
Vorbemerkung
Der folgende Text entstand für den Humanistischen Pressedienst (hpd) am 18./19.August 2026 nach einem Mailwechsel mit Carsten Frerk, Michael Schmidt-Salomon und Manfred Isemeyer. Der Druck wurde verweigert. Die erhellende Begründung durch die Chefredakteurin ist Anlass, den Text für eine spätere Publikation zu überarbeiten. Hier wird die eingesandte Fassung dokumentiert.
Es folgt der Text:
Das zum 20. Jahrestag der Gründung des Humanistischen Pressedienstes (hpd) erschienene Interview mit Michael Schmidt-Salomon verdient eine Debatte. Es zeichnet die damalige Kühnheit von gbs- und HVD-Vertretern nach, eine GbR mit Namen HUMAG zu gründen, um eine dem Humanismus dienende Presseagentur „hpd“ und einen soziologischen Forschungs- und Informationsdienst „Fowid“ zu schaffen. GbR bedeutete persönliche Haftung der Gesellschafter Herbert Steffen, Michael Schmidt-Salomon, Manfred Isemeyer und Horst Groschopp.
Eine wirkliche „Agentur“ blieb Illusion, Michael beschreibt warum. So begann die Redaktion mit dem, was hereinkam oder selbst geschrieben wurde. Deren frühes Wirken fing an mit Carsten Frerk, einem ausgewiesenen Sozialwissenschaftler als Chef, und mit Gabriele Groschopp, eine Diplomingenieurökonomin und ehemalige „Maschinenbau“-Chefredakteurin, als Stellvertreterin.
Es kam zu einem Redaktionsstatut der garantierten Selbständigkeit. Die HUMAG wandelte sich zu einem geschlossenen Verein und einige Zeit später – nach langen Geburtswehen – zu einem normalen eingetragenen Verein, letztlich dank Manfred Isemeyer.
Als ein gewichtiges Problem stellte sich heraus, dass HVD und gbs unterschiedliche Funktions- und Finanzierungsweisen besaßen (und besitzen) und der HVD den organisierten Zwängen öffentlicher Geldzuwendungen und der Gemeinnützigkeit gehorchen musste. Das erlaubte ihm keine Aufnahme von Sponsoren als ordentliche Mitglieder, weil es den geschlossenen Verein geöffnet hätte. Auch fehlte noch die Gemeinnützigkeit. Einerseits sah sich der HVD in der neuen Struktur als stets überstimmbar. Andererseits fehlten im Haushalt 2009 mindestens 15.000 Euro.
Der HVD war nun ab April 2009 nicht mehr im Verein und nicht mehr in der Redaktion (G. Groschopp wurde am 2. Juli 2009 entlassen). Es ist eine wuselige Geschichte, dass der HVD später wieder Inhaber zweier „Pressemappen“ wurde. Das waren mit je eintausend Euro im Jahr zugunsten des hpd bezahlte Button auf der Startseite, die zu den Homepages der Spender hinleiteten. Man bezahlte und machte die Unterstützung öffentlich. Für Einzelspender galten andere Regeln.
In meinem Archiv finden sich Beschlüsse des HVD, die noch 2008 weiterhin zur Mitarbeit aufforderten, aber wir schieden am 27. März 2009 auf Beschluss des Bundesverbandes aus dem Verein und dem Projekt aus, kündigten auch die Pressemappen und den Wochenbericht. Das hpd-Vereinsprotokoll vom gleichen Tag ist diesbezüglich sehr aufschlussreich, auch hinsichtlich der Personen Ernst Salcher und Klaus Sühl. Ich mag das jetzt nicht aufdröseln.
Michael legt in seinem Interview seine eigenen Ambitionen und die der gbs nachvollziehbar offen und damit die Unterschiede zum Selbstverständnis des HVD. Er liefert damit nach meiner Ansicht eine Darlegung der inhaltlichen Gründe, warum sich der HVD schrittweise zurückzog, im März 2009 offiziell aus dem Verein austrat und Mitte 2009 begann, über einen eigenen Pressedienst nachzudenken, was verwegen war und verworfen wurde.
Jedenfalls kamen die Unvereinbarkeiten im Verständnis ans Licht, verbunden mit einer Interpretation von Humanismus in der Praxis des hpd, die diesen weitgehend auf Religions- und von dort ausgehende Gesellschaftskritik einengte. Wie auch immer, ich erinnere mich gern an viele Gespräche, die wir stets deutlich und vertrauensvoll führten, z.B. in der auf den Rhein schauenden freundlichen Atmosphäre und alkoholgestützten Geselligkeit in Mastershausen mit Bibi und Herbert.
Irgendwie kam Michael und kommt er wohl bis heute nicht ohne den Seitenhieb aus, der HVD sei für ihn so „eine Art – ‘Humanistischer Wohlfahrtsverband’“ (so auch im Interview) – der – so sei hinzugefügt, als Weltanschauungsgemeinschaft und KdÖR inzwischen eine eigene Hochschule betreibt und eine Akademie besitzt. Und von dieser (unserer) Warte gesehen, war dann eben zu wenig Humanismus im hpd (auf die Eigenschuld komme ich noch). Der Kernunterschied ist ausdrückbar, nämlich die Ableitung von Humanismus im HVD aus der historischen Herkunft des Wortes: Barmherzigkeit und in der gbs von Aufklärung (grob vereinfacht).
Die hpd-Geschichte zeigt Krisen in der Redaktion und im Verein. All das spiegelt sich in wechselnden Zusammensetzungen der Redaktion, in teils dramatischen Rückzügen, vor allem aber in den vielen veröffentlichten Artikeln und Bildern, von vielen Autorinnen und Autoren. Ich war erstaunt, was und worüber ich selbst damals alles so geschrieben habe, über 80 Texte. Hier will ich einmal ein Pseudonym lüften: Ich war auch Fritz Kummer, meine andren Namen bleiben noch verdeckt, muss sie selbst erst wiederfinden.
Carstens erste Stellvertreterin und ich begannen im Werkeln für den hpd das aufzubauen, was Hubert Cancik Jahre später Groschopps „Humanismus-Manufaktur“ nannte, mit dem Höhepunkt in einem großen kollektiven Wurf (mit Hubert Cancik und Frieder Otto Wolf und mir als Herausgeber), dem Handbuch „Humanismus: Grundbegriffe“. Der „Wohlfahrtsverband“ ist ablesbar an den beiden Schriftenreihen der Akademie und seiner Zeitschrift „humanismus aktuell“, erst Druck, dann online. Inzwischen entstehen meine Produktionen wieder im Einzelbetrieb.
Auf Basis meines digitalen Archivs wie dem materiellen Nachlass (Findbuch-PA-HG-Mai-2026.pdf) könnte ich einen Großteil der damaligen Vorgänge detaillierter nachzeichnen. Doch was würde dies bringen? Ein adäquates historisches Bild ist doch sowieso nur zu gewinnen, wenn alle Überlieferungen nebeneinandergelegt werden, die Qualität der Quellen geprüft ist, um die Subjektivität des jeweiligen Urteils zu erkennen. Hinzu kommt die Milde des Alters und eine spätere Zeit mit ihren eigenen Kriterien.
Es gab großen Streit, etwa im Frühjahr 2008 um Geert Wilders Film „Fitna“ und die Haltung des hpd dazu, das hat Michael gut gezeichnet, und engste Zusammenarbeit im Kampf um „Pro Ethik“ im Frühjahr 2009 (Berliner Volksentscheid). Aber gerade diese Kampagne zeigte, warum dies möglich war: Der HVD stellte sein eigenes Ziel, Lebenskunde zu befördern, ebenso zurück wie die gbs ihr Programm, kein Staatsgeld für Religionsunterricht, was auch den Weltanschauungsunterricht des HVD betroffen hätte, also Zurückstellung der je eigenen Konzeption für ein zeitweiliges gemeinsames Ziel.
Damit bin ich bei meinem Thema, die Unterschiedlichkeit der Programmatiken von HVD und gbs. Die Kontroversen mussten sich erst einmal sichtbar ausbilden, um erkannt zu werden. Die Anfangsgeschichte war tatsächlich ein großer Aufbruch, verbunden mit Hoffnungen, per hpd ein einheitliches Medienkonzept zweier so unterschiedlicher Organisationen plus später KORSO per Praxis zu etablieren. Die gbs war noch sehr jung (2004 gegründet) und fand auch dank hpd zu ihrem Profil (Islamkritik, Buskampagne, fowid usw.). Der HVD fühlte sich darin immer weniger wohl, zumal das Adjektiv „humanistisch“ vor „Pressedienst“ zu Verwechslungen und im HVD zum Rumoren führte.
Der HVD musste 2006 (das gilt noch heute) seine Öffentlichkeitsarbeit verbessern, sich an und in die Welt richten, nicht nur an Mitglieder. Er stieß auf einen Partner, der immer und bei allem nach der Medienwirkung fragte. Die eigenen Fehlstellen im HVD drängten ihn zum hpd. Der Verband setzte aber parallel andere Prioritäten. Vor allem wollte der Bundes-HVD zu dieser Zeit neue Landesverbände schaffen bzw. bestehende wiederbeleben, was er auch tat, z.B. mit Herbert und Michael in Rheinland-Pfalz. Dann „verlobten“ wir uns mit der Jugendweihe Deutschland (JwD). Widerstand in Ost und West in beiden Verbänden war eine der Folgen. Vor allem erkannte JwD, was eine Weltanschauungsgemeinschaft so mit sich bringt. Da sahen sie ihre freie Jugendarbeit in Gefahr. Ergebnis: Eine große Chance wurde vertan.
Mit regelmäßigen wissenschaftlichen Tagungen der Akademie, davon zwei mit der gbs, schärfte der HVD sein Profil. Aber damit traten auch die Gegensätze zu Positionen, wie sie im hpd zu lesen waren, stärker ins Licht. Zunehmend gerieten HVD und gbs in Konflikte miteinander, weil die Strategie sich widersprach: Gleichbehandlung versus Staat-Kirche-Trennung (vereinfacht: alle raus oder alle rein). Das zeigt sich aktuell am Konzept des HVD, wie ich es sehe, eine humanistische Seelsorge in der Bundeswehr aufzubauen, erschienen auf diesseits.de in drei Teilen: Anspruch und Herausforderungen, Humanistische versus „konfessionsfreie“ Militärseelsorge sowie Pazifismus und Zukunft der Militärseelsorge.
Wir Gründer haben uns damals sehr viel Mühe gegeben, aber es stellte sich heraus, dass diese zwei Konzepte sich zunehmend kontrovers begegneten. Versuche scheiterten, unter dem löchriger werdenden Dach eines „Wir wollen letztlich alle dasselbe“ Formelkompromisse zu schließen, weil es eben nicht dasselbe ist, was jeweils gewollt wird, in Religionen eine Konkurrenz zu sehen oder einen Gegner.
Jede künftige hpd-Geschichtsschreibung muss auf das organisatorische Umfeld schauen, in dem er entstand. Seit Januar 2001 rief die Humanistische Akademie Berlin zweimal jährlich die „Sichtungskommission“ zusammen. Das waren lose Zusammenkünfte von Vertretern der „säkularen Szene“, ein Begriff, den der humanistische Unitarier Helmut Kramer einführte, um das Gemeinsame zu kennzeichnen (hier findet sich seine damalige Analyse, die ursprünglich im hpd erschien und eine Kurzgeschichte von deren Schicksal).
Eine Sitzung 2005 führte Redaktionen der Medien dieser Vereine und Verbände zusammen, auch Michael, der zu dieser Zeit die MIZ leitete. Mehr Zusammenarbeit wurde gewünscht. Im Jahr darauf, also vor zwanzig Jahren, entstand – das sei wiederholt – der hpd auf Basis einer Zusammenarbeit von gbs und HVD, nur sie konnten eine Anfangsfinanzierung gewährleisten und Personal stellen.
Parallel zu diesen Treffen verfolgten Michael und die gbs seit 2004, also bereits vor der hpd-Gründung, das Ziel eines „Zentralrates der Konfessionsfreien“. Dahinter standen andere Strukturvorstellungen als sie in der Sichtungskommission ventiliert wurden. Praktisch wurde ein solcher Zentralrat, als Paul Schulz als möglicher Präsident in den Raum gestellt wurde, ein ehemaliger Hamburger Pfarrer und Autor des mit seltsamen Thesen hantierenden Buches „Codex Atheos“. Er wollte ursprünglich eine „Initiative Säkularer Staat / Säkulare Gesellschaft“. Zudem traten im Herbst 2007 Armin Pfahl-Traughber und Joachim Kahl mit einem eigenen Vorschlag in die Arena.
Als dann im November 2008 aus der Sichtungskommission der KORSO wurde, war dies nicht mehr das Treffen von Personen nach dem Muster des Weimarer Kartells von 1907/1909, sondern ein Vereine-Verein, wo Vertreter von Verbänden für ihre Mitgliedschaften offiziell sprachen. Das zieht immer Vereinsbürokratie nach sich. Das war nicht das, was die gbs wollte, aber sie zog zehn Jahre mit.
Die gbs ihrerseits hatte 2007 ein wichtiges Signal gesetzt und den Zentralrat der Ex-Muslime gründen helfen, Michael schildert dies ausführlich. Da war nun ein bis heute fortgesetztes Thema auch des hpd geboren, die Islamkritik. Meine persönliche Distanz zu der Unternehmung ergab sich daraus, dass ich in der Gründung eher eine Exilorganisation der Kommunistischen Partei des Iran sah. Jedenfalls bildete die Gründung einen Kontrapunkt zum Integrationskonzept des HVD. Michael zitiert mich dazu. Im Streit um „Fitna“ und durchaus auch um das „Ferkelbuch“ wurden diese Unterschiede artikuliert.
Michael schreibt, dass diese Gründung gegen den Kreuzzug wider die neuen Atheisten gerichtet war. Für den HVD wiederum ist Atheismus kein humanistischer Kernbegriff, schon gar kein organisatorisch verwertbares Konzept, denn die Wertorientierung bleibt offen.
Wenn Michael schreibt „Die gbs wurde darin [im SPIEGEL] beschrieben als das ‘geistige Oberhaupt all derjenigen, die geistigen Oberhäuptern nicht trauen’“, und da sicher ist, dass sich solche Verdikte in staatlichen Einrichtungen tradieren bis auf heutige Tage, dann hat das zu berücksichtigen, wer öffentliches Geld beantragt. Das ist kein Opportunismus, sondern Schutz der Mitarbeiter und Projekte, letztlich des praktischen Humanismus.
Als sich dann der „neue Humanismus“ erhob, sich atheistisch gab und verwirrend auftrat, war Distanz geboten – zu Dawkins und Co. Das darin sich äußernde Säkularisierungskonzept hat, bezogen auf Humanismus, generell das Problem, wovon Humanismus historisch säkularisiert sein soll. Meine Position habe ich kürzlich in einem neueren Text auf diesseits.de kenntlich zu machen versucht als Kritik des „säkularen Humanismus“.
Als die gbs 2021 den KORSO in einen ZdK umwandelte, verließ der HVD (nicht sofort, aber Schritt für Schritt) endgültig den hpd, weil dieser sich zu einem Sprachrohr dafür machte. Der lange Versuch, trotz der Unterschiede zu einem gemeinsamen Handeln zu finden, endete zwar in dem nicht einhaltbaren Versprechen, weiter eine „strategische Partnerschaft” zu pflegen, aber eine solche Partnerschaft setzt ein gleiches politisches Fernziel voraus. Das sehe ich nicht, eine säkularisierte Gesellschaft ist noch keine humanistische, wohl noch nicht einmal eine humane.
Der hpd ging seinen Weg nach 2010 erfolgreich weiter und folgte seinem Konzept, während das Medienprogramm des HVD sich für ein Jahrfünft auf die eigene Zeitschrift „diesseits“ konzentrierte. Die Losung hieß nun für einige Zeit verbandsnahes Magazin und „An den Kiosk!“.
Diese neue Orientierung, im Dezember 2009 in Nürnberg beschlossen, führte dazu, dass ich Neujahr 2010 als Präsident des HVD zurücktrat. Daran ist der hpd unschuldig. Es war ein innerverbandlicher Konflikt. Ich hielt das Scheitern dieses Programms für absehbar, schon der Ökonomie wegen.
Die Medienarbeit des HVD hat bis heute eine große Schwierigkeit, bei allen Mühen und Verbesserungen: Der Verband hat es nicht so mit Sendungen an die Öffentlichkeit, vor allem stets zu wenige Schreiberlinge. Außerdem gibt es einen Typenunterschied in der Anhängerschaft: eine Kita leiten und Pressearbeit machen geht schlecht zusammen, mal sinnbildlich gesagt. Um Michaels Urteil aufzugreifen: Die Gefahr, in der Wohlfahrtsarbeit die Weltanschauungspflege zu vernachlässigen, ist immer präsent.
Auf dem Weg in die heutigen Konstellationen verlor der HVD seine Freunde in Bayern, trotz ähnlicher Strukturen in Nürnberg und Berlin, eine Geschichte, die auch der Aufarbeitung bedarf, und der hpd, in Gefolgschaft des Zentralrates, den Bezug auf den praktischen Humanismus, bis auf wohltuende Splitter. Da einige Landesverbände des HVD noch immer nicht auf diesem „Wohlfahrtszug“, um noch einmal Michael zu bemühen, mitfahren (können oder wollen), ergeben sich, wie in den ganzen letzten zwanzig Jahren, diverse Anhänglichkeiten im HVD nach außerhalb, an den hpd und Überschneidungen mit dessen Positionen – was ja auch bedeutet, es ist Leben in der Bude.
Persönlich lese ich den hpd regelmäßig und gern, vielleicht auch, um meine kritische Sicht zu bestätigen, aber auch, weil ich hier spannende Sachen finde, etwa von Hartmut Kreß oder Gita Neumann. Der hpd hat mich bei jedem neuen Buch interviewt, auch wenn ich seit 2013 nicht mehr zu den ständigen Autoren zähle. Da bin ich dankbar.
Bleibt zum Schluss die Frage, war es das? Ich kann mir schon eine Renaissance der Gründungsideen vorstellen mit Akteuren über gbs und HVD hinaus. Wo stünden wir, wenn es nicht die Zeitschrift „vorgänge“ der Humanistischen Union gäbe? Aber immer hängt alles am organisierten Willen, an den Personen, den Konzepten, am Geld und wohl an einer neuen Generation.
Schlussbemerkung
Das obige Foto mit der weißen Linie stammt vom Kulturwissenschaftler André Plath, damals am Berliner “Theater im Palast” tätig. Es zeigt die weiße Linie auf dem Bahnsteig Berlin-Friedrichstraße vor dem Mauerfall 1989, auf dem S‑Bahnen hielten, die aus dem Westen Berlins kamen und wieder dort hinfuhren, aber den Fahrgästen unter Aufsicht durch Grenzsoldaten anzeigten, bis wohin sie treten durften, ehe der Zug hielt, wenn er hielt. Diese symbolische Abbildung einer Sperre allein durch einen Farbstreifen nahm ich vor zehn Jahren zum Anlass für einen Text, um auf die damals beginnende konservative Kulturwende zu verweisen, nach den Flüchtlingsaufnahmen nach 2015. Inzwischen sind mit den Aufwüchsen der AfD und den Folgen neuerer Regierungserlasse mehr völkische Interpretationen der sozialen Probleme in Sachsen und Deutschland üblich geworden. Die weiße Linie ist weg, wie auch andere Üblichkeiten. Befreiungen erscheinen als neue Zwänge. Meine stark satirische Schilderung “Die weiße Linie” erschien am 10. Januar 2016 auf meiner Homepage und zwei Tage später auf hpd.