Humanistische Bestattungskultur – ein Annäherungsversuch

 

Konfessionsfreie und Humanismus

Die hier publi­zier­te Aus­ar­bei­tung ver­sucht ein vor­läu­fi­ges Fazit der Debat­te, die im Zusam­men­hang mit der Kon­fe­renz 2009 in Han­no­ver statt­fand. Sie greift auf vor­lie­gen­de Stu­di­en meist ande­rer Autoren zurück, die einer kul­tur­wis­sen­schaft­li­chen Betrach­tung unter­zo­gen und zu denen the­sen­ar­tig Über­le­gun­gen ange­stellt wer­den.[1] Ziel ist die Beför­de­rung des Dis­kur­ses zum The­ma im orga­ni­sier­ten Huma­nis­mus, der mit der sozio­lo­gi­schen Situa­ti­on kon­fron­tiert ist, dass Kon­fes­si­ons­freie eine rela­tiv neue Bevöl­ke­rungs­grup­pe dar­stel­len – und zwar die am rasches­ten wach­sen­de in Deutsch­land. Mehr als ein Drit­tel der Bevöl­ke­rung ist der­zeit kon­fes­si­ons­frei.[2] 1990 zähl­te die gesamt­deut­sche Kon­fes­si­ons­frei­en­quo­te 22 Pro­zent. Gegen­wär­tig – zwan­zig Jah­re spä­ter – sind es etwa 35 Pro­zent. Nicht-Mit­glied­schaft in Kir­chen und reli­giö­sen Gemein­schaf­ten ist nor­mal gewor­den.

Unter­su­chun­gen, z.B. von For­sa 2007, besa­gen zudem, dass mehr als acht­zig Pro­zent der Kon­fes­si­ons­frei­en in Deutsch­land der huma­nis­ti­schen Lebens­auf­fas­sung zustim­men: „ein eigen­stän­di­ges, selbst­be­stimm­tes Leben frei von Reli­gi­on und dem Glau­ben an einen Gott …, das auf ethi­schen und mora­li­schen Grund­über­zeu­gun­gen beruht“.[3] Die­ser Ansicht stimmt aber zugleich fast die Hälf­te aller Deut­schen zu. Dar­un­ter befin­den sich 45 Pro­zent Kir­chen­mit­glie­der. Die Reli­gi­ons­so­zio­lo­gen Det­lef Poll­ack und Olaf Mül­ler tei­len fol­gen­den Befund mit: „Weni­ger als die Hälf­te der deut­schen Bevöl­ke­rung misst christ­li­chen Wert­vor­stel­lun­gen und Über­zeu­gun­gen für ihr Leben zumin­dest eine gewis­se Bedeu­tung bei.“[4] Hier­aus ergibt sich die Fra­ge nach der ande­ren Hälf­te der Ein­woh­ner­schaft. Inwie­fern han­delt es sich hier um Kon­fes­si­ons­freie? Schon die­se vagen Anga­ben zei­gen: Es dies eine weit­ge­hend unbe­kann­te Bevöl­ke­rungs­grup­pe.

Das Phä­no­men der Kon­fes­si­ons­frei­heit und dar­in ein­ge­schlos­sen das der Reli­gi­ons­lo­sig­keit ist ins­ge­samt kom­plex, zumal noch pejo­ra­ti­ve Mus­ter aus den Zei­ten der Staats- und Volks­kir­chen kräf­tig wir­ken. Die­ser Bevöl­ke­rungs­grup­pe – so auch der öffent­li­che, weit­ge­hend von den Kir­chen domi­nier­te öffent­li­che Dis­kurs – fehlt irgend etwas, so der Vor­wurf. Sie sind „kon­fes­si­ons­los“, „glau­bens­los“, „ungläu­big“. Ihre Mit­glie­der sind „Got­tes­leug­ner“, „Gott­lo­se“ oder „Hei­den“. Ihre Kin­der besu­chen „Ersatz­un­ter­richt“ (statt Reli­gi­on). Sie pfle­gen – so auch in der Bestat­tungs­kul­tur – diver­se „Ersatz­ri­tua­le“.

Jeden­falls stellt sich hier­zu­lan­de die Fra­ge, wie das Leben und dar­in wie­der die kul­tu­rel­len For­men des Abschied­neh­mens auf die Zunah­me von Glau­bens- und Unglau­bens­plu­ra­li­tät reagie­ren, zumal noch in Gegen­den des „ost­deut­schen Volks­athe­is­mus“.[5] Doch wer­den die Kon­fes­si­ons­frei­en zuneh­mend auch im Wes­ten wahr­ge­nom­men, und dies nicht nur, weil in den letz­ten zwan­zig Jah­ren mehr als zwei Mil­lio­nen vor allem jun­ge Men­schen von Ost nach West zogen. Das war eine gro­ße „Athe­is­ten­um­sied­lung“[6], die ihrer Kul­tur­be­deu­tung noch nicht unter­sucht ist.

Nimmt man die in der Bevöl­ke­rung vor­find­li­chen Lebens­an­schau­un­gen, so ist ein Anwach­sen huma­nis­ti­scher Über­zeu­gun­gen und Ver­hal­tens­wei­sen zu beob­ach­ten. Dabei spielt es zunächst kei­ne Rol­le, ob die Men­schen, die so den­ken und leben, wis­sen, dass ande­re ihr Tun und Las­sen „huma­nis­tisch“ nen­nen. Auf der lebens­welt­li­chen Ebe­ne sind huma­nis­ti­sche Grund­ein­stel­lun­gen unüber­seh­bar. Sie zeich­nen sich durch Beto­nung der Auto­no­mie und der Indi­vi­dua­li­tät aus und gehen ein­her mit der Aner­ken­nung des Rechts auf Selbst­be­stim­mung auch im Beant­wor­ten „letz­ter Fra­gen“ – im Kon­trast zu kol­lek­ti­ven Rück-Bin­dun­gen in Reli­gio­nen.

Das hat Fol­gen für die Bestim­mung von Leit­prin­zi­pen[7] wie „Soli­da­ri­tät“, dem säku­la­ren Pen­dant zur christ­li­chen „Nächs­ten­lie­be“. Doch wäh­rend die­se sich auf den bestimm­ten, aktu­ell begeg­nen­den und zum Gesichts­kreis des Glau­ben­den gehö­ren­der „Mit­men­schen“ bezieht, wird „Soli­da­ri­tät“ eher funk­tio­nal als all­ge­mei­ne Ver­bun­den­heits­hal­tung auf­ge­fasst, als Ver­pflich­tung zur poli­ti­schen oder sozia­len Unter­stüt­zung ande­rer, nicht nur in Man­gel- und Kon­flikt­si­tua­tio­nen, son­dern auch als hel­fen­der Bei­stand bei der Durch­set­zung von Inter­es­sen. Sie gibt nicht vor, dem „Nächs­ten“ aus Lie­be bei­zu­ste­hen, son­dern sieht eine Ver­pflich­tung dar­in, auch dem ferns­ten Men­schen hel­fen zu müs­sen, weil die­ser ein Mensch wie man selbst ist – unab­hän­gig vom Glau­ben. Die­se Zuwen­dung kann dann auch „stell­ver­tre­tend“, also unper­sön­lich wahr­ge­nom­men wer­den durch Dienst­leis­tun­gen bzw. „indi­rekt“ durch Geld- oder Sach­leis­tun­gen. Gera­de die Bestat­tungs­kul­tur ist – wie noch gezeigt wird – davon beein­flusst.

Kon­fes­si­ons­freie – je ratio­na­ler ori­en­tiert des­to mehr – haben in der Regel auch ein kri­ti­sches, „ungläu­bi­ges Ver­hält­nis“ zu den eige­nen Welt- und Men­schen­bil­dern, dies schon aus der Distanz zu Reli­gio­nen und Kir­chen. Die bestän­di­ge Abwehr einer „Kir­che der Athe­is­ten“ folgt dar­aus eben­so wie Aner­ken­nung der bestän­di­gen Unvoll­stän­dig­keit der eige­nen Welt­an­schau­ung.[8]

Drei weltanschauliche Positionen prägen humanistische Bestattungskultur

Gott ist – ers­tens – vie­len Men­schen gleich­gül­tig (gewor­den). Er kommt in ihren Gewiss­hei­ten nicht (mehr) vor. Sie gehen so weit, dass sie gene­rell für sich „letz­te Ant­wor­ten“ ableh­nen. Bei­spie­le dafür fin­den sich bei Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen, in der Ster­be­hil­fe und bei Bestat­tun­gen (um nur drei exis­ten­zi­el­le Berei­che her­aus­zu­he­ben). Wenn aber eine höhe­re Instanz weg­fällt, müs­sen Tod, Trau­er und Bestat­tung als irdi­sche und gestalt­ba­re Ereig­nis­se ange­nom­men wer­den.

Lebens­welt­li­cher Huma­nis­mus zeigt sich – zwei­tens – im hohen Stel­len­wert der eige­nen Erfah­run­gen. Die­se und deren Kom­mu­ni­ka­ti­on mit ande­ren Erfah­run­gen führt in der Bestat­tungs­kul­tur zu einer Reflek­ti­on ande­ren und frem­den Wis­sens und Emp­fin­dens und macht die Ritua­le offen für neue For­men. Was eine christ­li­che oder mus­li­mi­sche oder ande­re reli­giö­se Bestat­tung aus­zeich­net, ist aus den jewei­li­gen Glau­bens­leh­ren her­aus abge­lei­tet und ritu­ell kennt­lich. Eine huma­nis­ti­sche Bestat­tung ist frei von lit­ur­gi­schen Fest­le­gun­gen – aber wir wer­den sehen, dass sie eben­falls Eigen­schaf­ten auf­weist, die als – wenn auch offe­ne – „kon­fes­sio­nel­le“ gese­hen wer­den kön­nen.

Eine drit­te Posi­ti­on ist die Ableh­nung jeden Erlö­sungs­ge­dan­kens. Ist ein Leben been­det, dann wird die Aner­ken­nung der Ein­ma­lig­keit und Unwie­der­hol­bar­keit jeden Lebens den Hin­ter­blie­be­nen bewusst, dass auch ihr Leben einen Anfang und ein Ende hat. Wer gedank­lich ohne Auf­er­ste­hung aus­kommt, hat nur die Mög­lich­keit, ande­ren durch Taten im Gedächt­nis zu blei­ben. Gera­de des­halb steht auch das geleb­te Leben des Ver­stor­be­nen im Mit­tel­punkt der Fei­er.[9]

Huma­nis­tisch“ zu argu­men­tie­ren zwingt die wer­ten­den Sub­jek­te, auch wenn sie for­ma­le Kon­fes­sio­na­li­tät ableh­nen, die Ver­ab­schie­dungs­ze­re­mo­nie mit einem „welt­an­schau­li­chen Bekennt­nis“ zu ver­se­hen – so wie man, wenn man „christ­lich“ spricht, sich inner­halb von Chris­ten­leh­re, Kir­che und Kon­fes­si­on aus­drückt. „Huma­nis­tisch“ ist zwar – wie schon oben erwähnt – noch kei­ne all­ge­mein aner­kann­te Bezeich­nung für sol­che Lebens­ein­stel­lun­gen. Doch vie­len Kon­fes­si­ons­frei­en gilt Huma­nis­mus inzwi­schen durch­aus als das­je­ni­ge, was sie aus­zeich­net. Sie wür­den aber nicht so weit gehen, dar­in etwas zu erken­nen, was nur Kon­fes­si­ons­frei­en sozu­sa­gen als „Kon­fes­si­on“ zuge­hö­ren soll.

Hin­zu kommt eine gewis­se Ehr­furcht vor den huma­nis­ti­schen Eli­ten der Renais­sance und Distanz zu denen, die Huma­nis­mus in ein­sei­ti­ger Inter­pre­ta­ti­on die­ses Erbes ledig­lich als alte Spra­chen und Huma­nis­ti­sches Gym­na­si­um ver­ste­hen.[10] Sol­che Ein­wän­de illus­trie­ren das Pro­blem, vor dem die beken­nen­den Huma­nis­ten ste­hen. Wie sonst – außer „huma­nis­tisch“ – soll­ten sie das­je­ni­ge benen­nen, was nicht nur ihre Über­zeu­gun­gen aus­drückt, son­dern auch noch inter­na­tio­nal ver­ständ­lich ist?[11]

Wird näm­lich der vom Huma­nis­mus der Renais­sance[12] his­to­risch wie­der­ent­deck­te und von da an fort­wir­ken­de Bezug des Men­schen auf Men­schen als Men­schen kon­se­quent zu Ende gedacht und somit der Mensch als Aus­gangs- und Bezugs­punkt huma­nis­ti­schen Den­kens genom­men, impli­ziert „huma­nis­tisch“ eine imma­nent welt­li­che Sicht auf die Din­ge und Wer­te des Lebens, eine selbst­ver­ständ­li­che „Gott­lo­sig­keit”, gepaart mit wer­ten­den Stel­lung­nah­men zum Weltgan­zen.[13] Der Theo­lo­ge Tho­mas Zim­mer­manns stell­te des­halb schon vor Jah­ren den Unter­schied zu Reli­gio­nen her­aus. Er defi­nier­te Huma­nis­mus als „Zusam­men­fas­sung ver­schie­de­ner welt­an­schau­li­cher Rich­tun­gen, die als gemein­sa­me Wesens­merk­ma­le u.a. einen ratio­na­lis­ti­schen und anthro­po­zen­tri­schen Schwer­punkt auf­wei­sen.”[14]

Man mag die Zuspit­zun­gen in den Kern­be­grif­fen „Ratio­na­li­tät“ und „Anthro­po­zen­tris­mus“ durch­aus mit eini­ger Berech­ti­gung rela­ti­vie­ren oder die Säku­la­ri­sie­rungs­the­se gene­rell ver­nei­nen. Fest­zu­hal­ten blei­ben jeden­falls drei „Auf­ga­ben“ derer, die sich dem moder­nen Huma­nis­mus theo­re­tisch zuwen­den: Der ers­te Auf­trag ist, sich der Quel­len des Huma­nis­mus genau­er zu ver­si­chern und in Rela­ti­on zu stel­len sowohl zu all­ge­mei­nen kul­tur­ge­schicht­li­chen Pro­zes­sen als auch zu den Beson­der­hei­ten je spe­zi­fi­scher Kul­tur­be­we­gun­gen, die mit dem Huma­nis­mus­be­griff ope­rie­ren, um des­sen his­to­ri­schen wie aktu­el­len Bei­trag genau­er zu bestim­men.[15] Hier wer­den „die Orga­ni­sier­ten“ – ange­sichts des Feh­lens eige­ner For­schungs­ka­pa­zi­tä­ten – auf die Befun­de einer noch zu ent­wi­ckeln­den wis­sen­schaft­li­chen Huma­nis­tik ange­wie­sen sein[16], die nur eine „inter­kul­tu­rel­le“ sein kann, in der als gesi­chert gilt, dass Huma­nis­mus „kein Pro­pri­um des biblisch-grie­chi­schen Abend­lan­des“ ist.[17]

Zwei­tens ist Huma­nis­mus hier­zu­lan­de eine vor­wie­gend säku­la­re Welt­sicht, auch wenn es reli­giö­se huma­nis­ti­sche Auf­fas­sun­gen gibt bis hin zu sol­chen, die, an ent­spre­chen­de zeit­be­ding­te For­schun­gen ange­lehnt, die ihn als ver­ein­bar sogar mit dem Katho­li­zis­mus sehen.[18] Die säku­la­re Welt­sicht ist nicht nur in Theo­ri­en auf­find­bar, son­dern „lebt“ in Kul­tur- und Lebens­an­schau­un­gen im All­tag vie­ler Men­schen. „Huma­nis­ti­sche“ Kern­aus­sa­gen fin­den sich in der – zuge­spitzt – „Kon­fes­si­ons­frei­en-Kon­fes­si­on“ und damit bei etwa einem Drit­tel der Bevöl­ke­rung. Die­sem Phä­no­men muss sich der orga­ni­sier­te Huma­nis­mus (und der Huma­nis­ti­sche Ver­band Deutsch­lands, HVD, in ihm) zuwen­den. Er ver­steht sich als gesell­schaft­li­ches Hand­lungs­bünd­nis, das Huma­nis­mus als Welt­an­schau­ung pflegt inner­halb einer an Demo­kra­tie und Auf­klä­rung ori­en­tier­ten Kul­tur­be­we­gung, deren Grund­sät­ze sich in den Men­schen­rech­ten spie­geln, die in den Ver­fas­sun­gen zunächst Euro­pas und Ame­ri­kas und heu­te in den Ver­ein­ten Natio­nen ihren Nie­der­schlag fin­den.

Ver­fas­sungs­recht­lich hat der HVD den Sta­tus einer „Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft“.[19] Er betreibt zahl­rei­che sozia­le und kul­tu­rel­le Pro­jek­te, orga­ni­siert Jugend­fei­ern, hat eine eige­ne Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on, ein Hilfs­werk für Kata­stro­phen­fäl­le und Huma­nis­ti­sche Aka­de­mi­en. Als Alter­na­ti­ve zum Reli­gi­ons­un­ter­richt lehrt der HVD das Schul­fach Huma­nis­ti­sche Lebens­kun­de, das in Ber­lin und Bran­den­burg bereits von etwa 50.000 Kin­dern besucht wird. Bekannt ist der Ver­band durch sei­ne Pra­xis der Pati­en­ten­ver­fü­gun­gen und der huma­nen Ster­be­hil­fe.

Hier­aus ergibt sich ein drit­ter Auf­trag, der die­sen Text lei­tet. Er besteht dar­in, die huma­nis­ti­sche Pra­xis theo­re­tisch zu beglei­ten. Zu die­ser Pra­xis gehört auch das gesam­te Feld des Lebens­en­des und des Umgangs mit Toten. Gera­de Pati­en­ten­ver­fü­gun­gen gehö­ren inzwi­schen zu den Rege­lun­gen, die im Zusam­men­hang mit dem eige­nen Tod getrof­fen wer­den, wie auch pal­lia­ti­ve und hos­piz­li­che Betreu­un­gen sowie Selbst­hil­fe­grup­pen Trau­ern­der (Trau­er­ar­beit in Grup­pen), so dass eigent­lich von einer theo­re­ti­schen Erfas­sung der Ster­be-, Bestat­tungs- und Trau­er­kul­tur zu reden wäre. Ein Kon­zept huma­nis­ti­scher Bestat­tungs­kul­tur kann nur aus einer Gesamt­be­trach­tung wach­sen, die hier nicht geleis­tet wer­den kann. Aber eini­ge Anre­gun­gen sol­len gege­ben wer­den.

Umgang mit Sterben und Tod

Ent­ge­gen einer weit ver­brei­te­ten Ansicht, in unse­rer Gegen­wart wür­den Ster­ben, Tod, Bestat­ten und Trau­ern ver­drängt wer­den und sozu­sa­gen hin­ter einem Vor­hang im Ver­bor­ge­nen statt­fin­den, ist auch in der hie­si­gen Wirk­lich­keit das Gegen­teil zu beob­ach­ten. Indi­ka­tor dafür ist, „dass der Tod nicht mehr in ers­ter Linie als tech­nisch-orga­ni­sa­to­ri­sches, son­dern als psy­cho­so­zia­les Pro­blem ver­stan­den wird“, inklu­si­ve, dass „die poten­ti­el­le kul­tu­rel­le Viel­falt des Umgangs mit dem Tod nicht als Stör­fak­tor, son­dern als Chan­ce begrif­fen wird.“ Anteil­nah­me sei, so Nor­bert Fischer, ein „sozia­les Kapi­tal“. Die­ses spei­se sich aus dem Wunsch, „den Tod nicht jenen zu über­las­sen, denen Effi­zi­enz, Funk­tio­na­li­tät oder Geschäfts­sinn wich­ti­ger sind als ein men­schen­wür­di­ger Abschied.“[20]

Auch die viel beschwo­re­ne „Unfä­hig­keit zu trau­ern“, die auf das so geti­tel­te, zuerst 1967 erschie­ne­ne Buch von Alex­an­der und Mar­ga­re­te Mit­scher­lich zurück­geht[21], ist eine nur „ver­meint­li­che“ Kul­tur­ei­gen­schaft der Moder­ne. Sie ist, dem Ritu­al­for­scher Axel Micha­els zufol­ge, „nichts ande­res als das ewi­ge Unbe­ha­gen am Tod, jen­seits aller Kul­tu­ren und Zei­ten“. Im Gegen­teil, gera­de „die Vor­stel­lung, der Tod kön­ne durch eine gelin­gen­de Trau­er bewäl­tigt wer­den, ist modern, ent­stan­den aus der hyper­mo­der­nen und tota­len Leug­nung bzw. Ver­drän­gung der Sterb­lich­keit des Men­schen. … Rat­lo­sig­keit Unsi­cher­heit, Ambi­va­lenz, Tabui­sie­rung, Sprach­lo­sig­keit – das gab und gibt es auch in ande­ren Kul­tu­ren mit ihren Trau­er­ri­tua­len. Gera­de die Span­nun­gen machen die Dyna­mik der Ritua­le aus“.[22]

Die Moder­ne begann im Bestat­tungs­we­sen (Nor­bert Fischer fol­gend[23]) im 18. Jahr­hun­dert mit der Ein­füh­rung des bür­ger­li­chen indi­vi­du­el­len Grabs.[24] Die Feu­er­be­stat­tung (Kre­ma­ti­on) brach­te die Indus­tria­li­sie­rung des Todes und des Umgangs mit Toten. Das Mas­sen­ster­ben auf den Schlacht­fel­dern zwei­er Welt­krie­ge und der Holo­caust führ­ten zur zeit­wei­li­gen Aus­set­zung und dann Neu­be­stim­mung der Pie­tät, deren Regeln und Ver­hal­tens­for­men bis auf den heu­ti­gen Tag Ver­un­si­che­run­gen erzeu­gen, wie mit dem Tod ritu­ell umzu­ge­hen ist im Zeit­al­ter der Mas­sen­kul­tu­ren und ihrer Medi­en.

Eine der Fol­gen dar­aus ist die Ambi­va­lenz wer­ten­den Bezugs auf Tod und Trau­er, die zum einen von der Indi­vi­dua­li­sie­rung und Seria­li­sie­rung des kom­mer­zi­el­len Bestat­tens beglei­tet wird – inklu­si­ve des Sie­ges­zu­ges reli­gi­ös-welt­an­schau­li­cher Viel­falt –; und zum ande­ren zur Selbst­be­stim­mung der Bestat­tungs­art führ­te, die das fak­ti­sche, noch nicht das juris­ti­sche Ende des Fried­hofs­zwangs – zumin­dest der Urnen – ein­läu­te­te.

In die his­to­ri­schen Wand­lun­gen waren – zumin­dest für Deutsch­land lässt sich dies nach­wei­sen – die­je­ni­gen Akti­vi­tä­ten säku­la­rer Orga­ni­sa­tio­nen ein­ge­bun­den und teil­wei­se feder­füh­rend, die sich der welt­li­chen Bestat­tungs­kul­tur wid­me­ten. Deren Wir­ken ging ein­her mit frei­re­li­giö­sen und frei­den­ke­ri­schen Pro­jek­ten. Vor allem die Feu­er­be­stat­tung und die Dienst­leis­tun­gen für kon­fes­si­ons­freie „Dis­si­den­ten“ zei­tig­ten tief­ge­hen­de Nach­klän­ge in der Bestat­tungs­kul­tur.[25]

Die­ser Vor­gang wird von Beginn an von kirch­li­cher Sei­te beob­ach­tet und in sei­ner welt­an­schau­li­chen Ten­denz grund­sätz­lich kri­ti­siert, teil­wei­se bis heu­te. Vor allem die „Fra­ge, was nach dem Tod kommt, scheint zuneh­mend von einer christ­lich gepräg­ten Ant­wort ent­kop­pelt. Dies ist z.T. nichts Neu­es. Für die Frei­den­ker­be­we­gun­gen der Ver­gan­gen­heit war einst die Feu­er­be­stat­tung ein demons­tra­ti­ver Akt. Auch heu­te noch sind für Frei­den­ker, z.B. für den ’Huma­nis­ti­schen Ver­band Deutsch­lands’ (HVD), die Bestat­tung und die Trau­er­fei­er so etwas wie eine mis­sio­na­ri­sche Gele­gen­heit. Ein­schlä­gi­ge Zeit­schrif­ten und zahl­rei­che Inter­net­por­ta­le ver­an­schau­li­chen dies. Huma­nis­ten und Athe­is­ten, bekennt eine Ster­be­glei­te­rin des HVD stolz in einem Inter­view, hät­ten ’erst­mals in der Geschich­te ein natür­li­ches Ver­hält­nis zum Tod zum Aus­druck’ gebracht.“[26]

Gemeint ist die Aus­sa­ge in einem Inter­view in der Ver­bands­zei­tung dies­seits 1996 mit Gita Neu­mann, ver­ant­wort­lich im HVD für Pati­en­ten­ver­fü­gun­gen und huma­nes Ster­ben. Ihre Prä­zi­sie­rung, dass bis Anfang des 20. Jahr­hun­derts der Tod ein Ereig­nis gewe­sen sei, „das über­all magisch über­höht und reli­gi­ös gefasst wur­de“[27], fin­det ihre Bestä­ti­gung im Wan­del der Bestat­tungs­kul­tur.

Dazu haben – his­to­risch gese­hen – frei­re­li­giö­se und frei­den­ke­ri­sche Ver­bän­de und – aktu­ell – eige­nes kul­tu­rel­les und wirt­schaft­li­ches Enga­ge­ment eini­ge Ver­bän­de im HVD im Bestat­tungs- und Trau­er­be­reich regio­nal wich­ti­ge Bei­trä­ge geleis­tet. Eine Aus­wei­tung die­ser Pra­xis in Rich­tung Kolum­ba­ri­en, Urnen­ge­mein­schafts­an­la­gen, Fei­er­hal­len, Bera­tung von Men­schen, die Trau­er­fei­ern selbst gestal­ten wol­len oder eige­ne Trau­er­fei­ern bereits zu Leb­zei­ten kon­zi­pie­ren, sind in der Debat­te. Ihre Umset­zung hängt aller­dings wesent­lich von wirt­schaft­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ab, die der HVD der­zeit in ande­re Pro­jek­te inves­tiert (eige­ne Kin­der­ta­ges­stät­ten, Schu­len, Hos­pi­ze …).

Die rea­le Prio­ri­tä­ten­set­zung folgt der Erkennt­nis, dass huma­nis­ti­sche Lebens­ein­stel­lun­gen in der Bevöl­ke­rung auf die welt­li­che Bestat­tungs­pra­xis auch ohne direk­te Teil­nah­me von dezi­diert huma­nis­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen einen nicht zu über­se­hen­den Druck aus­üben. So ist es zum Bei­spiel für den HVD sinn­vol­ler, sich in Fach­de­bat­ten ein­zu­brin­gen, weil er sich auf einem sei­ner tra­di­tio­nel­len Kern­fel­der selbst in einem Lern­pro­zess befin­det und weil sich die Debat­te über Bestat­tungs­kul­tur der­zeit hin­sicht­lich der The­men und der Betei­lig­ten aus­wei­tet. Grund­sätz­li­che Fra­gen des kul­tu­rel­len Umgangs mit Ster­ben und Tod wer­den kon­tro­vers und welt­an­schau­lich bzw. reli­gi­ös zuge­spitzt erör­tert. Das för­dert bei den Fach­ver­tre­tern die Auf­nah­men­be­reit­schaft für huma­nis­ti­sche Ide­en.

Drei Pro­ble­me – „Toten­eh­re“, Tier­fried­hö­fe und DDR-Geschich­te – sei­en kurz her­aus­ge­ho­ben, um die „huma­nis­ti­sche Dimen­si­on“ des Dia­logs anzu­deu­ten. Da ist ers­tens die kei­nes­wegs scho­las­ti­sche Fra­ge, ob Toten „Men­schen­wür­de“ oder nur „Toten­eh­re“ zukommt.[28] Sie zielt dar­auf, inwie­fern Arti­kel 1, Absatz 1, Satz 1 des Grund­ge­set­zes („Die Wür­de des Men­schen ist unan­tast­bar.“) auch für das Andenken und den Ruf eines toten Men­schen gilt und eine post­mor­ta­le Wir­kung inso­fern hat, als die ver­stor­be­ne Per­son den per­sön­li­chen Ach­tungs­an­spruch behält und damit ihr Recht auf fort­wäh­ren­de Aner­ken­nung der geleb­ten Indi­vi­dua­li­tät. Es wird neu­er­dings davon aus­ge­gan­gen, dass „Wür­de“ zwar nur Leben­den zukommt, die­se aber wei­ter wirkt beim Umgang ande­rer Per­so­nen mit den sterb­li­chen Über­res­ten bis in die Toten­ru­he hin­ein und hin­sicht­lich des öffent­li­chen Anse­hens der ver­stor­be­nen Per­son. Das Bür­ger­recht erlöscht, aber die der Per­son zukom­men­de Men­schen­wür­de besteht fort – wenn auch als Hand­lungs­auf­trag an ande­re.

Die­se „Wür­de“ kann die Per­son nicht mehr selbst ein­for­dern.[29] Ihre Wür­de wird Bestand­teil bestat­tungs­kul­tu­rel­ler Richt­li­ni­en und Hand­lun­gen. Sie geht z.B. in Bestim­mun­gen zur „Toten­eh­re“ ein, wie sie in Bestat­tungs­ge­set­zen gere­gelt sind. Die „Men­schen­wür­de“ Ver­stor­be­ner, umge­setzt in Nor­men der „Toten­eh­re“, ist eine den Leben­den auf­ge­tra­ge­ne, den kul­tu­rel­len Tra­di­tio­nen und Ver­ein­ba­run­gen fol­gen­de und damit auch reli­giö­sen und welt­an­schau­li­chen „Glau­bens­an­nah­men“ über­ge­ord­ne­te Erwar­tung, der nach­zu­kom­men ist. Dar­aus erge­ben sich beim Bestat­ten auch die Regeln der Pie­tät, die For­men der Trau­er, die Pflich­ten im Umgang mit den Toten und mit ihren Ange­hö­ri­gen sowie der Respekt gegen­über die­sen Ritua­len. Wider­spre­chen reli­giö­se Bräu­che oder beson­de­re Wün­sche den gel­ten­den Regeln, dür­fen sie nicht aus­ge­führt wer­den bzw. müs­sen die Erlaub­nis­se, anders zu bestat­ten, her­bei­ge­führt wer­den.[30]

Gera­de Ratio­na­li­tät und Soli­da­ri­tät sind hier erfor­der­lich. Nur ein ver­stan­des­mä­ßi­ger Umgang mit den durch Tod und Trau­er her­vor­ge­ru­fe­nen Situa­tio­nen ver­mag in einer plu­ra­lis­ti­schen Gesell­schaft mit Kon­flik­ten umzu­ge­hen, die aus höchst kon­tro­ver­sen, unter­schied­lich reli­gi­ös begrün­de­ten Bestat­tungs­nor­men fol­gen. Dass hier frem­de Per­so­nen (z.B. Bestat­ter) soli­da­risch mit den Toten und Hin­ter­blie­be­nen sowie deren Wert­vor­stel­lun­gen umge­hen, erleich­tert prag­ma­ti­sche Lösun­gen, die beim Behar­ren auf der je eige­nen reli­giö­sen oder welt­an­schau­li­chen Wahr­heit nicht mög­lich wären.

Zwei­tens nähern sich – und hier wird „Anthro­po­zen­tris­mus“ als Unter­schei­dungs­kri­te­ri­um zwi­schen Men­schen- und Tier­be­stat­tung bedeut­sam – Orte und Ritua­le der Human- und Tier­be­stat­tung immer mehr an.[31] Für Huma­nis­mus als eine his­to­risch gewor­de­ne Kul­tur­auf­fas­sung von „Barm­her­zig­keit“ und „Mensch­lich­keit“, die davon aus­ge­hend Wür­de von Men­schen defi­niert, ist die Debat­te wich­tig, ob und wel­che Men­schen­rech­te auf Tie­re aus­ge­dehnt wer­den sol­len. Zu den damit in Bezug auf das Bestat­tungs­we­sen vor­ge­schla­ge­nen kul­tu­rel­len For­men gehört, dass Men­schen mit (ihren) Tie­ren bestat­tet wer­den möch­ten, und dass sich Fried­hö­fe für Men­schen und sol­che für Tie­re bau­lich und erin­ne­rungs­sym­bo­lisch ähneln, neu­er­dings sich sogar oft räum­lich neben­ein­an­der befin­den.

Eine huma­nis­ti­sche Posi­ti­on hat zwar zu beach­ten, dass Tie­re leben­de Wesen sind, denen bestimm­te Tier­schutz­rech­te ver­lie­hen wer­den, dass aber auf der kul­tu­rel­len Ebe­ne der Unter­schied zwi­schen Mensch und Tier gewahrt wer­den muss, auch in den sym­bo­li­schen For­men der Erin­ne­rung. Eine Ver­wi­schung erzeugt die Gefahr, das Ein­ma­lig-Mensch­li­che in einem All­ge­mein-Leben­di­gen gedank­lich auf­ge­hen zu las­sen.[32] Man kann zwar die Hoff­nung haben, die Ver­eh­rung alles Leben­di­gen füh­re in der Ten­denz zu einer Ver­bes­se­rung auch der Men­schen­rech­te. Doch zeigt ein Rück­blick auf die monis­ti­schen Frei­den­ker, dass eine Ver­wi­schung der Tier-Mensch-Gren­zen mit einer gewis­sen Sicher­heit gera­de die­je­ni­gen Men­schen abwer­tet („lebens­un­wer­tes Leben“), deren Mensch­sein den Betrof­fe­nen wegen ihrer pre­kä­ren geis­ti­gen oder kör­per­li­chen Befind­lich­keit nur per Men­schen­recht garan­tiert wer­den kann.[33]

Eine nähe­re Bestim­mung des­sen, was huma­nis­ti­sche Bestat­tungs­kul­tur aus­macht, wird drit­tens nicht ohne Ana­ly­se der bis heu­te weit­ge­hend aus der Debat­te aus­ge­blen­de­ten DDR-Geschich­te auf die­sem Gebiet mög­lich sein. Auch in der DDR wur­de – wie soll­te es anders sein – gestor­ben und bestat­tet. Da der Anteil kon­fes­si­ons­frei­er Bevöl­ke­rung zum Ende der DDR um die acht­zig Pro­zent betrug, muss­te das Bestat­tungs­we­sen auf die­se sozi­al­kul­tu­rel­le Tat­sa­che frü­her reagie­ren als in der alten Bun­des­re­pu­blik und eine vor­wie­gend welt­li­che Kul­tur beför­dern. Was dar­an huma­nis­tisch im heu­ti­gen Ver­ständ­nis war, wäre end­lich anhand der Befun­de zu klä­ren.[34]

So ist es doch auf­fäl­lig, dass zuerst in der DDR erprob­te neue Umgangs­for­men mit der Toten­asche jetzt ernst­lich gesamt­deutsch dis­ku­tiert wer­den, ent­we­der mit einem ver­schäm­ten Blick auf deren Her­kom­men oder gar als neue Idee. In Nord­rhein-West­fa­len – und sicher bald auch in ande­ren Bun­des­län­dern – gibt es spe­zi­el­le Fried­hö­fe, auf denen die Asche Ver­stor­be­ner ver­streut wer­den darf. Das gab es aber schon zu DDR-Zei­ten in Ros­tock. Es war eine beson­de­re Form der Abkehr vom Urnenzwang, der sich gedank­lich an die See­be­stat­tung anlehn­te. Die Asche­ver­streu­ung auf einer fast tau­send Qua­drat­me­ter gro­ßen Wie­se unter Ein­satz von Was­ser­spren­gern wur­de in den 1980er Jah­ren aus Bra­tis­la­va und Prag über­nom­me­nen.[35]

Es wäre auch zu prü­fen, zu wel­chen ande­ren Vor­schlä­gen und Pra­xen volks- bzw. betriebs­wirt­schaft­li­che Über­le­gun­gen geführt haben. Geht es unter den markt­wirt­schaft­li­chen Bedin­gun­gen in der Bun­des­re­pu­blik um Gewinn­ma­xi­mie­rung, die eher neben­bei Reli­giö­ses nivel­liert und nach seri­ell nutz­ba­ren Bau­stei­nen fragt, haben die auf Erspar­nis und reli­giö­se Absti­nenz getrimm­ten Kom­mu­nal­be­trie­be der DDR ähn­li­che Ergeb­nis­se (aller­dings frü­her und brei­ter) erzielt und Säku­la­ri­tät beför­dert.

Die­sen und ande­ren Fra­gen muss sich der Huma­nis­mus stel­len. Er soll­te sich dabei zunächst auf das kon­zen­trie­ren, was sei­nen unmit­tel­ba­ren kon­zep­tio­nel­len Ein­fluss ver­langt, sei­ne eige­ne Pra­xis des Bestat­tens und Erin­nerns an die Toten.

Humanismus und Erinnerungskultur

Stand­punk­te des orga­ni­sier­ten Huma­nis­mus zur Bestat­tungs­kul­tur in Deutsch­land fußen auf einer mehr als 150jährigen Pra­xis. Von dort aus erfolgt die ler­nen­de Durch­sicht vor­lie­gen­der ande­rer Auf­fas­sun­gen. Dabei zeigt sich, dass die Zeit güns­tig ist für huma­nis­ti­sche Offer­ten. Denn Kir­chen, Reli­gio­nen und „neu­tra­le“ Prak­ti­ker ste­hen ange­sichts der zuneh­men­den Zahl von Kon­fes­si­ons­frei­en fak­tisch vor den glei­chen zu lösen­den Fra­gen und deren ethi­scher wie prak­ti­scher Beant­wor­tung.

Der bis­he­ri­ge Dis­kurs zeigt, dass unse­re Gesell­schaft nicht so sehr unter einer Aus­blen­dung von nicht-christ­li­chen Beer­di­gungs­ri­tua­len lei­det, die­se gibt es in Mas­se, son­dern an dem Man­gel, das „Welt­li­che“ vor­ur­teils­frei zu ana­ly­sie­ren. Das „Christ­li­che“ im Zusam­men­hang mit Tod, Ster­ben und Trau­er ist in eini­gen Regio­nen zwar immer noch domi­nant, doch füh­ren nicht nur die Wie­der­be­le­bung jüdi­scher Kul­tu­ren, son­dern die Neu­ein­füh­rung mus­li­mi­scher und ande­rer reli­giö­ser Brauch­tü­mer zu einer neu­en Plu­ra­li­tät, in deren Rah­men sich huma­nis­ti­sche Ange­bo­te bewe­gen.

Die Kon­fes­si­ons­frei­en und ihre säku­la­ren Ver­bän­de ste­hen bei die­sem The­ma vor der lang­fris­ti­gen Auf­ga­be, sowohl eine eige­ne „Gedächt­nis­po­li­tik“ zu ent­wi­ckeln – und dar­in ihre eige­nen Leis­tun­gen im Bestat­tungs­we­sen dar­zu­stel­len –, als auch das öffent­li­che Bewusst­sein zu ver­bes­sern hin­sicht­lich der kul­tur­his­to­ri­schen Leis­tun­gen der frei­den­ke­ri­schen Huma­nis­ten.

Die immer wie­der auf­wal­len­den poli­ti­schen Kon­flik­te um die Erin­ne­rungs­kul­tur in den Medi­en und im Gedenk-, Muse­ums- und Aus­stel­lungs­be­trieb bedür­fen der huma­nis­ti­schen Stim­men, die sich in den Dis­kur­sen bemerk­bar machen. Orte öffent­li­chen Erin­nerns sind viel­fäl­tig: Gedächt­nis­stät­ten, Denk­ma­le, Aus­stel­lun­gen, Ste­len, Schil­der, Land­kar­ten und Hin­weis­ta­feln.[36] Wenn dafür öffent­li­ches Geld ein­ge­setzt wird, poli­ti­siert sich der Streit um Erin­ne­rungs­kul­tu­ren. Es sind in unse­rer Gesell­schaft beson­ders die orga­ni­sier­ten Kon­fes­si­ons­frei­en, deren Gedächt­nis ver­letzt ist und die den Ver­lust lebens­welt­li­cher Erin­ne­rungs­zei­chen eigent­lich lau­ter bekla­gen müss­ten.

Dies ist u.a. des­halb so, weil die kul­tu­rel­len Inno­va­tio­nen der Säku­la­ren stets in die all­ge­mei­ne Kul­tur ein­ge­hen, ohne geson­der­te Spu­ren zu hin­ter­las­sen oder sich in eige­nen Bau­lich­kei­ten zu mani­fes­tie­ren. Gera­de des­halb soll­ten die Orga­ni­sa­tio­nen der Kon­fes­si­ons­frei­en eine Reform der öffent­li­chen Erin­ne­rungs-, Gedenk- und Trau­er­kul­tur for­dern, damit künf­tig reli­gi­ös-welt­an­schau­li­che Plu­ra­li­tät stär­ker geach­tet und auch die Mei­nung und Trau­er nicht­re­li­giö­ser Men­schen öffent­lich respek­tiert wird. Z.B. haben die Inter­es­sen­ver­bän­de der Kon­fes­si­ons­frei­en selbst Sor­ge dafür zu tra­gen, dass bei Bedarf Spre­cher und Spre­che­rin­nen bei öffent­li­chen Gedenk­fei­ern im Zusam­men­hang mit Kata­stro­phen (Esche­de, Erfurt, Win­nen­den, Hai­ti u.a.) oder zu wie­der­keh­ren­den Anläs­sen (Volks­trau­er­tag, „Toten­sonn­tag“) zur Ver­fü­gung ste­hen. Es ist aber eine anste­hen­de poli­ti­sche Auf­ga­be, hier Ände­run­gen in Rich­tung Gleich­be­hand­lung aller – jeweils betrof­fe­nen – Reli­gio­nen und Welt­an­schau­un­gen sicher zustel­len.[37]

Gera­de der „Toten­sonn­tag“ zeigt eini­ge der kon­zep­tio­nel­len Pro­ble­me, vor denen der orga­ni­sier­te Huma­nis­mus steht. Eini­ge Ver­bän­de haben ihn als Ter­min unver­krampft ange­nom­men und bie­ten hier eige­ne Fei­er­stun­den an, obwohl der „Ewig­keits­sonn­tag“ eigent­lich ein aus­schließ­lich evan­ge­li­scher Kir­chen­fei­er­tag ist. Ande­re Ver­bän­de ver­an­stal­ten dage­gen zum Toten­sonn­tag grund­sätz­lich nichts, füh­ren aber am glei­chen Tag oder an ande­ren Tagen „Jah­res­ge­den­ken“ durch.

Die huma­nis­ti­schen Säku­la­ren benö­ti­gen, um sich sou­ve­rä­ner als bis­her in der plu­ra­len Gesell­schaft bewe­gen zu kön­nen, der neu­en Situa­ti­on ange­mes­se­ne öffent­li­che Zei­chen ihres Her­kom­mens und Wer­dens. Dazu kön­nen auch die Erin­ne­run­gen an die eige­nen Toten und die Orte ihrer Grä­ber gehö­ren. Aber zum Erin­nern benö­ti­gen die Men­schen die­se nicht zwin­gend. „Orte der Grä­ber“ brau­chen hier­zu­lan­de vor allem Chris­ten und die­je­ni­gen Bevöl­ke­rungs­grup­pen, denen sol­che Erin­ne­rungs­or­te zur Doku­men­ta­ti­on ade­li­ger oder bür­ger­li­cher Stamm­bäu­me die­nen, die orga­ni­sier­te „Bewe­gun­gen“ (z.B. die sozia­lis­ti­sche) his­to­risch aus­wei­sen wol­len oder die Ahnen­kul­te pfle­gen.

Friedhöfe als weltliche Kultureinrichtungen

Fried­hö­fe sind beson­de­re kul­tu­rel­le Orte. Sze­nen des Abschied­neh­mens kön­nen hier – am glei­chen Ort, förm­lich neben­an – sowohl „hei­li­ge“ als auch „pro­fa­ne“ Vor­gän­ge sein.[38] Nicht nur des­halb sind Fried­hö­fe gera­de aus huma­nis­ti­scher Sicht mehr als nur „letz­te Ruhe­stät­ten“ bzw. „Bei­set­zungs­plät­ze“.[39] Sie sind über ihre eigent­li­chen Bestim­mun­gen hin­aus öffent­li­che Kul­tur­ein­rich­tun­gen in einem mehr­fa­chen Ver­ständ­nis: Orte des Abschied­neh­mens, des Trau­erns, des Geden­kens, der Erin­ne­rung und Besin­nung. Sie die­nen der Erho­lung (Park­an­la­gen, Ruhe­punk­te …), der Gemein­schafts­pfle­ge und dem indi­vi­du­el­len wie kol­lek­ti­ven Erfah­ren von Geschich­te. Sie sind Orte der Fei­er­kul­tur und in die­ser Hin­sicht zuneh­mend mehr­kul­tu­rell, beson­ders durch die neue­re Viel­falt der hier statt­fin­den­den ritu­el­len Hand­lun­gen.[40]

Fried­hö­fe prä­sen­tie­ren neu­er­dings umfäng­li­che Selbst­dar­stel­lun­gen im Inter­net, ver­an­stal­ten Füh­run­gen und Vor­trä­ge mit einem jähr­li­chen Höhe­punkt, dem Tag des Fried­hofs[41], und – bedingt durch die Kon­kur­renz der Anbie­ter – finan­zie­ren sie umfäng­li­che Text-, Ton-, Bild- und Film-Wer­bung.[42] Zudem sind Fried­hö­fe mit­un­ter selbst Kunst­wer­ke oder Orte, wo sol­che zu besich­ti­gen sind – von der Gruft­ge­stal­tung über Grab­stei­ne bis zur Gar­ten­kunst.[43]

Fried­hö­fe sind auch Geschäfts­be­trie­be, die nach dem Prin­zip der Wirt­schaft­lich­keit funk­tio­nie­ren. Sie müs­sen Ein­nah­men erzie­len, Gebüh­ren erhe­ben und sich dem Wett­be­werb regio­nal wie auch natio­nal stel­len. Städ­te und Gemein­den legen die Fried­hofs­ge­büh­ren und die Ruhe­zei­ten selbst fest. Das erzeugt gro­ße regio­na­le Unter­schie­de in den Kos­ten. All dies hat auch zu einem umfäng­li­chen Fried­hofs- und Bestat­tungs­recht geführt.[44]

Fried­hö­fe und das, was auf ihnen, um sie her­um und auf sie bezo­gen geschieht, ihre Fei­er­hal­len, so weit vor­han­den, die Blu­men­ge­schäf­te davor und die Gast­stät­ten neben­an, sind Markt­plät­ze ganz eige­ner Art, die sich im Geflecht des Bestat­tungs­we­sens neu­er­dings sogar eige­ne Leit­bil­der geben und sich von ande­ren Fried­hö­fen im Ort oder andern­orts mit einem Allein­stel­lungs­merk­mal her­aus­he­ben wol­len. In die­sen Bezie­hun­gen han­deln ver­schie­de­ne Akteu­re als Eig­ner, Zulie­fe­rer, Red­ner, Ver­wal­ter, Auf­sicht­ha­ben­de, Kun­den und Ver­mitt­ler.

Bestat­ter ste­hen den Ange­hö­ri­gen in einem Moment der Rat- und Hilf­lo­sig­keit zur Sei­te und müs­sen her­aus­fin­den, was die­se für das Rich­ti­ge im Umgang mit dem Tod hal­ten und was sie tun kön­nen bzw. sogar müs­sen, weil es für uner­läss­lich gilt, wür­dig Abschied zu neh­men. Bestat­ter sind so etwas wie „kul­tu­rel­le Dol­met­scher“. Sie haben es – gemein­sam mit den Spre­che­rin­nen und Spre­chern – in der Hand, dass alle Betei­lig­ten im Umfeld eines Todes­falls mit den gesetz­li­chen Abläu­fen rich­tig umge­hen und alle Betei­lig­ten nach einer Fei­er das Gefühl bekom­men, dass wür­dig bestat­tet wer­de.

Zu die­ser Über­set­zer­tä­tig­keit gehört, dass sich alle Abläu­fe, aber beson­ders die Fei­er­stun­de, in einem Rah­men bewe­gen, der für die Anwe­sen­den über­schau­bar ist, der sie in der Rich­tig­keit ihrer eige­nen Ansich­ten und Hand­lun­gen bestä­tigt oder ein­fühl­sam kor­ri­giert und der ihren Erwar­tun­gen ent­spricht. Hier­bei ist ins­be­son­de­re das Alter der Besu­cher von Bedeu­tung, aber auch die beson­de­re Fami­li­en­si­tua­ti­on.

Wenn Teil­neh­mer an einer Trau­er­fei­er in den Raum hin­ein­kom­men, müs­sen sie sich ohne­hin erst ein­mal mit dem Frem­den, dem Unge­wohn­ten aus­ein­an­der­set­zen, das zur Trau­er noch hin­zu­kommt. Sie brau­chen eine „Anlauf­zeit“, bis sie über­haupt so rich­tig auf­nah­me­fä­hig sind, und sie benö­ti­gen – je nach Ritu­al – Begleit­hil­fen (z.B. wohin mit den Blu­men?). Die­se Situa­tio­nen bedür­fen einer zum Ver­stor­be­nen pas­sen­den Ein­lei­tung und einer ange­mes­se­nen Hin­füh­rung der Gäs­te zur Per­son des Toten und zum Ablauf der Fei­er.

Ange­sichts des gegen­wär­tig statt­fin­den­den Wer­te­wan­dels defi­nie­ren die Men­schen auch in der Bestat­tungs- und Trau­er­kul­tur Wür­de selbst. Das erzeugt eine Situa­ti­on, in der es all­ge­mein ver­bind­li­che Wer­te zwar nicht mehr gibt, aber die Belie­big­keit des Wert­ver­hal­tens all­ge­mein als nega­ti­ve Kul­tur­ten­denz gese­hen wird. Auch eine welt­li­che Fei­er ist kei­ne „belie­bi­ge“.

Dabei unter­lie­gen die­se Wert­ent­schei­dun­gen meh­re­ren in sie ein­grei­fen­den Fak­to­ren. Dazu gehö­ren die zuneh­men­de Mul­ti­re­li­gio­si­tät und neue, unmit­tel­bar mit Tod und Ster­ben zusam­men­hän­gen­de, jedoch zugleich davon rela­tiv getrenn­te Dis­kur­se, z.B. über Ster­be­hil­fe und Organ­spen­den.

Die mul­ti­kul­tu­rel­le und damit mul­ti­re­li­giö­se Bestat­tungs­kul­tur wird vor­an getrie­ben durch all­ge­mei­ne Käuf­lich­keit nahe­zu jeden Ritu­als und dem Trend nach Authen­ti­zi­tät und zugleich Varia­bi­li­tät der Trau­er­fei­ern. Die­se sol­len sowohl die Wün­sche des Ver­stor­be­nen und die Erwar­tun­gen der Gäs­te tref­fen als auch die Bestat­tung und ihr Davor und Danach als ein ein­ma­li­ges Ereig­nis aus ande­ren her­aus­he­ben. Steht dafür genü­gend Geld zur Ver­fü­gung, kön­nen Bestat­ter nahe­zu jeden Wunsch erfül­len, sei es der Stil von Hea­vy Metal oder die an hin­du­is­ti­schen Riten ori­en­tier­te Kre­ma­ti­on, die von (eini­gen) Zuschau­ern als offe­ne Ver­bren­nungs­ver­an­stal­tung beglei­tet wer­den kann.

Neue Bei­set­zungs- und Bestat­tungs­va­ri­an­ten (Fried­wäl­der, See­be­stat­tung …) und neue Pri­vat­fried­hö­fe deu­ten zudem auf Ten­den­zen, dass sich bestimm­te Grup­pen (z.B. extrem bei Fan­ge­mein­den) bis in den Tod hin­ein extra dar­stel­len wol­len (z.B. extrem: HSV-Fried­hof).[45]

Kultur des Beileids

Die öffent­li­che Anteil­nah­me an Bei­leids­be­kun­dun­gen und die Art und Wei­se, wie sie erfol­gen soll­ten oder könn­ten ist gewach­sen. Signal dafür ist das aktu­el­le Medi­en­in­ter­es­se an eher unter­hal­ten­den Bei­trä­gen zum The­ma, z.B. das Buch über unfrei­wil­li­gen Humor bei Todes­an­zei­gen von Chris­ti­an Sprang und Mat­thi­as Nöll­ke Aus die Maus.[46] In einem Inter­view mit der FAZ.NET ver­weist Sprang auf regio­na­le Unter­schie­de wie auf gesell­schaft­li­che Stim­mun­gen: „Süd­lich des Mains hat man oft Anzei­ge mit Foto oder Bibel­zi­ta­ten. Im Nor­den fin­det man ver­mehrt säku­la­re Ersatz­for­men wie Zita­te aus dem ’Klei­nen Prin­zen’. Aber die rich­tig guten Anzei­gen schie­ßen über­all aus dem Boden, wie sel­te­ne Pil­ze. Zum Bei­spiel Hass­an­zei­gen.“[47] Man habe ihn gefragt, ob er nicht eine „Todes­an­zei­gen-Bera­tungs­stel­le“ auf­ma­chen wol­le.

Die His­to­rie wie die Gegen­wart von Bei­leids­be­kun­dun­gen – ihren münd­li­chen, pos­ta­li­schen, gedruck­ten usw. Aus­drucks­for­men – ist wenig unter­sucht. Damit bleibt ein wich­ti­ger Teil der Bestat­tungs­kul­tur weit­ge­hend unbe­kannt. Denn Bei­leids­kar­ten und Trau­er­an­zei­gen zwi­schen Todes­ein­tritt und Bestat­tung wür­den kom­mu­ni­ka­ti­ve Struk­tu­ren und kom­mu­ni­zier­te Wert­vor­stel­lung offen legen, denn – von den Son­der­fäl­len abge­se­hen, die Sprang und Nöll­ke vor­stel­len – die­se Kom­mu­ni­ka­ti­on funk­tio­niert nach Mus­tern, die gesell­schaft­lich bekannt, also rea­le Zei­chen für Kul­tur sind. Es geht dar­in um nor­mier­te Bot­schaf­ten und käuf­li­che Sym­bo­le des Umgangs mit dem Tod. Das Anzei­gen eines Todes per Kar­te, per Inse­rat in der Pres­se oder per Mail oder Inter­net ist oft auch eine reli­giö­se oder welt­an­schau­li­che Bot­schaft. Da auf die­sem Feld wegen der Auf­lö­sung tra­di­tio­nel­ler und regio­na­ler Regeln ein hoher Infor­ma­ti­ons­be­darf bei den­je­ni­gen besteht, die plötz­lich betrof­fen sind, sind Rat­ge­ber wich­ti­ge Hilfs­mit­tel.[48]

Das Wort „Bei­leid“ selbst ist umgangs­sprach­lich üblich, obwohl damit der uner­füll­ba­re Wunsch aus­ge­spro­chen wird, als auf­rich­ti­ger Mensch zur Lin­de­rung des Leids ande­rer Per­so­nen etwas Hilf­rei­ches bei­zu­tra­gen. Die Wort­ge­schich­te ent­hüllt die kul­tu­rel­le Funk­ti­on des Bei­leids. Das Wort ent­stand wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges und drück­te ange­sichts der mas­sen­haf­ten Zufäl­lig­keit der Opfer und der vie­len (nun oft unver­sorg­ten) Wai­sen und Wit­wen Mit­ge­fühl, Bedau­ern und Anteil­nah­me aus – auch die Ohn­macht, ande­ren nicht hel­fen und nur sym­bo­lisch bei­ste­hen zu kön­nen.

Gegen Ende des 18. Jahr­hun­derts, im Zusam­men­hang mit der Indi­vi­dua­li­sie­rung des Todes, wur­de das Bei­leid zu einer nahe­zu ritu­ell zu voll­zie­hen­den Höf­lich­keits­form den Hin­ter­blie­be­nen gegen­über, die unbe­dingt inner­halb bestimm­ter Regel­krei­se zu erbrin­gen war. Heu­te wird das Wort meist im Sin­ne von „mit-trau­ern“ ver­wen­det, obwohl öffent­li­che Trau­er­be­kun­dun­gen, etwa durch Klei­dung, unüb­lich gewor­den sind. Unsi­cher ist heu­te zudem, wer wem die­ses Bei­leid auf jeden Fall, in wel­cher Form, in wel­chen Zeit­räu­men und mit wel­chen Bei­ga­ben aus­zu­spre­chen hat.

Das Nach­den­ken über Rat­schlä­ge an Freun­de und Bekann­te könn­te eine Kul­tur des Bei­leids beför­dern. Es stün­de dem orga­ni­sier­ten Huma­nis­mus gut zu Gesicht, wenn er für sei­ne Anhän­ger­schaft mehr Hil­fen bei den Anstands­re­geln bereit stel­len wür­de, wie man jeman­dem Trau­er anzeigt oder des Bei­leids ver­si­chert, eine Kar­te aus­wählt (ohne beten­de Hän­de), sich hin­setzt, einen Trau­er­brief schreibt, mit Ver­weis auf eige­ne Trau­er­er­fah­run­gen oder sons­ti­ge Rat­schlä­ge, gar auf einen vor­ge­druck­ten Bogen zurück­grei­fen kann und gesagt bekommt, ob man Geld bei­legt oder nicht, ob das eige­ne Bei­leid mit Kar­te und Text auf­fal­len soll oder eben gera­de nicht.

Anonymität als Zeichen

Die Ten­denz hin zu anony­men, mög­lichst pfle­ge­leich­ten Grab- bzw. Urnen­stel­len und zu Rasen­grä­bern nimmt zu und erfasst zuneh­mend auch katho­li­sche Gegen­den und Klein­städ­te, in denen zwar noch immer die indi­vi­du­el­le und kennt­li­che Grab- bzw. Urnen­stel­le domi­niert, aber namen­lo­se Ruhe­stät­ten und Rei­hen­grä­ber sicht­bar zuneh­men. Man spricht hin­sicht­lich der Anony­mi­tät von einer Ver­dop­pe­lung in den letz­ten zwei Jahr­zehn­ten und von einem Anteil von fünf­zig Pro­zent in eini­gen Groß­städ­ten (jede fünf­te Bestat­tung).

Als Grün­de wer­den ange­führt: Ver­ein­sa­mung und ver­wand­ten­lo­se Ver­stor­be­ne, über­las­te­te oder aus­wärts woh­nen­de Ange­hö­ri­ge, Weg­fall des Ster­be­gel­des, stei­gen­de Grab­ge­büh­ren, Beer­di­gungs- und Instand­hal­tungs- sowie Pfle­ge­kos­ten, zuneh­men­de Sin­gle-Haus­hal­te u.a. Damit zusam­men hängt auch das Anwach­sen von Bei­set­zun­gen ohne Fei­er, gar das Ver­sa­gen län­ge­rer letz­ter Wor­te am Grab selbst durch man­che Fried­hofs­ord­nun­gen.

Für die Kom­mu­nen und Fried­hofs­trä­ger fol­gen dar­aus zum einen unaus­ge­las­te­te Fried­hö­fe, mit noch teu­rer wer­den­den Bestat­tungs­kos­ten; und zum ande­ren zuneh­men­de Frei­flä­chen, für gewerb­li­che Nut­zung unge­eig­net und nicht umzu­wid­men, die nicht gesi­chert wer­den kön­nen, was von eher harm­lo­sen Jog­gern, aber auch „mili­tan­ten“ Hun­de­be­sit­zern weid­lich aus­ge­nutzt wird. Wenn die Ten­denz zum Fried­hofs­park hin­führt, muss dem über kurz oder lang nach­ge­ge­ben wer­den. Mehr Kon­zep­te dafür sind nötig.

Anony­me Bestat­tun­gen – von „Sam­mel­be­stat­tun­gen“ von Früh- und Tot­ge­bur­ten bzw. Mas­sen­grä­bern bei krie­ge­ri­schen Ereig­nis­sen unbe­dingt zu unter­schei­den – sind nicht nur Aus­druck von Armut, son­dern durch­aus auch von Selbst­be­stim­mung, gera­de bei gut Betuch­ten. Moral­kri­tik (nicht nur von theo­lo­gi­scher Sei­te) soll­te unter­blei­ben, denn was zu beob­ach­ten ist, scheint auf das Ende des bür­ger­li­chen Todes[49] hin­zu­deu­ten: Dass die Indi­vi­dua­li­tät mit dem Tod erlischt, wird in der anony­men Bestat­tung von den Hin­ter­blie­be­nen kul­tu­rell voll­zo­gen.[50]

Funktion von Ritualen

Welt­li­che Trau­er­fei­ern domi­nie­ren inzwi­schen beson­ders in den Groß­städ­ten und vor allem in Ost­deutsch­land – auch wenn ange­sichts von Bestat­tungs­sze­nen in Spiel- und Fern­seh­fil­men ande­res asso­zi­iert wer­den kann.[51]

Die Bestim­mung „welt­lich“ ent­stand im 19. Jahr­hun­dert. Sie kommt seit dem in ver­schie­de­ner Bedeu­tung vor. Das Wort war zunächst Teil des Streits zwi­schen den welt­li­chen Lai­en und den kirch­li­chen Pries­tern. „Welt­lich“ wur­de schließ­lich in den 1920er Jah­ren zu einem frei­den­ke­ri­schen Kampf­be­griff („welt­li­che Schu­le“). Die Bezeich­nung bekam hier sowohl die ein­deu­ti­ge zeit­li­che Dimen­si­on der End­lich­keit des Lebens als auch den kla­ren irdi­schen Bezug der Dies­sei­tig­keit. Da jedoch dem Nicht­glau­ben­den alles „welt­lich“ ist, wird neu­er­dings das Wort „säku­lar“ genom­men, wegen des Dop­pel­be­zugs von Säku­la­ri­sa­ti­on (aus dem Besitz der Kir­chen neh­men) und Säku­la­ri­sie­rung (Ver­welt­li­chung, die Moder­ne durch­set­zen …).

Auf dem Gebiet Ster­ben und Tod besit­zen die Spe­zia­lis­ten für kon­fes­si­ons­frei­es Abschied­neh­men vor allem des­halb eini­ge Kom­pe­tenz, weil ande­re Anbie­ter nicht dezi­diert die­ses Ele­ment in der Bestat­tungs­kul­tur bear­bei­ten. Die eige­ne Pra­xis, ins­be­son­de­re bei welt­li­chen Trau­er­fei­ern[52], ist ein­zig in ihrer Art, weil sie bewusst nach dem Welt­li­chen sucht und dies­be­züg­lich Erfah­run­gen pro­du­ziert bzw. durch Expe­ri­men­te Neu­es her­vor­bringt.

Zur genaue­ren inhalt­li­chen Bestim­mung des Welt­li­chen setzt sich durch ent­spre­chen­de Pra­xis immer mehr die qua­li­ta­ti­ve Bezeich­nung „huma­nis­tisch“ durch, weil die Varia­tio­nen des Welt­li­chen ins­ge­samt zuneh­men und es „gott­lo­se Reli­gio­nen“ gibt, die ihre eige­ne Fei­er­kul­tur eben­falls ent­fal­ten (bestimm­te Vari­an­ten des moder­nen Bud­dhis­mus, kon­fu­zia­ni­sche Welt­an­schau­un­gen, eso­te­ri­sche Reli­gio­nen). Das führt zu einer Aus­wei­tung der Ritu­al­pra­xis und ver­langt eine nähe­re Wesens­be­stim­mung des­sen, was das Huma­nis­ti­sche aus­zeich­net.

Neue­re For­schun­gen haben einen moder­nen und wei­ten Ritu­al­be­griff her­vor­ge­bracht, der die Insze­nie­rung von Über­hö­hun­gen (Erhe­bung ins Fei­er­li­che und Erha­be­ne) aus­drückt und die Funk­ti­on von Ritua­len sowohl evo­lu­ti­ons­ge­ne­tisch (Ritua­li­sie­run­gen schon im Tier­reich) als auch beson­ders kul­tu­rell und sozi­al kla­rer bestimmt. Danach wer­den Ritua­le von Riten unter­schie­den und die­se wie­der von Ritua­li­sie­run­gen, Anstands­re­geln, Zere­mo­ni­en, Magi­en und Fei­ern der Bewäl­ti­gung mensch­li­cher Kri­sen und Dilem­ma­ta.[53]

Im aktu­el­len Ver­ständ­nis sind Ritua­le sym­bo­li­sche Dra­men. Sie nut­zen dabei den Wunsch von Men­schen, ande­ren im blo­ßen Mensch­sein nahe zu kom­men. Ritua­le hel­fen dabei, den Sinn für das Gemein­sa­me zu füh­len, unab­hän­gig von Beruf, Rang, Besitz und Pri­vi­leg. Nach Mar­tin Buber sind Ritua­le dia­lo­gi­sche Bezie­hun­gen und „flu­ten­de“ Ich-Du-Bezie­hun­gen: „Gemein­schaft ist, wo Gemein­schaft geschieht.“[54] Ritua­le regeln die­se Kom­mu­ni­ka­ti­on bis hin zum Eta­blie­ren von Kon­ven­tio­nen und Ord­nun­gen.[55]

Die aktu­el­le Unsi­cher­heit im Umgang mit dem Ster­ben und dem Tod bei Kon­fes­si­ons­frei­en und deren durch­aus ver­bes­se­rungs­fä­hi­ge ritu­el­le Beglei­tung lässt eine drin­gen­de Auf­ga­be auf­schei­nen, die inhalt­li­che Prä­zi­sie­rung, was eine „Huma­nis­ti­sche Trau­er­fei­er“ aus­zeich­net. Ihre Haupt­re­geln schei­nen zu sein, dass sie gera­de nicht nach star­ren Richt­li­ni­en abläuft, son­dern sich ganz auf die ver­stor­be­ne Per­son aus­rich­tet, pas­send zu deren ein­ma­li­gem, nun end­gül­tig been­de­tem Leben. Des­halb ist auch die offe­ne Insze­nie­rung durch­aus die nor­ma­le, ob mit oder ohne Rede, ob Erd- oder Feu­er­be­stat­tung, im Wahl­grab oder unter der Wie­se. Im Mit­tel­punkt ste­hen die vor­han­de­nen oder ver­mu­te­ten Wün­sche des Ver­stor­be­nen in Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Bedürf­nis­sen derer, denen hin­sicht­lich der Zere­mo­nie das Sagen zukommt.

Da in einer Trau­er­fei­er oft­mals die ver­schie­dens­ten Kon­fes­sio­nen zusam­men kom­men und alle Gäs­te unter­schied­li­che Erwar­tun­gen an eine Abschied­nah­me haben, wird inzwi­schen meist eine gewis­se Zeit zur Ver­fü­gung gestellt, dass sich jeder Gast auf sei­ne Art und Wei­se ver­ab­schie­den kann. Hier ist es durch­aus mög­lich, für sich im Stil­len ein Gebet zu spre­chen.

Aus­ge­schlos­sen sind aber in huma­nis­ti­schen Fei­ern christ­li­che und ande­re reli­giö­se Sym­bo­le, mit Aus­nah­me des Kreu­zes, das nicht nur in kirch­li­chen Kapel­len, son­dern auch in fast jeder städ­ti­schen Fei­er­hal­le unüber­seh­bar hängt bzw. steht. Nicht vor­ge­se­hen sind außer­dem laut gespro­che­ne Gebe­te bzw. das Sin­gen reli­giö­ser Lie­der, Aus­seg­nun­gen usw. Welt­lich­keit soll domi­nie­ren, da nach dem huma­nis­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis der Tod als natür­li­ches Ende des Lebens ange­se­hen wird und kein Wei­ter­le­ben im Jen­seits ange­nom­men wird.

Die Welt­lich­keit der Kon­zep­ti­on schließt ein, dass es adäqua­te Mög­lich­kei­ten gibt, Trost zu geben – Ermu­ti­gun­gen aus­zu­spre­chen – bzw. Trost zu fin­den durch Wor­te und Zei­chen, die das Ver­lust­ge­fühl und die Trau­rig­keit des Allein­ge­las­sen­seins mil­dern hel­fen durch posi­ti­ve Erin­ne­run­gen an den ver­stor­be­nen Men­schen, dass es ihn oder sie gab, dass man mit ihm Zeit ver­brach­te, von ihm lern­te, dass eine Spur von ihm oder ihr zurück­bleibt und sogar wei­ter gege­ben wer­den kann. Die Ver­an­stal­tung selbst ist eine Ver­ab­schie­dungs­fei­er und hat meh­re­re Adres­sa­ten: die Hin­ter­blie­be­nen, Freun­de und Trau­er­gäs­te. Der oder die Tote ist tot. Die Anwe­sen­den ent­las­sen ihn oder sie förm­lich aus der Gemein­schaft. Hoff­nun­gen gegen­über höhe­ren Mäch­ten oder auf ein Wie­der­se­hen kom­men nicht vor. Auf­er­ste­hung ist aus­ge­schlos­sen.

Weltliche Bestattungsfeier

Eine Fei­er dau­ert gewöhn­lich drei­ßig Minu­ten. Alle Betei­lig­ten haben grö­ße­ren Auf­wand betrie­ben, so dass die­se Min­dest­zeit den Auf­wand recht­fer­tigt und doku­men­tiert. Beson­de­re Sorg­falt gilt den künst­le­ri­schen Stil­ele­men­ten in der Fei­er. Musik (in der Regel drei Musik­stü­cke) bringt Emo­tio­nen zum Aus­druck und spricht die­se auch beim Zuhö­rer an. Sie hilft, Span­nun­gen zu lösen, über­brückt Wort­lo­sig­keit und stif­tet Atmo­sphä­re. In der Regel wird die Lieb­lings­mu­sik des / der Ver­stor­be­nen gewählt. Moder­ne Abspiel­tech­nik hat die Mög­lich­kei­ten ver­grö­ßert. Die ein­zel­nen Musik­stü­cke soll­ten zusam­men­pas­sen (in den Erwar­tun­gen derer, die sie aus­ge­wählt haben). Aktiv am Abschieds­ze­re­mo­ni­ell mit­zu­wir­ken ist aber ein wich­ti­ger Aspekt der Trau­er­ar­beit, ohne eige­ne Ide­en auf­zu­drän­gen.

Lyrik, Fotos, Blu­men, Ker­zen gehö­ren zu den wich­tigs­ten Zei­chen für eine gemein­sa­me ritu­el­le Hand­lung. Plas­ti­ken, Bil­der oder auch Glas­ar­bei­ten kön­nen einem Trau­er­feier­ort Har­mo­nie geben. Die Aus­ge­stal­tung trägt dazu bei, in kür­zes­ter Zeit „das Wesen“ eines Men­schen zu erfas­sen, mit dem man nicht mehr reden kann – von dem viel­leicht ein gutes Foto sicht­bar hängt, im schlech­ten Fall lie­ber gar keins.

Die Trau­er­re­de ist das zen­tra­le Ele­ment der Fei­er. Durch sie wird die Ein­ma­lig­keit, das Beson­de­re des geleb­ten Lebens ver­deut­licht bzw. her­vor­ge­ho­ben. Dies geschieht bewusst im Gegen­satz zur kirch­li­chen Lit­ur­gie, in der an die Lei­den von Chris­tus erin­nert wird – auch wenn des­sen Tod den Gläu­bi­gen durch das Bild der Auf­er­ste­hung eigent­lich die Tod­über­win­dung und die Hoff­nung auf neu­es Leben aus­drü­cken soll (Ostern als Früh­lings­fest nach dem Erdul­den des Win­ters; Pas­si­on nach lat. pas­sio, das Lei­den). Es wird Wert dar­auf gelegt, dass die Rede sehr per­sön­lich, ein­fühl­sam und vor allem ehr­lich ist. Die ver­stor­be­ne Per­son muss erkenn­bar und nicht ver­zeich­net oder gar kari­kiert sein. Dabei wird auch Nega­ti­ves nicht aus­ge­spart, wobei es hier auf die For­mu­lie­rung ankommt, denn auch Hin­ter­blie­be­ne müs­sen sich im Gesag­ten wie­der fin­den.

Des­halb wer­den in der Trau­er­re­de typi­sche Bege­ben­hei­ten und beson­de­re Erleb­nis­se zum Gegen­stand gemacht, auch um der Gefahr zu ent­ge­hen, lang­wei­lig an bio­gra­fi­schen Daten zu hän­gen. Das gelingt nur, wenn der Trau­er­red­ner / die Trau­er­red­ne­rin die Rede auf der Grund­la­ge eines inten­si­ven Vor­ge­sprächs per Haus­be­such ver­fasst und mög­lichst mit meh­re­ren Ange­hö­ri­gen bespro­chen hat. Ergeb­nis die­ser Gesprä­che kann auch sein, dass Hin­ter­blie­be­ne oder Freun­de den Wunsch äußern, die Rede selbst zu hal­ten oder einen ande­ren eige­nen Bei­trag zu leis­ten, zu musi­zie­ren oder ein Gedicht vor­zu­tra­gen. Die Trau­er­ver­samm­lung kann durch einen Pro­gramm­zet­tel auf den Ablauf vor­be­rei­tet wer­den.

Eben weil im Kon­zept huma­nis­ti­scher Bestat­tungs­kul­tur die Trau­er­re­de ein zen­tra­les Ele­ment ist, soll­te der HVD Spre­che­rin­nen und Spre­cher für welt­li­che Trau­er­fei­ern wei­ter- und gege­be­nen­falls (z.B. in sei­nen Aka­de­mi­en) aus­bil­den, dabei eine Zer­ti­fi­zie­rung ein­füh­ren und ein Qua­li­täts- / Güte­sie­gel „Huma­nis­ti­scher Trau­er­spre­cher / Trau­er­spre­che­rin“ ver­ge­ben, um der zuneh­men­den Nach­fra­ge gerecht zu wer­den und sei­ne Spre­cher aus der Grau­zo­ne frei­schaf­fen­der Trau­er­red­ner her­aus­zu­he­ben.

Sol­che Aus- und Wei­ter­bil­dun­gen wer­den zwei­fel­los auch die Suche nach neu­en Ritua­len beför­dern. In dem ARD-Film Glau­ben ohne Gott[56] wird gezeigt, wie mit einem Sarg und einem Tuch expe­ri­men­tiert wird und wie län­ge­re Abschied­nah­me beim Tod eines Lebens­part­ners zu Hau­se mög­lich sein könn­te. Man hört im Film Ange­stell­te des Ber­li­ner HVD sagen, nach dem Tod käme das „Nichts“, wie eben vor der Geburt. Man inten­diert, dass es wohl auf ein sinn­vol­les Leben ankommt. Dann fol­gen Mal­übun­gen (die der Film­text „mys­tisch“ über­höht) und es wird ziem­lich unre­flek­tiert von „Man­da­la“ gespro­chen.[57] Ähn­li­ches geschieht im Zusam­men­hang mit einer ver­wen­de­ten Klang­scha­le.

Jeden­falls bemü­hen sich Men­schen unter Her­ein­nah­me ihnen bekannt gewor­de­ner Kul­tur­tech­ni­ken eine Art huma­nis­ti­sches Ritu­al zu erfin­den. Die­se Sze­ne hat eini­gen Streit aus­ge­löst über Ritua­le all­ge­mein und das Vor­ge­führ­te ganz beson­ders. Die­ser ist an kon­kre­ten Bei­spie­len wei­ter zu füh­ren, denn es ist rat­sam, Men­schen auf ihrer Suche nach neu­en Ritua­len zu beglei­ten, Ide­en und Expe­ri­men­te zu unter­stüt­zen, so selt­sam sie zunächst erschei­nen mögen.

Wenig unter­sucht ist das sehr welt­li­che Phä­no­men „Lei­chen­schmaus“, das sich an nahe­zu jede Trau­er­fei­er anschließt, in unse­rer Kul­tur bis in die Anti­ke zurück­reicht und reli­gi­ons­un­ab­hän­gig das Wei­ter­le­ben der Gemein­schaft mit gemein­sa­mem Essen und Trin­ken begeht. Gast­stät­ten in Fried­hofs­nä­he hei­ßen des­halb oft im Volks­mund „Lei­chen­kaf­fee“, weil sie die Orte sind, an denen das Kaf­fee­trin­ken der Trau­er­gäs­te statt­fin­det (Beer­di­gungs­kaf­fee, Lei­des­sen, Trau­er­brot, Lei­chen­trunk usw.).

Der Tod, so die gemein­sam bekun­de­te und emp­fun­de­ne Erkennt­nis, ist eine Sta­ti­on des irdi­schen Lebens. Im Toten­ge­den­ken und in einem zwang­lo­sen Rah­men wer­den Geschich­ten rund um den Toten erzählt, um die unmit­tel­ba­ren Erin­ne­run­gen an das Ster­beer­eig­nis und den Toten zu ver­drän­gen. Ent­we­der bereits hier, wenn sich eini­ge for­mel­le Gäs­te ver­ab­schie­det haben, nach­dem sie Gele­gen­heit zur Kon­do­lenz beka­men, oder an einem drit­ten Ort im enge­ren Kreis wird dann mit­un­ter aus­gie­big und hei­ter gefei­ert.[58] Oft schlägt die Stim­mung völ­lig um. Des­halb gab es his­to­risch immer wie­der Bestre­bun­gen, die­sen Teil der Trau­er­kul­tur zu regle­men­tie­ren oder ganz zu besei­ti­gen.

Künf­ti­ges welt­li­ches Bestat­ten und welt­li­ches Trau­ern wird For­men haben, die jetzt ange­legt sind. Wenn sie sich nicht ent­wi­ckeln, wer­den die Men­schen auf alte Mus­ter zurück­grei­fen und auf die mit ihnen ver­bun­de­ne Reli­gio­si­tät. Auch Huma­nis­ten suchen nach Ritua­len, die ihnen und ande­ren Men­schen hel­fen, sich in exis­ten­zi­el­len Situa­tio­nen zurecht­zu­fin­den. Der Huma­nis­mus wird auch hier den Men­schen etwas geben – oder er wird nicht erfolg­reich sein.

Freigabe des Friedhofzwangs für Urnen

Aktu­el­le Vor­gän­ge im Bestat­tungs­we­sen wer­fen alte Fra­gen neu auf, z.B. das juris­ti­sche und zugleich ganz prak­ti­sche Pro­blem nach dem Sta­tus der mensch­li­chen Asche.[59] Der 1934 ein­ge­führ­te und bis heu­te gel­ten­de Fried­hofs­zwang für Urnen (Reichs­ge­setz über Feu­er­be­stat­tun­gen[60]) macht die­se Eigen­tums- und Kul­tur­fra­ge zu einem aktu­el­len und poli­ti­schen The­ma, gera­de ange­sichts einer Ten­denz zur Indi­vi­dua­li­sie­rung und Selbst­be­stim­mung. Die Fra­ge nach dem Sta­tus der Asche und die nach dem Fried­hofs­zwang, ver­bun­den mit der nach der Zukunft der Fried­hö­fe und neue­ren Ten­den­zen im Bau von Kolum­ba­ri­en, zeigt eine neue Kon­stel­la­ti­on der Anbie­ter.[61]

Die katho­li­sche Kir­che, über ein Jahr­hun­dert Geg­ner der Feu­er­be­stat­tung, mach­te die­ses Feld – his­to­risch gese­hen – zu einem der Frei­den­ke­rei. Nun betrei­ben katho­li­sche Kir­chen selbst Kolum­ba­ri­en, z.B. in Thü­rin­gen, kon­kret in der Erfur­ter „Aller­hei­li­gen­kir­che“ und sogar im Rhein­land, in der „Grab­kir­che“ St. Micha­el in Maria­hof (Trier), neue Bestat­tungs­ge­set­ze nut­zend, in der Kir­che, also nicht auf einem Fried­hof.[62] Der Fried­hofs­zwang wird damit umgan­gen.

Die Frei­ga­be des Fried­hofs­zwangs für Urnen soll­te von den Kon­fes­si­ons­frei­en­ver­bän­den gefor­dert wer­den nach dem Prin­zip der Selbst­be­stim­mung sowie einer all­ge­mein fest­ge­setz­ten Auf­be­wah­rungs­frist. Die Frei­ga­be wür­de immer dann gestat­tet sein, wenn ein leben­der Mensch, der z.B. eine Pati­en­ten­ver­fü­gung ver­fasst hat, auch hier­zu eine „Ver­fü­gungs­be­fug­nis“ in zwei­er­lei Hin­sicht erteilt: Ort der Auf­be­wah­rung und Mög­lich­keit des Zugangs Drit­ter, um Trau­er zu üben.

Friedhofsökologie

Gewöhn­lich wird unter Fried­hofs­öko­lo­gie ledig­lich der Ver­zicht auf Boden­ver­sie­ge­lung, Her­bi­zi­de, Kunst­stoff­krän­ze oder Plas­tik­blu­men ver­stan­den. Tat­säch­lich ist hier aber ein Umden­ken im Gan­ge und die Ver­wen­dung von Pflan­zen­schutz- oder Unkraut­ver­til­gungs­mit­teln ist nicht gestat­tet. Das Bestreu­en der Grab­flä­che oder der Grab­rän­der mit Sand, Kies oder ähn­li­chen Mate­ria­li­en wird immer mehr unter­sagt und Salz kommt immer weni­ger als Win­ter­streu­mit­tel oder als Unkraut­be­kämp­fungs­mit­tel zum Ein­satz.[63]

Unter die­ses The­ma fällt die Hal­tung zu Grab­bei­ga­ben. Neu­er­dings neh­men Wün­sche zu, den toten Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen Grab­bei­ga­ben mit in den Sarg bzw. in den Ver­bren­nungs­ofen zu geben, häu­fig bei ver­stor­be­nen Klein­kin­dern. Dabei geht es meist um typi­sche Gebrauchs- bzw. Spiel­ge­gen­stän­de der Ver­stor­be­nen, die er oder sie zu Leb­zei­ten benutz­te. Es häu­fen sich auch Bit­ten, spe­zi­ell für die Bestat­tung gefer­tig­te oder zu Leb­zei­ten gern benutz­te Din­ge (Bil­der, Kis­sen, Fotos, All­tags­uten­si­li­en, Toten­schmuck, Hem­den, Kera­mik, Kunst­ge­gen­stän­de, Turn­schu­he, Brie­fe, PC-Sticks …) bei­zu­ge­ben. Immer mehr wer­den die­se Erwar­tun­gen mit dem Ver­lan­gen ver­bun­den, die Bei­ga­be ritu­ell zu voll­zie­hen.

His­to­risch gese­hen haben nahe­zu alle Kul­tu­ren aus ver­schie­de­nen reli­giö­sen oder welt­li­chen Moti­ven her­aus sol­ches Ver­hal­ten gedul­det, geför­dert oder gar ver­langt (Toten­mün­ze) und die Kir­chen haben heid­ni­sche Ver­hal­tens­wei­sen christ­lich über­formt und neu gedeu­tet. In der Archäo­lo­gie lie­fern sol­che Grab­bei­ga­ben uner­setz­ba­re Hin­wei­se auf die zeit­li­che und kul­tu­rel­le Zuord­nung von Fun­den aus der fer­nen Ver­gan­gen­heit. Sie geben Aus­kunft über dama­li­ge Kul­tur.

Der aktu­el­le Trend bedarf der Deu­tung. Es scheint der neu auf­kom­men­de Wunsch nach Bei­ga­ben auf die fort­schrei­ten­de Säku­la­ri­sie­rung des Bestat­tungs­we­sens hin­zu­deu­ten. Es geht den Spen­dern der Bei­ga­ben weni­ger um Geschen­ke oder Gebrauchs­ge­gen­stän­de für das Jen­seits oder um „Weg­zeh­run­gen“ für den Weg dort­hin, son­dern um bewuss­te psy­cho­lo­gi­sche Ent­las­tung der Hin­ter­blie­be­nen in ihrem Dies­seits.

Huma­nis­ten soll­ten auch hier nach dem Prin­zip der Selbst­be­stim­mung Raum zur Ent­fal­tung geben. Kri­te­ri­en, sol­che Wün­sche zu ver­sa­gen, kön­nen nur mit den Bestat­tern, Fried­hofs­eig­nern und Umwelt­be­hör­den ent­wi­ckelt wer­den. Sie sind nicht kul­tu­rell begründ­bar, son­dern gehor­chen allein den Kri­te­ri­en rascher Ver­rot­tung und umwelt­ge­rech­ter Ver­bren­nung.

Der öko­lo­gisch kri­ti­sche Blick ent­deckt über­haupt zuneh­mend das Bestat­tungs­we­sen. Eisen­sär­ge gibt es heu­te fast gar nicht mehr. Holz­sär­ge sind üblich. Die­se haben meist Kunst­stoff­in­nen­tei­le, die zusam­men mit den che­mi­schen Kle­bern unter die Erde gelan­gen. Papp­sär­ge sind dage­gen schnell bio­lo­gisch abge­baut – was auch den Zer­set­zungs­pro­zess des Leich­nams beschleu­nigt.[64] Die Pro­ble­me sind grund­sätz­li­cher und dies nicht nur wegen der Schwer­me­tal­le, die im mensch­li­chen Kör­per ein­ge­la­gert sind. Nach­hal­tig­keit ist auch im Bestat­tungs­we­sen nötig und Fried­hofs­trä­ger sind gesetz­lich zu ver­an­las­sen, öko­lo­gi­sche Prü­fun­gen des Bodens in Trink­was­ser­ein­zugs­ge­bie­ten vor­zu­neh­men. Im Fal­le von Ver­un­rei­ni­gungs­mög­lich­kei­ten soll­ten betrof­fe­ne Fried­hö­fe rasch geschlos­sen wer­den.

Die medi­ka­men­tö­se Kon­ta­mi­na­ti­on von Leich­na­men vor ihrer Erd­be­stat­tung ist erns­ter zu neh­men und es sind Grenz­wer­te zu bestim­men.[65] Was für Kran­ken­trans­por­te gilt, näm­lich die gründ­li­che Rei­ni­gung des Fahr­zeu­g­inne­ren nach dem Verster­ben eines Pati­en­ten im Wagen, soll­te adäqua­te Über­le­gun­gen bei Erd­be­stat­tun­gen aus­lö­sen. Auch aus die­sen gesund­heit­li­chen und öko­lo­gi­schen Grün­den soll­te die Feu­er­be­stat­tung steu­er­lich stär­ker gegen­über der Erd­be­stat­tung geför­dert wer­den. Viel­leicht soll­te der Mehr­wert­steu­er­satz bei die­sen Bestat­tun­gen gesenkt wer­den.

Ein­bal­sa­mie­run­gen des Leich­nams soll­ten, so weit dies in der her­kömm­li­chen Art geschieht, bei Erd­be­stat­tun­gen ver­bo­ten wer­den. Es wird gewöhn­lich Form­alde­hyd ver­wen­det, das in Venen und Arte­ri­en sowie in den Bauch- und Brust­raum des Leich­nams ein­ge­lei­tet wird. Der krebs­er­re­gen­de Stoff kann so auch ins Grund­was­ser gelan­gen. Zugleich ist die Emis­si­on von Umwelt­gif­ten durch Kre­ma­ti­on (Tech­nik und Plas­te im Men­schen) zu redu­zie­ren: Zahn­fül­lun­gen aus Amal­gam, Medi­ka­men­ten­res­te, Schä­del­plat­ten, Herz­schritt­ma­cher, Hüft- und Knie­ge­len­ke, Sili­kon­brüs­te, Nägel, Arthro­se-Gelees, Schrau­ben, Dräh­te, Lei­chen­tu­che …).

Als Mit­tel­weg und Abhil­fe gegen die nega­ti­ven öko­lo­gi­schen Fol­gen der Ver­bren­nung wie der Erd­be­stat­tung wird gegen­wär­tig die aus Schwe­den impor­tier­te neue Metho­de der kör­per­li­chen Dekom­po­si­ti­on emp­foh­len, das „Schock­frie­ren“ („Gefrier­trock­nen“) bzw. die „Pro­mie­rung“.[66] Abge­se­hen von den Ener­gie­kos­ten und dem hohen tech­ni­schen Auf­wand löst die­se Metho­de wohl nicht die genann­ten Pro­ble­me.

Neue Symbole

Stei­ner­ne Kreu­ze am Weges­rand fin­den sich über­all, beson­ders in katho­li­schen Gegen­den. Eini­ge von ihnen erin­nern an Unfäl­le, die sich teils vor vie­len Jahr­zehn­ten abspiel­ten. Unfall­kreu­ze am Stra­ßen­rand sind eine neue Form der Trau­er von Hin­ter­blie­be­nen und teils völ­lig frem­den Men­schen, die auf den Ort des Gesche­hens hin­wei­sen wol­len. Manch­mal gibt es klei­ne Fei­ern, oft sind sie loka­les öffent­li­ches Ereig­nis. Jähr­lich ster­ben in Deutsch­land fast 6.000 Men­schen im Stra­ßen­ver­kehr. Vie­le von ihnen waren noch jung und eine Mehr­heit von ihnen am Gesche­hen schuld­los.

Die meist roh gezim­mer­ten Kreu­ze oder sonst her­ge­rich­te­ten Zei­chen sind mehr­deu­ti­ge und mehr­funk­tio­na­le Gedenk­sym­bo­le. Sie berich­ten von plötz­li­chem Tod, zei­gen auf Ster­be­or­te, erzäh­len von Schock und Ver­zweif­lung, aber auch davon, dass ande­ren die­ses Schick­sal erspart blei­ben möge. Unfall­kreu­ze wir­ken wie Warn­hin­wei­se. Sie ähneln jenen beschei­de­nen Krie­ger­denk­mä­lern, die an Schlacht­or­ten ste­hen und von Betei­lig­ten oder Beob­ach­tern nach dem Ereig­nis errich­tet wur­den. Sie zei­gen auf die Bege­ben­heit, ohne Hel­den­le­gen­den zu pfle­gen.

Auch wenn wohl mehr­heit­lich Kreu­ze auf­ge­stellt wer­den, ist die Erin­ne­rungs­kul­tur hier kei­nes­falls eine ein­deu­tig christ­li­che.[67] Aus­nah­men gibt es in katho­li­schen Regio­nen durch die dort sowie­so oft vor­kom­men­den Holz­kreu­ze mit einem klei­nen Dach aus Bret­tern, unter denen sich Kru­zi­fi­xe und Ker­zen fin­den.

Meist sind die Weg- und Stra­ßen­rand­zei­chen aus ver­gäng­li­chen Mate­ria­li­en (Holz­lat­ten, Bau­mäs­te, teil­wei­se lackiert oder grob lasiert). Manch­mal wer­den Find­lin­ge her­an­ge­schleppt oder Metall­kon­struk­te auf­ge­stellt. Neben den Kreu­zen fin­den sich Blu­men­ab­la­gen, Spiel­zeug, Ziga­ret­ten­schach­teln, Hel­me, Kunst­blu­men, elek­tro­ni­sche Abspiel­ge­rä­te in vol­ler Funk­ti­on, Tei­le des Unfall­fahr­zeu­ges, Ker­zen, Brie­fe, Datums­an­ga­ben, Fotos, teil­wei­se Pla­ka­te oder gan­ze Anschlag­bret­ter und ande­re Gegen­stän­de von hoher sub­jek­ti­ver Zei­chen­kraft. Meist han­delt es sich um lai­en­haft her­ge­rich­te­te und ver­gäng­li­che Mahn­ma­le, die nach eini­ger (rela­tiv kur­zer) Zeit meist wie­der von den Auf­stel­lern oder den Ord­nungs­äm­tern ent­fernt wer­den.

Da in unse­rer Kul­tur in der Regel Ster­be-, Bestat­tungs- und Trauer­ort nicht mehr iden­tisch sind und die meis­ten Men­schen in Kran­ken­häu­sern oder Alten­hei­men ster­ben, fal­len Hin­wei­se in öffent­li­chen Räu­men auf Todes­er­eig­nis­se beson­ders auf. Sie zei­gen, dass wohl gera­de wegen der hohen Indi­vi­dua­li­sie­rung und Mobi­li­tät nach Orten des Ver­wei­lens und Nach­den­kens über die eige­ne End­lich­keit gesucht wird.

Es wären Dis­kur­se zu beför­dern, wie mit den von den Men­schen selbst (ohne Hil­fe von Bestat­tern, Orga­ni­sa­tio­nen, Kir­chen usw.) errich­te­ten Denk­mä­lern öffent­lich umzu­ge­hen ist. Man kann nicht zum einen die Ver­drän­gung des Todes aus dem Leben der Leben­den bekla­gen und zum ande­ren pein­lich dar­auf ach­ten, dass Sym­bo­le des Ster­bens und des Todes, die gel­ten­den Ord­nungs­prin­zi­pi­en und tra­dier­ten Mus­tern des Toten­ge­den­kens wider­spre­chen, schnell und gründ­lich ent­sorgt wer­den. Feh­len­de Plu­ra­li­tät der Trau­er­zei­chen und Domi­nanz christ­li­cher Zei­chen wird beson­ders dort sicht­bar, wo meh­re­re, ein­an­der frem­de Per­so­nen zu Tode kamen (Zusam­men­stö­ße, Bus­un­glü­cke) und Behör­den für öffent­li­che Erin­ne­rung sor­gen.

Kulturethische Standards

Der recht­li­che Platz der Fried­hö­fe ist in ent­spre­chen­den Lan­des­ge­set­zen, regio­na­len Ver­fü­gun­gen und eige­nen Sat­zun­gen fest­ge­legt. Von allen Trä­ger­schaf­ten soll­ten die Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen von Kon­fes­si­ons­frei­en nicht nur die öffent­lich-recht­li­chen, son­dern auch alle die­je­ni­gen pri­va­ten (auch eige­nen) favo­ri­sie­ren, die eine öffent­li­che Nut­zung und bestimm­te kul­turethi­sche Stan­dards garan­tie­ren, aber Pro­fit­ori­en­tie­rung aus­schlie­ßen. Über die­se Garan­ti­en gibt es der­zeit eine rege Debat­te (etwa „Kul­tur­wäch­ter“ ver­sus „Dienst­leis­ter“[68]), beson­ders im Zusam­men­hang mit der sozia­len Tei­lung in Arme und Rei­che.

Die Trä­ger der Sozi­al­hil­fe über­neh­men bei vor­lie­gen­den Vor­aus­set­zun­gen, die das Sozi­al­ge­setz­buch regelt, die Kos­ten der Bestat­tung. Die Erstat­tung an die­je­ni­gen, die in Vor­leis­tung getre­ten sind, erfolgt wegen der umfang­rei­chen Prü­fun­gen immer erst nach der Bei­set­zung. So lan­ge ein Antrag von der Sozi­al­be­hör­de geprüft wird, ent­ste­hen durch die Zwi­schen­la­ge­rung der Ver­stor­be­nen ziem­lich hohe Zusatz­kos­ten.

Die Zahl der Men­schen, die mit einem Ord­nungs­amts- bzw. Sozi­al­be­gräb­nis bestat­tet wer­den, steigt. Mit die­ser Bestat­tungs­pra­xis ver­län­gert sich die Zeit zwi­schen Tod und Begräb­nis. In den meis­ten Fäl­len sind es Sin­gle-Haus­hal­te sehr alter Men­schen, aber auch unkla­re oder zer­rüt­te­te Fami­li­en­ver­hält­nis­se und unge­nü­gend Kennt­nis­se über Ver­wand­te des Ver­stor­be­nen bei Pfle­ge­fäl­len und in Kran­ken­häu­sern. Zuneh­mend („Hartz IV“) sind Ehe­leu­te, Ver­wand­te ers­ten Gra­des sowie Lebens­part­ner oder Ver­wand­te nicht selbst in der Lage, die Kos­ten zu über­neh­men. Sie bean­tra­gen Sozi­al­be­stat­tung nach § 74 SGB XII.[69] Allein das Land Ber­lin gibt für Sozi­al­be­stat­tun­gen inzwi­schen „rund drei Mil­lio­nen Euro aus, damit Ange­hö­ri­ge ihre Toten wür­dig unter die Erde brin­gen kön­nen.“[70]

Huma­nis­tin­nen und Huma­nis­ten soll­ten dafür ein­tre­ten, Ein­kom­mens­schwa­chen, gera­de nach dem Weg­fall des Ster­be­gel­des, Bestat­tun­gen in orts­üb­li­cher Qua­li­tät, unter Beach­tung des letz­ten Wil­lens des Ver­stor­be­nen und der finan­zi­el­len Rah­men­be­din­gun­gen der gesetz­lich für die Bestat­tung Zustän­di­gen zu sichern. Viel­leicht wäre auch die Debat­te um bun­des­wei­te Min­dest­stan­dards zu beför­dern.[71]

Jeden­falls kön­nen die Grund­sät­ze für eine wür­di­ge Bestat­tung des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Bestat­ter vom 27. Okto­ber 2008 prin­zi­pi­ell unter­stützt wer­den.[72] Viel spricht dafür, zügig vor Ort Ver­ein­ba­run­gen durch die Kom­mu­nen mit den Bestat­tern, Sozi­al­ver­bän­den, Kran­ken­häu­sern, Senio­ren­hei­men, Hos­pi­zen und Orga­ni­sa­tio­nen (z.B. Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten) hin­sicht­lich der Kri­te­ri­en für Grund­leis­tun­gen und deren Umset­zung her­bei­zu­füh­ren. Wie auch auf ande­ren über­grei­fen­den Poli­tik- und Ver­wal­tungs­fel­der üblich, bie­ten sich ana­log Arbeits­grup­pen für wür­di­ge Bestat­tung an.

Der orga­ni­sier­te Huma­nis­mus soll­te auch hier sei­ne Vor­stel­lun­gen ein­brin­gen und beson­ders hin­sicht­lich der „Sozi­al­be­stat­tun­gen“ sei­ne For­de­run­gen prä­zi­sie­ren, v.a. dahin­ge­hend, dass die glei­che Wür­de der Men­schen auch nach deren Tod dem Leich­nam gegen­über fort­be­steht und für eine ent­spre­chen­de Bestat­tung gesell­schaft­lich zu sor­gen ist. Der HVD könn­te dafür ein­tre­ten, hin­sicht­lich der Toten­fei­er nicht nur ein kul­tu­rel­les Mini­mum zu sichern, son­dern die (wirk­li­che bzw. begrün­det ver­mu­te­te) reli­giö­se bzw. welt­an­schau­li­che Ori­en­tie­rung der Ver­stor­be­nen zu ach­ten und dort, wo dies Sozi­al­be­gräb­nis­se bis­her nicht vor­se­hen, Min­dest­stan­dards zu sichern (Red­ner, Orga­nist, Blu­men­schmuck).

Diskurse über humanistische Bestattungskultur

Huma­nis­tisch sind Bestat­tungs­kul­tu­ren, so könn­te das Ergeb­nis des vor­lie­gen­den Tex­tes lau­ten, in denen der Umgang mit dem Tod und mit Toten nach den Prin­zi­pen der Indi­vi­dua­li­tät, Selbst­be­stim­mung, Welt­lich­keit, Tole­ranz, Soli­da­ri­tät und Barm­her­zig­keit erfolgt und zwei welt­an­schau­li­che Grund­an­nah­men beach­tet wer­den: ers­tens, dass alle Men­schen als Men­schen gleich sind beim Tod und als Tote; und zwei­tens, dass die Erklä­rung des Todes und der Trau­er kei­ner Beru­fung auf einen Gott oder auf tran­szen­den­ta­le Axio­me bedarf.

In nähe­rer Zukunft wäre zu klä­ren, was „Barm­her­zig­keit“ im Bestat­tungs­we­sen all­ge­mein und für Säku­la­re beson­ders bedeu­tet. Die Idee der „Barm­her­zig­keit“ allen Men­schen gegen­über, so der Antike­for­scher Hubert Can­cik, gab es bereits vor dem Chris­ten­tum und ist neben „Men­schen­wür­de“ und „Bil­dung“ eine der Kern­be­deu­tun­gen von „huma­ni­tas“, wor­aus sich das Wort Huma­nis­mus ablei­tet.[73] Und wie Kai­ser Kon­stan­tin das Chris­ten­tum als Staats­re­li­gi­on vor allem wegen der Sozi­al­hil­fe­st­ruk­tu­ren benö­tig­te, die die frü­hen Chris­ten bei den Juden abge­schaut hat­ten, was bei­des oft über­se­hen wird, kommt auch der aktu­el­le orga­ni­sier­te Huma­nis­mus nur vor­an, wenn er den Men­schen prak­tisch nützt – auch in der Bestat­tungs­kul­tur.

Quel­le Text: Huma­nis­ti­sche Bestat­tungs­kul­tur. Ein Annä­he­rungs­ver­such. In: Huma­nis­ti­sche Bestat­tungs­kul­tur, hrsg. von Horst Gro­schopp, Aschaf­fen­burg: Ali­bri Ver­lag 2010, S. 139–176 (Schrif­ten­rei­he der Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie Deutsch­land, Bd. 2)

 

  1. Der hier gedruck­te Text hat­te zwei Vor­pu­bli­ka­tio­nen auf der Home­page des HVD. Der im Dezem­ber 2008 vor­ge­leg­te ers­te Ent­wurf wur­de Anfang März 2009 über­ar­bei­tet. Nach zahl­rei­chen Hin­wei­sen ist dies nun die drit­te Fas­sung. Der Autor bedankt sich beson­ders bei Regi­na Mals­kies, Jür­gen Spring­feld und Jür­gen Stein­ecke für kol­le­gia­le Kri­tik und die Zusen­dung nun hier genutz­ter Pas­sa­gen zur Pra­xis huma­nis­ti­scher Bestat­tungs­kul­tur.
  2. Vgl. die ent­spre­chen­den Anga­ben bei FOWID.
  3. Vgl. Eben­da.
  4. Det­lef Poll­ack u. Olaf Mül­ler: Gren­zen der Plu­ra­li­sie­rung: Wie die Deut­schen über die „neue reli­giö­se Viel­falt“ den­ken (zit. nach Vor­ab­druck, S. 5). Erscheint in: Det­lef Poll­ack: Rück­kehr des Reli­giö­sen? Stu­di­en zum reli­giö­sen Wan­del in Deutsch­land und Euro­pa II. Tübin­gen 2009.
  5. Der Theo­lo­ge Eber­hard Tie­fen­see spricht von einem „Super­gau der Kir­chen“ und von einer „drit­ten Kon­fes­si­on“. – Vgl. Ders.: „Reli­gi­ös unmu­si­ka­lisch“? – Ost­deut­sche Men­ta­li­tät zwi­schen Agnos­ti­zis­mus und flot­tie­ren­der Reli­gio­si­tät. In: Wie­der­ver­ei­nig­te Seel­sor­ge. Die Her­aus­for­de­rung der katho­li­schen Kir­che in Deutsch­land. Hg. von Joa­chim Wan­ke. Leip­zig 2000, S.24–53.
  6. Zwi­schen 1991 und 2003 sind zwei Mil­lio­nen Men­schen nach West­deutsch­land umge­sie­delt. Da dies v.a. jun­ge Men­schen waren, wird der Anteil von Gläu­bi­gen sehr gering gewe­sen sein.
  7. Huma­nis­ten haben kein Cre­do („Ich glau­be“), kein Bekennt­nis, wie es Reli­gio­nen eigen ist und sich in deren Lit­ur­gi­en spie­gelt. Auch des­halb sind ande­re Begrif­fe zu fin­den. Deren inhalt­li­cher Kern spie­gelt ich dann aber durch­aus in Ritua­len, wie noch gezeigt wird.
  8. Huma­nis­mus ist in die­sem Ver­ständ­nis die Leh­re, „eine unvoll­ende­te Welt­an­schau­ung zu ertra­gen“. – Vgl. Ernst Mach: Die Mecha­nik in ihrer Ent­wick­lung. Leip­zig 1883, S. 479.
  9. Das Chris­ten­tum dage­gen ver­steht den Tod und das Abschied­neh­men von der Auf­er­ste­hung her. Vgl. Christ­li­che Bestat­tungs­kul­tur. Ori­en­tie­rungs­hil­fe der Pas­to­ral­kom­mis­si­on und der Lit­ur­gie­kom­mis­si­on der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz zu Fra­gen der gegen­wär­ti­gen Bestat­tungs­kul­tur. In: Die Tages­post vom 6.3.2004.
  10. Eine sehr kon­ser­va­ti­ve Sicht fin­det sich bei Adolph Boh­len: Moder­ner Huma­nis­mus. Hei­del­berg 1957.
  11. Die gro­ßen säku­la­ren Ver­bän­de hei­ßen „huma­nis­ti­sche Föde­ra­ti­on“ (für Euro­pa) und „huma­nis­ti­sche Uni­on“ (Welt­ver­band).
  12. Vgl. Sem Dres­den: Huma­nis­mus und Renais­sance. Mün­chen 1967.
  13. Gott­lo­sig­keit“ ist eine athe­is­ti­sche Posi­ti­on, die auch Anhän­ger „gott­lo­ser Reli­gio­nen“ ver­tre­ten kön­nen. Athe­is­mus ist nicht unbe­dingt a-reli­gi­ös. In ihm sind auch anti­hu­ma­nis­ti­sche, z.B. völ­ki­sche und ras­sis­ti­sche Ansich­ten vor­han­den.
  14. Tho­mas Zim­mer­manns: Christ­li­ches und huma­nis­ti­sches Men­schen­bild. Ein Ver­gleich. Bonn 1994, S.12. – Beim Autor ist nicht von „anthro­po­zen­tris­tisch“ die Rede, was etwas ande­res wäre.
  15. Eine moder­ne Sicht dar­auf aus dem aktu­el­len orga­ni­sier­ten Huma­nis­mus vgl. Frie­der Otto Wolf: Huma­nis­mus und Phi­lo­so­phie vor der west­eu­ro­päi­schen Neu­zeit. Ber­lin 2003. – Ders.: Huma­nis­mus für das 21. Jahr­hun­dert. Ber­lin 2008 (Zur Theo­rie und Pra­xis des Huma­nis­mus, Hg. vom HVD Ber­lin). – Bei­de Publi­ka­tio­nen ste­hen in schar­fem Kon­trast zum „Drit­ten Huma­nis­mus“. Vgl. Huma­nis­mus. Hg. von Hans Opper­mann. Darm­stadt 1970.
  16. Vgl. Huma­nis­tik. Huma­nis­mus als Stu­di­en­fach. Hg. i.A. Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin. Ber­lin 2004, Jg. 8, H. 15 (= huma­nis­mus aktu­ell, Zeit­schrift für Kul­tur und Welt­an­schau­ung; im Fol­gen­den abge­kürzt ha). – Horst Gro­schopp: Huma­nis­tik. In: dies­seits, Zeit­schrift des Huma­nis­ti­schen Ver­ban­des, Ber­lin 2010, 24. Jg., Nr. 90, S. 24f.
  17. Hei­ner Roetz: Kon­fu­zia­ni­scher Huma­nis­mus. In: Inter­kul­tu­rel­ler Huma­nis­mus, hg. von Jörn Rüsen u. Hen­ner Laass. Schwal­bach / Ts. 2009, S.114
  18. Vgl. Gui­sep­pe Toffa­nin: Geschich­te des Huma­nis­mus. Wormer­veer 1941.
  19. Vgl. Chris­ti­ne Mer­tes­dorf: Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten. Eine ver­fas­sungs­recht­li­che Betrach­tung mit Dar­stel­lung ein­zel­ner Gemein­schaf­ten. Frank­furt a.M. 2008.
  20. Nor­bert Fischer: Neue For­men von Abschied und Trau­er. Über den Wan­del der Erin­ne­rungs­kul­tur in der Gegen­wart. In: Trau­er­pro­zes­se. Gibt es eine neue Kul­tur des Abschied­neh­mens? Hg. von Ingrid von Hänisch u. Eve­ly­ne Hoh­mann. Ber­lin 2008, S. 18.
  21. Vgl. Alex­an­der und Mar­ga­re­te Mit­scher­lich: Die Unfä­hig­keit zu trau­ern. Grund­la­gen kol­lek­ti­ven Ver­hal­tens. Neu­aus­ga­be. Mün­chen 2007.
  22. Axel Micha­els: Den Tod in die Hand neh­men. Todes­be­wäl­ti­gung im Hin­du­is­mus. In: Tod und Ritu­al. Inter­kul­tu­rel­le Per­spek­ti­ven zwi­schen Tra­di­ti­on und Moder­ne. Hg. von Bir­git Hel­ler u. Franz Win­ter. Wien 2009, S. 87.
  23. Vgl. Nor­bert Fischer: Geschich­te des Todes in der Neu­zeit. Erfurt 2001.
  24. Inwie­fern hier eine spä­te Renais­sance anti­ker Bestat­tungs­kul­tur vor­liegt, wäre zu klä­ren, denn vor der Moder­ne gab es bereits in der Anti­ke eine voll aus­ge­bil­de­te Indi­vi­dua­li­sie­rung des Begräb­nis­ses mit Ein­zel­grab, Namen und auch Bild, wie der Bei­trag von Hubert Can­cik in die­sem Band zeigt.
  25. Vgl. „Kein Jen­seits ist, kein Aufersteh’n“. Frei­re­li­giö­se in der Ber­li­ner Kul­tur­ge­schich­te. Begleit­buch zur gleich­na­mi­gen Aus­stel­lung im Prenz­lau­er Berg Muse­um Ber­lin vom 7. Juli 1998 bis 31. Janu­ar 1999. Ber­lin 1998. – Horst Gro­schopp: Dis­si­den­ten. Frei­den­ke­rei und Kul­tur in Deutsch­land. Ber­lin 1997.
  26. Micha­el Nüch­tern: Bestat­tungs­kul­tur in Bewe­gung. In: Ders. u. Ste­fan Schüt­ze, Bestat­tungs­kul­tur im Wan­del, Ber­lin 2008, S. 9 (EZW-Tex­te, 200).
  27. So wie der Mensch gelebt hat, stirbt er“. In: dies­seits, Zeit­schrift für Huma­nis­mus und Auf­klä­rung, Ber­lin 1996, 10. Jg., H. 36, S. 8.
  28. Von Rab­bi Aki­ba (ben Josef, 50–135 u.Z.) stammt eine der ältes­ten (hier jüdi­schen) Defi­ni­ti­on des moder­nen, weil rein mensch­lich begrün­de­ten Begriffs der Toten­eh­re. – Vgl. Klaus Bey­er: Die ara­mäi­schen Tex­te vom Toten Meer, samt den Inschrif­ten aus Paläs­ti­na … Göt­tin­gen 1984, S. 361: „Erwei­se (den Toten Ehre), damit man (sie auch) dir erwei­se! Gelei­te (die Toten), damit man (auch) dich gelei­te! Hal­te Toten­kla­ge, damit man (auch) dich bekla­ge! Begra­be (ande­re), damit man (auch) dich begra­be!“ – Hubert Can­cik belegt in sei­nem Text in die­sem Band, dass bereits vor Aki­ba das Bestat­ten all­ge­mei­ne Men­schen­pflicht, ein unge­schrie­be­nes, aber gel­ten­des Gesetz gewe­sen sei, sogar stär­ker gegol­ten habe als der Befehl des Herr­schers.
  29. Das „Mephis­to-Urteil“ gilt hier als Schlüs­sel­ent­schei­dung, Sie rich­te­te sich gegen den Ver­lag, der den „Mephisto“-Roman von Klaus Mann her­aus­gab, der die Wür­de des ver­stor­be­nen von Gus­taf Gründ­gens laut Rich­ter­spruch des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 24. Febru­ar 1971 (BVerfGE 30, S. 173) ver­letz­te. Das Gericht beton­te, dass Kunst­frei­heit nicht über dem all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­recht steht.
  30. Vgl. den Bei­trag von Hart­mut Kreß in die­sem Band.
  31. Tie­re besit­zen außer­halb von (eini­gen) Reli­gio­nen nur Schutz, kei­ne Ehre. Ihr toter Kör­per ist kei­ne Lei­che, son­dern ein Kada­ver. Tote Tie­re sind poten­zi­el­le, seu­chen­ge­fähr­li­che Gegen­stän­de und ihre Bestat­tung ist vete­ri­när­me­di­zi­nisch und ord­nungs­amt­lich, aber regio­nal ver­schie­den gere­gelt. Da Besit­zer von Tie­ren aber mit die­sen in aller Regel Mit­leid und zu ihnen ein beson­de­res Ver­hält­nis haben, konn­te sich hier ein beson­de­res Gewer­be aus­bil­den, das der Tier­be­stat­tung. Das bedarf einer beson­de­ren Betrach­tung, treibt es doch eini­ge Blü­ten, so Kat­zen-Asche­be­stat­tung in Urnen in Kat­zen­form. Vgl. Jür­gen Stahl: Tier­be­stat­ter orga­ni­siert Abschied in Wür­de. In: Der Wes­ten 17.9.2009.
  32. His­to­ri­sches dazu bei Udo Fried­rich: Men­schen­tier und Tier­mensch, Dis­kur­se der Grenz­zie­hung und Grenz­über­schrei­tung im Mit­tel­al­ter. Göt­tin­gen 2009 (His­to­ri­sche Seman­tik, Schrif­ten zur quan­ti­ta­ti­ven Betriebs­wirt­schafts­leh­re, 5).
  33. So war Ernst Haeckel der Auf­fas­sung, abge­lei­tet aus der All­heit alles Orga­ni­schen und dem „Kampf ums Über­le­ben“, geis­tig schwer kran­ke und kör­per­lich sie­che Men­schen stün­den phy­sisch bzw. psy­chisch unter den gesun­den Tie­ren, zum Bei­spiel den Affen. Er for­der­te z.B. „spar­ta­ni­sche Selek­ti­on“. – Vgl. Ernst Haeckel: Die Lebens­wun­der. Gemein­ver­ständ­li­che Stu­di­en über Bio­lo­gi­sche Phi­lo­so­phie. Ergän­zungs­band zu dem Buche über die Welt­räth­sel. Stutt­gart 1904. – Ders.: Ewig­keit. Welt­kriegs­ge­dan­ken über Leben und Tod, Reli­gi­on und Ent­wick­lungs­leh­re. Ber­lin 1915.
  34. Vgl. Jane Red­lin: Säku­la­re Toten­ri­tua­le. Toten­eh­rung, Staats­be­gräb­nis und pri­va­te Bestat­tung in der DDR. Ber­lin 2009. – Horst Gro­schopp: Welt­li­che Trau­er­kul­tur in der DDR. In: Welt­li­che Bestat­tungs­kul­tur. Hg. v. d. Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin. Ber­lin 2002, 6. Jg., H. 11, S. 41–43 (= ha).
  35. Vgl. Red­lin: Säku­la­re Toten­ri­tua­le, S. 238–241.
  36. Vgl. Jür­gen Hart­mann: Staats­ze­re­mo­ni­ell. Köln, Ber­lin, Bonn u.a. 1990 (4. Aufl. 2007). – Insa Esche­bach: Öffent­li­ches Geden­ken. Deut­sche Erin­ne­rungs­kul­tu­ren seit der Wei­ma­rer Repu­blik. Frank­furt a.M. u. New York 2005. – Astrid Erll: Kol­lek­ti­ves Gedächt­nis und Erin­ne­rungs­kul­tu­ren. Eine Ein­füh­rung. Stutt­gart u. Weimar2005.
  37. Als ein Fort­schritt kann hier das Ver­fah­ren der Bun­des­wehr gel­ten, ent­we­der vor einem Ein­satz die Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten vor­sorg­lich und / oder nach einem Todes­fall die nächs­ten Ange­hö­ri­gen nach den Ritu­al­wün­schen zu befra­gen – und nicht (mehr) von vorn­her­ein im Kir­chen­in­ter­es­se zu han­deln.
  38. Ein Kunst­mu­se­um, Heim­statt dort prä­sen­tier­ter säku­la­rer Andachts­ob­jek­te, ist für alle da, eine Kir­che für christ­li­che Got­tes­dienst­be­su­cher, für die dor­ti­ge Kunst­ob­jek­te „hei­li­ge Sym­bo­le“ sind. Eine Kir­che kann außer­halb der Got­tes­diens­te ein Kunst­mu­se­um sein und die glei­chen Objek­te sind dann „pro­fan“. Doch in kei­nem Kunst­mu­se­um wür­de man ein Kunst­werk anbe­ten, auch wenn es eine Madon­na zeigt. Thea­ter zei­gen ande­re Insze­nie­run­gen als Got­tes­diens­te es sind. Das Spek­ta­kel von Ober­am­mer­gau ist eine Show, kein Got­tes­dienst.
  39. Hier wie an ande­ren Stel­len folgt der Autor wesent­li­chen Aus­sa­gen der „Arbeits­ge­mein­schaft Fried­hof und Denk­mal“ und ver­weist auf die umfäng­li­chen und über­aus lehr­rei­chen Publi­ka­tio­nen des „Zen­tral­in­sti­tuts für Sepul­kral­kul­tur“ in Kas­sel (vgl. http://www.sepulkralmuseum.de/), ein­ge­schlos­sen den Bei­trag von Rei­ner Sör­ries in die­sem Band.
  40. Der Sarg­zwang ist gelo­ckert und in eini­gen Orten mit hohem Zuwan­de­rer­an­teil mit mus­li­mi­schen Kul­tur­tra­di­tio­nen gänz­lich abge­schafft. Am 16.2.09 berich­te­te Bas­ti­an Föst aus Sie­gen auf „DerWesten.de“ unter der Über­schrift „Abend­län­di­sche Bestat­tungs­kul­tur“ über dor­ti­ge Bestre­bun­gen, den Sarg­zwang auf­zu­he­ben: „Rund 6000 Mus­li­me leben in Sie­gen, eini­ge von ihnen schon seit fast einem hal­ben Jahr­hun­dert. Bestat­tet wer­den wol­len vie­le von ihnen jedoch in der alten Hei­mat. Ein Grund: In Sie­gen herrscht Sarg­zwang. Eine Bei­set­zung nach mus­li­mi­schem Ritus – in einem Lei­chen­tuch – ist nicht gestat­tet.“ Vgl. Der Wes­ten. 16.2.2009.
  41. Vgl. http://www.tag-des-friedhofs.de
  42. Wer nicht wirbt, stirbt“, so lau­te­te der Titel einer Kon­fe­renz des „Kura­to­ri­ums für Bestat­tungs­kul­tur“ Ende Sep­tem­ber 2009 in Ber­lin, die ein grö­ße­res Medi­en­echo fand mit Schlag­zei­len wie „Wirb oder stirb“ oder „Im Fer­ra­ri-Sarg ins Jen­seits“. In den Berich­ten wur­de deut­lich, dass eine ent­wi­ckel­te Bestat­tungs­in­dus­trie auf einen Markt reagiert, der sich an die Hin­ter­blie­be­nen von jähr­lich 840.000 Gestor­be­nen rich­tet. Da auf die­sem Markt auch ethi­sche Regeln zu beach­ten sind, spricht der „Zen­tral­ver­band der Deut­schen Wer­be­wirt­schaft“ (Ber­lin und Brüs­sel) von einer „ALDI­sie­rung der Bestat­tungs­kul­tur“ und einem „Wer­bes­pa­gat“. Er hat spe­zi­el­le Emp­feh­lun­gen für die­sen Markt aus­ge­spro­chen unter dem Titel „Die Wer­be­kul­tur des Abschieds. Bestat­tungs­ge­wer­be und kom­mer­zi­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­on“. – Vgl. http://www.zaw.de/doc/Ueber_die_Werbekultur_des_Abschieds.pdf (Zugriff am 5.10.2009).
  43. Vgl. Raum für Tote. Die Geschich­te der Fried­hö­fe von den Grä­ber­stra­ßen der Römer­zeit bis zur anony­men Bestat­tung. Hg. von der Arbeits­ge­mein­schaft Fried­hof und Denk­mal u. dem Zen­tral­in­sti­tut für Sepul­kral­kul­tur. Braun­schweig 2003. – Grab­kul­tur in Deutsch­land. Geschich­te der Grab­mä­ler. Hg. von der Arbeits­ge­mein­schaft Fried­hof und Denk­mal u. dem Zen­tral­in­sti­tut für Sepul­kral­kul­tur. Ber­lin 2009.
  44. Vgl. Tade Mat­thi­as Spran­ger: Die Beschrän­kun­gen des kom­mu­na­len Sat­zungs­ge­bers beim Erlaß von Vor­schrif­ten zur Grab­ge­stal­tung. Ber­lin 1999 (Schrif­ten zum Öffent­li­chen Recht, 782).
  45. Vgl. zu die­sen Bei­spie­len den Bei­trag von Ste­phan Hadra­schek in die­sem Band. – Auch ist auf eini­ge Inter­net­an­ge­bo­te wie das Trau­er­por­tal Memosite.de, das Info­por­tal Tod-und-Trauer.de und ande­re hin­zu­wei­sen, die eben­falls das The­ma Bestat­tungs­kul­tur behan­deln und „Erin­ne­rungs­schau­käs­ten“ ein­rich­ten. Dar­auf bezo­gen wäre auch der Nut­zen eines HVD-eige­nen Por­tals, einer eige­nen (kos­ten­pflich­ti­gen) „Memo­ry-Hall of Huma­nists“ und / oder der Anschluss an eines der neue­ren vir­tu­el­len Trau­er­por­ta­le zu prü­fen.
  46. Vgl. Chris­ti­an Sprang u. Mat­thi­as Nöll­ke: Aus die Maus. Köln 2009. – Der HVD Ber­lin hat von Klaus Blu­men­thal-Bar­by des­sen Samm­lung von Bei­leids­kar­ten über­nom­men, eine Wan­der­aus­stel­lung erstellt und die­se erst­mals 2004 in Ber­lin und dann 2009 in Han­no­ver und Stutt­gart gezeigt.
  47. Vgl. faz.net (Link nicht mehr zugäng­lich). 
  48. Vgl. Klaus Dir­schau­er: Herz­li­ches Bei­leid. ein klei­ner Knig­ge für Trau­er­fäl­le. Mün­chen 2009.
  49. Der bür­ger­li­che Tod. Städ­ti­sche Bestat­tungs­kul­tur von der Auf­klä­rung bis zum frü­hen 20. Jahr­hun­dert. Hg. von Clau­dia Denk u. John Zie­se­mer. Regens­burg 2007 (ICOMOS, Hef­te d. Deut­schen Natio­nal­ko­mi­tees, XLIV).
  50. Ruhe­ge­mein­schaf­ten, „Grab­ge­mein­schafts­an­la­gen mit gärt­ne­ri­scher Pfle­ge“ u.a. sind neue Ver­su­che. „Urnen­py­ra­mi­den“ eher noch eine gute Idee als wirk­li­che Pra­xis. Das gilt auch für „Grab-WG’s“. Dazu vgl. Ewa Kal­wa: Grab-WG statt grü­ner Wie­se. In: Der Tages­spie­gel, Ber­lin, 23.11.2008.
  51. Wenn im Kri­mi­nal­film ein Opfer begra­ben wird (Sarg, kei­ne Urne!), steht meist ein Pfar­rer am offe­nen Grab.
  52. Vgl. Ulrich Nan­ko: Reli­giö­se und welt­li­che Fes­te. In: Fes­te und Fei­ern, hg. v. d. Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin, Ber­lin 1998, 2. Jg., H. 2, S. 28–33 (= ha). – Horst Gro­schopp: Alles ist welt­lich. Anmer­kun­gen zum Begriff der „Welt­lich­keit“ in Bezug auf die säku­la­re Bestat­tungs- und Trau­er­kul­tur. In: Lud­wig Feu­er­bach, hg. v. d. Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin, Ber­lin 2005, 9. Jg., H. 16, S. 103–114 (= ha).
  53. Vgl. hier­zu auch das Vor­wort zu die­sem Band.
  54. Mar­tin Buber: Das dia­lo­gi­sche Prin­zip. Hei­del­berg 1973, S. 185.
  55. Vgl. Mar­ti­na Gör­ke-Sau­er: Trau­er­ri­tua­le. Abschied gestal­ten. Düs­sel­dorf 2008.
  56. Der Doku­men­tar­film stammt von Chris­ti­an Modehn, berich­tet über den HVD Ber­lin und wur­de zuletzt am 28. Okto­ber 2007 auf Phoe­nix aus­ge­strahlt. Der Autor hat sich hier­zu umfäng­lich in Form einer Film­kri­tik geäu­ßert.
  57. Das aus dem Sans­krit über­nom­me­ne Wort bezeich­net einen Kreis mit einem Zen­trum (oder auch ein Qua­drat). Man­da­las sind viel­fäl­tig far­big, ursprüng­lich bud­dhis­ti­sche bzw. hin­du­is­ti­sche Sym­bo­le.
  58. Auch aus eige­nem Erle­ben kann bestä­tigt wer­den: Nir­gends wird so oft und so aus­gie­big gelacht wie auf sol­chen Fami­li­en­fei­ern.
  59. Vgl. Andre­as Feu­er­born: Der Sta­tus der mensch­li­chen Asche. In: Ver­armt, ver­scharrt, ver­ges­sen? Hg. von Kers­tin Ger­nig. Düs­sel­dorf 2008, S. 55–62.
  60. Auch wenn eini­ge Bun­des­län­der in den letz­ten Jah­ren hier Ände­run­gen vor­ge­nom­men oder neue Geset­ze ver­ab­schie­det haben, der Fried­hofs­zwang für Urnen ist geblie­ben.
  61. Man kann durch­aus von einer Renais­sance der Kolum­ba­ri­en spre­chen, beson­ders von einer Zunah­me ihrer Varia­bi­li­tät. Bis­he­ri­gen Urnenstät­ten in spe­zi­el­len Gebäu­den wer­den der­zeit sol­che in ehe­ma­li­gen Grüf­ten, still­ge­leg­ten Mau­so­le­en und spe­zi­ell errich­te­ten Wän­den hin­zu­ge­fügt. – Zur Geschich­te der Kolum­ba­ri­en vgl. Hen­ning Win­ter: Ein Kurio­sum der sepul­kra­len Archi­tek­tur­ge­schich­te um die Jahr­hun­dert­wen­de: Das paten­tier­te „Kre­ma­to-Kolum­ba­ri­um Sys­tem Marsch“ und sei­ne archi­tek­to­ni­sche Umset­zung in Gera. In: Vom Reichs­aus­schuss zur Arbeits­ge­mein­schaft Fried­hof und Denk­mal, hg. von Rei­ner Sör­ries, Kas­sel 2002, S. 35–48 (Kas­se­ler Stu­di­en zur Sepul­kral­kul­tur, 9).
  62. Die „Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz“ hat zu sol­chen Unter­neh­mun­gen im Sep­tem­ber 2008 ihr Ein­ver­ständ­nis gege­ben, vgl. Vgl. Christ­li­che Bestat­tungs­kul­tur. Ori­en­tie­rungs­hil­fe.
  63. Dabei geht es auch um die Ver­wen­dung che­mi­scher Gif­te auf Fried­hö­fen etwa gegen Rat­ten. Hier hin­ein fällt auch das im Inter­net von Betrof­fe­nen viel dis­ku­tier­te Pro­blem der Kol­li­si­on des Arten­schut­zes mit der Grab­pfle­ge am Bei­spiel des Maul­wurfs.
  64. Bei der her­kömm­li­chen Erd­be­stat­tung wird der Sarg etwa zwei Meter tief ver­senkt – zu tief für eine schnel­le Ver­rot­tung.
  65. Die „Süd­deut­sche Zei­tung“ (Netz­aus­ga­be, 18.9.2009) berich­tet über den Fund der Asche von zwei 1975 bei einem Reak­tor­un­fall ver­un­glück­ten Arbei­tern, die im End­la­ger Asse als Atom­müll ent­sorgt wur­de.
  66. Vgl. auch hier den Bei­trag von Ste­phan Hadra­schek in die­sem Band.
  67. Vgl. Chris­ti­ne Aka: Unfall­kreu­ze. Trauer­or­te am Stra­ßen­rand. Ber­lin 2007.
  68. Vgl. Bestat­tungs­kul­tur – Zukunft gestal­ten. Hrsg. v. Kers­tin Ger­nig im Auf­trag des Kura­to­ri­um Deut­sche Bestat­tungs­kul­tur e.V. und der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz. 2. Aufl., Düs­sel­dorf 2007.
  69. Bun­des­wei­te Zah­len gibt es dazu noch nicht. In NRW muss­te 2005 die Kom­mu­nen 6,6 Mil­lio­nen EURO auf­brin­gen, 2008 bereits 13,3 Mil­lio­nen. Zu den Leis­tun­gen gehö­ren Sarg, Sarg­trä­ger, Blu­men­schmuck und Grab­red­ner, jedoch nicht die regel­mä­ßi­ge Grab­pfle­ge.
  70. Ulri­ke von Les­z­c­zyn­ski: Armut ver­folgt bis ins Grab. In: Neu­es Deutsch­land vom 18.1.2010, S. 13.
  71. Vgl. Min­dest­stan­dards und Struk­tur­de­bat­te im Fried­hofs­we­sen. Hg. von der Arbeits­ge­mein­schaft Fried­hof und Denk­mal e.V. Kas­sel 2008.
  72. Der ent­spre­chen­de Link auf “bestatter.de” wur­de gelöscht.
  73. Vgl. Hubert Can­cik: Huma­nis­ti­sche Begrün­dung huma­ni­tä­rer Pra­xis. In: Huma­nis­mus­per­spek­ti­ven, hg. von Horst Gro­schopp, Aschaf­fen­burg 2010, S.11ff. (Schrif­ten­rei­he der Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie Deutsch­land, 1).

Quel­le Text:

Horst Gro­schopp: Huma­nis­ti­sche Bestat­tungs­kul­tur. Ein Annä­he­rungs­ver­such. In: Huma­nis­ti­sche Bestat­tungs­kul­tur, hrsg. von Horst Gro­schopp, Aschaf­fen­burg: Ali­bri Ver­lag 2010, S. 139–176 (Schrif­ten­rei­he der Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie Deutsch­land, Bd. 2).

Quel­le Bil­der:

Horst Gro­schopp Pri­vat­ar­chiv