari­kiert – und dies beson­ders in und nach sei­ner kur­zen Zeit als einer von zwei gleich­be­rech­tig­ten Kul­tus­mi­nis­tern Preu­ßens (mit Kon­rad Hae­nisch) in der Revo­lu­ti­ons­zeit 1918/19.

Die Hemm­nis­se, Adolph Hoff­manns Leben wis­sen­schaft­lich auf­zu­ar­bei­ten, lie­gen im Roman die­ses Lebens und des­sen Rezep­ti­ons­ge­schich­te. Stets blieb das Urteil über ihn strit­tig. Und selbst, als Wal­ter Ulb­richt 1958 Adolph Hoff­mann auf einem Par­tei­tag der SED[3] als Kron­zeu­ge auf­rief für sei­ne „10 Gebo­te der sozia­lis­ti­schen Moral und Ethik“ und als Erfin­der der Jugend­wei­he pries, er blieb der Ver­rä­ter, der die KPD wie­der ver­las­sen hat­te, als ihm ihr Kurs zu sek­tie­re­risch, zu bür­ger­krie­ge­risch und auch zu rus­sisch wur­de. So blie­ben tie­fe­re For­schun­gen zu sei­ner Per­son, trotz Ulb­richts Lob, aber auch wegen Hoff­manns Kir­chen­feind­schaft, auch in der DDR aus.[4]

Auch in der Gegen­wart ist sein Erbe strit­tig. Wel­che Per­son des öffent­li­chen Lebens möch­te sich heu­te zu sei­ner wirk­li­chen Groß­tat als Athe­ist und Huma­nist beken­nen – zu sei­ner der­art rigo­ro­sen (und dann teil­wei­se in der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung gemil­der­ten) Tren­nung von Staat und Kir­che in der Revo­lu­ti­on 1918/19 – dass ganz im Wes­ten vor Weih­nach­ten 1918 sogar des­we­gen mit der Abtren­nung vom Reich gedroht wur­de.

Die Lin­ken scho­ben ihm – zu maß­los sei er als Minis­ter gewe­sen – uni­so­no den Erfolg der Kon­ser­va­ti­ven und beson­ders des katho­li­schen Zen­trums bei den Wah­len zur Natio­nal­ver­samm­lung in die Schu­he. Er recht­fer­tig­te sich (sie­he die in die­sem Band abge­druck­ten Repli­ken von 1919 und 1920) – so sehr er tat­säch­lich die weit­ge­hend unor­ga­ni­sier­te Macht der damals weni­gen Kon­fes­si­ons­frei­en über- und die struk­tu­rel­le Macht der Kir­chen unter­schätz­te – mit zwei nicht von der Hand zu wei­sen­den Argu­men­ten: zum einen habe die von Sozia­li­sie­rungs­angst heim­ge­such­te Schwer­indus­trie den Weg in die staat­li­che Sepa­ra­ti­on gesucht und das Kir­chen­pro­blem kul­tu­rell nur vor­ge­scho­ben; zum ande­ren sei er von der alten Beam­ten­schaft Arm in Arm mit halb­her­zi­gen Sozi­al­de­mo­kra­ten gehin­dert wor­den, revo­lu­tio­nä­re Tat­sa­chen zu schaf­fen, so lan­ge dies auf dem Ver­ord­nungs­we­ge mög­lich war. Alle Hoff­nun­gen in die Natio­nal­ver­samm­lung zu set­zen sei ein Feh­ler der Über­gangs­re­gie­rung gewe­sen.

Sperrige Biographie

Die wech­sel­vol­le Lebens­ge­schich­te von Adolph Hoff­mann zeugt von der Aus­dau­er und dem Wage­mut eines auf­stiegs­wil­li­gen Unter­drück­ten. Sie ist dafür gera­de­zu ein Mus­ter­bei­spiel. Hoff­mann ist ein außer­ehe­li­ches Arme­leu­te­kind, das sich von ganz unten hoch­ar­bei­tet. Zunächst gelern­ter Gra­veur wech­selt er – Auto­di­dakt, der er stets blieb – mit dem Beruf auch sei­ne jewei­li­ge Lebens­per­spek­ti­ve. Er war Schiffs­jun­ge, Holz­fäl­ler, Korb­ma­cher­ge­hil­fe, Lauf­bur­sche, Kunst­ma­ler und Ver­gol­der, um mit der sozia­lis­ti­schen Arbei­ter­be­we­gung und den frei­den­ke­ri­schen Frei­re­li­giö­sen vom Hau­sie­rer über den Kol­por­teur von Büchern und Zeit­schrif­ten zu einem erfolg­rei­chen Schrift­stel­ler und Ver­le­ger (seit 1893) zu wer­den.

Als Hoff­mann 1884 aus Preu­ßen aus­ge­wie­sen wur­de[5], betrieb er zunächst in Hal­le ein Zigar­ren­ge­schäft, grün­de­te aber schon bald den zunächst in Zeitz ange­sie­del­ten, spä­ter so genann­ten A. Hoff­mann Ver­lag Ber­lin O. Hier erschie­nen in der Fol­ge an die zwei­hun­dert Titel, davon etwa ein Fünf­tel eige­ne[6]: Thea­ter­stü­cke, Cou­plets, Par­odi­en, Bil­der­bü­cher, Anek­do­ten, Wit­ze und eben auch frei­den­ke­ri­sche und poli­ti­sche Lite­ra­tur – nach dem Urteil von Cla­ra Zet­kin – das meis­te im „Schlager“-Stil.[7] Im Rück­blick ist aber gera­de die­ses moder­ne Her­an­ge­hen an Fra­gen der Mas­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on – der Agi­ta­ti­on und Pro­pa­gan­da, wie es damals hieß, als par­al­lel dazu Wer­bung im Ent­ste­hen war – zu wür­di­gen.

Adolph Hoff­mann blieb sei­nen Geg­nern stets ein Empor­kömm­ling. Das lie­ßen ihn die Ange­hö­ri­gen der hoch­wohl­ge­bo­re­nen Eli­te stets spü­ren. Ihnen zum Trotz dilet­tier­te er bewusst dort, wo die selbst­er­nann­ten „Kul­tur­trä­ger“ der Nati­on ihr urei­ge­nes Revier sahen – in der Sprach-, Schreib- und Dicht­kunst. Er mag sein Talent über­schätzt haben – aber es ver­kauf­te sich gut.

Was die­sen Erfolg betrifft, so ist es schon wich­tig, dass er gar nicht den „Gebil­de­ten“ gefal­len woll­te, son­dern Arbei­tern. An sie wand­te sich Hoff­mann als bel­le­tris­ti­scher His­to­ri­ker („Hoffmann’s Erzäh­lun­gen“, 1928) und blu­mi­ger Dich­ter („Spät­herbst­blü­ten“, 1925). Tat­säch­lich bril­lier­te Hoff­mann als humo­ri­ger Epi­so­den­er­zäh­ler und schöp­fe­ri­scher Anwen­der man­chen Bibel­spruchs, wenn es um poli­ti­sche Pla­ka­te oder poli­ti­sche Reden ging.

Auch die Anfän­ge sei­ner poli­ti­schen Bio­gra­phie ste­hen in schar­fem Kon­trast zu sei­nen spä­te­ren Gegen­spie­lern. Hoff­mann ist das genaue Gegen­teil zu den macht­aus­üben­den Per­so­nen sei­ner Zeit, den Eli­ten aus Adel und Geld­adel, den Ver­bin­dun­gen von Thron und Altar. Bereits als 18jähriger wur­de Hoff­mann 1876 Sozi­al­de­mo­krat und als 23jähriger 1881 Mit­grün­der des Deut­schen Frei­den­ker­bun­des. Er schlug sich als Publi­zist durch, bevor er selbst Ver­le­ger wur­de. Ein berühm­tes (für die­sen Band nicht frei­ge­ge­be­nes) Foto zeigt ihn, wie er mit sei­ner Frau hin­ter einem lan­gen Bücher­tisch steht als Ver­käu­fer sei­ner eige­nen Ver­lags­pro­duk­te. Da war er schon Poli­ti­ker (1902/1906, 1920/24 Mit­glied des Reichs­ta­ges; 1908/21, 1926/30 Mit­glied des Preu­ßi­schen Abge­ord­ne­ten­hau­ses [Land­tag]); 1900/21 Stadt­ver­ord­ne­ter von Ber­lin). 1913–1926 ist Hoff­mann Vor­sit­zen­der der Frei­re­li­giö­sen Gemein­de Ber­lin, 1914 kon­se­quen­ter Kriegs­geg­ner.

Zu den Sper­rig­kei­ten sei­ner Bio­gra­phie gehört nicht nur die zeit­wei­li­ge kom­mu­nis­ti­sche Par­tei­mit­glied­schaft 1920/21, son­dern die stän­di­ge Pre­senz sei­ner per­sön­li­chen frei­geis­tig-lebens­re­for­me­ri­schen Kul­tur­vor­stel­lun­gen in poli­ti­schen und publi­zis­ti­schen Zusam­men­hän­gen. Er war auf eine manch­mal pene­tran­te Wei­se beken­nen­der Frei­geist, Absti­nenz­ler – und fast mili­tan­ter Nicht­rau­cher.

Auf dem letz­ten SPD-Par­tei­tag vor dem ers­ten Welt­krieg (1913), wäh­rend der Debat­te über den Frau­en­tag, for­der­te Hoff­mann das Rau­chen auf den Zahl­aben­den zu las­sen, weil durch den Rauch und Gestank die Frau­en „gera­de­zu hin­aus­ge­räucht­ert wür­den“.[8] Nach­dem die Genos­sen schon 1903 das Schnaps­ver­bot nur wider­wil­lig beschlos­sen hat­ten und bei Par­tei­ver­samm­lun­gen auf Bier­aus­schank und ver­zich­ten soll­ten, ging es nun an den Tabak­ge­nuss. So nüch­tern und niko­tin­frei woll­te die Sozi­al­de­mo­kra­tie damals dann doch nicht sein.

Der Jour­na­list Erich Dom­brow­ski (1882–1972) 1926 bis 1936 Chef­re­dak­teur des Frank­fur­ter Gene­ral­an­zei­ger, 1946 Grün­der Main­zer All­ge­mei­nen Zei­tung und 1949 Mit­be­grün­der der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung hat unter sei­nem Pseud­onym Johan­nes Fisch­art im Juli 1918 Adolph Hoff­mann in einem län­ge­ren Arti­kel in der Welt­büh­ne tref­fend por­trä­tiert:

Wenn er so dasteht, den Rücken meist dem Red­ner halb ver­ächt­lich zuge­kehrt, wenn er sich den Spruch sei­nes reden­den Geg­ners gewis­ser­ma­ßen lang­sam in die Ohren hat träu­feln lässt, hat er gewöhn­lich die eine Hand gelas­sen in die Hosen­ta­sche gesteckt und gur­gelt alle paar Minu­ten so von ganz unten aus der Tie­fe her­aus im Baß sei­nen behä­big-bis­si­gen Zwi­schen­ruf her­aus. Alles im ber­li­ner Jar­gon: „So siehs­te aus!“ „So’n Quatsch.“ Oft aber sitzt sein Hieb, und der also ange­grif­fe­ne Red­ner muß atem­schöp­fend inne­hal­ten und sich zur Wehr set­zen. Die Glo­cke des Prä­si­den­ten greift wie ein Poli­zist ein und ver­haf­tet die Zwi­schen­be­mer­kung. Es setzt einen Ord­nungs­ruf nach dem andern, und wenn der Adolph Hoff­mann sie alle regis­trie­ren woll­te: sein Notiz­buch hät­te bald kei­nen wei­ßen Fleck mehr. …

Ja, so war Adolph Hoff­mann [im preu­ßi­schen Drei­klas­sen­par­la­ment, H.G.], so ist er, und so wird er bis an sein Lebens­en­de blei­ben: in den Augen aller Ord­nungs­grö­ßen ein infa­mer Bur­sche. Und wenn er selbst die Red­ner­tri­bü­ne besteigt, dann gibt’s ein radi­ka­les Hagel­wet­ter. Ein Kraft­aus­druck sucht den andern zu über­trump­fen. Wie Knal­lerb­sen fah­ren sie dazwi­schen. Die Rech­te ver­läßt gewöhn­lich flucht­ar­tig, zur Demons­tra­ti­on, den Saal. Das Zen­trum schließt sich an, und die peni­blen Natio­nal­li­be­ra­len schrei­ten im Gän­se­marsch hin­ter­drein. Wenn sie aber abends, allein oder im engs­ten Krei­se unter sich, in ihrer Zei­tung die Rede Adolph Hoff­manns nach­le­sen, müs­sen sie sel­ber über die­ses anti­the­sen­rei­che Wort­bom­bar­de­ment schmun­zeln. Immer Der­sel­be!“[9]

Zehn Gebote“ und „Los von der Kirche!“

Adolph Hoff­mann war eine der bedeu­tends­ten Figu­ren in der deut­schen Frei­den­ker­be­we­gung. Er spiel­te bei deren Sozi­al­de­mo­kra­ti­sie­rung nach 1890 eine füh­ren­de Rol­le, beson­ders mit­tels der Ber­li­ner Frei­re­li­giö­sen. 1893 wur­de er deren Zwei­ter und 1913 ihr Ers­ter Vor­sit­zen­der.

Alle frei­den­ke­ri­schen Orga­ni­sa­tio­nen setz­ten sich damals – es war dies ja ein Motiv ihrer Hin­wen­dung zur frei­en Reli­gi­on – mit christ­li­chen Moral­nor­men aus­ein­an­der. Dadurch kamen ver­schie­de­ne Fas­sun­gen neu­er „Zehn Gebo­te“ in Vor­schlag. Ange­sichts der aktu­el­len Debat­te um die „10 Ange­bo­te“ von Micha­el Schmidt-Salo­mon lohnt ein kur­zer Rück­blick.[10]

Von pro­tes­tan­ti­scher Sei­te war schon Mit­te der neun­zi­ger Jah­re ein Wett­be­werb für einen moder­nen Arbei­ter­ka­te­chis­mus aus­ge­lobt wor­den, um den poli­ti­schen Ansprü­chen der Sozi­al­de­mo­kra­tie zu begeg­nen.[11] Dar­an betei­lig­te sich der Frei­den­ker Richard Cal­wer (Pseud­onym: Paul Kem­pe), spä­te­rer sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Han­dels-, Ver­kehrs- und Gewerk­schafts­ex­per­te. Sein ein­ge­sand­ter Glau­bens­leit­fa­den war eine sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Bekennt­nis­schrift.[12]

Auch der poli­tisch ganz gegen­tei­lig den­ken­de Monist Johan­nes Unold, damals noch nicht ganz rechts außen wie am Ende des ers­ten Welt­krie­ges, hat­te sol­che Moral­be­feh­le for­mu­liert.[13] Das führ­te zu einer län­ge­ren Dis­kus­si­on, an der sich auch Wil­helm Ost­wald (Monist und Nobel­preis­trä­ger für Che­mie) betei­lig­te.

Obwohl Hoff­mann die zehn christ­li­chen Gebo­te aus sei­ner radi­ka­len Posi­ti­on her­aus nur wegen ihrer Indienst­nah­me für die kapi­ta­lis­ti­sche Aus­beu­tung kri­ti­sier­te, eil­te ihm der Ruf vor­aus, neue zehn Gebo­te for­mu­liert zu haben. Das stimm­te inso­fern, als sei­ne Atta­cken dar­auf hin­aus­lie­fen, das Par­tei­pro­gramm der Sozi­al­de­mo­kra­tie als geis­ti­ge Richt­schnur und deren Sta­tut als Ver­hal­tens­ko­dex anzu­er­ken­nen. – was dann Gewerk­schaf­ter ver­an­lass­te, zehn Gebo­te klas­sen­kämp­fe­ri­schen Ver­hal­ten zu for­mu­lie­ren.[14] Die „Kin­der­ge­bo­te“ in der Frau­en­zeit­schrift Gleich­heit sind (mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit) nicht von Hoff­mann, aber eben­falls poli­tisch moti­viert und ori­en­tiert.[15]

In der his­to­ri­schen Nach­be­trach­tung die­ser Schrift sind drei Aspek­te her­vor­he­ben. Ers­tens: In die­ser wie in ande­ren frei­den­ke­risch moti­vier­ten Schrif­ten unter­schei­det Hoff­mann streng zwi­schen (per­sön­li­cher) Reli­gi­on und (orga­ni­sier­ter) Kir­che. Letz­te­re behan­delt er als geg­ne­ri­sche Macht. Reli­gi­ons­kri­tik, die im Namen von Wis­sen­schaft Theo­lo­gie wider­le­gen will, ist ihm fremd. Das ist nicht sein The­ma. Ihn inter­es­sie­ren die Zehn Gebo­te nur, weil sie zur Mach­er­hal­tung genutzt wer­den.

Das Gegen­an­ge­bot ist – zwei­tens – kein Nicht-Glau­be, son­dern wah­rer Glau­be an den Sozia­lis­mus. Des­halb for­dert er am Ende des Buches ein „Evan­ge­li­um des Sozia­lis­mus“. Die­ses soll an die Stel­le eines ver­brauch­ten und kor­rum­pier­ten kirch­lich ver­fass­ten Chris­ten­tums tre­ten. Ein kon­sti­tu­ti­ves Ele­ment die­ses neu­en Evan­ge­li­ums – drit­tens – sieht er in der ethi­schen Kul­tur­be­we­gung der Huma­nis­ten­ge­mein­den von 1895 um Georg von Gizy­cki und Lily Braun. Er hebt deren Ange­bot her­vor und begibt sich damit in indi­rek­te Distanz zu August Bebel, der dar­in nur „Huma­ni­täts­du­se­lei“ zu sehen ver­moch­te.

Der Inter­pre­ta­ti­on Hoff­manns folg­ten eine gan­ze Rei­he Ber­li­ner Frei­re­li­giö­se. Das brach­te sie dazu, aus dem Bund frei­er Gemein­den aus­zu­tre­ten und eine stär­ker frei­den­ke­ri­sche Rich­tung zu beför­dern – nicht frei in, son­dern frei von Reli­gi­on. Hoff­mann wur­de vor allem von den­je­ni­gen Frei­re­li­giö­sen unter­stützt, die in der Sozi­al­de­mo­kra­tie ihre geis­ti­ge und poli­ti­sche Hei­mat fan­den und dort wich­ti­ge Funk­tio­nen beklei­de­ten. Dazu zähl­te v.a. Rudolf Pen­zig, der damals noch Frei­sin­ni­ger war und der in den 1920ern ein Schul­spe­zia­list in Sachen Lebens­kun­de­un­ter­richt wur­de

Hoff­mann und Pen­zig beein­fluss­ten ihrer­seits eine neue Genera­ti­on von Frei­re­li­giö­sen und Frei­den­kern, von denen beson­ders die Fami­li­en der Brü­der Harndt zu nen­nen sind. Adolf Harndt (1874–1932) wur­de nach 1900 Geschäfts­füh­rer der Gemein­de und Lei­ter des Ber­li­ner Kul­tur­kar­tells.

Hier ist noch ein­mal auf das Komi­tee Kon­fes­si­ons­los zu ver­wei­sen. Des­sen Bedeu­tung lag weni­ger in der (letzt­lich beschei­de­nen) zuneh­men­den Zahl tat­säch­li­cher Kün­di­gun­gen der Kir­chen­mit­glied­schaft. Es wur­de viel­mehr „frei­den­ke­ri­sches Wir­ken für die meis­ten Zeit­ge­nos­sen zum ers­ten mal öffent­lich“[16] – und zwar als sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Unter­neh­mung.

Die Gegen­pro­pa­gan­da der Kir­chen beton­te die sozia­lis­ti­sche Unter­wan­de­rung des Komi­tees. Tat­säch­lich setz­ten sich mit der Zeit pro­mi­nen­te Sozi­al­de­mo­kra­ten wie Hein­rich Peus (dem die Idee des Volks- und Kul­tur­hau­ses zu ver­dan­ken ist) und Ewald Vog­t­herr an die Spit­ze. Ganz Lin­ke, wie der Rechts­an­walt Karl Lieb­knecht, sahen im Komi­tee sowie­so vor allem eine Agi­ta­ti­ons­trup­pe für ihre sozia­lis­ti­schen Zie­le.[17] Und es war die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Par­tei­zei­tung Vor­wärts, in der die Aus­ga­be von Flug­blät­tern des Komi­tees ange­kün­digt wur­de.

Die Tätig­keit des Komi­tees Kon­fes­si­ons­los beför­der­te, dass zwölf oppo­si­tio­nel­le Frei­den­ker­ver­ei­ne, von denen allein neun aus Sach­sen und Thü­rin­gen kamen, 1908 in Eisen­ach den Zen­tral­ver­band pro­le­ta­ri­scher Frei­den­ker grün­de­ten, der sich ab 1911 in Zen­tral­ver­band pro­le­ta­ri­scher Frei­den­ker Deutsch­lands umbe­nann­te, sowie – in der deut­schen Haupt­stadt – dass sich par­al­lel zum Zen­tral­ver­band und zur Frei­re­li­giö­sen Gemein­de seit 1905 der Ver­ein der Frei­den­ker für Feu­er­be­stat­tung ent­wi­ckel­te, eine wei­te­re sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Grün­dung, die sich sowohl der anti­kirch­li­chen Agi­ta­ti­on wid­me­te als auch eine Ster­be­kas­se unter­hielt. Wäh­rend der Ver­ein vor dem Krieg nur etwa sieb­zig Mit­glie­der umfass­te, stieg sei­ne Anhän­ger­schaft bis 1924 auf an die 400.000.

Mit ande­ren Frei­den­kern, beson­ders Karl Lou­is Bern­hard Men­ke, Kon­rad Beißwan­ger und Max Sie­vers vom Zen­tral­ver­band trug Hoff­mann 1917 maß­geb­lich zum Bruch der USPD mit der SPD bei. Es waren die­se Akti­vi­tä­ten, die Hoff­mann in der Revo­lu­ti­on 1918/19 ins Minis­ter­amt brach­ten. Und es war Hoff­manns sechs­wö­chi­ge Regent­schaft, die der SPD in der Fol­ge­zeit den Ruf fes­tig­te, eine kir­chen­feind­li­che Par­tei zu sein.

Radikale Trennung von Staat und Kirche

Wer heu­te wis­sen will, was das Grund­ge­setz unse­res Lan­des zum Ver­hält­nis von Staat und Kir­che sagt, wird ver­wie­sen auf die der Ver­fas­sung in Arti­kel 140 ange­häng­ten (inkor­po­rier­ten) Arti­kel 136 bis 139 und Arti­kel 141 der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung. Deren Kern ist in gro­ßen Tei­len das Werk von Adolph Hoff­mann – dies aber nicht in dem Sin­ne, dass er For­mu­lie­run­gen vor­weg­ge­nom­men oder er über­haupt in der Natio­nal­ver­samm­lung etwas zu sagen gehabt hät­te.

Hoff­mann schaff­te aber den Durch­bruch in der Revo­lu­ti­on durch sozi­al­po­li­ti­sche Tat­sa­chen, wel­che die Abge­ord­ne­ten der Natio­nal­ver­samm­lung für oder wider ihn und dann die ent­spre­chen­den Arti­kel der Staats­ver­fas­sung pro­vo­zier­ten. Auch wenn viel Kon­kre­tes zunächst vom Co-Minis­ter Hae­nisch und dem stell­ver­tre­ten­den Regie­rungs­chef Hugo Haa­se aus­ge­bremst bzw. im Voll­zug ver­hin­dert wur­de, aber die von Adolph Hoff­mann per Revo­lu­ti­ons­de­kre­te voll­zo­ge­nen Ände­run­gen hat­ten es in sich. Sie brach­ten das Ende der Staats­kir­che, die Been­di­gung der Pflich­tig­keit von Reli­gi­ons­un­ter­richt, die Gewis­sens-, Glau­bens-, Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­frei­heit, die Frei­wil­lig­keit der reli­giö­sen Eides­for­mel, die Welt­lich­keit des Schul­we­sens, Kos­ten­frei­heit des Kir­chen­aus­tritts (oft heu­te zurück­ge­nom­men) – und beson­ders die (aller­dings nur ange­droh­te) Ablö­sung der Staats­leis­tun­gen an die Kir­chen. Gera­de die­ses Ziel ist zuerst in der Schrift Los von der Kir­che! for­mu­liert.

Die gründ­li­che Ände­rung des Staat-Kir­che-Ver­hält­nis­ses (die Auf­he­bung der Ein­heit von Thron und Altar) gehör­te nicht zu den vor­herr­schen­den Zie­len derer, die sich in der Revo­lu­ti­on 1918/19 an die Spit­ze stell­ten. Die wesent­lichs­te Ver­än­de­rung im Ver­hält­nis des Staa­tes zu den Kir­chen und umge­kehrt war eher zunächst ein Neben­pro­dukt und voll­zog sich durch den Rück­tritt der Lan­des­fürs­ten im Zuge der Novem­ber­re­vo­lu­ti­on. Damit fiel der Summ­epis­ko­pat (das obers­te Kir­chen­re­gi­ment der Lan­des­her­ren) und riss eine Lücke in die gesell­schafts­po­li­ti­sche Ver­fas­sung des Deut­schen Rei­ches.

Eini­ge sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Frei­den­ker nutz­ten die­se Gunst der Stun­de. In der Revo­lu­ti­on 1918/19 zeig­te sich, dass die Sozi­al­de­mo­kra­tie, inzwi­schen in zwei gro­ße Rich­tun­gen gespal­ten, bei aller bis­he­ri­gen Zurück­hal­tung in reli­giö­sen Fra­gen, von allen poli­ti­schen Par­tei­en noch am ehes­ten bereit war, sozi­al­li­be­ra­le For­de­run­gen der im Wei­ma­rer Kar­tell zusam­men­ge­fass­ten frei­geis­ti­gen Ver­bän­de nach einer Tren­nung von Kir­che und Staat auf­zu­grei­fen.

Für die radi­ka­len Frei­den­ker war seit 1904/05 immer mehr Adolph Hoff­mann ins Ram­pen­licht gerückt. Mit der Revo­lu­ti­on schien ihm die Zeit ange­bro­chen, sei­ne Vor­stel­lun­gen in Wirk­lich­keit umzu­set­zen. Für den Kul­tur- , Bil­dungs- und Kir­chen­be­reich bot sich Adolph Hoff­mann als USPD-Ver­tre­ter des­halb an, weil ihm schon vor dem Krie­ge die For­de­run­gen des ihm als zu bür­ger­lich gel­ten­den Wei­ma­rer Kar­tells „nicht genü­gend“ an die Wur­zel gin­gen.[18]

Er neig­te in sei­nen Vor­stel­lun­gen Kon­rad Beißwan­ger, aber auch Otto Rüh­le[19] zu, die seit 1905 die Losung von der Reli­gi­on als einer Pri­vat­sa­che ener­gisch kri­ti­sier­ten und von der Sozi­al­de­mo­kra­tie eine kon­se­quen­te­re Posi­ti­on und grund­sätz­li­che Ein­schnit­te in die gesell­schaft­li­che Ver­fas­sung zuguns­ten einer tat­säch­li­chen Tren­nung von Staat und Kir­che for­der­ten. Die Macht der Kir­chen müs­se poli­tisch gebro­chen und staat­lich abge­schafft wer­den. Das sei eben so wenig ein „pri­va­ter“ Vor­gang wie der, an die Stel­le der Reli­gi­on eine neue sozia­lis­ti­sche Welt­an­schau­ung zu set­zen.[20]

Nur eine Woche nach dem Sturz des Kai­sers und zu Beginn der revo­lu­tio­nä­ren Wir­ren nahm Hoff­mann am 15. Novem­ber 1918 im Preu­ßi­schen Land­tag eine Grund­satz­de­bat­te über das Recht der Eltern wie­der auf, ihre Kin­der dis­si­den­tisch zu erzie­hen. Hoff­mann ent­wi­ckel­te das Pro­blem nicht nur ener­gisch, son­dern publi­kums­wirk­sam am Bei­spiel sei­ner eige­nen Kin­der. Die­ser gerichts­no­to­ri­sche Vor­gang besaß eine lan­ge, öffent­li­che Geschich­te. Frei­den­ker und Frei­re­li­giö­se und selbst der sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Vor­wärts ver­folg­ten die vie­len Ver­fah­ren gegen Hoff­mann und die Rechts­sprü­che gegen ihn.

Am 14. Sep­tem­ber 1899 ver­ur­teil­te ihn das Kam­mer­ge­richt in einem Ver­fah­ren, das bis 1890 zurück­reich­te, durch meh­re­re Instan­zen gegan­gen war und eini­ge Straf­be­feh­le ihm zwi­schen­zeit­lich ins Haus gekom­men waren, zu 5 Mark Stra­fe, weil er sei­nen Sohn als Dis­si­dent per­ma­nent vom Reli­gi­ons­un­ter­richt und von der Refor­ma­ti­ons­fei­er fern­ge­hal­ten habe.[21] Hoff­mann klag­te wei­ter „gegen Gewis­sens­zwang“, dreh­te den Spieß um und for­der­te Ersatz für Aus­la­gen, schließ­lich hät­ten ihn die Straf­be­feh­le erst ange­stif­tet.[22] Die Nicht­teil­nah­me an der Refor­ma­ti­ons­fei­er wur­de schließ­lich nicht bestraft, aber alles and­re zu einer Straf­tat zusam­men­ge­zo­gen und Hoff­mann zu 9 Mark ver­ur­teilt. Hoff­mann teil­te mit, er wür­de wei­ter pro­zes­sie­ren.[23]

Bei die­ser Geschich­te nimmt es nicht wun­der, dass die Wel­le des Umstur­zes Hoff­mann schließ­lich Ein­tritt in die Preu­ßi­sche Regie­rung ver­schaff­te.

Sehr schnell fass­te Hoff­mann in 32 The­sen sei­ne Vor­stel­lun­gen zusam­men. Sie reich­ten von der Tren­nung von Kir­che und Staat, der Ein­füh­rung eines kon­fes­si­ons­lo­sen Moral­un­ter­richts, ver­bun­den mit der Abschaf­fung des Zwangs für Leh­rer, sol­chen gegen ihre Über­zeu­gung leh­ren zu müs­sen, über die Ein­heits­schu­le, eine Uni­ver­si­täts­re­form (mit dem Schlag, Sozia­lis­mus und Sozio­lo­gie als Lehr­fä­cher zu eta­blie­ren), die För­de­rung von Volks­hoch­schu­len bis zur Ver­staat­li­chung der Hof­thea­ter und -kapel­len und ihrer Umwand­lung in Natio­nal­thea­ter und -orches­ter.[24]

Von Mit­te Novem­ber 1918 bis Anfang 1919 war Hoff­mann Kul­tus­mi­nis­ter, gemein­sam mit Kon­rad Hae­nisch. Doch fak­tisch schied Hoff­mann schon am 10. Dezem­ber aus dem Amt, weil auch ihn die als Pan­de­mie gras­sie­ren­de Spa­ni­sche Grip­pe aufs Kran­ken­la­ger schlug. Der Rat der Volks­be­auf­trag­ten leg­te am 12. Novem­ber 1918 fest, dass die Frei­heit der Reli­gi­ons­aus­übung gewähr­leis­tet sei, aber nie­mand zu einer reli­giö­sen Hand­lung gezwun­gen wer­den dür­fe.[25]

Hoff­mann und Hae­nisch ver­ord­ne­ten am 27. Novem­ber 1918 das Ende der geist­li­chen Schul­auf­sicht. Zwei Tage spä­ter, am 29. Novem­ber, hoben sie den Reli­gi­ons­zwang in der Schu­le auf. Per 13. Dezem­ber 1918 setz­ten sie die Erleich­te­rung des Kir­chen­aus­tritts durch, des­sen Moda­li­tä­ten im Wesent­li­chen auf den For­de­run­gen des Komi­tees Kon­fes­si­ons­los basier­ten. Das preu­ßi­sche Kul­tus­mi­nis­te­ri­um ver­füg­te am 18. Dezem­ber (am 12. bereits von Hae­nisch im Vor­wärts ange­kün­digt), dass die Kin­der von Dis­si­den­ten vom Reli­gi­ons­un­ter­richt befreit sind. Es waren dies aber bereits mil­dern­de Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen zum Reli­gi­ons­er­lass.

Das Wei­ma­rer Kar­tell for­der­te in einer Ein­ga­be an das Minis­te­ri­um sei­ner­seits wei­ter gehen­de Schrit­te vor allem in Rich­tung Gleich­stel­lung „aller deut­schen frei­re­li­giö­sen, frei­den­ke­ri­schen, ethi­schen, monis­ti­schen und ähn­li­chen Gemein­schaf­ten“ mit der evan­ge­li­schen und der römisch-katho­li­schen Kir­che.[26] Das schloss z.B. die For­de­rung ein, einen frei­den­ke­ri­schen Moral­un­ter­richt nicht nur an Fort­bil­dungs­schu­len ein­zu­füh­ren, son­dern auch in den Volks­schu­len, zumin­dest aber „die Befrei­ung der Dis­si­den­ten­kin­der vom gesam­ten schul­plan­mä­ßi­gen Reli­gi­ons­un­ter­richt unter der Vor­aus­set­zung eines staat­li­cher­seits geneh­mig­ten Ersatz­un­ter­richts.“[27]

Zudem bestand das Kar­tell auf der Abschaf­fung der kon­fes­sio­nel­len Eides­for­mel und der Auf­he­bung des Para­gra­phen 166 des Straf­ge­setz­bu­ches (bis zu drei Jah­re Gefäng­nis wegen Got­tes­läs­te­rung). Es for­der­te die kon­fes­si­ons­un­ab­hän­gi­ge Zulas­sung zu Ämtern und – hin­sicht­lich des Per­so­nen­stands­we­sens – , die nur zu sta­tis­ti­schen Zwe­cken erlaub­te Fra­ge nach der Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit. Das Gan­ze lief auf den ein­fa­chen sowie kos­ten­lo­sen Kir­chen­aus­tritt und die Gleich­be­hand­lung der frei­den­ke­ri­schen Orga­ni­sa­tio­nen mit den bei­den christ­li­chen Groß­kir­chen hin­aus. Das bedeu­te­te die „Tren­nung von Staat und Kir­che und Schu­le und Kir­che auf reichs­ge­setz­li­chem Wege.“[28]

Ende Novem­ber hat­te Hoff­mann mit Alfred Diet­rich (geb. 1877) auf Vor­schlag Kon­rad Hae­nischs „einen gebil­de­ten, ange­neh­men dis­si­den­ti­schen“ Sozi­al­de­mo­kra­ten[29], abge­fun­de­nen Erben des gleich­na­mi­gen Stutt­gar­ter Ver­la­ges und Pri­vat­ge­lehr­ten als „Bera­ter für die Tren­nung von Staat und Kir­che … in das preu­ßi­sche Kul­tus­mi­nis­te­ri­um … [beru­fen.] Diet­richs Memo­ran­dum ver­band das Pro­gramm einer tota­len Säku­la­ri­sie­rung mit der Absicht, die Kir­chen der all­ge­mei­nen Steu­er­pflicht zu unter­wer­fen“.[30]

Wie Hoff­mann, so wur­de auch Diet­rich auf den Wogen der Revo­lu­ti­on für kur­ze Zeit nach ganz oben getra­gen. Vor dem Krie­ge beweg­te sich Diet­rich im Umkreis von Max Mau­ren­bre­cher und muss hier Hae­nisch auf­ge­fal­len sein. Groß expo­niert hat er sich vor­her und nach­her nicht, sonst wäre mehr über ihn bekannt. Sei­ne radi­ka­len The­sen – die sich in ihrem Kern kor­rekt am Erfur­ter Par­tei­pro­gramm der SPD ori­en­tier­ten – wur­den zwi­schen dem 12. und 14. Dezem­ber mit der evan­ge­li­schen Lan­des­kir­che in Preu­ßen, Ver­tre­tern der Frei­kir­chen und der jüdi­schen Gemein­de dis­ku­tiert – zwei­fel­los ein poli­ti­scher Feh­ler Hoff­manns, zumin­dest ein Zei­chen von Nai­vi­tät –, wodurch die The­sen publik und Tei­le davon kurz vor der ers­ten Frie­dens­weih­nacht in die Pres­se lan­ciert wur­den.

Hoff­mann und Diet­rich beab­sich­tig­ten näm­lich, per 1. April 1919 alle staat­li­chen Zuschüs­se an die Kir­chen auf dem Ver­ord­nungs­we­ge ein­zu­stel­len.[31] Sie fass­ten dazu eine Kom­mis­si­on ins Auge, in der drei Lieb­lings­fein­de des Zen­trums und der Kon­ser­va­ti­ven Sitz und Stim­me haben soll­ten: Georg Graf von Arco, Arthur Drews und Hele­ne Stö­cker. Da Gel­der aus der Staats­kas­se die wich­tigs­te Finanz­quel­le dar­stell­ten, ziel­te ein sol­cher Vor­stoß dar­auf, die Kir­chen auf den Ver­eins­sta­tus zu redu­zie­ren, wobei noch nicht ein­mal die Gemein­nüt­zig­keit garan­tiert war. Zu beto­nen ist aller­dings, dass auch unter Hoff­mann die Zah­lun­gen selbst wei­ter ordent­lich erfolg­ten.

Die For­de­run­gen Hoff­manns in den For­mu­lie­run­gen Diet­richs hat­ten es schon im ers­ten Satz in sich: „Die Tren­nung der Kir­chen vom Staat, die man sach­lich auch die Auf­he­bung der Staats­bei­trä­ge an die Kir­chen oder die Ver­selb­stän­di­gung der Kir­chen und Kul­tus­ge­mein­den nen­nen kann“.[32]

In den Schu­len war die „sofor­ti­ge Auf­he­bung der Zwangs­ver­pflich­tung ins­be­son­de­re für Dis­si­den­ten­kin­der zum Besuch des kon­fes­sio­nel­len Reli­gi­ons­un­ter­richts“ vor­ge­se­hen. Es waren tie­fe Ein­grif­fe in inne­re Kir­chen­be­lan­ge geplant: „Erlaub­nis zum fakul­ta­ti­ven Gebrauch des Apos­to­li­kums und übri­ger Lit­ur­gie im Got­tes­dienst nach Gewis­sen und Ermes­sen des Geist­li­chen.“ Ein unmit­tel­bar dar­an anschlie­ßen­der Zusatz in Klam­mern belegt, wie ein unter Dis­si­den­ten dis­ku­tier­tes Prin­zip der frei­en Reli­gio­si­tät als selbst­ver­ständ­li­ches Kon­zept für den Staat der Zukunft ange­nom­men, zur Begrün­dung ange­fügt und all­ge­mein gesetzt wur­de: „Dies ist bes­ter ‘Sauer­teig’ zur selbst­tä­ti­gen prak­ti­schen Vor­be­rei­tung der Tren­nung und zur Bil­dung frei­er kirch­li­cher Gemein­den.“[33]

Ging die beab­sich­tig­te „Ver­welt­li­chung des Bestat­tungs­we­sens“ viel­leicht noch an, so ent­hielt der Schluss von Diet­richs The­sen noch ein­mal kul­tur­po­li­ti­schen Spreng­stoff: „Abschaf­fung des Kon­kor­dats. … Für Geist­li­che nur akti­ves, kein pas­si­ves Wahl­recht zu außer­kirch­li­chen Par­la­men­ten. … Umwand­lung der rein kirch­li­chen, soweit mög­lich, in rein staat­li­che (bür­ger­li­che) Fei­er­ta­ge und Natur­fes­te. (Sonn­wend­fes­te, Ern­te­fest, Toten­fest, 1. Mai usw.) … voll­stän­di­ge Zurück­ge­win­nung des kirch­li­chen Besit­zes für den Staat … Abfin­dung der bis­her vom Staa­te besol­de­ten Kir­chen­die­ner … in sozia­lem Geist.“[34]

Abgebremste „Entkirchlichung“ des Staates

Die gedach­ten Maß­nah­men der „Tren­nungs­kom­mis­si­on“ gin­gen weit über die Vor­stel­lun­gen des Wei­ma­rer Kar­tells und des „Kul­tur­kamp­fes“ hin­aus – und die gal­ten schon als zu radi­kal. Das Pro­gramm und die kirch­li­chen, kon­ser­va­ti­ven sowie sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Wider­stän­de dage­gen, ver­bun­den mit Demons­tra­tio­nen und Dro­hun­gen aus eini­gen Regio­nen, sich vom Reich abzu­spal­ten, besie­gel­ten am 3. Janu­ar 1919 das Schick­sal Hoff­manns als Minis­ter. Diet­richs Spur ver­liert sich aus der bis­her bekann­ten Geschich­te.

In die­sem Macht­kampf zeu­gen sowohl die dis­si­den­ti­schen Denk­wei­sen wie die kirch­li­chen Stel­lung­nah­men von der gegen­sei­ti­gen Fremd­heit. Äuße­run­gen des katho­li­schen Kle­rus und der evan­ge­li­schen Kir­chen­rä­te bele­gen das tota­le Unver­ständ­nis gegen­über den berech­tig­ten Wün­schen der Dis­si­den­ten. Sie zei­gen eine abso­lu­te Unver­söhn­lich­keit mit frei­den­ke­ri­schen Kul­tur­vor­stel­lun­gen, ein­ge­bun­den in eine gro­ße Selbst­ver­ständ­lich­keit des Erhalts eige­ner Macht­po­si­tio­nen im Staat.

Wäh­rend die Frei­den­ker die Fra­ge der Schul­re­for­men weit­ge­hend auf die Zurück­drän­gung des kirch­li­chen Ein­flus­ses redu­zier­ten und die­se Ide­en mit ihrer Grund­satz­for­de­rung nach einer grund­sätz­li­chen Staat-Kir­che-Tren­nung ver­ban­den, über­sa­hen sie, dass ihre Ein­fäl­le auf Lai­zis­mus hin­aus­lie­fen. Sie über­schätz­ten damit den Anklang die­ser Zie­le in der Bevöl­ke­rung, in der die Grup­pe der Kon­fes­si­ons- oder gar Reli­gi­ons­frei­en sehr klein war. Zudem galt Lai­zi­tät galt als fran­zö­sisch, also als eine Sache des ehe­ma­li­gen Kriegs­geg­ners.

Ange­sichts der poli­ti­schen Absich­ten Hoff­manns, seit 1907/09 vom Wei­ma­rer Kar­tell immer wie­der auch von bür­ger­lich-libe­ra­ler Sei­te ange­kün­digt, brach für die Ver­tre­ter der Kir­chen eine Welt zusam­men. Die Ille­gi­ti­mi­tät frei­den­ke­ri­scher Posi­tio­nen stand für sie nicht ein­fach außer Zwei­fel – sie befan­den sich für sie außer­halb jeder Kul­tur. Rein­hard Mumm, Mit­glied des Reichs­ta­ges und Gene­ral­se­kre­tär des Kirch­lich-Sozia­len Bun­des, wird wegen der Beru­fung Hoff­manns der Ebert-Schei­de­mann-Regie­rung weni­ge Mona­te spä­ter vor­wer­fen, einen „Minis­ter für Unkul­tur“ beru­fen zu haben.[35]

Die Ver­tre­ter der Kir­chen waren gar nicht gewillt, irgend­wel­che Zuge­ständ­nis­se zu machen: „Ein Staat ohne Gott, ohne Reli­gi­on! Wer soll den Bestand des Staa­tes sichern, wer die Gewis­sen­haf­tig­keit und Treue sei­ner Bür­ger, die Wahr­haf­tig­keit in Han­del und Wan­del gewähr­leis­ten? Etwa die Poli­zei oder die Furcht vor Stra­fe? … Die Ehe wird ent­weiht … Und eine Schu­le ohne Gott und ohne Offen­ba­rung! … Eine Schu­le – mer­ket wohl auf, gelieb­te Diö­ze­sa­nen – ohne Reli­gi­ons­leh­re und ohne Got­tes­dienst, ohne Gebet, ohne Beicht- und Kom­mu­ni­ons­un­ter­richt, ohne gere­gel­ten Sakra­men­ten­emp­fang“.[36]

Wäh­rend die Kir­chen im Inne­ren die Revo­lu­ti­on noch ver­ar­bei­te­ten und an Kon­zep­tio­nen feil­ten, vor allem die staat­li­chen Zuwen­dun­gen zu ret­ten, nutz­ten sie nach außen die Zuspit­zung der Lage vor der ers­ten Frie­dens­weih­nacht, um Hoff­mann auch for­mal zu ent­mach­ten. Hoff­manns Erkran­kung ermög­lich­te den Rück­zug des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums. Zunächst schränk­te Hae­nisch am 18. Dezem­ber den Erlass vom 29. Novem­ber über die Auf­he­bung des Reli­gi­ons­un­ter­richts ein, der von Gus­tav Wyne­ken ver­faßt war[37], um ihn am 28. Dezem­ber, „bis zur Ent­schei­dung durch die preu­ßi­sche Natio­nal­ver­samm­lung“, gänz­lich außer Kraft zu set­zen.[38] Die Ver­fü­gung vom 27. Novem­ber 1918 über das Ende der geist­li­chen Schul­auf­sicht hob Hae­nisch am 15. Febru­ar 1919 auf.[39]

Aber auch ohne Hoff­manns Erkran­kung wäre es wohl zu sei­ner Abset­zung gekom­men, spä­tes­tens nach der Wahl der Natio­nal­ver­samm­lung. Schließ­lich sahen sich die Preu­ßi­sche Regie­rung wie die Reichs­re­gie­rung Ebert-Schei­de­mann nicht als Revo­lu­ti­ons­re­gie­run­gen, die auf dem Ver­ord­nungs­we­ge Tat­sa­chen schafft, son­dern als Über­gangs­re­gie­run­gen hin zur Natio­nal­ver­samm­lung. Vor allem gelang es den Frei­den­kern nicht, was wohl die ein­zi­ge Mög­lich­keit gewe­sen wäre, die Kir­chen zu zügeln, ihnen öffent­lich wirk­sam eine Mit­schuld am Durch­hal­te­krieg zu geben.

Bei den Kir­chen selbst sieg­ten Per­so­nal- und Struk­tur­vor­tei­le gepaart mit his­to­ri­schen Erfah­run­gen und fis­ka­li­schen Detail­kennt­nis­sen hin­sicht­lich der staat­li­chen Finan­zie­run­gen. Die Fort­set­zung der Staats­leis­tun­gen galt es zu sichern unter Wah­rung der errun­ge­nen Frei­heit vom Staat. Das Ange­bot an den Staat hieß: Nur mit uns ist gesell­schaft­li­che Sta­bi­li­tät garan­tiert.

Hat­te die Katho­li­sche Kir­che zunächst fun­da­men­ta­lis­tisch an der Ein­heit von Thron und Altar fest­ge­hal­ten, ist für bei­de Kir­chen an der Wen­de zu 1919 klar und in ähn­li­chen Grund­satz­pa­pie­ren fest­ge­hal­ten, was sie for­dern. Die Kir­chen wur­den danach erfolg­reich unmit­tel­bar poli­tisch – im unbe­ding­ten Fest­hal­ten an den Ergeb­nis­sen des Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schlu­ßes von 1803.[40] Wie­der sind die Katho­li­ken detail­be­wuss­ter, aber bei­de wol­len ein christ­li­ches Schul­we­sen, Bestands­si­che­rung der Kör­per­schafts­rech­te und des Reli­gi­ons­un­ter­richts, Garan­ti­en hin­sicht­lich des Besteue­rungs­rech­tes, der „Seel­sor­ge“ und ihrer Ein­rich­tun­gen – und eben der Staats­leis­tun­gen.[41]

Adolph Hoff­mann muss­te für all dies als Haupt­feind her­hal­ten und poli­tisch dau­er­haft hin­ge­rich­tet wer­den. Die Fol­ge war, dass auch ande­re Lin­ke sich bei die­sem The­ma künf­tig zurück­hiel­ten. Zu ler­nen war – das ist der Haupt­er­folg der Kir­chen in der Öffent­lich­keit der 1920er Jah­re und in der Poli­tik bis heu­te: Hoff­manns For­de­run­gen sind unmög­lich und als Per­son ist er über­ge­schnappt. Selbst der sonst sehr abwä­gend argu­men­tie­ren­de Lud­wig Rich­ter schreibt in sei­ner her­vor­ra­gen­den Ana­ly­se des Zustan­de­kom­mens der Kir­chen- und Schul­ar­ti­kel der Wei­ma­rer Ver­fas­sung, die Beru­fung von Hoff­mann zum Kul­tus­mi­nis­ter sei die fol­gen­reichs­te Fehl­ent­schei­dung der neu­en Preu­ßi­schen Regie­rung gewe­sen.[42]

Von Hoff­manns unta­de­li­gem Ver­hal­ten im Krie­ge und sei­nem per­sön­li­chen Mut in der Revo­lu­ti­ons­pha­se – z.B. bei der Beset­zung des preu­ßi­schen Land­ta­ges – mal ganz abge­se­hen: Das Pro­blem war doch, wel­ches Per­so­nal die Lin­ke auf die­sem Gebiet denn sonst vor­zu­wei­sen hat­te. Der Aus­sa­ge von Micha­el Schmidt in die­sem Band ist dar­über hin­aus voll zuzu­stim­men, dass sich ange­sichts des orga­ni­sier­ten Wider­stan­des beson­ders der katho­li­schen Kir­che „die Fra­ge stellt, ob eine vor­sich­ti­ge­re Poli­tik irgend­ein ande­res Ergeb­nis erbracht hät­te.“

Die prak­ti­sche Poli­tik Hoff­manns nach sei­ner Gesun­dung harrt noch der Ana­ly­se. Für das welt­li­che Schul­we­sen jeden­falls beschritt er neue Wege. Er nutz­te die Lücken im Schul­ge­setz und die Gleich­stel­lung von Welt­an­schau­un­gen mit Reli­gio­nen glei­cher­ma­ßen.[43]

Erträge

Von den Ver­hand­lun­gen des Ver­fas­sungs­aus­schus­ses zum Ver­hält­nis zwi­schen Staat und Kir­chen blie­ben Dis­si­den­ten aus­ge­schlos­sen. Zwar warf der sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Bil­dungs­ex­per­te Simon Kat­zen­stein (1868–1945) ein[44], man wol­le die Gleich­be­hand­lung und die Frei­heit aller Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten errei­chen. Aller­dings ver­band er sei­nen Ein­wurf mit dem Zusatz, deren bevöl­ke­rungs­po­li­ti­sche und wirt­schaft­li­che Über­wa­chung durch den Staat müs­se blei­ben.[45]

Die Mehr­heit der nicht-sozia­lis­ti­schen Abge­ord­ne­ten der Natio­nal­ver­samm­lung beriet unter sich Mit­te März 1919. Der evan­ge­li­sche Kir­chen­recht­ler Wil­helm Kahl, der Katho­lik Joseph Maus­bach, der libe­ra­le Theo­lo­ge Fried­rich Nau­mann und der inzwi­schen zu den Deutsch­na­tio­na­len gehö­ren­de Frei­re­li­giö­se Gott­fried Traub tra­fen dabei eine Abspra­che, die um so leich­ter durch­zu­set­zen war, weil die Sozi­al­de­mo­kra­ten von ihren ursprüng­li­chen For­de­run­gen zurück­tra­ten. Die Kom­mu­nis­ten befan­den sich nach dem ver­such­ten Auf­stand und der Ermor­dung von Lieb­knecht, dem Vor­sit­zen­den des Komi­tee Kon­fes­si­ons­los, und von Rosa Luxem­burg in der Ille­ga­li­tät.

Fried­rich Nau­manns Zustim­mung ging von der Annah­me aus, „daß, nach­dem ein­mal Inven­tur gemacht und Ablö­sung erfolgt ist, der Staat kei­ne Mit­tel für die Kir­che zu geben nötig hat.“[46] Genau dies trat aber nicht ein – bis heu­te nicht.

Die Wei­ma­rer Ver­fas­sung von 1919 brach­te den­noch vie­le Fort­schrit­te in der Tren­nung von Kir­che und Staat (Arti­kel 137: „Es besteht kei­ne Staats­kir­che.“[47]) und mit dem Arti­kel 148 auch eine hoff­nungs­vol­le For­mel für den Umgang mit Kon­fes­si­ons­frei­en: „Beim Unter­richt in öffent­li­chen Schu­len ist Bedacht zu neh­men, daß die Emp­fin­dun­gen Anders­den­ken­der nicht ver­letzt wer­den.“[48] Doch blieb gera­de die­ser Arti­kel umstrit­ten.

Die Natio­nal­ver­samm­lung mach­te ledig­lich sol­che Zuge­ständ­nis­se an die Dis­si­den­ten, die schon vor dem Krie­ge abseh­bar waren und von Bil­dungs­ex­per­ten wie Fried­rich Paul­sen vor­her­ge­sagt wur­den. „Was die Schu­le anbe­langt, so ist hier zwar der kirch­lich kon­trol­lier­te Reli­gi­ons­un­ter­richt geblie­ben, aber er hat die Herr­schaft ver­lo­ren.“[49]

Die Wei­ma­rer Ver­fas­sung ver­an­ker­te in ihrem Arti­kel 149 den Reli­gi­ons­un­ter­richt an den Schu­len und schrieb die Theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten an den Uni­ver­si­tä­ten fort.[50] Bei­de Maß­nah­men lei­te­ten sich aus den Bestim­mun­gen ab, wonach die „Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten“ schutz- und för­de­rungs­be­rech­tig­te „Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rech­tes“ sei­en. Sie blie­ben es, „soweit sie sol­che bis­her waren.“[51]

Aber genau hier hat­ten die im Wei­ma­rer Kar­tell zusam­men­ge­schlos­se­nen Ver­bän­de eine Erwei­te­rung ange­strebt, die eini­gen Ver­bän­den gelang, dar­un­ter den Frei­re­li­giö­sen und den Frei­den­kern Braun­schweigs. Da die neu ent­stan­de­nen und nach der Revo­lu­ti­on neu ent­ste­hen­den Gemein­schaf­ten wur­den aber wei­ter benach­tei­ligt und wer­den dies bis heu­te.

Dabei die Umset­zung der Gleich­stel­lungs­norm Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 7 WRV zu nut­zen, die auf die for­ma­le Gleich­heit von Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten zielt, ist erst Ende des 20. Jahr­hun­derts mit der rasan­ten Zunah­me der Kon­fes­si­ons­frei­en­zah­len, dem beab­sich­ti­gen Ein­stieg isla­mi­scher Orga­ni­sa­tio­nen in staat­li­che För­der­sys­te­me und mit Grün­dung des Huma­nis­ti­schen Ver­ban­des Deutsch­lands (HVD) rele­vant gewor­den. Heu­te – anders als in den 1920ern – eröff­net sich ein neu­es Kapi­tel poli­ti­schen Vor­ge­hens gegen die Pri­vi­le­gie­rung christ­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen sowie gegen wei­ter bestehen­de Ein­flüs­se der Kir­chen auf das gesell­schaft­li­che und staat­li­che Leben. Ein wich­ti­ges Feld war immer die Welt­lich­keit des Schul­we­sens. Sie ist es bis heu­te.

Fuß­no­ten:

  1. Vgl. Adolph Hoff­mann: Die zehn Gebo­te und die besit­zen­de Klas­se. Zeitz 1891. – Genaue Titel­an­ga­ben zu Hoff­manns Publi­ka­tio­nen vgl. die Aus­wahl­bi­blio­gra­phie in die­sem Band.
  2. Vgl. Köl­ni­sche Volks­zei­tung v. 15.12.1918, vgl. FN 18 im Bei­trag Micha­el Schmidt.
  3. Vgl. Wal­ter Ulb­richt: Der Kampf um den Frie­den, für den Sieg des Sozia­lis­mus, für die natio­na­le Wie­der­ge­burt Deutsch­lands als fried­lie­ben­der, demo­kra­ti­scher Staat. In: Pro­to­koll … V. Par­tei­tag der Sozia­lis­ti­schen Ein­heits­par­tei Deutsch­lands …, Bd.I, Ber­lin 1959, S.148–182.
  4. Auch ein eigen­stän­di­ger Per­so­nen­ar­ti­kel im „Lexi­kon sozia­lis­ti­scher Lite­ra­tur. Ihre Geschich­te in Deutsch­land bis 1945“ – weit­ge­hend vor der „Wen­de“ ent­stan­den und 1994 bei J. B. Metz­ler erschie­nen (Hg. von Simo­ne Barck, Sil­via Schlen­stedt, Tan­ja Bür­gel, Vol­ker Giel und Die­ter Schil­ler) – blieb ihm ver­wehrt. Die ursprüng­lich dafür pro­du­zier­te Aus­wahl­bi­blio­gra­phie wird in die­sem Band erst­mals ver­öf­fent­licht.
  5. Vgl. Adolph „Hoffmann’s Erzäh­lun­gen“. Ber­lin 1928.
  6. Vgl. Ger­not Bandur: Zehn-Gebo­te-Hoff­mann. Adolph Hoff­mann, eine sozia­lis­ti­scher Ver­le­ger und treu­er Vor­kämp­fer der deut­schen Arbei­ter­klas­se. In: Bör­sen­blatt des deut­schen Buch­han­dels, Leip­zig 150(1983)30, S.595–597.
  7. Vgl. Cla­ra Zet­kin am 5. Okto­ber 1897 in: Pro­to­koll über die Ver­hand­lun­gen des Par­tei­ta­ges der Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei Deutsch­lands. Abge­hal­ten zu Ham­burg vom 3. bis 9. Okto­ber 1897. Ber­lin 1897, S.101.
  8. Pro­to­koll über die Ver­hand­lun­gen des Par­tei­ta­ges der Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei Deutsch­lands. Abge­hal­ten in Jena vom 14. bis 20. Sep­tem­ber 1913. Ber­lin 1913, S.383.
  9. Johan­nes Fisch­art (=Erich Dom­brow­ski): Poli­ti­ker und Publi­zis­ten. XXI: Adolph Hoff­mann. In: Die Welt­büh­ne. Wochen­schrift für Poli­tik, Kunst, Wirt­schaft. [Ber­lin] Char­lot­ten­burg 14(11. Juli 1918)28, S.27–32, hier S.29.
  10. Vgl. Micha­el Schmidt-Salo­mon: Mani­fest des evo­lu­tio­nä­ren Huma­nis­mus. Plä­doy­er für eine zeit­ge­mä­ße Leit­kul­tur. Aschaf­fen­burg 2005, S.156ff.
  11. Zur Ver­welt­li­chung der Glau­bens­leh­ren im 18. und 19. Jahr­hun­dert und zu deren Fra­ge-Ant­wort-Spie­len vgl. Poli­ti­sche Kate­chis­men. Vol­ney. Kleist. Heß. Hg. von Karl Mar­kus Michel, Frank­furt a.M. 1966.
  12. Vgl. Richard Cal­wer: Arbei­ter-Kate­chis­mus. Eine sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Ant­wort auf das Preis-Aus­schrei­ben des Pfar­rers Weber zur Anfer­ti­gung eines Arbei­ter-Kate­chis­mus für evan­ge­li­sche Arbei­ter. Ber­lin 1896.
  13. Vgl. Johan­nes Unold: Die zehn Gebo­te des Monis­mus. (Auf Grund der Erfah­run­gen aus Natur und Geschich­te). In: Der Monis­mus, Mün­chen 6(1911)58, S.210–212.
  14. Vgl. dazu den Bei­trag von Eck­hard Mül­ler in die­sem Band bei FN 21.
  15. Vgl. dazu den Bei­trag von Eck­hard Mül­ler in die­sem Band bei FN 47.
  16. Jochen-Chris­toph Kai­ser: Arbei­ter­be­we­gung und orga­ni­sier­te Reli­gi­ons­kri­tik. Pro­le­ta­ri­sche Frei­den­ker­ver­bän­de in Kai­ser­reich und Wei­ma­rer Repu­blik. Stutt­gart 1981, S.82, S.30.
  17. Vgl. Wal­ter Oeh­me: Die Ver­leug­nung des Erfur­ter Pro­gramms durch die Sozi­al­de­mo­kra­tie in der Fra­ge des Kir­chen­aus­tritts. Frank­furt a. M. 1913 (NFV). – Vgl. Karl Lieb­knecht: Her­aus aus der preu­ßi­schen Staats­kir­che! In: Ders.: Gesam­mel­te Reden und Schrif­ten. Bd. VI, Ber­lin 1965, S.397.
  18. Pro­to­koll der Ordent­li­chen Gene­ral­ver­samm­lung des Deut­schen Frei­den­ker­bun­des in Düs­sel­dorf vom 20. Mai 1910, S.84.
  19. Vgl. Horst Gro­schopp: Uto­pie vom „neu­en Men­schen“. Otto Rüh­le als Frei­den­ker und Kul­tur­wis­sen­schaft­ler. In: Otto Rüh­le, Leben und Werk (1874–1943), hg. von Gerd Steckli­na u. Joa­chim Schil­le. Wein­heim u. Mün­chen 2003, S.135–148.
  20. Vgl. die ent­spre­chen­den Arti­kel in: Der Athe­ist, Nürn­berg 1903, S.87/88; 1907, S.333/334; 1908, S.7/8, 221/22; 1909, 209, 265/66 u.a.
  21. Vgl. Gerichts-Zei­tung. In: Vor­wärts (Ber­lin) vom 24. Sep­tem­ber 1899 (Nr. 224).
  22. Vgl. Adolph Hoff­mann: Kam­mer-Gericht con­tra Kam­mer-Gericht. Durch Rechts-Irrthum des höchs­ten preu­ßi­schen Gerichts­ho­fes zur straf­ba­ren Hand­lung ver­lei­tet und dann von dem­sel­ben Gericht dafür bestraft. Ein Bei­trag zur moder­nen Rechts­spre­chung 1900.
  23. Vgl. Gerichts-Zei­tung. In: Vor­wärts (Ber­lin) vom 16. März 1900 (Nr. 63).
  24. Vgl. Johan­nes Tews: Sozi­al­de­mo­kra­tie und öffent­li­ches Bil­dungs­we­sen. 5. Aufl., Lan­gen­sal­za 1919, 69–71.
  25. Vgl. Auf­ruf des Rats der Volks­be­auf­trag­ten an das deut­sche Volk vom 12. Novem­ber 1918: „5. Die Frei­heit der Reli­gi­ons­aus­übung wird gewähr­leis­tet. Nie­mand darf zu einer reli­giö­sen Hand­lung gezwun­gen wer­den.“ Zit. nach Ernst Rudolf Huber u. Wolf­gang Huber: Staat und Kir­che im 19. und 20. Jahr­hun­dert. Doku­men­te zur Geschich­te des deut­schen Staats­kir­chen­rechts. Bd. IV: Staat und Kir­che in der Zeit der Wei­ma­rer Repu­blik, Ber­lin 1988, S.2.
  26. Ein­ga­be des Wei­ma­rer Kar­tells an die deut­sche Reichs­re­gie­rung und die preus­si­sche Regie­rung. In: MJ, 3(1918)12, S.182f. – Das Schrei­ben ist unter­zeich­net von Hein­rich Röss­ler, Max Hen­ning, Ernst Hoch­sta­ed­ter, Hein­rich Peus, Rudolph Pen­zig, Gus­tav Tschirn und Hele­ne Stö­cker.
  27. Tätig­keits­be­richt der Geschäfts­stel­le des Wei­ma­rer Kar­tells für das Jahr 1917. In: Monis­ti­sche Monats­hef­te, Leip­zig 2(Febr. 1918)2, S.27.
  28. Ein­ga­be des Wei­ma­rer Kar­tells.
  29. So Fried­rich Lahu­sen, der evan­ge­li­sche Ver­hand­lungs­füh­rer im Dezem­ber 1918, vgl. Huber, Huber: Staat und Kir­che, Bd.IV, S.4, FN.
  30. Die Anga­ben von R. Huber und W. Huber über Diet­rich wer­den kor­ri­giert von L. Rich­ter. Im Fol­gen­den wird mit Rich­ter still­schwei­gend über­all die Schreib­wei­se „Diet­rich“ über­nom­men. Vgl. Huber, Huber: Staat und Kir­che, Bd.IV, S.4 mit Rich­ter: Kir­che und Schu­le, S.78f, FN 56.
  31. Vgl. Klaus Schol­der: Die Kir­chen und das Drit­te Reich. Bd.1: Vor­ge­schich­te und Illu­sio­nen. Frank­furt a.M., Ber­lin, Wien 1977, S.19/20. – Rich­ter: Kir­che und Schu­le, S.4.
  32. Denk­schrift von Alfred Diet­rich für das preu­ßi­sche Kul­tus­mi­nis­te­ri­um über die Tren­nung der Kir­chen vom Staat vom Novem­ber 1918. Abschrift. Zit. nach Huber, Huber: Staat und Kir­che, Bd.IV, S.8–13, 8.
  33. Denk­schrift von Alfred Diet­rich, S.11.
  34. Denk­schrift von Alfred Diet­rich, S.12/13.
  35. Vgl. Rich­ter: Kir­che und Schu­le, S.271, FN 340.
  36. Hir­ten­schrei­ben der preu­ßi­schen Erz­bi­schö­fe und Bischö­fe vom 20. Dezem­ber 1918. Zit. nach Huber, Huber: Staat und Kir­che, Bd.IV, S.30.
  37. Vgl. Huber, Huber: Staat und Kir­che, Bd.IV, S.62.
  38. Vgl. Auf­he­bung der geist­li­chen Orts­schul­auf­sicht. Ver­ord­nung vom 27.11.1918. In: Zen­tral­blatt für die gesam­te Unter­richts­ver­wal­tung in Preu­ßen. Hg. in dem Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft, Kunst und Volks­bil­dung. Jahr­gang 1918, Ber­lin 1918, S.757/58. – Auf­he­bung vom 15.2.1919 in: Zen­tral­blatt, Jahr­gang 1919, Ber­lin 1919, S.362. – Ver­ord­nung über die Auf­he­bung des Reli­gi­ons­zwan­ges in der Schu­le vom 29.11.1918. In: Zen­tral­blatt, Jahr­gang 1918, Ber­lin 1918, S.719–721. – Die Auf­he­bun­gen vgl. Zen­tral­blatt, S.721/22.
  39. Hae­nisch blieb bis 1921 im Kul­tus­mi­nis­te­ri­um und för­der­te von hier aus die Volks­hoch­schul­be­we­gung, Eltern­bei­rä­te und die Selbst­ver­wal­tung an höhe­ren Lehr­an­stal­ten, grün­de­te die „Aka­de­mie der Arbeit“, die „Hoch­schu­le für Poli­tik“ (in Ber­lin) und rich­te­te an der Uni­ver­si­tät Müns­ter Gewerk­schafts­kur­se ein beim Pro­fes­sor für Natio­nal­öko­no­mie Johann Plenge, einem ent­schie­de­nen Kriegs­be­für­wor­ter und 1917 Autor in der von Par­vus (Pseud­onym für Alex­an­der Hel­phand, 1869–1924) her­aus­ge­ge­be­nen Zeit­schrift „Die Glo­cke“. Hier war Hae­nisch Redak­teur.
  40. Vgl. 200 Jah­re Säku­la­ri­sa­ti­on. (= huma­nis­mus aktu­ell, Hef­te für Kul­tur und Welt­an­schau­ung, Ber­lin 7[2003]12).
  41. Vgl. Rich­ter: Schu­le und Kir­che, S.30,37.
  42. Vgl Rich­ter: Schu­le und Kir­che, S.24.
  43. Vgl. Horst Gro­schopp: Zum Kul­tur­kampf um die Schu­le. His­to­ri­sche Anmer­kun­gen zum Ber­li­ner Streit um den Reli­gi­ons­un­ter­richt. In: Jahr­buch für Päd­ago­gik 2005: Reli­gi­on – Staat – Bil­dung. Frank­furt a.M. 2006, S.225–234.
  44. Kat­zen­stein war ein Kauf­manns­sohn aus Gie­ßen, der nach einem juris­ti­schen und his­to­ri­schem Stu­di­um als Refe­ren­dar arbei­te­te. Als er 1890 der Sozi­al­de­mo­kra­tie bei­trat, muss­te er den Jus­tiz­dienst ver­las­sen. Danach war er in ver­schie­de­nen Orten Deutsch­lands als Arbei­ter­se­kre­tär, Schrift­stel­ler und Redak­teur tätig und unter­rich­te­te 1903 an der Ber­li­ner Arbei­ter­bil­dungs­schu­le und, nach deren Grün­dung 1905, an der Par­tei­schu­le. Als Jude stand er den Frei­den­kern nahe, poli­tisch enga­gier­te er sich aber vor allem im „Arbei­ter-Absti­nen­ten­bund“.
  45. Simon Kat­zen­stein. In: Ver­hand­lung über die Glau­bens­frei­heit im Ver­fas­sungs­aus­schuß der Wei­ma­rer Natio­nal­ver­samm­lung am 1. bis 3. April 1919. In: Huber, Huber: Staat und Kir­che, Bd.IV, S.125.
  46. Fried­rich Nau­mann. In: Ver­hand­lung am 1. bis 3. April 1919, S.121.
  47. Die Ver­fas­sung des Deut­schen Reichs (Wei­ma­rer Ver­fas­sung) vom 11. August 1919 (RGBl. S.1383). In: Deut­sche Ver­fas­sun­gen. Hg. von Rudolf Schus­ter, 14. Aufl., Mün­chen 1981, S.122.
  48. Wei­ma­rer Ver­fas­sung, S.125.
  49. Fried­rich Paul­sen: Das deut­sche Bil­dungs­we­sen in sei­ner geschicht­li­chen Ent­wi­cke­lung. Leip­zig 1906, S.172.
  50. Vgl. Wei­ma­rer Ver­fas­sung, S.125.
  51. Arti­kel 137 in: Wei­ma­rer Ver­fas­sung, S.123.

Quel­le: Horst Gro­schopp: Adolph Hoff­mann aus heu­ti­ger Sicht. In: „Los von der Kir­che!“ Adolph Hoff­mann und die Staat-Kir­che-Tren­nung in Deutsch­land. Tex­te zu 90 Jah­re Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung. Hrsg. von Horst Gro­schopp. Aschaf­fen­burg: Ali­bri Ver­lag 2009, S. 7–28 (Schrif­ten­rei­he der Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin, Bd. 2).