Bedeutungsverlust der Kirchen

Cover INDES_NEW.jpg_800.jpgÜber ihr Ende als Verkünder einer allgemeinen Moral und die gesellschaftlichen und rechtlichen Folgen

Die Stel­lung der Kir­chen in Deutsch­land nach 1945 – die fort­be­stehen­de Ein­heit von Thron und Altar – hängt eng mit der Geschich­te der Bun­des­re­pu­blik zusam­men. Sicher­ten sich die Kir­chen in der Bun­des­re­pu­blik nach dem Zwei­ten Welt­krieg die in der Revo­lu­ti­on 1918/19 erreich­te Frei­heit vom Staat, wei­te­ten sie ihre Rech­te im Kal­ten Krieg noch aus und zogen aus der gleich­zei­ti­gen Garan­tie von Leis­tun­gen durch den Staat zusätz­li­che Vor­tei­le.

Dabei pass­ten sie sich neu­en Lagen nicht nur immer wie­der geschickt an. Mit ihren mora­li­schen „Sinn­ge­bun­gen“, ihrem staat­lich besol­de­ten Reli­gi­ons­un­ter­richt und ihrer Domi­nanz in der Ritual­kul­tur mach­ten sie sich bis in die 1970er Jah­re unent­behr­lich.

Auch heu­te noch, so der evan­ge­li­sche Theo­lo­ge Fried­rich Wil­helm Graf, sei­en die reli­giö­sen Struk­tu­ren in Deutsch­land „erstaun­lich sta­bil.“[1] So sehe Graf, heißt es in einem Bericht über ein Streit­ge­spräch zwi­schen ihm und dem Publi­zis­ten Hen­ryk M. Bro­der vom 3. Novem­ber 2010 im Dres­de­ner Hygie­ne­mu­se­um, „heu­te nie­man­den, der die christ­li­chen Fei­er­ta­ge abschaf­fen wol­le. Bei­de Volks­kir­chen sei­en nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs sehr pri­vi­le­giert wor­den und heu­te sehr rei­che und ein­fluss­rei­che Akteu­re. Sie hät­ten in der Gesell­schaft immer mehr Funk­tio­nen über­nom­men und sich ‚Sozi­al­staats­pfrün­de’ gesi­chert.

Heu­te beschäf­tig­ten Cari­tas und Dia­ko­nie mehr als 900.000 Mit­ar­bei­ter und hät­ten damit mehr als die gesam­te deut­sche Auto­in­dus­trie.“[2] Die­se engen Staat-Kir­che-Bin­dun­gen hät­ten jedoch, so Bro­der wäh­rend der glei­chen Debat­te, ein säku­la­ri­sier­tes, „weich­ge­spül­tes“ Chris­ten­tum beför­dert. Wobei ihm, wie er hin­zu­füg­te, eine „kor­rup­te, schwäch­li­che, aus­ge­wa­sche­ne christ­lich-jüdi­sche Kul­tur des Abend­lan­des“ immer noch lie­ber sei als der Islam, den er als eine mili­tan­te Reli­gi­on bezeich­net.[3] Die­se Aus­sa­ge, weni­ge Jah­re vor „PEGIDA“, ver­weist auf die Dis­kus­si­ons­la­ge.

Der Bedeutungsverlust der Kirchen

Heu­te betrei­ben die Kir­chen auf hohem Niveau Bestands­si­che­rung, trotz zuneh­men­den Bedeu­tungs­ver­lus­tes. Der Gel­tungs­schwund ver­läuft auf ver­schie­de­nen Ebe­nen, ist kein linea­rer Pro­zess und wird erst in his­to­ri­scher Sicht offen­sicht­lich. Es waren kapi­ta­lis­ti­sche Fort­schrit­te und wei­te­re Inno­va­tio­nen der Moder­ne, die seit dem Aus­gang des 19. Jahr­hun­derts die Ent­kirch­li­chung des All­tags und des öffent­li­chen Lebens in den Indus­trie­län­dern beschleu­nig­ten, beson­ders in den gro­ßen Städ­ten.

Die aktu­el­len Fol­gen sind Offen­heit der gesell­schaft­li­chen Regel­krei­se, Funk­tio­na­li­tät der sozia­len Wel­ten, Anony­mi­tät büro­kra­ti­sier­ter Insti­tu­tio­nen, Hete­ro­ge­ni­tät des Wer­te­ho­ri­zonts, gedul­de­te Viel­falt der Über­zeu­gun­gen, Ent­wer­tung des Tra­di­tio­nel­len, Her­kömm­li­chen und Eth­ni­schen, Distanz zu allen Bestre­bun­gen der Ver­ein­heit­li­chung der Lebens­wei­se, Beto­nung der Indi­vi­dua­li­tät, suk­zes­si­ver Rück­gang der Gesin­nungs­kon­trol­le, zuneh­men­de Kom­mer­zia­li­sie­rung der Bedürf­nis­be­frie­di­gung, Trans­fer der „Sinn­ge­bung“ aus den Kir­chen her­aus in die Mas­sen­me­di­en und neu­er­dings die „sozia­len Netz­wer­ke“ hin­ein.

Die Poli­ti­sie­rung des Aus­gleichs von Inter­es­sen­be­zie­hun­gen hat nicht nur „Welt­an­schau­ungs­par­tei­en“ besei­tigt,[4] son­dern das Gewicht mora­li­scher und gemein­schaft­li­cher Bin­dun­gen und damit befass­ter Orga­ni­sa­tio­nen ins­ge­samt redu­ziert. Dies gilt vor allem für den kul­tu­rel­len Ein­fluss der Kir­chen und, als Reak­tio­nen dar­auf, auch für die frei­den­ke­ri­schen „säku­la­ren Ver­bän­de“. Eine Fol­ge davon ist zum einen die Infla­ti­on von, bis­wei­len als „belie­big“ kri­ti­sier­ten, Sinn­deu­tun­gen. Zum ande­ren bil­den sich immer wie­der, meist kon­ser­va­tiv gepräg­te „Ver­ein­heit­li­chungs­be­we­gun­gen“ aus, die, durch­aus ras­sis­tisch auf­ge­la­den, auf „Gemein­schaft“ des „Vol­kes“, der „Nati­on“ und des „Abend­lan­des“ zie­len und die jeden Zuwachs an „Mul­ti­kul­ti“ ver­ur­tei­len und bekämp­fen.[5]

Nun hat es in der Kir­chen- wie in der Frei­den­k­er­ge­schich­te immer sowohl frei­heit­li­che als auch „völ­ki­sche“ und „deutsch­christ­li­che“ Strö­mun­gen gege­ben. Plu­ra­li­tät nahm zuerst in der Zer­split­te­rung des „Kir­chen­volks“ ihren Aus­gang, die heu­te um den gene­rel­len Rück­gang kirch­li­cher Binde‑, Ord­nungs- und Ori­en­tie­rungs­kraft ver­stärkt wird und einen reli­giö­sen Fli­cken­tep­pich hin­ter­lässt.

Zei­chen die­ser neu­en Welt gibt es vie­le: Als beson­ders deut­li­ches Signal kann eine Erklä­rung der deut­schen Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel aus Anlass der Wahl von Donald Trump zum US-Prä­si­den­ten gel­ten. Statt einer christ­li­chen über­sand­te die in der DDR sozia­li­sier­te evan­ge­li­sche Pfar­rers­toch­ter und gläu­bi­ge Chris­tin eine durch und durch huma­nis­ti­sche Bot­schaft: Deutsch­land und die USA sei­en durch gemein­sa­me Wer­te – Demo­kra­tie, Frei­heit, dem Respekt vor dem Recht und der Wür­de des Men­schen unab­hän­gig von Her­kunft, Haut­far­be, Reli­gi­on, Geschlecht, sexu­el­ler Ori­en­tie­rung oder poli­ti­scher Ein­stel­lung – ver­bun­den.

Wer die Theo­lo­gie­ge­schich­te und die His­to­rie der bei­den ehe­ma­li­gen „Volks­kir­chen“ der letz­ten hun­dert Jah­re ver­folgt,[6] kann ermes­sen, was es bedeu­tet, wenn sich eine deut­sche Kanz­le­rin so dezi­diert zu den Men­schen­rech­ten bekennt. Ohne dass der Begriff „Huma­nis­mus“ im öffent­li­chen oder gar wis­sen­schaft­li­chen Leben eine gro­ße Rol­le spielt, hat er sich doch – vor allem im Ver­ständ­nis von „Huma­ni­tät“ – kul­tu­rell eta­bliert und Wir­kung ent­fal­tet.[7] Das hat übri­gens zur Fol­ge, dass spe­zi­ell mit der huma­ni­tas-Losung agie­ren­de Unter­neh­mun­gen, wie die bür­ger­recht­li­che Huma­nis­ti­sche Uni­on oder der aus der Frei­den­ker­be­we­gung her­vor­ge­gan­ge­ne Huma­nis­ti­sche Ver­band Deutsch­lands), in die gesell­schaft­li­che Mar­gi­na­li­tät gedrängt wer­den.[8] Sie lei­den dar­an, dass sie sich bis­her als Kon­trast zu den Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten sahen und ent­spre­chend eher reli­gi­ons- sowie kir­chen­kri­tisch in der Tra­di­ti­on der Frei­den­ker[9] als huma­nis­tisch argu­men­tier­ten.

Kirchliche Residuen und Rückzüge

Auch wenn der direk­te Ein­fluss von Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten auf die Gesetz­ge­bung in der Bun­des­re­pu­blik suk­zes­si­ve zurück­geht, exis­tie­ren wei­ter­hin Fel­der, auf denen sich die christ­li­chen Kir­chen zu behaup­ten schei­nen, etwa in Fra­gen der Ster­be­hil­fe, beson­ders des ärzt­lich beglei­te­ten Sui­zids.[10] Vor allem in sol­chen Berei­chen sind die Kir­chen wei­ter­hin – auch poli­tisch und juris­tisch – domi­nant, in denen sie als Wirtschafts‑, Sozi­al- und Steu­er­be­trie­be auf­tre­ten.

Bei­spie­le für Miss­erfol­ge sind das gewan­del­te Ehe- und Sexu­al­straf­recht, die Gewäh­rung des Schwan­ger­schafts­ab­bruchs unter bestimm­ten Bedin­gun­gen,[11] die inzwi­schen weit­ge­hen­de gesell­schaft­li­che und vor allem künst­le­ri­sche Nicht­be­ach­tung der Blas­phe­mie, die öffent­li­chen Dis­kus­si­on über Reli­gio­nen und deren ganz nor­ma­le Ver­gleich­bar­keit, die Ent­kri­mi­na­li­sie­rung und Akzep­tanz der Homo­se­xua­li­tät oder auch der erlaub­te Han­del mit Ver­hü­tungs­mit­teln, Por­no­fil­men und ande­ren Pro­duk­ten die Sexua­li­tät betref­fend. Und nicht zu ver­ges­sen: Die gro­ßen Debat­ten über Miss­brauchs­fäl­le in ihren Ein­rich­tun­gen beschä­dig­ten das Image der Kir­chen.

Auch wie die Men­schen „kirch­li­che Fei­er­ta­ge“ bege­hen, ent­schei­den sie heu­te weit­ge­hend selbst. Es sind die, in einem wei­ten Ver­ständ­nis, Fami­li­en, die, um ihre Gemein­schaf­ten ange­sichts immer knap­pe­rer Zeit­res­sour­cen zu sta­bi­li­sie­ren, die­se deutsch­land­weit arbeits­frei­en Tage nut­zen, um ihnen einen ganz eige­nen Sinn zu geben. Ob sie nach wie vor Ostern, Pfings­ten oder Weih­nach­ten hei­ßen, spielt dabei kei­ne gro­ße Rol­le. Die bei­den gro­ßen Kir­chen in Deutsch­land waren jeden­falls am Ende des 20. Jahr­hun­derts schon nicht mehr in der Lage, den Buß- und Bet­tag als Fei­er­tag zu ret­ten.[12]

Vor hun­dert Jah­ren dage­gen hat­ten die gro­ßen Kir­chen noch Ein­fluss bis in das all­täg­li­che Sonn­tags­vor­mit­tags­ge­sche­hen und die Poli­zei sicher­te die „Sonn­tags­ru­he“ für den Kirch­gang. Die Relik­te die­ser Regeln lösen heu­te oft nur noch Hei­ter­keit aus, etwa das Tanz­ver­bot am Kar­frei­tag und an wei­te­ren „stil­len Tagen“. Im weit­ge­hend säku­la­ren Ber­lin ist der sonn­täg­li­che Bröt­chen­ver­kauf zwar wei­ter abhän­gig von den Haupt­got­tes­dienst­zei­ten, doch die Stadt­ver­wal­tun­gen erteil­ten bereits Ende der 1990er Jah­re flei­ßig „Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen“, sodass sich hier eine eige­ne Ver­kaufs­kul­tur eta­blier­te.[13]

Ein wei­te­res Kon­flikt­feld, auf dem sich die katho­li­sche Kir­che (noch) behaup­tet, betrifft das Zöli­bat. Immer wie­der for­dern Katho­li­ken eine Locke­rung des­sel­ben, for­dern über­dies den Ein­be­zug von Frau­en in Pries­ter­äm­ter, spre­chen sich für mehr Lai­en­rech­te aus. In abge­schwäch­ter Form und mit einem ande­ren Schwer­punkt – vor allem bezüg­lich homo­se­xu­el­ler Part­ner­schaf­ten im Pfarr­haus und bei der Seg­nung gleich­ge­schlecht­li­cher Paa­re – gibt es ähn­lich grund­sätz­li­che Debat­ten auch bei Pro­tes­tan­ten. Bei­de gro­ßen Kon­fes­sio­nen sor­gen sich um den Nach­wuchs für ihre Kir­chen­äm­ter, aber zugleich um Arbeits­plät­ze für die künf­ti­gen Absol­ven­ten ihrer staat­lich finan­zier­ten theo­lo­gi­schen Stu­di­en­gän­ge. Der Beruf des Theo­lo­gen ist im Anse­hen und Sta­tus gesun­ken – und wenig attrak­tiv.

Bei aller Kri­tik am Bil­dungs­sys­tem konn­ten zwei Wis­sen­schafts­ge­bie­te ihre Befun­de all­ge­mein machen: die Evo­lu­ti­ons­theo­rie und die Geschichts­wis­sen­schaft.[14] Bei­de Berei­che ver­wei­sen Grund­be­stän­de des Glau­bens und der Kir­chen­ge­schich­te aus dem Arse­nal gesi­cher­ten Wis­sens in den Raum der Legen­den, mit der Fol­ge, dass Reli­gio­nen ihre eige­ne Säku­la­ri­sie­rung wei­ter vor­an­trei­ben, wenn sie zuneh­mend „ratio­nal“ auf­tre­ten, um über­haupt im neu­en Kon­text ver­ständ­lich zu blei­ben. Das führt zu einer per­ma­nen­ten, oft­mals auch berech­tig­ten Stig­ma­ti­sie­rung fun­da­men­ta­lis­ti­scher inner­kirch­li­cher Bewe­gun­gen als „Sek­ten“ und „Aber­glau­be“ – durch die Kir­chen selbst.

Bli­cke in die täg­li­che Pres­se, auf deren Markt die kon­fes­sio­nel­len Zei­tun­gen weit­ge­hend ver­schwun­den sind, ver­mit­teln Infor­ma­tio­nen über das Fort­schrei­ten von Säku­la­ri­tät in unse­rer Gesell­schaft. So gibt es öffent­li­che Gedan­ken­spie­le, Kir­chen in Knei­pen, Muse­en, Sozi­al­woh­nun­gen, Piz­ze­ri­en, Büros oder Dis­ko­the­ken umzu­wan­deln. Im Win­ter sol­len aus finan­zi­el­len und öko­lo­gi­schen Grün­den wenig genutz­te Got­tes­häu­ser geschlos­sen und die Andach­ten in Gemein­de­räu­men abge­hal­ten wer­den.

Nicht zuletzt ist die Mit­glied­schaft in den Kir­chen wei­ter rück­läu­fig, bei den Pro­tes­tan­ten schnel­ler als bei den Katho­li­ken. Nach der Wie­der­ein­füh­rung des Soli­da­ri­täts­zu­schla­ges im Janu­ar 1995 lie­fen den Kir­chen die Mit­glie­der in den Dimen­sio­nen von Klein­stadt­grö­ßen davon. Immer wie­der, wenn Abga­ben oder Steu­ern in die Fami­li­en­haus­hal­te ein­grei­fen, führt dies zu neu­en Aus­tritts­wel­len. Selbst in Ost­deutsch­land, wo die Kir­chen­mit­glied­schaft bei etwa zwan­zig Pro­zent liegt, hal­ten die Kir­chen­aus­trit­te an.[15] Wer heu­te die Kir­che ver­lässt, dem mögen, je nach Bun­des­land, dar­aus durch­aus noch Nach­tei­le für die Kar­rie­re erwach­sen. Doch die Abkehr vom orga­ni­sier­ten Chris­ten­tum ist kei­ne staats­po­li­ti­sche Sen­sa­ti­on mehr.

Veränderungen im „Religions- und Weltanschauungsrecht“

Den sozi­al­kul­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen folgt das Reli­gi­ons­recht, eigent­lich „Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­recht“,[16] das immer mehr über das bis­he­ri­ge „Staats­kir­chen­recht“ hin­aus­reicht. Gera­de das Reli­gi­ons­recht ist unter dem Druck der geän­der­ten Sozi­al­ver­hält­nis­se moder­ner gewor­den, auch wenn die Tren­nung von Staat und Kir­chen nach wie vor „hinkt“.[17] Der in Urtei­len „gerichts­no­to­risch“ gewor­de­ne Wan­del in Rich­tung zu mehr Plu­ra­li­tät geht wesent­lich von zwei Neu­hei­ten aus.

Ers­tens ist die his­to­risch über­kom­me­ne, aber in man­chen, auch poli­tisch ein­fluss­rei­chen Köp­fen noch her­um­spu­ken­de christ­li­che Ein­heits­kul­tur (Stich­wor­te: „christ­li­che Leit­kul­tur“; „Abend­land“) end­gül­tig an ihr Ende gekom­men. Ver­folgt man die Debat­ten, in denen sich vor­wie­gend die Öff­nung des Staa­tes gegen­über ande­ren Reli­gio­nen arti­ku­liert, so wird dar­in vor allem der Zuwachs mus­li­mi­scher Reli­gi­ons­tat­be­stän­de kon­sta­tiert, weni­ger jüdi­sche oder bud­dhis­ti­sche[18], wes­halb inzwi­schen ver­mehrt dis­ku­tiert wird, ob man wei­ter­hin eine der drei gro­ßen mono­the­is­ti­schen Reli­gio­nen kon­se­quent von den ver­fas­sungs­recht­lich ermög­lich­ten Koope­ra­ti­ons­an­ge­bo­ten abhal­ten kön­ne.[19]

Die größ­te neue­re sozio­lo­gi­sche Tat­sa­che ist aller­dings zwei­tens das mas­sen­haf­te Auf­kom­men einer neu­en Grup­pe, nicht älter als hun­dert Jah­re, um 1914 noch im Pro­mil­le­be­reich, die inzwi­schen mehr als ein Drit­tel der Bevöl­ke­rung umfasst: Es han­delt sich um die sozi­al wie „glau­bens­mä­ßig“ hete­ro­ge­nen „Kon­fes­si­ons­frei­en“, über die indes wenig bekannt ist, da sie weder kol­lek­tiv auf­tre­ten, noch als gemein­sa­mes Sub­jekt eige­ne Bedürf­nis­se anmel­den. Nicht zuletzt wegen deren inne­rer Dif­fe­ren­ziert­heit ist auch ihre Rubri­zie­rung unter die „Welt­an­schau­li­chen“ – im Gegen­satz zu den „Reli­giö­sen“ – pro­ble­ma­tisch. Klar ist allen­falls, dass sie weder zu den „Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten“ noch zu den „Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten“[20] gehö­ren und den­noch Rech­te haben soll­ten,[21] ins­be­son­de­re das der nega­ti­ven Reli­gi­ons­frei­heit.

Die zuneh­men­de Mul­ti­kul­tu­ra­li­tät und die wach­sen­de Kon­fes­si­ons­frei­heit ver­stär­ken Ten­den­zen der „Ent­kirch­li­chung“, die inzwi­schen auch orga­ni­sier­te Chris­ten erfasst, die zwar for­mal Mit­glie­der ihrer Kir­chen sind, aber ihren Glau­ben nicht prak­ti­zie­ren, weder pri­vat (Rück­gang der Tau­fen, Zunah­me der „welt­li­chen“ Bestat­tun­gen) noch öffent­lich (Got­tes­dienst­be­su­che), und die sich bis­wei­len sogar als „athe­is­tisch“ bezeich­nen.[22]

Für das Rechts­sys­tem bedeu­ten die­se gra­vie­ren­den Ver­än­de­run­gen ers­tens, dass die tra­dier­ten, 1919 for­mu­lier­ten Reform­kom­pro­mis­se der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung auf die gegen­wär­ti­gen Pro­ble­me nur schwer anwend­bar sind, aber nun ein­mal 1949 ins Grund­ge­setz über­nom­men wur­den[23] – mit der Fol­ge, dass die deut­sche Ver­fas­sung eine säku­la­re ist, zugleich aber einen grund­ge­setz­lich abge­si­cher­ten staats­kirch­li­chen Über­hang besitzt.[24]

Zwei­tens folgt eben dar­aus, dass das über­nom­me­ne ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Geflecht kei­ne Samm­lung toter Para­gra­phen ist, son­dern die­ser „Über­hang“ in einer ganz ande­ren, näm­lich plu­ra­len welt­an­schau­lich-reli­giö­sen Situa­ti­on ange­wen­det wird. Das erbringt immer wie­der eini­ge gewag­te Inter­pre­ta­tio­nen, etwa durch all­zu wört­li­che „Umset­zun­gen“, die die Wirk­lich­keit nicht mehr rich­tig zu erfas­sen ver­mö­gen – z. B. wenn Gerich­te von mus­li­mi­schen wie welt­an­schau­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen „Kir­chen­för­mig­keit“ ver­lan­gen.

Drit­tens hat beson­ders das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sel­ber kirch­li­che Anma­ßun­gen nicht nur gebil­ligt und fort­ge­schrie­ben, son­dern die Rech­te der Kir­chen sogar von sich aus erwei­tert, beson­ders hin­sicht­lich des Arbeits­rechts in Betrie­ben wie Dia­ko­nie und Cari­tas,[25] aber auch weit dar­über hin­aus.[26]

Ungerechtfertigte Privilegien?

Die Kir­chen sind nicht nur Heils­ge­mein­schaf­ten, Inter­es­sen­or­ga­ni­sa­tio­nen, Steu­er­ver­bän­de, Arbeit­ge­ber, Groß­grund­be­sit­zer und Kul­tur­be­trie­be. Sie haben Ver­la­ge, Braue­rei­en, Bau­ern­hö­fe, Stif­tun­gen, Kran­ken­häu­ser, Kin­der­gär­ten, Hos­pi­ze und Senio­ren­re­si­den­zen. Die Kir­chen sind auch ganz nor­ma­le Wirt­schafts­un­ter­neh­men, die ent­spre­chend kom­mer­zi­ell und säku­lar han­deln und sich aus eige­nen Ban­ken, pri­va­ten und öffent­li­chen Mit­teln, aber auch diver­sen Kas­sen finan­zie­ren, dar­un­ter jene der Kran­ken­ver­si­che­rung.

Und es ist ihnen mit Hil­fe des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gelun­gen, einen Groß­teil ihrer ent­spre­chen­den Tätig­kei­ten als „ver­kün­di­gungs­nah“ zu ver­tei­di­gen. Dies aber dient nicht nur der Durch­set­zung spe­zi­el­ler Moral­vor­stel­lun­gen in die­sen Tätig­keits­fel­dern, son­dern auch der Anwen­dung eines beson­de­ren Kün­di­gungs­rechts, das etwa die Ent­las­sung Wie­der­ver­hei­ra­te­ter wegen des Bruchs des Sakra­ments der Ehe in katho­li­schen Ein­rich­tun­gen erlaubt. Wer Lum­pen sam­melt oder Bier braut, muss Steu­ern zah­len; wer dies als Kir­chen­be­trieb macht, genießt Pri­vi­le­gi­en.[27]

Dabei ist die Her­lei­tung kirch­li­cher Son­der­rech­te neue­ren Datums – und damit gera­de kei­ne rei­ne Fort­schrei­bung alter Vor­rech­te des 19. Jahr­hun­derts.[28] Viel­mehr ist sie das Ergeb­nis kirch­li­cher Lob­by­ar­beit und in christ­li­cher Sor­ge befan­ge­ner Rich­ter in Zei­ten fort­ge­setz­ter Säku­la­ri­sie­run­gen der gesell­schaft­li­chen Rechts­ver­hält­nis­se. Ins­be­son­de­re die Bun­des­ver­fas­sungs­rich­ter haben Neu­schöp­fun­gen ein­ge­führt, die das Grund­ge­setz nicht vor­sieht. Dass die­se ein­sei­ti­gen Unter­stüt­zun­gen der christ­li­chen Reli­gio­nen selbst­re­dend künf­tig auch der Islam in Anspruch neh­men kann, macht kom­men­de reli­gi­ons­po­li­ti­sche Kon­flik­te inter­es­sant und ver­pflich­tet zu beson­de­rer Auf­merk­sam­keit.[29]

Eini­ge wei­te­re Poli­tik­fel­der im Staat-Kir­chen-Welt­an­schau­ungs- und Reli­gi­ons­be­reich dürf­ten künf­tig eben­falls span­nend wer­den. Zwei sol­len abschlie­ßend her­aus­ge­ho­ben wer­den: die vom Grund­ge­setz gefor­der­te Ablö­sung der Staats­leis­tun­gen an die Kir­chen einer­seits, das Pro­blem des Reli­gi­ons­un­ter­richts ande­rer­seits. Ein ein­fa­cher und doch kom­pli­zier­ter Fall sind die abzu­lö­sen­den „Staats­leis­tun­gen“ der Län­der an die Kir­chen.[30]

Nach über­ein­stim­men­den Ansich­ten wer­den mit die­sem Begriff im enge­ren Sin­ne die nach dem Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluss von 1803 als Ent­schä­di­gun­gen für Ent­eig­nun­gen wäh­rend der napo­leo­ni­schen Krie­ge gewähr­ten und in der Geschich­te seit­her ange­wach­se­nen Zah­lun­gen bezeich­net.[31] Die­se umfas­sen über 500 Mil­lio­nen Euro, sie machen aber nur einen Teil der aktu­el­len Staats­leis­tun­gen ins­ge­samt aus,[32] rech­net man hier­un­ter das kom­plet­te Sys­tem öffent­li­cher För­de­run­gen und Sub­ven­tio­nen.

Diver­se staat­li­che Geset­ze regeln heu­te die Leis­tun­gen, die Kir­chen und ande­re freie Trä­ger aus diver­sen öffent­li­chen Kas­sen erhal­ten. Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten bewe­gen sich nicht nur inner­halb eines „Kul­tur­mark­tes“, in dem Sinn­an­ge­bo­te und Ritua­le käuf­lich erwerb­bar sind, son­dern in einem kom­ple­xen Geflecht öffent­li­cher Zuwen­dun­gen, in dem die Kir­chen auf ihrem „Pri­vi­le­gi­en­bün­del“ behar­ren.

Wie in die­ser Gemenge­la­ge eine „Ablö­sung“ erfol­gen soll, die dem Grund­ge­setz, den Inten­tio­nen von 1919, aber auch der heu­ti­gen öko­no­mi­schen und sozia­len Wirk­lich­keit ent­spricht, und ob die „Ablö­sung“ gewis­ser­ma­ßen mit Ablö­sun­gen zu hono­rie­ren wäre – das sind offe­ne Pro­ble­me, in denen Rechts­fra­gen eher abge­lei­te­te als struk­tu­rie­ren­de Kom­po­nen­ten sind. Für die Kir­chen vor­teil­haft ist ers­tens, dass sich in kei­ner poli­ti­schen Par­tei für die­se Ablö­sun­gen ein­fluss­rei­che poli­ti­sche Kräf­te for­mie­ren; man hält zu die­sen Mil­lio­nen­aus­ga­ben stil­le Distanz. Zwei­tens sind die­je­ni­gen, die sich für eine Ablö­sung stark machen, kon­zep­tio­nell über die ein­zu­schla­gen­de „Auf­bau- und Abbau­stra­te­gie“, bezie­hungs­wei­se, anders aus­ge­drückt: die Gleich­be­hand­lung Aller oder den Lai­zis­mus zer­strit­ten.[33]

Glei­ches gilt beim The­ma Reli­gi­ons­un­ter­richt: Kri­ti­ker sehen die­ses Schul­an­ge­bot in ers­ter Linie als beson­de­res Kir­chen­pri­vi­leg, die christ­li­che Reli­gi­on auch in Zei­ten der Säku­la­ri­sie­rung in der Gesell­schaft durch­zu­set­zen. Ein his­to­ri­scher Irr­tum. Schließ­lich war es der Staat, der mit dem staat­li­chen Reli­gi­ons­un­ter­richt den Kir­chen, statt ihnen ein Pri­vi­leg ein­zu­räu­men, den Auf­trag gab, die erfor­der­lich gehal­te­ne, all­ge­mei­ne mora­li­sche Erzie­hung der Staats­bür­ger zu garan­tie­ren.

Wenn der heu­ti­ge Staat der neu­en plu­ra­len Situa­ti­on gerecht wer­den will, dann hat er für das Ende des christ­lich-kirch­li­chen Mono­pols zu sor­gen, denn die Kir­chen sind aktu­ell kei­nes­falls mehr in der Lage, eine all­ge­mei­ne Moral zu garan­tie­ren.[34]

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Horst Gro­schopp: Ver­kün­der einer All­ge­mei­nen Moral? Über den Bedeu­tungs­ver­lust der Kir­chen und sei­ne Gesell­schaft­li­chen sowie recht­li­chen Fol­gen. In: Indes. Zeit­schrift für Poli­tik und Gesell­schaft. Göt­tin­gen 6(2017)1, S. 113–120.

Quel­le Titel­fo­to:

Cover der Text­quel­le.


[1] o.V., Bro­der: Der Glau­be von Chris­ten und Juden ist weich­ge­spült. In: idea Spek­trum, H. 46/2010, S. 19.

[2] Vgl. ebd.

[3] Ebd.

[4] Die SED war in Deutsch­land die letz­te Orga­ni­sa­ti­on die­ser Art. Vgl. Horst Gro­schopp: Ende der Welt­an­schau­ungs­par­tei? In: Uto­pie krea­tiv, Ber­lin (Juli 2000) H. 117, S. 661–668.

[5] Dras­tisch drückt sich die­ses neu-rech­te Den­ken etwa in fol­gen­der For­mu­lie­rung aus: „deutsche[r] Volks­tod […] bei genera­tio­nen­lan­ger Fremd­zu­wan­de­rung gan­zer Völ­ker­scha­ren“, Cars­ten Rupert, Ras­sis­mus, was soll das sein? In: Blaue Nar­zis­se, 2.11.2012, URL: http://www.blauenarzisse.de/rassismus-was-soll-das-sein/ [ein­ge­se­hen am 14.12.2016].

[6] In den spä­ten 1950ern und aus­ge­wei­tet in den 1960ern begann in der Bun­des­re­pu­blik erst­mals eine brei­te Debat­te über das Ende der „Volks­kir­chen“ und die mög­li­chen Fol­gen vgl. Ger­hard Szces­ny: Die Zukunft des Unglau­bens. Zeit­ge­mä­ße Betrach­tun­gen eines Nicht­chris­ten. Mün­chen 1958. – Joa­chim Kahl: Das Elend des Chris­ten­tums. Rein­bek bei Ham­burg 1968.

[7] Vgl. Hubert Cancik/Horst Groschopp/Frieder Otto Wolf: Huma­nis­mus: Grund­be­grif­fe. Berlin/Boston 2016.

[8] Vgl. Horst Gro­schopp: Pro Huma­nis­mus. Eine zeit­ge­schicht­li­che Kul­tur­stu­die. Mit einer Doku­men­ta­ti­on. Aschaf­fen­burg 2016.

[9] Vgl. Horst Gro­schopp, Dis­si­den­ten. Frei­den­ker und Kul­tur in Deutsch­land. Mar­burg 2011.

[10] Vgl. Gita Neu­mann (Hrsg.): Sui­zid­hil­fe als Her­aus­for­de­rung. Arz­te­thos und Straf­bar­keits­my­thos, Aschaf­fen­burg 2012. – Die ent­spre­chen­den Debat­ten im Bun­des­tag bele­gen, dass es auch in die­ser Fra­ge kei­ne geschlos­se­ne Front der­je­ni­gen gab, die sich als christ­li­che Poli­ti­ker ver­ste­hen.

[11] Die Prä­im­plan­ta­ti­ons­dia­gnos­tik ist in Deutsch­land aus­schließ­lich zur Ver­mei­dung von schwe­ren Erb­krank­hei­ten, Tot- oder Fehl­ge­bur­ten zuläs­sig. Aber schon die­se Erlaub­nis, die hin­ter den Rege­lun­gen in Groß­bri­tan­ni­en und wei­te­ren Staa­ten zurück­steht, zeigt, dass in der gesam­ten Fort­pflan­zungs­me­di­zin ethi­sche Fra­gen zwar hef­tig dis­ku­tiert, aber in den ent­spre­chen­den Ent­schei­dun­gen christ­li­che Glau­bens­an­nah­men nur beach­tet wer­den, wenn eine betrof­fe­ne Per­son die­se äußert.

[12] Die Nord­el­bi­sche Kir­che hat­te über 100.000 Unter­schrif­ten gesam­melt, um die­se Ent­schei­dung rück­gän­gig zu machen. In Sach­sen wur­de er im Tausch gegen höhe­re Pfle­ge­bei­trä­ge „geret­tet“.

[13] Wegen der zu lan­gen Wer­be­pau­se zwi­schen Urlaubs­ge­schäft und Advents­zeit und wegen der ter­min­li­chen Nähe zum Beginn der „när­ri­schen Jah­res­zeit“ am 11.11. hat sich „Hal­lo­ween“ eta­bliert, ein sehr „heid­ni­sches“ Geschäft.

[14] Auch an den an Zahl und Grö­ße zuneh­men­den katho­li­schen und evan­ge­li­schen Pri­vat­schu­len, beson­ders erfolg­reich im säku­la­ren Ost­deutsch­land, müs­sen „Chris­ten­leh­re“ und Bibel­in­ter­pre­ta­ti­on mit wis­sen­schaft­li­chen Befun­den der Bio­lo­gie, Phy­sik, Che­mie, Geschich­te, Geo­gra­phie usw. umge­hen.

[15] Vor die­sem Hin­ter­grund erklärt sich auch, dass die Mas­sen­tau­fe von zwan­zig Flücht­lin­gen aus Afgha­ni­stan und dem Iran am drit­ten Advent 2016 in Frei­berg (Sach­sen) wur­de zu einer Spit­zen­mel­dung.

[16] Alle maß­geb­li­chen Grund­ge­setz­kom­men­ta­re gehen inzwi­schen von einer Gleich­heit von Reli­gi­on und Welt­an­schau­ung aus. Vgl. Horst Gro­schopp (Hrsg.): Kon­fes­si­ons­freie und Grund­ge­setz. Aschaf­fen­burg 2010.

[17] Zur Erst­ver­wen­dung des heu­te gän­gi­gen Begriffs der „hin­ken­den Tren­nung“ vgl. Ulrich Stutz: Die päpst­li­che Diplo­ma­tie unter Leo XIII. nach den Denk­wür­dig­kei­ten des Kar­di­nals Dome­ni­co Fer­ra­ta. Ber­lin 1926, S. 54.

[18] Wobei das Juden­tum unter die „abra­ha­mi­ti­schen“ Reli­gio­nen des „Abend­lan­des“ gerech­net wird. Es ist zu hin­ter­fra­gen, ob nicht auch gro­ße Tei­le des Islam „abra­ha­mi­tisch“ sind oder ob die katho­li­sche, pro­tes­tan­ti­sche oder ortho­do­xe Kir­che nicht eigent­lich als drei Reli­gio­nen gefasst wer­den müs­sen. Jeden­falls tre­ten sie eigen­stän­dig auf.

[19] Vgl. Tho­mas Frit­sche: Der Kul­tur­be­griff im Reli­gi­ons­ver­fas­sungs­recht. Ber­lin 2015, S. 130.

[20] nach Art. 140 i.V.m Art. 137,7 GG.

[21] Vgl. Tho­mas Hein­richs, in Zusam­men­ar­beit mit Hei­ke Wein­bach: Welt­an­schau­ung als Dis­kri­mi­nie­rungs­grund. Begriffs­di­men­sio­nen und Dis­kri­mi­nie­rungs­ri­si­ken. Ber­lin 2016, URL: http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Expertisen/Uebersichtsartikel_Weltanschauung_als_DiskrGrund_20160922.html [ein­ge­se­hen am 5.11.2016].

[22] Für nähe­re Befun­de sei auf die Inter­net­platt­form der „For­schungs­grup­pe Welt­an­schau­un­gen in Deutsch­land“, URL:  https://fowid.de/ [ein­ge­se­hen am 5.11.2016].

[23] Zum Umgang in den DDR-Ver­fas­sun­gen vgl. Hei­ke Amos: Die Ent­ste­hung der Ver­fas­sung in der Sowje­ti­schen Besat­zungs­zo­ne / DDR 1946–1949. Dar­stel­lung und Doku­men­ta­ti­on. Müns­ter 2006.

[24] Vgl. Hans Mar­kus Heimann: Deutsch­land als mul­ti­re­li­giö­ser Staat. Eine Her­aus­for­de­rung. Frank­furt a. M. 2016.

[25] Vgl. Cars­ten Frerk: Cari­tas und Dia­ko­nie in Deutsch­land. Mit einem Vor­wort von Johan­nes Neu­mann. Aschaf­fen­burg 2005.

[26] Der Ein­zug der Kir­chen­steu­ern durch staat­li­che Finanz­be­hör­den dient der kirch­li­chen Logis­tik, besitzt aber kei­ne grund­ge­setz­li­che Absi­che­rung, vgl. Ger­hard Czer­mak: Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­recht. Eine Ein­füh­rung. In Koope­ra­ti­on mit Eric Hil­gen­dorf. Ber­lin 2008.

[27] Es han­delt sich hier um die „Akti­on Rum­pel­kam­mer“, auch „Lum­pen­samm­ler­fall“ genannt. Das ist ein Beschluss des Ers­ten Senats des deut­schen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aus dem Jah­re 1968, den per­sön­li­chen und sach­li­chen Schutz­be­reich der Reli­gi­ons­frei­heit nach Art. 4 GG betref­fend und die­sen aus­wei­tend. Akten­zei­chen: 1 BvR 241/66 – BverfGE.

[28] Noch mit einer weit­ge­hen­den Kon­ti­nui­tät argu­men­tiert Johan­nes Neu­mann, Für eine – neue –  huma­nis­ti­sche Sozi­al­po­li­tik, in: huma­nis­mus aktu­ell, Jg. 2 (1998), H. 3, S. 20–28.

[29] Tho­mas Hein­richs: Reli­gi­on und Welt­an­schau­ung im Recht. Pro­blem­fäl­le zum Ende der Kir­chen­do­mi­nanz. Aschaf­fen­burg 2017.

[30] Nach Art. 140 GG i.V.m. Art. 138, Satz 1 WRV per Gesetz des Reichs­ta­ges. „Die auf Gesetz, Ver­trag oder beson­de­ren Rechts­ti­teln beru­hen­den Staats­leis­tun­gen an die Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten wer­den durch die Lan­des­ge­setz­ge­bung abge­löst. Die Grund­sät­ze hier­für stellt das Reich auf.“

[31] Zum Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluss vgl. huma­nis­mus aktu­ell, Jg. 6 (2002), H. 10; und huma­nis­mus aktu­ell Jg. 7 (2003), H. 12.

[32] Vgl. Cars­ten Frerk: Finan­zen und Ver­mö­gen der Kir­chen in Deutsch­land. Aschaf­fen­burg 2002.

[33] Vgl. Horst Gro­schopp (Hrsg.): Huma­nis­mus – Lai­zis­mus – Geschichts­kul­tur. Aschaf­fen­burg 2013.

[34] Bele­ge für einen Wan­del sind der Vor­marsch des Faches „Ethik“ (für alle) und (in Ber­lin-Bran­den­burg) der dem Reli­gi­ons­un­ter­richt als Alter­na­ti­ve gleich­ge­stell­te huma­nis­ti­sche Welt­an­schau­ungs­un­ter­richt „Lebens­kun­de“ (nicht zu ver­wech­seln mit dem Ethik­fach LER: Lebens­ge­stal­tung, Ethik, Reli­gi­ons­kun­de).