Meine Sicht auf 20 Jahre „Humanistischer Pressedienst“

Vor­be­mer­kung

Der fol­gen­de Text ent­stand für den Huma­nis­ti­schen Pres­se­dienst (hpd) am 18./19.August 2026 nach einem Mail­wech­sel mit Cars­ten Frerk, Micha­el Schmidt-Salo­mon und Man­fred Ise­mey­er. Der Druck wur­de ver­wei­gert. Die erhel­len­de Begrün­dung durch die Chef­re­dak­teu­rin ist Anlass, den Text für eine spä­te­re Publi­ka­ti­on zu über­ar­bei­ten. Hier wird die ein­ge­sand­te Fas­sung dokumentiert.

Es folgt  der Text:

Das zum 20. Jah­res­tag der Grün­dung des Huma­nis­ti­schen Pres­se­diens­tes (hpd) erschie­ne­ne Inter­view mit Micha­el Schmidt-Salo­mon ver­dient eine Debat­te. Es zeich­net die dama­li­ge Kühn­heit von gbs- und HVD-Ver­tre­tern nach, eine GbR mit Namen HUMAG zu grün­den, um eine dem Huma­nis­mus die­nen­de Pres­se­agen­tur „hpd“ und einen sozio­lo­gi­schen For­schungs- und Infor­ma­ti­ons­dienst „Fowid“ zu schaf­fen. GbR bedeu­te­te per­sön­li­che Haf­tung der Gesell­schaf­ter Her­bert Stef­fen, Micha­el Schmidt-Salo­mon, Man­fred Ise­mey­er und Horst Groschopp.

Eine wirk­li­che „Agen­tur“ blieb Illu­si­on, Micha­el beschreibt war­um. So begann die Redak­ti­on mit dem, was her­ein­kam oder selbst geschrie­ben wur­de. Deren frü­hes Wir­ken fing an mit Cars­ten Frerk, einem aus­ge­wie­se­nen Sozi­al­wis­sen­schaft­ler als Chef, und mit Gabrie­le Gro­schopp, eine Diplom­in­ge­nieur­öko­no­min und ehe­ma­li­ge „Maschinenbau“-Chefredakteurin, als Stellvertreterin.

Es kam zu einem Redak­ti­ons­sta­tut der garan­tier­ten Selb­stän­dig­keit. Die HUMAG wan­del­te sich zu einem geschlos­se­nen Ver­ein und eini­ge Zeit spä­ter – nach lan­gen Geburts­we­hen – zu einem nor­ma­len ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein, letzt­lich dank Man­fred Isemeyer.

Als ein gewich­ti­ges Pro­blem stell­te sich her­aus, dass HVD und gbs unter­schied­li­che Funk­ti­ons- und Finan­zie­rungs­wei­sen besa­ßen (und besit­zen) und der HVD den orga­ni­sier­ten Zwän­gen öffent­li­cher Geld­zu­wen­dun­gen und der Gemein­nüt­zig­keit gehor­chen muss­te. Das erlaub­te ihm kei­ne Auf­nah­me von Spon­so­ren als ordent­li­che Mit­glie­der, weil es den geschlos­se­nen Ver­ein geöff­net hät­te. Auch fehl­te noch die Gemein­nüt­zig­keit. Einer­seits sah sich der HVD in der neu­en Struk­tur als stets über­stimm­bar. Ande­rer­seits fehl­ten im Haus­halt 2009 min­des­tens 15.000 Euro.

Der HVD war nun ab April 2009 nicht mehr im Ver­ein und nicht mehr in der Redak­ti­on (G. Gro­schopp wur­de am 2. Juli 2009 ent­las­sen). Es ist eine wuse­li­ge Geschich­te, dass der HVD spä­ter wie­der Inha­ber zwei­er „Pres­se­map­pen“ wur­de. Das waren mit je ein­tau­send Euro im Jahr zuguns­ten des hpd bezahl­te But­ton auf der Start­sei­te, die zu den Home­pages der Spen­der hin­lei­te­ten. Man bezahl­te und mach­te die Unter­stüt­zung öffent­lich. Für Ein­zel­spen­der gal­ten ande­re Regeln.

In mei­nem Archiv fin­den sich Beschlüs­se des HVD, die noch 2008 wei­ter­hin zur Mit­ar­beit auf­for­der­ten, aber wir schie­den am 27. März 2009 auf Beschluss des Bun­des­ver­ban­des aus dem Ver­ein und dem Pro­jekt aus, kün­dig­ten auch die Pres­se­map­pen und den Wochen­be­richt. Das hpd-Ver­eins­pro­to­koll vom glei­chen Tag ist dies­be­züg­lich sehr auf­schluss­reich, auch hin­sicht­lich der Per­so­nen Ernst Sal­cher und Klaus Sühl. Ich mag das jetzt nicht aufdröseln.

Micha­el legt in sei­nem Inter­view sei­ne eige­nen Ambi­tio­nen und die der gbs nach­voll­zieh­bar offen und damit die Unter­schie­de zum Selbst­ver­ständ­nis des HVD. Er lie­fert damit nach mei­ner Ansicht eine Dar­le­gung der inhalt­li­chen Grün­de, war­um sich der HVD schritt­wei­se zurück­zog, im März 2009 offi­zi­ell aus dem Ver­ein aus­trat und Mit­te 2009 begann, über einen eige­nen Pres­se­dienst nach­zu­den­ken, was ver­we­gen war und ver­wor­fen wurde.

Jeden­falls kamen die Unver­ein­bar­kei­ten im Ver­ständ­nis ans Licht, ver­bun­den mit einer Inter­pre­ta­ti­on von Huma­nis­mus in der Pra­xis des hpd, die die­sen weit­ge­hend auf Reli­gi­ons- und von dort aus­ge­hen­de Gesell­schafts­kri­tik ein­eng­te. Wie auch immer, ich erin­ne­re mich gern an vie­le Gesprä­che, die wir stets deut­lich und ver­trau­ens­voll führ­ten, z.B. in der auf den Rhein schau­en­den freund­li­chen Atmo­sphä­re und alko­hol­ge­stütz­ten Gesel­lig­keit in Mas­ters­hau­sen mit Bibi und Herbert.

Irgend­wie kam Micha­el und kommt er wohl bis heu­te nicht ohne den Sei­ten­hieb aus, der HVD sei für ihn so „eine Art – ‘Huma­nis­ti­scher Wohl­fahrts­ver­band’“ (so auch im Inter­view) – der – so sei hin­zu­ge­fügt, als Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft und KdÖR inzwi­schen eine eige­ne Hoch­schu­le betreibt und eine Aka­de­mie besitzt. Und von die­ser (unse­rer) War­te gese­hen, war dann eben zu wenig Huma­nis­mus im hpd (auf die Eigen­schuld kom­me ich noch). Der Kern­un­ter­schied ist aus­drück­bar, näm­lich die Ablei­tung von Huma­nis­mus im HVD aus der his­to­ri­schen Her­kunft des Wor­tes: Barm­her­zig­keit und in der gbs von Auf­klä­rung (grob vereinfacht).

Die hpd-Geschich­te zeigt Kri­sen in der Redak­ti­on und im Ver­ein. All das spie­gelt sich in wech­seln­den Zusam­men­set­zun­gen der Redak­ti­on, in teils dra­ma­ti­schen Rück­zü­gen, vor allem aber in den vie­len ver­öf­fent­lich­ten Arti­keln und Bil­dern, von vie­len Autorin­nen und Autoren. Ich war erstaunt, was und wor­über ich selbst damals alles so geschrie­ben habe, über 80 Tex­te. Hier will ich ein­mal ein Pseud­onym lüf­ten: Ich war auch Fritz Kum­mer, mei­ne and­ren Namen blei­ben noch ver­deckt, muss sie selbst erst wiederfinden.

Cars­tens ers­te Stell­ver­tre­te­rin und ich began­nen im Wer­keln für den hpd das auf­zu­bau­en, was Hubert Can­cik Jah­re spä­ter Gro­schopps „Huma­nis­mus-Manu­fak­tur“ nann­te, mit dem Höhe­punkt in einem gro­ßen kol­lek­ti­ven Wurf (mit Hubert Can­cik und Frie­der Otto Wolf und mir als Her­aus­ge­ber), dem Hand­buch „Huma­nis­mus: Grund­be­grif­fe“. Der „Wohl­fahrts­ver­band“ ist ables­bar an den bei­den Schrif­ten­rei­hen der Aka­de­mie und sei­ner Zeit­schrift „huma­nis­mus aktu­ell“, erst Druck, dann online. Inzwi­schen ent­ste­hen mei­ne Pro­duk­tio­nen wie­der im Einzelbetrieb.

Auf Basis mei­nes digi­ta­len Archivs wie dem mate­ri­el­len Nach­lass (Findbuch-PA-HG-Mai-2026.pdf) könn­te ich einen Groß­teil der dama­li­gen Vor­gän­ge detail­lier­ter nach­zeich­nen. Doch was wür­de dies brin­gen? Ein adäqua­tes his­to­ri­sches Bild ist doch sowie­so nur zu gewin­nen, wenn alle Über­lie­fe­run­gen neben­ein­an­der­ge­legt wer­den, die Qua­li­tät der Quel­len geprüft ist, um die Sub­jek­ti­vi­tät des jewei­li­gen Urteils zu erken­nen. Hin­zu kommt die Mil­de des Alters und eine spä­te­re Zeit mit ihren eige­nen Kriterien.

Es gab gro­ßen Streit, etwa im Früh­jahr 2008 um Geert Wil­ders Film „Fit­na“ und die Hal­tung des hpd dazu, das hat Micha­el gut gezeich­net, und engs­te Zusam­men­ar­beit im Kampf um „Pro Ethik“ im Früh­jahr 2009 (Ber­li­ner Volks­ent­scheid). Aber gera­de die­se Kam­pa­gne zeig­te, war­um dies mög­lich war: Der HVD stell­te sein eige­nes Ziel, Lebens­kun­de zu beför­dern, eben­so zurück wie die gbs ihr Pro­gramm, kein Staats­geld für Reli­gi­ons­un­ter­richt, was auch den Welt­an­schau­ungs­un­ter­richt des HVD betrof­fen hät­te, also Zurück­stel­lung der je eige­nen Kon­zep­ti­on für ein zeit­wei­li­ges gemein­sa­mes Ziel.

Damit bin ich bei mei­nem The­ma, die Unter­schied­lich­keit der Pro­gram­ma­ti­ken von HVD und gbs. Die Kon­tro­ver­sen muss­ten sich erst ein­mal sicht­bar aus­bil­den, um erkannt zu wer­den. Die Anfangs­ge­schich­te war tat­säch­lich ein gro­ßer Auf­bruch, ver­bun­den mit Hoff­nun­gen, per hpd ein ein­heit­li­ches Medi­en­kon­zept zwei­er so unter­schied­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen plus spä­ter KORSO per Pra­xis zu eta­blie­ren. Die gbs war noch sehr jung (2004 gegrün­det) und fand auch dank hpd zu ihrem Pro­fil (Islam­kri­tik, Bus­kam­pa­gne, fowid usw.). Der HVD fühl­te sich dar­in immer weni­ger wohl, zumal das Adjek­tiv „huma­nis­tisch“ vor „Pres­se­dienst“ zu Ver­wechs­lun­gen und im HVD zum Rumo­ren führte.

Der HVD muss­te 2006 (das gilt noch heu­te) sei­ne Öffent­lich­keits­ar­beit ver­bes­sern, sich an und in die Welt rich­ten, nicht nur an Mit­glie­der. Er stieß auf einen Part­ner, der immer und bei allem nach der Medi­en­wir­kung frag­te. Die eige­nen Fehl­stel­len im HVD dräng­ten ihn zum hpd. Der Ver­band setz­te aber par­al­lel ande­re Prio­ri­tä­ten. Vor allem woll­te der Bun­des-HVD zu die­ser Zeit neue Lan­des­ver­bän­de schaf­fen bzw. bestehen­de wie­der­be­le­ben, was er auch tat, z.B. mit Her­bert und Micha­el in Rhein­land-Pfalz. Dann „ver­lob­ten“ wir uns mit der Jugend­wei­he Deutsch­land (JwD). Wider­stand in Ost und West in bei­den Ver­bän­den war eine der Fol­gen. Vor allem erkann­te JwD, was eine Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft so mit sich bringt. Da sahen sie ihre freie Jugend­ar­beit in Gefahr. Ergeb­nis: Eine gro­ße Chan­ce wur­de vertan.

Mit regel­mä­ßi­gen wis­sen­schaft­li­chen Tagun­gen der Aka­de­mie, davon zwei mit der gbs, schärf­te der HVD sein Pro­fil. Aber damit tra­ten auch die Gegen­sät­ze zu Posi­tio­nen, wie sie im hpd zu lesen waren, stär­ker ins Licht. Zuneh­mend gerie­ten HVD und gbs in Kon­flik­te mit­ein­an­der, weil die Stra­te­gie sich wider­sprach: Gleich­be­hand­lung ver­sus Staat-Kir­che-Tren­nung (ver­ein­facht: alle raus oder alle rein). Das zeigt sich aktu­ell am Kon­zept des HVD, wie ich es sehe, eine huma­nis­ti­sche Seel­sor­ge in der Bun­des­wehr auf­zu­bau­en, erschie­nen auf diesseits.de in drei Tei­len: Anspruch und Her­aus­for­de­run­gen, Huma­nis­ti­sche ver­sus „kon­fes­si­ons­freie“ Mili­tär­seel­sor­ge sowie Pazi­fis­mus und Zukunft der Mili­tär­seel­sor­ge.

Wir Grün­der haben uns damals sehr viel Mühe gege­ben, aber es stell­te sich her­aus, dass die­se zwei Kon­zep­te sich zuneh­mend kon­tro­vers begeg­ne­ten. Ver­su­che schei­ter­ten, unter dem löch­ri­ger wer­den­den Dach eines „Wir wol­len letzt­lich alle das­sel­be“ For­mel­kom­pro­mis­se zu schlie­ßen, weil es eben nicht das­sel­be ist, was jeweils gewollt wird, in Reli­gio­nen eine Kon­kur­renz zu sehen oder einen Gegner.

Jede künf­ti­ge hpd-Geschichts­schrei­bung muss auf das orga­ni­sa­to­ri­sche Umfeld schau­en, in dem er ent­stand. Seit Janu­ar 2001 rief die Huma­nis­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin zwei­mal jähr­lich die „Sich­tungs­kom­mis­si­on“ zusam­men. Das waren lose Zusam­men­künf­te von Ver­tre­tern der „säku­la­ren Sze­ne“, ein Begriff, den der huma­nis­ti­sche Unita­ri­er Hel­mut Kra­mer ein­führ­te, um das Gemein­sa­me zu kenn­zeich­nen (hier fin­det sich sei­ne dama­li­ge Ana­ly­se, die ursprüng­lich im hpd erschien und eine Kurz­ge­schich­te von deren Schicksal).

Eine Sit­zung 2005 führ­te Redak­tio­nen der Medi­en die­ser Ver­ei­ne und Ver­bän­de zusam­men, auch Micha­el, der zu die­ser Zeit die MIZ lei­te­te. Mehr Zusam­men­ar­beit wur­de gewünscht. Im Jahr dar­auf, also vor zwan­zig Jah­ren, ent­stand – das sei wie­der­holt – der hpd auf Basis einer Zusam­men­ar­beit von gbs und HVD, nur sie konn­ten eine Anfangs­fi­nan­zie­rung gewähr­leis­ten und Per­so­nal stellen.

Par­al­lel zu die­sen Tref­fen ver­folg­ten Micha­el und die gbs seit 2004, also bereits vor der hpd-Grün­dung, das Ziel eines „Zen­tral­ra­tes der Kon­fes­si­ons­frei­en“. Dahin­ter stan­den ande­re Struk­tur­vor­stel­lun­gen als sie in der Sich­tungs­kom­mis­si­on ven­ti­liert wur­den. Prak­tisch wur­de ein sol­cher Zen­tral­rat, als Paul Schulz als mög­li­cher Prä­si­dent in den Raum gestellt wur­de, ein ehe­ma­li­ger Ham­bur­ger Pfar­rer und Autor des mit selt­sa­men The­sen han­tie­ren­den Buches „Codex Athe­os“. Er woll­te ursprüng­lich eine „Initia­ti­ve Säku­la­rer Staat / Säku­la­re Gesell­schaft“. Zudem tra­ten im Herbst 2007 Armin Pfahl-Traugh­ber und Joa­chim Kahl mit einem eige­nen Vor­schlag in die Arena.

Als dann im Novem­ber 2008 aus der Sich­tungs­kom­mis­si­on der KORSO wur­de, war dies nicht mehr das Tref­fen von Per­so­nen nach dem Mus­ter des Wei­ma­rer Kar­tells von 1907/1909, son­dern ein Ver­ei­ne-Ver­ein, wo Ver­tre­ter von Ver­bän­den für ihre Mit­glied­schaf­ten offi­zi­ell spra­chen. Das zieht immer Ver­eins­bü­ro­kra­tie nach sich. Das war nicht das, was die gbs woll­te, aber sie zog zehn Jah­re mit.

Die gbs ihrer­seits hat­te 2007 ein wich­ti­ges Signal gesetzt und den Zen­tral­rat der Ex-Mus­li­me grün­den hel­fen, Micha­el schil­dert dies aus­führ­lich. Da war nun ein bis heu­te fort­ge­setz­tes The­ma auch des hpd gebo­ren, die Islam­kri­tik. Mei­ne per­sön­li­che Distanz zu der Unter­neh­mung ergab sich dar­aus, dass ich in der Grün­dung eher eine Exil­or­ga­ni­sa­ti­on der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei des Iran sah. Jeden­falls bil­de­te die Grün­dung einen Kon­tra­punkt zum Inte­gra­ti­ons­kon­zept des HVD. Micha­el zitiert mich dazu. Im Streit um „Fit­na“ und durch­aus auch um das „Fer­kel­buch“ wur­den die­se Unter­schie­de artikuliert.

Micha­el schreibt, dass die­se Grün­dung gegen den Kreuz­zug wider die neu­en Athe­is­ten gerich­tet war. Für den HVD wie­der­um ist Athe­is­mus kein huma­nis­ti­scher Kern­be­griff, schon gar kein orga­ni­sa­to­risch ver­wert­ba­res Kon­zept, denn die Wert­ori­en­tie­rung bleibt offen.

Wenn Micha­el schreibt „Die gbs wur­de dar­in [im SPIEGEL] beschrie­ben als das ‘geis­ti­ge Ober­haupt all der­je­ni­gen, die geis­ti­gen Ober­häup­tern nicht trau­en’“, und da sicher ist, dass sich sol­che Ver­dik­te in staat­li­chen Ein­rich­tun­gen tra­die­ren bis auf heu­ti­ge Tage, dann hat das zu berück­sich­ti­gen, wer öffent­li­ches Geld bean­tragt. Das ist kein Oppor­tu­nis­mus, son­dern Schutz der Mit­ar­bei­ter und Pro­jek­te, letzt­lich des prak­ti­schen Humanismus.

Als sich dann der „neue Huma­nis­mus“ erhob, sich athe­is­tisch gab und ver­wir­rend auf­trat, war Distanz gebo­ten – zu Daw­kins und Co. Das dar­in sich äußern­de Säku­la­ri­sie­rungs­kon­zept hat, bezo­gen auf Huma­nis­mus, gene­rell das Pro­blem, wovon Huma­nis­mus his­to­risch säku­la­ri­siert sein soll. Mei­ne Posi­ti­on habe ich kürz­lich in einem neue­ren Text auf diesseits.de kennt­lich zu machen ver­sucht als Kri­tik des „säku­la­ren Huma­nis­mus“.

Als die gbs 2021 den KORSO in einen ZdK umwan­del­te, ver­ließ der HVD (nicht sofort, aber Schritt für Schritt) end­gül­tig den hpd, weil die­ser sich zu einem Sprach­rohr dafür mach­te. Der lan­ge Ver­such, trotz der Unter­schie­de zu einem gemein­sa­men Han­deln zu fin­den, ende­te zwar in dem nicht ein­halt­ba­ren Ver­spre­chen, wei­ter eine „stra­te­gi­sche Part­ner­schaft” zu pfle­gen, aber eine sol­che Part­ner­schaft setzt ein glei­ches poli­ti­sches Fern­ziel vor­aus. Das sehe ich nicht, eine säku­la­ri­sier­te Gesell­schaft ist noch kei­ne huma­nis­ti­sche, wohl noch nicht ein­mal eine humane.

Der hpd ging sei­nen Weg nach 2010 erfolg­reich wei­ter und folg­te sei­nem Kon­zept, wäh­rend das Medi­en­pro­gramm des HVD sich für ein Jahr­fünft auf die eige­ne Zeit­schrift „dies­seits“ kon­zen­trier­te. Die Losung hieß nun für eini­ge Zeit ver­bands­na­hes Maga­zin und „An den Kiosk!“.

Die­se neue Ori­en­tie­rung, im Dezem­ber 2009 in Nürn­berg beschlos­sen, führ­te dazu, dass ich Neu­jahr 2010 als Prä­si­dent des HVD zurück­trat. Dar­an ist der hpd unschul­dig. Es war ein inner­ver­band­li­cher Kon­flikt. Ich hielt das Schei­tern die­ses Pro­gramms für abseh­bar, schon der Öko­no­mie wegen.

Die Medi­en­ar­beit des HVD hat bis heu­te eine gro­ße Schwie­rig­keit, bei allen Mühen und Ver­bes­se­run­gen: Der Ver­band hat es nicht so mit Sen­dun­gen an die Öffent­lich­keit, vor allem stets zu weni­ge Schrei­ber­lin­ge. Außer­dem gibt es einen Typen­un­ter­schied in der Anhän­ger­schaft: eine Kita lei­ten und Pres­se­ar­beit machen geht schlecht zusam­men, mal sinn­bild­lich gesagt. Um Micha­els Urteil auf­zu­grei­fen: Die Gefahr, in der Wohl­fahrts­ar­beit die Welt­an­schau­ungs­pfle­ge zu ver­nach­läs­si­gen, ist immer präsent.

Auf dem Weg in die heu­ti­gen Kon­stel­la­tio­nen ver­lor der HVD sei­ne Freun­de in Bay­ern, trotz ähn­li­cher Struk­tu­ren in Nürn­berg und Ber­lin, eine Geschich­te, die auch der Auf­ar­bei­tung bedarf, und der hpd, in Gefolg­schaft des Zen­tral­ra­tes, den Bezug auf den prak­ti­schen Huma­nis­mus, bis auf wohl­tu­en­de Split­ter. Da eini­ge Lan­des­ver­bän­de des HVD noch immer nicht auf die­sem „Wohl­fahrts­zug“, um noch ein­mal Micha­el zu bemü­hen, mit­fah­ren (kön­nen oder wol­len), erge­ben sich, wie in den gan­zen letz­ten zwan­zig Jah­ren, diver­se Anhäng­lich­kei­ten im HVD nach außer­halb, an den hpd und Über­schnei­dun­gen mit des­sen Posi­tio­nen – was ja auch bedeu­tet, es ist Leben in der Bude.

Per­sön­lich lese ich den hpd regel­mä­ßig und gern, viel­leicht auch, um mei­ne kri­ti­sche Sicht zu bestä­ti­gen, aber auch, weil ich hier span­nen­de Sachen fin­de, etwa von Hart­mut Kreß oder Gita Neu­mann. Der hpd hat mich bei jedem neu­en Buch inter­viewt, auch wenn ich seit 2013 nicht mehr zu den stän­di­gen Autoren zäh­le. Da bin ich dankbar.

Bleibt zum Schluss die Fra­ge, war es das? Ich kann mir schon eine Renais­sance der Grün­dungs­ideen vor­stel­len mit Akteu­ren über gbs und HVD hin­aus. Wo stün­den wir, wenn es nicht die Zeit­schrift „vor­gän­ge“ der Huma­nis­ti­schen Uni­on gäbe? Aber immer hängt alles am orga­ni­sier­ten Wil­len, an den Per­so­nen, den Kon­zep­ten, am Geld und wohl an einer neu­en Generation.

Schluss­be­mer­kung

Das obi­ge Foto mit der wei­ßen Linie stammt vom Kul­tur­wis­sen­schaft­ler André Plath, damals am Ber­li­ner “Thea­ter im Palast” tätig. Es zeigt die wei­ße Linie auf dem Bahn­steig Ber­lin-Fried­rich­stra­ße vor dem Mau­er­fall 1989, auf dem S‑Bahnen hiel­ten, die aus dem Wes­ten Ber­lins kamen und wie­der dort hin­fuh­ren, aber den Fahr­gäs­ten unter Auf­sicht durch Grenz­sol­da­ten anzeig­ten, bis wohin sie tre­ten durf­ten, ehe der Zug hielt, wenn er hielt. Die­se sym­bo­li­sche Abbil­dung einer Sper­re allein durch einen Farb­strei­fen nahm ich vor zehn Jah­ren zum Anlass für einen Text, um auf die damals begin­nen­de kon­ser­va­ti­ve Kul­tur­wen­de zu ver­wei­sen, nach den Flücht­lings­auf­nah­men nach 2015. Inzwi­schen sind mit den Auf­wüch­sen der AfD und den Fol­gen neue­rer Regie­rungs­er­las­se mehr völ­ki­sche Inter­pre­ta­tio­nen der sozia­len Pro­ble­me in Sach­sen und Deutsch­land üblich gewor­den. Die wei­ße Linie ist weg, wie auch ande­re Üblich­kei­ten. Befrei­un­gen erschei­nen als neue Zwän­ge. Mei­ne stark sati­ri­sche Schil­de­rung “Die wei­ße Linie” erschien am 10. Janu­ar 2016 auf mei­ner Home­page und zwei Tage spä­ter auf hpd.