Humanismus noch immer in der Aufklärung – eine Kritik am “säkularen Humanismus”

1. Erin­ne­rung an den Anfang

Wenn uns die Men­schen nicht als täti­ge Huma­nis­ten erle­ben, kön­nen sie unse­re Welt­an­schau­ung gar nicht erfah­ren.“ Die­ser Spruch wur­de mir 2006 im Aus­stel­lungs­ka­ta­log „Huma­nis­mus. Geschich­te und Gegen­wart“ (Tafel 17) des HVD, Lan­des­ver­band Ber­lin, zuge­schrie­ben. Damals war ich Bun­des­vor­sit­zen­der und ein bedeu­tungs­schwan­ge­rer Satz des Amts­trä­gers muss­te sein. So sehr ich die Aus­sa­ge nach wie vor für rich­tig hal­te, das Ori­gi­nal fand ich nicht.

Die Suche ergab aber zwei gedruck­te Tex­te, jeweils Nach­wor­te, ein­mal in dem besag­ten Kata­log mit der Über­schrift „Huma­nis­mus in der Renais­sance“ und eine über­ar­bei­te­te Fas­sung die­ses Tex­tes in der 2014 von „Die Huma­nis­ten“ in Stutt­gart auf­be­rei­te­ten Aus­stel­lung von 2006. Im Nach­wort des Stutt­gar­ter Bei­hef­tes wur­de von mir „Renais­sance“ durch „Auf­klä­rung“ ersetzt, was gleich erklärt wird.

Die Lek­tü­re die­ser älte­ren Tex­te und ein Ver­gleich mit öffent­li­chen Äuße­run­gen von Ver­ant­wor­tungs­trä­gern im Ver­band ergab, das in ihm nach wie vor vie­le der dama­li­gen Fra­gen rele­vant sind, es sogar Rück­schrit­te im Ver­ständ­nis von Huma­nis­mus gibt, weil er wie­der stär­ker mit „Säku­la­ri­tät“ und „Säku­la­ri­sie­rung“ in eine Ver­bin­dung gebracht wird, die ihn in sei­ner Eigen­stän­dig­keit und Bedeu­tung ein­schränkt, abhän­gig macht von Reli­gi­ons­kri­tik und Kir­chen­kampf und dar­aus eine Poli­tik for­mu­liert wird, die sug­ge­riert, dass mit mehr Säku­la­ri­tät in der Gesell­schaft Huma­nis­mus Fort­schrit­te macht.

Die 2006er Über­schrift „Huma­nis­mus in der Renais­sance“ pro­gnos­ti­zier­te einen gro­ßen bun­des­wei­ten Auf­schwung des Ver­ban­des und the­ma­ti­sier­te die Hoff­nung auf eine Kon­junk­tur des erwei­ter­ten Begriffs und einer plu­ra­lis­ti­schen Pro­gram­ma­tik der Gleich­be­hand­lung von vor­han­de­nen Reli­gio­nen mit huma­nis­ti­schen Welt­an­schau­un­gen durch den Staat. Das Wort „Renais­sance“ – so die Absicht des dama­li­gen Nach­worts – soll­te „Wie­der­ge­burt“ bzw. „Wie­der­wach­sen“ signa­li­sie­ren. Denn die Kate­go­rie ist, wie jeder Begriff, selbst his­to­risch und 2016 im Hand­buch „Huma­nis­mus: Grund­be­grif­fe“ im Zusam­men­hang mit ande­ren Kate­go­rien erläu­tert wor­den.[1]

Renais­sance“ bezeich­net gewöhn­lich die 300 Jah­re zwi­schen Petrar­cas Geburt 1304 und der öffent­li­chen Ver­bren­nung von Giord­a­no Bru­no 1600. Als Epo­chen­be­griff fest eta­bliert wur­de „Renais­sance“ bezeich­nen­der­wei­se erst viel spä­ter in einer Schrift des Kunst­his­to­ri­kers Jacob Bur­ck­hardt, in der er 1860 die „Cul­tur der Renais­sance in Ita­li­en“ ent­deck­te.[2] Fünf Jah­re zuvor hat­te der Rechts­wis­sen­schaft­ler und Phi­lo­so­phie­his­to­ri­ker Carl Lud­wig Miche­let, ein Schü­ler von Hegel, dem wir die gesell­schafts­po­li­ti­sche Anwen­dung des Begrif­fes „Säku­la­ri­sie­rung“ ver­dan­ken (noch als „Ver­welt­li­chung des Chris­ten­tums“), ähn­li­che Aus­füh­run­gen gemacht.

Der Anlass zu der besag­ten Ber­li­ner Aus­stel­lung ergab sich zu Beginn des 21. Jahr­hun­derts, weil der HVD damals etwas mehr als ein Dut­zend Jah­re exis­tier­te und er das Bedürf­nis hat­te, auf das Her­kom­men aus einer lan­gen Frei­den­ker­be­we­gung zu ver­wei­sen, aus der er mein­te, her­aus­zu­wach­sen. Doch die­se Tra­di­ti­ons­bin­dung ist bis heu­te sein Ver­or­tungs­pro­blem, auch wenn in eini­gen neue­ren Publi­ka­tio­nen das geschicht­li­che Erbe wei­ter gefasst wird.[3]

Ein Rück­blick auf 120 Jah­re bezieht sich auf den „Ver­ein der Frei­den­ker für Feu­er­be­stat­tung“, eine Aus­grün­dung aus der „Ber­li­ner Frei­re­li­giö­sen Gemein­de“, aus dem 1930 der „Deut­sche Frei­den­ker­ver­band“ wur­de, aus dem wie­der­um in den frü­hen 1990ern der HVD for­mal­ju­ris­tisch ent­stand. Es ist aber das Pro­blem jeder Tra­di­ti­ons­bil­dung, dass orga­ni­sa­to­ri­sche Kon­ti­nui­tät nicht nur immer quer zur Kul­tur- und Ideen­ge­schich­te steht, son­dern auch mit der neu­en Pra­xis kol­li­diert, die durch­aus eine Aneig­nung des Erbes ande­rer Orga­ni­sa­tio­nen mit sich bringt, etwa Kon­zep­tio­nen der Sozi­al­ar­beit oder der Lebens­kun­de aus der ethi­schen Kulturbewegung.

Nicht alle Ver­bän­de im HVD haben die­ses Ber­lin-Bran­den­bur­ger Erbe-Pro­blem. Die west­deut­schen Lan­des­ver­bän­de kön­nen es, wenn so will, nur „theo­re­tisch“ ver­ste­hen, weil ihnen eine ent­spre­chen­de Pra­xis fehlt. Hin­zu kommt, der bei der Grün­dung des HVD so maß­geb­li­che ost­deut­sche Ver­band in Sach­sen-Anhalt exis­tiert nicht mehr, wie sich über­haupt die aktu­el­le Mit­glied­schaft (auch der ange­schlos­se­nen Ver­bän­de) stark ver­än­dert hat gegen­über der­je­ni­gen zur Zeit der Grün­dung 1993.[4] Und Ber­lin-Bran­den­burg hat nicht auf­ge­ar­bei­tet, was aus Ost­ber­lin, dem Huma­nis­mus des DDR-Frei­den­ker­ver­ban­des 1990 ff., an Ein­rich­tun­gen und The­sen über­nom­men wur­de, ein­fach, weil enga­gier­te Men­schen nun unter einem ande­ren Dach arbei­te­ten.[5]

Für die Ein­schät­zung der aktu­el­len Lage und des Geschichts­be­wusst­seins des Ver­ban­des wesent­lich scheint mir die Erin­ne­rung an zwei Vor­gän­ge. Ers­tens das Andenken dar­an, was für ein Ver­ständ­nis von Huma­nis­mus nach 1990 in die hie­si­ge Frei­den­ke­rei ein­zog und dann im HVD Auf­nah­me fand, weil sei­ne Grün­der­or­ga­ni­sa­tio­nen in ihm einen „Ret­tungs­an­ker“ sahen, als das mit­tel­eu­ro­päi­sche Län­der­ge­fü­ge und sein Gegen­satz von Kapi­ta­lis­mus und Sozia­lis­mus eben­so zer­bra­chen wie die deut­sche Teilung.

Huma­nis­mus kam als frei­den­ke­ri­sche Kon­zep­ti­on der Säku­la­ri­sie­rung in den Ver­band und geriet von Beginn an in Kon­flikt mit einem prak­ti­schen Huma­nis­mus, des­sen Arbeits­fel­der über das hin­aus­gin­gen, was bis­he­ri­ge Pra­xis war. Das alte Kon­zept erleb­te in den letz­ten drei­ßig Jah­ren immer mal wie­der eine Renais­sance und neue Annä­he­run­gen an Pro­gram­me des „säku­la­ren (oder „welt­li­chen“) Huma­nis­mus“.[6]

Beim zwei­ten Vor­gang ist an eine soli­da­ri­sche Absichts­er­klä­rung zu erin­nern, die eine brei­te Basis im Ver­band schaf­fen soll­te für eine Reform der Vor­stel­lun­gen vom Huma­nis­mus. Es han­delt sich hier um einen tat­säch­lich „ver­ges­se­nen“ gemein­sa­men Beschluss, den der Bun­des­haupt­aus­schuss 1994 als Teil III des ers­ten „Huma­nis­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis­ses“ unter der Über­schrift „Gemein­schaft und gegen­sei­ti­ge Hil­fe“ ver­ab­schie­de­te, denn die Grün­dungs­ver­an­stal­tung selbst beschloss noch kei­ne geschlos­se­ne Pro­gram­ma­tik. Als gemein­sa­mes Wol­len galt:

- Lebens­kun­de­un­ter­richt,

- Kin­der- und Jugendgruppen,

- Jugend­fei­ern,

- Kul­tur- und Bildungsangebote,

- Schwan­ger­schafts­be­ra­tung,

- Bera­tung und Hil­fe in kri­ti­schen Lebenssituationen,

- Unter­stüt­zung älte­rer und behin­der­ter Menschen,

- Pati­en­ten­be­treu­ung,

- Ster­be­bei­stand,

- Bestat­tungs­fei­ern, Bera­tung beim Todes­fall und Hil­fen bei der Ver­ar­bei­tung von Trau­er und Ver­lust.“[7]

Kin­der­ta­ges­stät­ten waren zu die­sem Zeit­punkt noch nicht im gemein­sa­men Blick, aber z.B. in Sach­sen-Anhalt Praxis.

Der Ver­band ver­stand sich an sei­nem Anfang noch als „Inter­es­sen­ver­ei­ni­gung für Deutsch­lands Kon­fes­si­ons­lo­se“. Dies ist ein Beleg dafür, dass der Aus­druck „Kon­fes­si­ons­freie“ zu die­sem Zeit­punkt noch nicht ein­ge­führt war. Der Begriff kon­no­tiert zwei Grund­be­deu­tun­gen: Ers­tens frei sein von einer oder meh­re­ren Kon­fes­sio­nen, aber zwei­tens zugleich frei sein in der Wahl einer anders reli­giö­sen oder nicht­re­li­giö­sen Glau­bens­rich­tung, eines ent­spre­chen­den Bekennt­nis­ses oder einer sinn­ge­ben­den Über­zeu­gung. Der Aus­druck ist ange­lehnt an den Begriff „frei­re­li­gi­ös“, der bedeu­tet sowohl frei in der Reli­gi­on als auch frei von Reli­gi­on, wofür auch das Adjek­tiv „frei­den­ke­risch“ ver­wen­det wird.

Es ist das Pro­blem der Bezeich­nung „kon­fes­si­ons­frei“, dass hier eine Per­son „kon­fes­si­ons­los“ sein, aber eben auch eine Kon­fes­si­on (ein Bekennt­nis, eine Bezeu­gung, eine Rück­bin­dung, Grund­sät­ze …) haben kann. Die­se Dop­pel­be­deu­tung ist selbst ein his­to­ri­sches Pro­dukt, denn der Begriff „Kon­fes­si­on“ (abge­lei­tet aus dem Latei­ni­schen con­fes­sio = Glau­bens­be­kennt­nis, Bekennt­nis­schrift) ent­stand in sei­ner heu­ti­gen, viel umfas­sen­de­ren und kul­tu­rell auf­ge­la­de­nen Bedeu­tung erst im 19. Jahr­hun­dert, sozu­sa­gen par­al­lel zu dem der Konfessionslosigkeit.

Es gibt gegen­wär­tig in Deutsch­land einen „Zen­tral­rat der Kon­fes­si­ons­frei­en“, der eigent­lich die Kon­fes­si­ons­lo­sen anspricht, Frei­re­li­giö­se mit gro­ßer Tra­di­ti­ons­pfle­ge und einen „Huma­nis­ti­schen Ver­band“ und eine „Huma­nis­ti­sche Ver­ei­ni­gung“, die sich an Kon­fes­si­ons­freie wen­det, die, wenn sie ihm dann als Mit­glied ange­hö­ren, kon­fes­sio­nell wer­den, weil der HVD und die HV ent­spre­chend Grund­ge­setz als „Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft“ agie­ren.[8]

2. His­to­ri­sche Befunde

Alle Ver­bän­de, die heu­te zum HVD gehö­ren und sich, soweit sie „Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts“ sind, 2025 eine neue Ver­fas­sung gege­ben haben, besit­zen zwar ihre je eige­ne Ver­gan­gen­heit, aber alle ste­hen in gewis­ser Hin­sicht in der frei­geis­ti­gen, frei­re­li­giö­sen bzw. frei­den­ke­ri­schen Geschich­te. Sie alle sind auf dem Weg zum Huma­nis­mus und dabei, die­sen zu gestal­ten. Es ver­steht sich von selbst, dass sie sich ihm immer wie­der auf eine Wei­se nähern, sich ihn aneig­nen in den Les­ar­ten, die sich in ihrer eige­nen Geschich­te über­lie­fert haben, die sie und die die jeweils neu bei­getre­te­nen Mit­glie­der mit­brin­gen, ver­ste­hen und lernen.

Des­halb spielt der Begriff „säku­la­rer Huma­nis­mus“ eine gro­ße Rol­le. Noch immer ist der Bei­tritt vor allem im Wes­ten eine Ent­schei­dung gegen die Kir­chen­mit­glied­schaft, oft noch in der ers­ten Gene­ra­ti­on. Sie suchen sich aus dem umfäng­li­chen Reser­voir des Huma­nis­mus logi­scher­wei­se zuerst das­je­ni­ge her­aus, was zu ihnen passt, was sie leich­ter ver­ste­hen als die­je­ni­gen Sei­ten des Huma­nis­mus, die für sie erst „über­setzt“ wer­den müs­sen. Alles Frei­den­ke­ri­sche steht ihnen nahe, zumal sie noch immer in die reli­gi­ons- und kir­chen­kri­ti­sche Ecke gestellt wer­den, aus der sie sich nun müh­sam her­aus­ar­bei­ten in die Mit­te der Gesell­schaft hinein.

Es ent­spricht ihrer Lebens­füh­rung und oft der rea­len Pra­xis des Ver­ban­des, dem sie bei­tre­ten, dass sie aus dem brei­ten Huma­nis­mus zuerst des­sen reli­gi­ons­kri­ti­schen Ele­men­te, Ereig­nis­se und Posi­tio­nen neh­men. In ihrem Gesichts­kreis bewe­gen sich medi­al die oft viel span­nen­de­ren und unter­halt­sa­me­ren Mit­tei­lun­gen und Ver­an­stal­tun­gen der „Giord­a­no Bru­no-Stif­tung“ und des „Zen­tral­ra­tes der Kon­fes­si­ons­frei­en“, inklu­si­ve eines Sati­re­pro­gramms genannt „Kir­che des Flie­gen­den Spaghettimonsters“.

Dabei gera­ten zwei Fra­gen gar nicht in den Blick, ers­tens, was ein prak­ti­scher Huma­nis­mus unbe­se­hen von die­ser Art der Frei­den­ke­rei über­neh­men kann; und zwei­tens, was im moder­nen Huma­nis­mus denn wovon „säku­la­ri­siert“ wor­den sein soll.

Das hat his­to­ri­sche Ursa­chen. Die Frei­den­ker­be­we­gung stand seit den 1870er Jah­ren zuneh­mend der Arbei­ter­be­we­gung nahe. Die­se hat­te mit dem kon­ser­va­ti­ven zeit­ge­nös­si­schen Huma­nis­mus, wie er sich in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts etwa an Gym­na­si­en und Uni­ver­si­tä­ten zeig­te, berech­tig­ter­wei­se wenig im Sinn. Des­halb stand sie auch den „Huma­nis­ten­ge­mein­den“ von 1892–1936 (der „Deut­schen Gesell­schaft für ethi­sche Kul­tur““) – in den USA bekannt gewor­den als „Huma­nis­mus der Juden“ und abge­tan als „reli­giö­ser Huma­nis­mus“ – ableh­nend gegen­über.[9]

Aber von die­sen bür­ger­li­chen Kul­tur­chris­ten und ‑juden und den mit ihnen ver­bun­de­nen rein ethisch ori­en­tier­ten Reform­päd­ago­gen kamen gera­de die Ideen etwa eines Lebens­kun­de­un­ter­richts und einer „welt­li­chen Seel­sor­ge,[10] die der HVD teils wider­wil­lig auf­nahm, ohne selbst die Her­kunft zu ken­nen oder zu wür­di­gen. Wir wis­sen auch heu­te noch viel zu wenig dar­über,[11] weil die Losung vom „säku­la­ren Huma­nis­mus“,[12] der ein Gegen­pro­gramm dazu ist, uns den Zugang ver­sperrt hat.

Von August Bebel stammt das Wort von der „Huma­ni­täts­du­se­lei“,[13] das die sozia­lis­ti­schen Frei­den­ker als klas­sen­be­wuss­te Arbei­ter­or­ga­ni­sa­ti­on über­nah­men, um gegen den bür­ger­li­chen Huma­nis­mus Posi­ti­on zu bezie­hen. Die­se Ableh­nung betraf sogar den Begriff Huma­nis­mus, den wir in der Arbei­ter­be­we­gung bis 1933 wenig fin­den. Dies wirk­te sich bis in die Volks­front­zeit gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus 1934–1939 hin­ein aus, als ein offe­ner „sozia­lis­ti­scher Huma­nis­mus“ ein par­tei­über­grei­fen­des Pro­gramm wer­den soll­te, dem sich aber die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Füh­rung ver­wei­ger­te.[14] Das setz­te sich nach 1948 in der bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Frei­den­ke­rei fort, weil die DDR die­se Paro­le vom „sozia­lis­ti­scher Huma­nis­mus“ mono­po­li­sier­te und ein­sei­tig agi­ta­to­risch gegen den „Wes­ten“ anwandte.

Für die Huma­nis­mus-Aneig­nung hat­te dies eine tra­gi­sche Fol­ge, weil auch die Huma­nis­mus-Über­le­gun­gen von Karl Marx in sei­nen Früh­schrif­ten, sowie­so erst seit den spä­ten 1930er publi­ziert und den deut­schen lin­ken Emi­gran­ten also im Exil bekannt­ge­wor­den,[15] nicht his­to­risch ein­zu­ord­nen waren als poli­ti­sche Abwen­dung von den reli­gi­ons­kri­ti­schen Jung­he­ge­lia­nern, denen Huma­nis­mus „ledig­lich“ ein Bil­dungs­pro­gramm war, wäh­rend Marx und Engels auf eine Revo­lu­ti­on ziel­ten. Lin­ke Jung­he­ge­lia­ner tin­gel­ten damals durch die frei­re­li­giö­sen Gemein­den,[16] die deren Reli­gi­ons­kri­tik begie­rig auf­so­gen, was wie­der­um Distan­zen zu ihnen beleb­te, als es in den 1860ern um die Grün­dung einer poli­ti­schen Arbei­ter­par­tei ging. Dar­auf basiert noch, es wur­de schon erwähnt, Bebels ver­ban­nen­des Wort der „Huma­ni­täts­du­se­lei“, ergänzt durch die Abwehr einer selbst­be­wuss­ten Frei­den­ke­rei durch die poli­ti­sche Sozi­al­de­mo­kra­tie bis zur Revo­lu­ti­on 1918/1919.

So war es immer die Prio­ri­tät von Reli­gi­ons­kri­tik, von den spä­ten 1840ern bis in den aktu­el­len „säku­la­ren Huma­nis­mus“, die Annä­he­run­gen an den Huma­nis­mus in sei­ner gan­zen Brei­te ver­hin­der­ten oder eng­füh­rend ori­en­tier­ten. Wenn in der Frei­den­ke­rei auf das Erbe der Auf­klä­rung berech­tigt Bezug genom­men wird, wird vor allem deren Bei­trag zur Ent­lar­vung der Kir­chen­herr­schaft mit­tels Reli­gi­ons­an­wen­dung durch den Staat gewür­digt. Weni­ger in den Fokus gerät, dass die his­to­ri­sche Auf­klä­rung sich an die Obe­ren wand­te, die Fürs­ten, die­se „erzie­hen“ woll­te, so dass dem­zu­fol­ge gerin­ger beach­tet wird, wel­che aris­to­kra­ti­schen Gesell­schafts­mo­del­le damit favo­ri­siert wur­den. Demo­kra­ten gin­gen dar­aus nicht direkt her­vor, schon gar nicht aus dem zeit­ge­nös­si­schen Huma­nis­mus des 19. Jahrhunderts.

3. Auf­klä­rung über Humanismus

Die Erset­zung des Wor­tes Renais­sance durch Auf­klä­rung soll­te 2014 ver­deut­li­chen, dass sich Huma­nis­mus im HVD nach wie vor in der Auf­klä­rung befin­det. Die­se war in ers­ter Linie eine phi­lo­so­phi­sche Posi­ti­on, wie auch der Athe­is­mus kei­ne Welt­an­schau­ung ist, son­dern ein phi­lo­so­phi­sches Her­an­ge­hen zeigt, die Welt ohne einen Gott zu erklären.

Frei­den­ker waren bestrebt, ihre reli­gi­ons­kri­ti­schen Phi­lo­so­phien dar­zu­le­gen, zu bewei­sen und in eine bestimm­te Pra­xis der Betrach­tung umzu­set­zen. Das führ­te dazu, auch Huma­nis­mus vor allem als eine Phi­lo­so­phie zu sehen und weni­ger als eine kul­tu­rel­le Bewe­gung. Reli­gi­on wie­der­um geriet in die­ser Sicht zu einer Samm­lung fal­scher Annah­men, die man in einem Vor­gang der Wahr­heits­ver­brei­tung mein­te, ein­fach wider­le­gen zu kön­nen. Der „neue Athe­is­mus“ hat dar­aus sogar einen Natu­ra­lis­mus gemacht oder gar einen krank­haf­ten „Got­tes­wahn“ abge­lei­tet.[17]

Erst eine neue­re, noch sehr jun­ge, eige­ne huma­nis­ti­sche Pra­xis führ­te „erfah­rungs­theo­re­tisch“ vor Augen, dass es dabei um mehr geht als um den geis­ti­gen Gegen­be­weis einer fal­schen Erkennt­nis oder um unge­nü­gen­de Quel­len­kri­tik, etwa bei einer „Wider­le­gung“ der Bibel oder des Koran. Huma­nis­mus bewegt sich auf einer ande­ren Ebe­ne des Den­kens und Lebens.

Das lässt sich an einem ein­fa­chen Bei­spiel bele­gen. Für Frei­den­ker war immer klar, dass es kei­ne „See­le“ gibt und „Spi­ri­tua­li­tät“ eine Reli­gi­ons­an­ge­le­gen­heit ist.[18] Doch schon in den Huma­nis­ten­ge­mein­den um 1900 erkann­ten die eher prak­tisch ver­an­lag­ten Prot­ago­nis­ten, dass Men­schen „see­li­sche“ Pro­ble­me haben kön­nen, und dass Men­schen wis­sen, was ihnen dabei weh tut, näm­lich: Es liegt ihnen etwas schwer auf der See­le. Sie began­nen über prak­ti­sche Hil­fe, ethi­sche Kon­flik­te, über eine „welt­li­che Seel­sor­ge“ nach­zu­den­ken.[19] Dass vor paar Jah­ren von den Ver­tei­di­gern frei­den­ke­ri­schen Grund­wis­sens noch jedem Ver­bands­mit­glied Revi­sio­nis­mus unter­stellt wor­den wäre, wenn er oder sie gar von einer „huma­nis­ti­schen Seel­sor­ge“ gespro­chen hät­te, ergibt sich aus dem Gesagten.

Heu­te wis­sen wir, dass „Seel­sor­ge“ eine in der Anti­ke aus­ge­üb­te „huma­ni­tas“ war (auch kein phi­lo­so­phi­scher Begriff), Men­schen in ihrer see­li­schen Not zu hel­fen. Erst das Chris­ten­tum hat dar­aus rela­tiv spät eine Hin­füh­rung von zwei­feln­den Gläu­bi­gen zu Gott gemacht, also eine Art „See­len­ret­tung“. Und erst, als die Psy­cho­lo­gie in die kirch­li­che Pra­xis ein­zog, öff­ne­te sich ihr Ver­ständ­nis, so dass so etwas wie die Sol­da­ten-Seel­sor­ge heu­te auch psy­cho­lo­gi­sche Sei­ten hat und weni­ger reli­gi­ös daher­kommt als noch im Zwei­ten Welt­krieg, als „Gott“ auf dem Kop­pel­schloss als Hel­fer beim Töten des Geg­ners bemüht wurde.

Die Über­schrift „Huma­nis­mus in der Auf­klä­rung“ habe ich bewusst irri­tie­rend for­mu­liert. Man könn­te mei­nen, jetzt fol­ge eine streng his­to­ri­sche Abhand­lung, die nach tra­di­tio­nel­ler Art Huma­nis­mus im Sin­ne von Antike­pfle­ge, Beschäf­ti­gung mit alten Spra­chen und „Huma­nis­ti­sches Gym­na­si­um“ und das Gan­ze ein­ge­ord­net in ein Auf­klä­rungs­pro­gramm fasst.

Es kann aber nie­mand die vie­len Men­schen aus den letz­ten 2500 Jah­ren umfas­send vor­stel­len, die zu den Huma­nis­ten gerech­net wer­den kön­nen. Unab­hän­gig davon, dass fast immer nur Män­ner vor­ge­stellt wer­den – es gibt noch kei­ne Frau­en­ge­schich­te des Huma­nis­mus –, ist zu sagen: Es gab Huma­nis­ten, bevor es Chris­ten und Mos­lems gab. Wer kennt heu­te noch im wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs all die Kir­chen­vä­ter und Päps­te, aber die Namen Demo­krit, Epi­kur, Sokra­tes, Cice­ro, Lukrez, Dan­te, Eras­mus, Hut­ten, Rous­se­au, Vol­taire, Goe­the, Feu­er­bach, Marx, Ador­no und Eco haben fast alle schon mal gehört.

Auf­fäl­lig ist, dass Per­so­nen nicht in den Blick kom­men – es ist auf die Tra­di­ti­on des „säku­la­ren Huma­nis­mus“ zurück­zu­füh­ren – die als Chris­ten „Huma­ni­tät“ in den Huma­nis­mus zurück­ge­holt haben, etwa Her­der, aber auch Lessing.

4. Huma­nis­mus – ein Angebot

Es ist äußerst nütz­lich, bevor über Huma­nis­mus dis­ku­tiert wird, zu sagen, was dar­un­ter im Fol­gen­den ver­stan­den wird. Es bie­tet sich hier der ers­te Satz der Ein­lei­tung zum Hand­buch „Huma­nis­mus: Grund­be­grif­fe“ an: „‚Huma­nis­mus‘ ist eine kul­tu­rel­le Bewe­gung, ein Bil­dungs­pro­gramm, eine Epo­che (Renais­sance), eine Tra­di­ti­on (‚klas­si­sches Erbe‘), eine Welt­an­schau­ung, eine Form von prak­ti­scher Phi­lo­so­phie, eine poli­ti­sche Grund­hal­tung, wel­che für die Durch­set­zung der Men­schen­rech­te, ein Kon­zept von Barm­her­zig­keit, das für huma­ni­tä­re Pra­xis ein­tritt.“[20]

Das ergibt acht Bedeu­tun­gen, die jeweils eine eige­ne Begriffs­ge­schich­te haben, eige­ne For­schungs­ge­gen­stän­de sind und spe­zi­el­le huma­nis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen hat­ten und haben. Bei allen die­sen Bezeich­nun­gen ist umstrit­ten, wie sie sich in der Rea­li­tät zuein­an­der ver­hal­ten und dann als Gan­zes – als der Huma­nis­mus – gese­hen wer­den kön­nen. Es ver­steht sich, dass von jedem Teil­ge­biet aus betrach­tet, sich die Vor­stel­lung vom Huma­nis­mus ändert, ande­res betont wird.

Wo lie­ße sich bei den acht Kate­go­rien sinn­voll das Adjek­tiv „säku­lar“ davor­set­zen und was wür­de das dann jeweils bedeu­ten. Das soll jetzt nicht ver­tieft wer­den, son­dern nur andeu­tet. Wir hät­ten dann die Begrif­fe: säku­la­re Bewe­gung, säku­la­re Bil­dung, säku­la­re Renais­sance, säku­la­re Tra­di­ti­on (etwa der Anti­ke oder des Neu­hu­ma­nis­mus), säku­la­re Welt­an­schau­ung, säku­la­re Phi­lo­so­phie, säku­la­re Men­schen­rechts­po­li­tik und säku­la­re Barm­her­zig­keits­pra­xis. Alles span­nen­de Fra­gen, die uns aber nicht unbe­dingt Huma­nis­mus erklä­ren, wenn auch eini­ge Seitenlinien.

Die Vor­stel­lun­gen von Huma­nis­mus dif­fe­rie­ren beträcht­lich. Zwar gibt es wis­sen­schaft­lich begrün­de­te Ansich­ten über den Huma­nis­mus, aber kei­ne all­ge­mei­ne Über­ein­kunft. Die Auf­fas­sun­gen vom Huma­nis­mus sind his­to­ri­schen Ein­flüs­sen unter­wor­fen, zumal es den Begriff selbst erst seit 1808 gibt, wahr­schein­lich bereits eini­ge Jah­re frü­her in der Alter­tums­wis­sen­schaft.[21] Damals war Huma­nis­mus ein mit der Anti­ke argu­men­tie­ren­des päd­ago­gi­sches Reform­kon­zept für die Höhe­re Bil­dung, publi­ziert 1808 durch Fried­rich Imma­nu­el Niet­ham­mer (1766–1848), der ein Jahr zuvor als baye­ri­scher Zen­tral­schul­rat für die pro­tes­tan­ti­sche Kom­mis­si­on eine Lehr­plan­re­form im neu­hu­ma­nis­ti­schen Sin­ne durch­ge­setzt hat­te.[22]

Im Vor­feld der Revo­lu­ti­on von 1848 geriet der Begriff, wie vorn schon erwähnt, in die Aus­ein­an­der­set­zun­gen der sich poli­tisch tei­len­den „Jung­he­ge­lia­ner“ und in die Ent­ste­hung des „Kom­mu­nis­ti­schen Mani­fes­tes“ von Fried­rich Engels und Karl Marx.[23] Das führt bis heu­te zu Auf­fas­sun­gen, der Huma­nis­mus sei damals schon an sein Ende gekom­men.[24] In den 1850er und 1860er Jah­ren erwei­ter­te sich der Begriff und wur­de rück­über­tra­gen auf kul­tu­rel­le Epo­chen, die Renais­sance, die Auf­klä­rung; und dann noch wei­ter zurück­ge­führt und auf die Anti­ke in einer Wei­se ange­wandt, dass man ihn heu­te von dort her­lei­tet, oft mit der eng­füh­ren­den Poin­te, dass der Huma­nis­mus und die Beschäf­ti­gung mit den alten Spra­chen gleich­zu­set­zen sei­en.[25]

Man unter­schei­det seit dem frü­hen 19. Jahr­hun­dert immer wie­der einen „neu­en“ von einem „alten“ Huma­nis­mus, je nach­dem, was als Huma­nis­mus inno­viert, wel­cher erneu­ert oder über­wun­den wer­den soll. So brin­gen seit­dem diver­se his­to­ri­sche Refle­xio­nen ver­schie­de­ne „Anwen­dun­gen“ her­vor, so den „Neu­hu­ma­nis­mus“, in den die Begrün­dung der Huma­ni­tät durch Johann Gott­fried Her­der fällt.[26]

Die Krea­ti­on des Begriffs „Neu­hu­ma­nis­mus“ und die Ver­wen­dung für die Zeit der Auf­klä­rung erfolg­te durch Fried­rich Paul­sen, durch die Titel­an­ga­be des ers­ten Ban­des sei­ner „Geschich­te des gelehr­ten Unter­richts: Der gelehr­te Unter­richt im Zei­chen des alten Huma­nis­mus 1450–1740“. Damit wur­de der „alte Huma­nis­mus“ sogar zeit­lich genau ein­ge­grenzt und der Start eines „Neu­hu­ma­nis­mus“ eben­so exakt bestimmt,[27] obwohl sol­che Kul­tur­vor­gän­ge immer ihre Vor- und Nach­stu­fen sowie dif­fe­ren­ten Inter­pre­ta­tio­nen haben.

So ergab es sich, dass seit dem letz­ten Drit­tel des 19. Jahr­hun­derts „Huma­nis­mus“ die Kul­tur und das Welt- und Men­schen­bild der Anti­ke und der Renais­sance bezeich­net, aber auch die Zeit der Auf­klä­rung, ihre und eini­ge dar­an gebun­de­ne spä­te­re Bil­dungs­pro­gram­me, inklu­si­ve die „Huma­nis­ti­schen Gym­na­si­en“, die als ein­zi­ge Schü­ler zum Abitur füh­ren durf­ten. In den 1920er Jah­ren ent­stand der „drit­te Huma­nis­mus“ mit sei­nen (spä­te­ren) geis­ti­gen Annä­he­run­gen an den Faschis­mus.[28] Mit­te der 1930er Jah­re setz­te sich ein „kämp­fe­ri­scher Huma­nis­mus“ davon ab und wur­de zu einem Wider­stands­be­griff gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus, logi­scher­wei­se in einem ganz ande­ren Ver­ständ­nis von Huma­nis­mus als kon­ser­va­ti­ve Befür­wor­ter der Nazi-Dik­ta­tur.[29]

Mit­te der 1960er Jah­re, als Sem Dres­den Huma­nis­mus lehr­buch­haft als ein Phä­no­men der Renais­sance vor­stell­te,[30] befand er sich zwi­schen den Fron­ten des Kal­ten Krie­ges. Huma­nis­mus war im Osten ein außer­or­dent­lich opti­mis­ti­sches kul­tur­po­li­ti­sches Pro­gramm der DDR, wäh­rend er im Wes­ten teils als Tra­gö­die reflek­tiert[31] und teils zur Ziel­schei­be eines kirch­li­chen Anti-Athe­is­mus wur­de,[32] und nahe­zu zeit­gleich sei­ne kon­ser­va­ti­ven Ver­fech­ter (ver­geb­lich) ver­such­ten, eine Renais­sance ihres „drit­ten Huma­nis­mus“ zu errei­chen.[33]

Die­se Zeit (Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jah­re) ist wich­tig für unse­ren Gegen­stand, weil par­al­lel zu den soeben ange­deu­te­ten Vor­gän­gen in der Bun­des­re­pu­blik die ers­ten orga­ni­sa­to­ri­schen Ver­su­che einer erneu­er­ten huma­nis­ti­schen Pro­gram­ma­tik statt­fan­den. Die Akteu­re nutz­ten dabei agnos­ti­sche und athe­is­ti­sche Aus­le­gun­gen des Huma­nis­mus, die in der 1952 gegrün­de­ten IHEU gepflegt wur­den. Der Zusam­men­hang von Huma­nis­mus, Auf­klä­rung und Reli­gi­ons­kri­tik erhielt damals in der Frei­den­ker­be­we­gung eine Les­art, die dann zu Beginn der 1990er Jah­re nach dem Ende des „Ost­blocks“ auf­ge­grif­fen wur­de, um einen neu­en orga­ni­sier­ten Huma­nis­mus zu begrün­den, dar­un­ter äußerst erfolg­reich bis in die Gegen­wart die „Huma­nis­ti­sche Union“.

Die geschicht­li­chen Anmer­kun­gen zei­gen: Eini­ge der Kri­te­ri­en oder Prin­zi­pi­en, die heu­te als „huma­nis­tisch“ gel­ten, kön­nen auf Zustän­de vor 150 oder 250 Jah­ren gar nicht ange­wen­det wer­den, weil es sie da kul­tu­rell noch gar nicht gab, etwa die Ideen der Selbst­be­stim­mung oder der Soli­da­ri­tät, bzw. die vor fünf­zig oder hun­dert Jah­ren eine ganz ande­re Bedeu­tung hat­ten, z.B. Welt­lich­keit oder Welt­an­schau­ung. Was Huma­nis­mus jeweils den­je­ni­gen ist, die über ihn reden, wan­delt sich in den Gene­ra­tio­nen und Zeit­um­stän­den. Den­noch gibt es Konstanten.

Es gibt Huma­nis­mus nur, wenn Men­schen ihn den­ken und leben. Es gab ihn und er wur­de beför­dert in Zei­ten, da gab es noch kei­ne „Kon­fes­si­ons­frei­en“. Ihn dar­auf zu bezie­hen, dar­an zu bin­den oder gar dar­auf zu redu­zie­ren, ist neu­es­ten Ursprungs und hat zur Vor­aus­set­zung, Huma­nis­mus als „Welt­an­schau­ung“ zu ver­ste­hen, mit einem Schwer­punkt auf Auf­klä­rung, Wis­sen­schaft, Phi­lo­so­phie sowie Reli­gi­ons- und Kir­chen­kri­tik. In gewis­ser Hin­sicht abs­tra­hiert die­se Kon­zen­tra­ti­on, die vor­züg­lich den „säku­la­ren Huma­nis­mus“ stützt, von einem Huma­nis­mus-Ver­ständ­nis, in des­sen Mit­tel­punkt sich die Idee der Huma­ni­tät befindet.

Beson­ders die­ser Bezug auf Huma­ni­tät, ein­ge­führt durch Pro­jek­te des „prak­ti­schen Huma­nis­mus“, ver­än­dert seit­dem die Bil­der von Huma­nis­mus und die Ein­schät­zung des Plat­zes, den huma­nis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen dar­in haben bzw. sich selbst zuschrei­ben. Es bot sich in der „säku­la­ren Sze­ne“ an, und ich selbst habe mich an die­ser Legen­den­bil­dung betei­ligt, Huma­nis­mus als eine Art Reli­gi­ons­er­satz zu sehen,[34] als eine Kul­tur einer sozia­len Grup­pe, der­je­ni­gen Kon­fes­si­ons­frei­en, die sich ihm öff­nen, ihn anneh­men, unterstützen.

In die­sem Zusam­men­hang wird oft argu­men­tiert, man müs­se schon des­halb welt­li­cher oder säku­la­rer Huma­nis­mus sagen, weil man sich von einem „christ­li­chen Huma­nis­mus“ unter­schei­den müs­se. Die Ver­bin­dung des Chris­ten­tums mit dem Huma­nis­mus war aber ein gro­ßes, kurz­le­bi­ges und west­eu­ro­päi­sches Miss­ver­ständ­nis in kirch­li­chen Reak­tio­nen auf den Erfolg des Huma­nis­mus in der anti­fa­schis­ti­schen „Volks­front“ der 1930er Jah­re. Der Theo­lo­ge Karl Barth ver­ur­teil­te nach dem Krieg sol­ches Den­ken als „höl­zer­nes Eisen“.[35] Reli­gio­nen sei­en kei­ne Ismen. Der „christ­li­che Huma­nis­mus“ kam dann in den 1950ern aus der Debat­te, außer bei den Frei­den­kern, die ihre Geg­ner­schaft dazu tra­dier­ten und den „säku­la­ren Huma­nis­mus“ aus den USA adoptierten.

Das Chris­ten­tum, das erkann­ten die meis­ten Frei­den­ker bereits in den 1920ern, kann nicht durch anti­kirch­li­che Agi­ta­ti­on oder ähn­lich gela­ger­te Aktio­nen und For­de­run­gen nach voll­stän­di­ger Tren­nung von Staat und Kir­che zurück­ge­drängt, gar besei­tigt wer­den, son­dern nur mit­tels welt­li­cher (wie es noch hieß) kul­tu­rel­ler Ange­bo­te von der Wie­ge über die Schu­le bis zur Bah­re. Wir wür­den das heu­te prak­ti­schen Huma­nis­mus nen­nen. Das ging damals nicht, weil Huma­nis­mus in die­ser Zeit als bür­ger­lich-eli­tä­re und welt­frem­de Antik­e­ver­eh­rung galt und schließ­lich als „drit­ter Huma­nis­mus“ in ein freund­li­ches Ver­hält­nis zum Faschis­mus trat.

Die Erfol­ge der Jugend­wei­hen, Lebens­kun­de und Bestat­tungs­kas­sen in den 1920ern waren zwar beschei­den, wur­den aber bekämpft (auch wegen ihrer Ver­bin­dun­gen zu den Arbei­ter­be­we­gun­gen). Es wur­de deren Besei­ti­gung gefor­dert, wes­halb die Kir­chen den Natio­nal­so­zia­lis­mus nahe­zu uni­so­no begrüßten.

Von den Ver­su­chen der Nazis, die­se welt­li­chen Ange­bo­te durch eige­ne zu erset­zen, war nur die Lebens­kun­de als Ras­sen­leh­re inner­halb des Bio­lo­gie­un­ter­richts erfolg­reich – ein (letzt­lich) welt­li­ches Ange­bot. Das war aber ein Vor­gang, der im Vor­feld der „gro­ßen Wen­de“ um 1990 half, „welt­lich“ als nicht hin­rei­chen­de Benen­nung einer Alter­na­ti­ve zu erken­nen. Par­al­lel dazu begann ein huma­nis­ti­scher Auf­bruch, ohne gro­ße Rück­be­sin­nung auf die Humanismushistorie.

Huma­nis­mus hat eine mehr als 2000jährige Geschich­te – ein Auf und Ab. Sei­ne Prot­ago­nis­ten waren immer in die Reli­gio­nen ihrer Zeit ein­ge­bun­den, von Cice­ro über Eras­mus bis zu den Neu­hu­ma­nis­ten des 18. Jahr­hun­derts. Im 19. Jahr­hun­dert kamen die Juden hin­zu, mit ihnen ent­stand die ers­te gro­ße Huma­nis­ten­or­ga­ni­sa­ti­on (1892–1936), die „Deut­sche Gesell­schaft für ethi­sche Kul­tur“ (DGEK). Sie woll­te die welt­li­che Ethik zu einer Reli­gi­on machen (Fer­di­nand Tön­nies). Das mein­te, huma­nis­ti­sche Ethik kul­tu­rell zu ver­an­kern.[36]

Als sich deut­sche Frei­den­ker ab 1990 auch orga­ni­sa­to­risch dem Huma­nis­mus zuwand­ten, war die ethi­sche Kul­tur­be­we­gung in ihren Rei­hen weit­ge­hend ver­ges­sen. Sie rezi­pier­ten des­halb zunächst den „säku­la­ren Huma­nis­mus“, der die Men­schen­rech­te für sich bean­spruch­te und nicht­re­li­gi­ös deu­te­te. Ande­re Deu­tun­gen des eige­nen Huma­nis­mus tauch­ten, wie schon erwähnt, erst 1997/98 auf, inter­es­san­ter­wei­se mit Grün­dung der „Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie“ und deren Publikationen.

Doch zeig­te sich beson­ders durch die Tagun­gen und Publi­ka­tio­nen der „Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie“, dass Huma­nis­mus umfas­sen­der gese­hen wer­den kann. Er ist eine geschicht­lich gewor­de­ne und qua­li­fi­zier­ba­re Auf­fas­sung und Pra­xis von „Barm­her­zig­keit“, „Bil­dung“ und „Mensch­lich­keit“. Sie bün­delt welt­an­schau­li­che Rich­tun­gen, die mit einem stark ratio­na­len und his­to­ri­sie­ren­den Her­an­ge­hen Wür­de defi­nie­ren und damit ver­bun­de­ne Fra­gen anthro­po­zen­trisch beant­wor­ten, nicht anthro­po­zen­tris­tisch. Die Maxi­me des Huma­nis­mus, dass der Mensch im Mit­tel­punkt steht, ist sein Kern. Denn was wäre dies für ein Huma­nis­mus, der die Fokus­sie­rung auf das „huma­ne Lebe­we­sen“ auf­gibt, der nicht mehr zuvör­derst an Welt­an­schau­un­gen arbei­tet, die „ihrem Selbst­ver­ständ­nis nach ‘den Men­schen in den Mit­tel­punkt ihres Den­kens stel­len’ (‘huma­no-zen­trisch’)“?[37]

Welt­an­schau­ung“ meint dabei „eine ‘Bewe­gung’, eine ‘Tra­di­ti­on’“, die „sich als ‘Huma­nis­mus’ aus­weist“ durch ers­tens eine „Erzie­hung mit dem Schwer­punkt all­ge­mei­ne, ‘mensch­li­che’ Bil­dung, beson­ders durch Spra­che, Rhe­to­rik, Lite­ra­tur, Geschich­te, Weis­heit: stu­dia huma­ni­ta­tis“ und zwei­tens durch „die huma­ni­tä­re Pra­xis, Huma­ni­ta­ris­mus, die mehr oder weni­ger erfolg­rei­chen Huma­ni­sie­rungs­pro­zes­se in Recht, Krieg­füh­rung, Medi­zin.“[38] Hubert Can­cik fol­ger­te aus die­ser Bestim­mung: „Huma­nis­mus … ist kei­ne Phi­lo­so­phie, kein geschlos­se­nes, nur mit sich selbst kom­pa­ti­bles Sys­tem aus Anthro­po­lo­gie und Ethik, son­dern die Leh­re, ‘eine unvoll­ende­te Welt­an­schau­ung zu ertra­gen’.“[39]

Bei aller Offen­heit und Unvoll­stän­dig­keit hat der Huma­nis­mus Geschich­te und Struk­tu­ren, Leh­ren und Mei­nun­gen, Men­schen­bil­der und Mythen, Tat­sa­chen und Über­lie­fe­run­gen, Mär­chen und Doku­men­te, Kunst­wer­ke und Tech­ni­ken. Des­halb ist „Huma­nis­mus ein ‘Sys­tem’“, aber „kei­nes­wegs die Dar­stel­lungs­form einer Tota­li­tät, ist nicht onto­lo­gisch, teleo­lo­gisch, orga­no­lo­gisch fixiert. Viel­mehr: Die Unfer­tig­keit kann, wie etwa für die huma­nis­ti­sche Bewe­gung, durch­aus ein Ele­ment der Sys­tem­form sein. ‘Huma­nis­mus’ ist unvoll­endet, unfer­tig, unvor­her­sag­bar, offen, aber den­noch ein veri­ta­bles ‘Sys­tem’.“[40]

Es hat immer wie­der Ver­su­che gege­ben (und gibt sie noch), Huma­nis­mus als eine beson­de­re Phi­lo­so­phie zu erklä­ren.[41] Hier­zu ist anzu­mer­ken, dass huma­ni­tas (lat.), von wo sich Huma­nis­mus und Huma­ni­tät her­lei­ten, kei­ne phi­lo­so­phi­sche Kate­go­rie war, wie der Alt­phi­lo­lo­ge Fried­mar Küh­nert belegt: „Huma­ni­tas wur­de ver­wen­det ‘im Sin­ne von >ver­zei­hen­der Lie­be< (cle­men­tia), >Barm­her­zig­keit< (miser­i­cor­dia)’. Das Wort erscheint um 80 v.u.Z. in der Schrift ‘Rhe­to­ri­ca ad Her­en­ni­um’ eines unbe­kann­ten Autors.“[42]

Wenn also Huma­nis­mus und Huma­ni­tät sich glei­cher­ma­ßen von huma­ni­tas her­lei­ten, dann heißt das (nach Hubert Can­cik): „Kein Huma­nis­mus ohne Huma­ni­tät, kei­ne ‘Bil­dung’ ohne ‘Barm­her­zig­keit’, ohne huma­ni­tä­re Pra­xis“; „‘die Mensch­heit (das Men­schen­ge­schlecht: genus huma­n­um), Ent­ro­hung (e‑ruditio, Bil­dung) und Barm­her­zig­keit. Das gute deut­sche Wort ‘Barm­her­zig­keit’ ist eben­falls ein Lehn­wort, näm­lich die genaue Über­set­zung von mise­ri-cor­dia’“.[43]

Barm­her­zig­keit ist der Leit­be­griff jeder prak­ti­schen Huma­ni­tät. Logisch, dass sol­ches Her­an­ge­hen auch „Spi­ri­tua­li­tät“, etwa bei der huma­ni­tä­ren Sor­ge um Kran­ke, beson­ders bei der Ster­be­be­glei­tung, anders den­ken lässt als die tra­di­tio­nel­le Frei­den­ke­rei oder die phi­lo­so­phi­sche Erkennt­nis­theo­rie, wo es vor­ran­gig um Ver­nunft und Ratio­na­li­tät geht, weni­ger um Anteil­nah­me, Mil­de, Mit­ge­fühl, Nach­sicht oder Wohl­tä­tig­keit. Das betrifft auch die „Seel­sor­ge“. Ver­geb­lich und wahr­schein­lich ohne im Anlie­gen über­haupt ver­stan­den wor­den zu sein, for­der­te 1991 Gita Neu­mann, Begrif­fe wie „Glau­be“, „Seel­sor­ge“, „Idea­lis­mus“, „Weis­heit“ und „Offen­ba­rung“ „nicht kampf­los reli­giö­sen und spi­ri­tu­el­len Ideo­lo­gien zu über­las­sen“ und sie dadurch für „unse­re huma­nis­ti­sche Welt­an­schau­ung zu ent­wer­ten und unbrauch­bar zu machen.“[44]

Die­sen Abschnitt zusam­men­fas­send kann man fest­hal­ten, dass sich Huma­nis­mus als ein kul­tu­rel­les Phä­no­men dar­stellt, das sich in den Dimen­sio­nen bewegt wie Reli­gi­on. Doch er ist anders ver­fasst, etwa in den Begrün­dungs­kon­struk­tio­nen, und er reicht dar­über hin­aus, ist umfas­sen­der. Huma­nis­mus stellt sich dar als Rechts­pfle­ge – etwa in der Huma­ni­sie­rung des Straf­voll­zugs –,[45] als Soli­da­ri­täts­prin­zip in Gesell­schafts­dis­kur­sen und im Sozi­al­staats­den­ken,[46] als „Men­schen­heil­kun­de“, die mehr ist als Human­me­di­zin und so ziem­lich das Gegen­teil von kör­per­li­cher und/oder see­li­scher Gesun­dung durch Heilseinflüsse.

Huma­nis­mus äußert sich als den Kör­per beto­nen­de und die Sin­ne bedie­nen­de Ästhe­tik, die auch die Gar­ten­kunst und Ess­kul­tur ein­schließt. Man kann sogar sagen, dass Huma­nis­mus eine eige­ne Iko­no­gra­phie aus­ge­bil­det hat, etwa in der Porträtkunst.

Wie alle gro­ßen Mensch­heits­er­zäh­lun­gen besitzt auch der Huma­nis­mus eige­ne Mythen, die sei­ne Geschich­te umran­ken. Eine gera­de­zu mythi­sche Sym­bo­lik erreich­te der (spä­ter) auf den Tag genau fest­ge­leg­te Beginn des Renais­sance-Huma­nis­mus: In einem auf den 26. April 1336 datier­ten Brief, der auf Latein ver­fasst und an den Früh­hu­ma­nis­ten Dio­ni­gi di Bor­go San Sepol­cro (ca. 1300–1342) gerich­tet war, schil­dert der Dich­ter Fran­ces­co Petrar­ca (1304–1374), wie er zusam­men mit sei­nem Bru­der den Mont Ven­toux in der Pro­vence bestieg. Oben ange­kom­men habe er die Land­schaft betrach­tet. Ange­regt durch ein zufäl­lig auf­ge­schla­ge­nes Wort aus den Con­fes­sio­nes [X, 8] des Augus­ti­nus habe er sich sel­ber zuge­wandt. Hier begann, so die „Erzäh­lung“, die radi­ka­le Sub­jek­ti­vi­tät sei­ner Dich­tung: „Und es gehen die Men­schen hin, zu bestau­nen die Höhen der Ber­ge, die unge­heu­ren Flu­ten des Mee­res, die breit dahin­flie­ßen­den Strö­me, die Wei­te des Oze­ans und die Bah­nen der Gestir­ne und ver­ges­sen dar­über sich selbst.“[47]

Huma­nis­mus hat sei­ne Hero­en her­vor­ge­bracht, etwa den „Huma­nis­ten-König“ Hen­ri Quat­re, des­sen „streit­ba­rer Huma­nis­mus“ immer wie­der betont wird, so beson­ders bei Hein­rich Mann.[48] Und er besitzt, wie jede kul­tu­rel­le Bewe­gung, Geg­ner und Fein­de, etwa den „Anti-Huma­nis­ten“ Fried­rich Nietz­sche.[49]

Huma­nis­mus ist letzt­lich eine beson­de­re Kul­tur­an­schau­ung. In ihr wird der Mensch vom Men­schen aus betrach­tet und in den Mit­tel­punkt gestellt, also nicht von einem Gott oder einer Reli­gi­on aus abge­lei­tet, oder von der Ras­se oder Nati­on her bestimmt. Die Dif­fe­renz zur Reli­gi­on hat nun nicht die Absicht, den Bei­trag reli­giö­ser Men­schen zur Theo­rie und Pra­xis zu schmä­lern oder gar zu „ver­ges­sen“, dass z.B. Melan­chthon in der Ideen­ge­nea­lo­gie des Huma­nis­mus einen her­vor­ra­gen­den Platz hat, obwohl ohne ihn die fun­da­men­ta­lis­ti­sche Wen­de der Refor­ma­ti­on gegen den Huma­nis­mus so nicht statt­ge­fun­den hätte.

Die Dif­fe­renz zur Reli­gi­on ent­steht auch nicht dadurch, dass Huma­nis­mus den Athe­is­mus oder den Agnos­ti­zis­mus von vorn­her­ein zu sei­nem Prin­zip erklärt, son­dern umge­kehrt: Huma­nis­mus geht vor­aus­set­zungs­los vom Men­schen aus. Huma­nis­mus heißt „Reden über Men­schen“. Man könn­te mit dem römi­schen Dich­ter Terenz (190–159 v.u.Z.) sagen ”Ich bin ein Mensch, nichts Mensch­li­ches ist mir fremd!”

5. Kon­trä­re poli­ti­sche Programme

In den letz­ten Jah­ren gibt es berech­tig­te star­ke Kri­tik von Reli­gi­ons­wis­sen­schaft­lern an Ana­ly­sen mit Hil­fe der Säku­la­ri­sie­rungs­theo­rien. Es wird eine Leer­stel­le im kul­tur­his­to­ri­schen Den­ken fest­ge­stellt, denn Säku­la­ri­sie­run­gen, gera­de in der Moder­ne, haben immer wie­der zugleich Sakra­li­sie­run­gen her­vor­ge­bracht, also star­ke reli­giö­se Gegen­be­we­gun­gen und theo­lo­gi­sche Umdeu­tun­gen, aber auch Ent­lar­vun­gen poli­ti­scher Ideo­lo­gien, in denen es eben­falls „Säku­la­ri­sie­run­gen“ und „Sakra­li­sie­run­gen“ gibt.

Mei­ne bis hier­hin vor­ge­stell­te Sicht sagt, dass „säku­la­rer Huma­nis­mus“ letzt­lich kei­ne klar­stel­len­de inhalt­li­che Bestim­mung von Huma­nis­mus anbie­tet, aber nütz­lich sein kann bei der Beschrei­bung der ent­spre­chen­den orga­ni­sier­ten Grup­pen, etwa des „Zen­tral­ra­tes“ oder der „Giord­a­no Bru­no-Stif­tung“, für die ein kon­se­quent säku­la­ri­sier­ter, kir­chen­frei­er Staat ein stra­te­gi­sches Ziel dar­stellt, wofür aber nach mei­nem Dafür­hal­ten das Wort „Huma­nis­mus“ gar nicht nötig ist.

Mein Vor­schlag wäre, im HVD auf die Wor­te „säku­lar“ oder „welt­lich“ wegen der Miss­ver­ständ­lich­keit und Ver­wech­se­lungs­ge­fahr des eige­nen Pro­gramms zu dem der bei­den genann­ten zu ver­zich­ten und immer, wenn das Wort „Huma­nis­mus“ ein­ge­setzt wird, in sei­ner Ver­wen­dung klar­zu­stel­len, wenigs­tens gedank­lich, was das im jewei­li­gen kon­kre­ten Fall heißt, z.B. wenn gewohn­heits­mä­ßig for­mu­liert wird, der HVD ste­he in der Tra­di­ti­on der Auf­klä­rung. Im Gro­ben stimmt das immer, aber wel­che Tra­di­tio­nen in der Auf­klä­rung sind ihm beson­ders wich­tig, wo zieht er sei­ne Lini­en, wel­che Gedenk­ta­ge fei­ert er usw.? Wer hat wann die „huma­nis­ti­sche Sozi­al­ar­beit“ erfun­den und wie praktiziert?

Man muss den Begriff „Frei­den­ker“ schon sehr arg stra­pa­zie­ren, um hier Urhe­ber­schaf­ten für das fest­zu­stel­len, was der HVD oder die „Huma­nis­ti­sche Ver­ei­ni­gung“ wol­len und prak­tisch machen. Es han­delt sich hier um „Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten“, die laut Grund­ge­setz auf einer Ebe­ne mit „Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten“ han­deln, also eben­falls „kon­fes­sio­nell“ (bekennt­nis­haft) auf­tre­ten, Gleich­be­hand­lung mit ihnen wol­len, nicht vor­ha­ben, sie und Reli­gi­on gleich mit „abzu­schaf­fen“. Das aber inten­diert „säku­lar“.

Staat und Gesell­schaft sol­len, so die Kon­zep­ti­on des HVD, wie ich sie ver­ste­he, plu­ra­lis­tisch ein­ge­rich­tet sein, was nicht neu­tra­lis­tisch heißt. Das wäre im Detail durch­zu­de­kli­nie­ren bis zu „Staats­kne­te“, Kopf­tü­cher, Lebens­kun­de und eige­ne Hoch­schu­le. Die­ser Huma­nis­mus will jeden­falls nicht „säku­la­ri­sie­ren­der Huma­nis­mus“ sein, was aller­dings auch nicht den Sta­tus quo fest­schrei­ben will. Jeden­falls soll­te man sich in die­ser Sache öffent­lich ehr­lich machen.

Was hin­ge­gen die poli­ti­sche Stra­te­gie des „säku­la­ren Huma­nis­mus“ betrifft, passt ein Zitat von Juli­an Nida-Rüme­lin: „Der so genann­te säku­la­re Huma­nis­mus sieht sich in der Tra­di­ti­on die­ses Kon­flik­tes [zwi­schen huma­nis­ti­schen Intel­lek­tu­el­len und kle­ri­ka­len Auto­ri­tä­ten, HG] und lehnt reli­giö­se Über­zeu­gun­gen und Prak­ti­ken grund­sätz­lich ab. Damit geht er jedoch über das hin­aus, was das huma­nis­ti­sche Ethos ver­langt: glei­cher Respekt vor jedem mensch­li­chen Indi­vi­du­um, ein huma­ner, rück­sichts­vol­ler Umgang unter­ein­an­der, die Aner­ken­nung unter­schied­li­cher Kul­tu­ren unab­hän­gig von ihrer Her­kunft und ihren nor­ma­ti­ven Prä­gun­gen sind auch für reli­giö­se Men­schen mög­lich.“[50]

7. Fazit

Huma­nis­mus ist eine his­to­risch gewor­de­ne Kul­tur­auf­fas­sung von „Barm­her­zig­keit“, Bil­dung und „Mensch­lich­keit“, die welt­an­schau­li­che Rich­tun­gen und kul­tu­rel­le Ansich­ten bün­delt, die mit einem his­to­ri­schen, ratio­na­len und an allem zwei­feln­den Her­an­ge­hen „Men­schen­wür­de“ defi­nie­ren und damit ver­bun­de­ne Fra­gen anthro­po­zen­trisch beant­wor­ten. Die­se Defi­ni­ti­on ist sehr lücken­haft. Doch sie soll zur Kri­tik her­aus­for­dern und die Debat­te beleben.

Seit 1993 ver­sucht der „Huma­nis­ti­sche Ver­band Deutsch­lands“ sei­nen Bei­trag zu einem moder­nen Huma­nis­mus zu leis­ten. Die objek­ti­ve Ursa­che für sei­ne Schwä­che, inklu­si­ve der Män­gel sei­nes Ver­ständ­nis­ses von Huma­nis­mus, ist his­to­risch begrün­det und lässt sich nur his­to­risch ändern. Aber ein neu­er Anfang muss sein, weil auch die Ver­bands­po­li­tik mehr Klar­heit braucht, etwa in der Ent­schei­dungs­fra­ge, was das stra­te­gi­sche Ziel ist – eine säku­la­ri­sier­te Gesell­schaft oder eine huma­nis­ti­sche. Bei­des geht nicht, denn eine säku­la­ri­sier­te Gesell­schaft muss nicht unbe­dingt huma­nis­tisch sein.

Bil­der­klä­rung: Cover des Bei­hef­tes zur Aus­stel­lung „Huma­nis­mus. Geschich­te und Gegen­wart. Der lan­ge Weg zu Tole­ranz und Gleich­be­rech­ti­gung“ des Huma­nis­ti­schen Ver­ban­des Deutsch­lands, Lan­des­ver­band Ber­lin, 2006“.

  1. Vgl. Hubert Can­cik: Renais­sance. In: Hubert Cancik/Horst Groschopp/Frieder Otto Wolf (Hrsg.): Huma­nis­mus: Grund­be­grif­fe. Berlin/Boston 2016, S. 347–356; als Paper­back 2024.

  2. Vgl. Jacob Bur­ck­hardt: Die Kul­tur der Renais­sance in Ita­li­en. Ein Ver­such (1860). Son­der­aus­ga­be. Walt­her Rehm (Hrsg.). Ham­burg 2004.

  3. Vgl. Man­fred Ise­mey­er (Hrsg.): Wofür es sich zu strei­ten lohnt: Huma­nis­mus. 120 Jah­re Enga­ge­ment für Auf­klä­rung, Men­schen­rech­te und Huma­ni­tät. Neu-Ulm 2025.

  4. Zur Früh­ge­schich­te des HVD vgl. Horst Gro­schopp: Pro Huma­nis­mus. Eine zeit­ge­schicht­li­che Kul­tur­stu­die. Mit einer Doku­men­ta­ti­on. Aschaf­fen­burg 2016.

  5. Vgl. Horst Gro­schopp / Eck­hard Mül­ler: Letz­ter Ver­such einer Offen­si­ve. Der Ver­band der Frei­den­ker der DDR (1988–1990). Ein doku­men­ta­ri­sches Lese­buch. Aschaf­fen­burg 2013.

  6. Vgl. Horst Gro­schopp: Alles ist welt­lich. Anmer­kun­gen zum Begriff der „Welt­lich­keit“ in Bezug auf die säku­la­re Bestat­tungs- und Trau­er­kul­tur. In: Lud­wig Feu­er­bach. Säku­la­ri­sie­rung der Men­schen­bil­der? Hrsg. im Auf­trag Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie von Horst Gro­schopp, Ber­lin 2005, S. 103–114 (= huma­nis­mus aktu­ell, Zeit­schrift für Kul­tur und Welt­an­schau­ung, Ber­lin 9[2005]16).

  7. Huma­nis­ti­sches Selbst­ver­ständ­nis. Ber­lin 1994.

  8. Vgl. dazu Horst Gro­schopp: Die Geburt der Kon­fes­si­ons­frei­en. Eine deut­sche Kul­tur­wen­de im Spie­gel der Zeit­schrift „Der Dis­si­dent“ (1907–1914), das Buch erscheint in die­sem Herbst im Aschaf­fen­bur­ger Ali­bri Ver­lag.

  9. Vgl. Finn­ge­ir Hiorth: Huma­nis­mus – genau betrach­tet. Eine Ein­füh­rung. Neu­stadt am Rüben­ber­ge 1996, S. 21–25. – Zu den „Huma­nis­ten­ge­mein­den“ vgl. Horst Gro­schopp / Eck­hard Mül­ler: Aus der Ethik eine Reli­gi­on machen. Der prak­ti­sche Huma­nis­mus einer sozi­al­li­be­ra­len Kul­tur­be­we­gung. Zur Geschich­te der „Deut­schen Gesell­schaft für ethi­sche Kul­tur“ (Okto­ber 1892 bis Janu­ar 1937). Aschaf­fen­burg 2024.

  10. Vgl. Horst Gro­schopp: Dis­si­den­ten. Frei­den­ker und Kul­tur in Deutsch­land (1997), Mar­burg 2012, S. 166–170.

  11. Vgl. Hil­de Schramm: Mei­ne Leh­re­rin Dr. Dora Lux. 1882–1959. Nach­for­schun­gen. Rein­bek bei Ham­burg 2012.

  12. Vgl. Gro­schopp: Pro Huma­nis­mus, S. 66–74.

  13. Vgl. August Bebel: Charles Fou­rier. Sein Leben und sei­ne Theo­rien (1907). Leip­zig 1978, S. 232.

  14. Vgl. Horst Gro­schopp: Der gan­ze Mensch. Die DDR und der Huma­nis­mus. Ein Bei­trag zur deut­schen Kul­tur­ge­schich­te. Mar­burg 2013, S. 90–117.

  15. Vgl. Karl Marx: Öko­no­misch-phi­lo­so­phi­sche Manu­skrip­te. [Zur Kri­tik der Poli­tik und zur Kri­tik der Natio­nal­öko­no­mie.] Geschrie­ben von April bis August 1844. Nach der Hand­schrift. Leip­zig 1968.

  16. Vgl. Karl Marx/Friedrich Engels: Die gro­ßen Män­ner des Exils (1852). In: MEW, Band 8, Ber­lin 1960, S. 235–335, hier S. 278 (kur­siv auch im Ori­gi­nal): Es habe sich Arnold Ruge hin­ter dem Huma­nis­mus ver­steckt, dem „Huma­nis­mus, jene[r] Phra­se, womit alle Kon­fu­sio­na­ri­er in Deutsch­land von Reuch­lin bis Her­der ihre Ver­le­gen­heit bemän­telt haben“, als nicht nur die phi­lo­so­phi­schen Ver­hält­nis­se zu tan­zen begon­nen hät­ten.

  17. Zur Aus­wir­kung auf die „säku­la­re Sze­ne“ vgl. Andre­as Fin­cke: Mit Gott fer­tig? Kon­fes­si­ons­lo­sig­keit, Athe­is­mus und säku­la­rer Huma­nis­mus in Deutsch­land. Eine Bestands­auf­nah­me aus kir­chen­na­her Sicht. Horst Gro­schopp (Hrsg.). Aschaf­fen­burg 2017, S. 85–102.

  18. Vgl. Joa­chim Kahl: Welt­lich-huma­nis­ti­sche Spi­ri­tua­li­tät. Was ist das? In: dies­seits 2000, H. 50, S. 3–5.

  19. Vgl. Ralf Schöpp­ner: Seel­sor­ge. In: Cancik/Groschopp/Wolf (Hrsg.): Huma­nis­mus: Grund­be­grif­fe, S. 368–375.

  20. Hubert Cancik/Horst Groschopp/Frieder Otto Wolf Hrsg.): Huma­nis­mus: Grund­be­grif­fe. Berlin/Boston 2016, S. 1. – Vgl. dar­in Wal­ter Jaesch­ke: Säku­la­ri­sie­rung, S. 359–365.

  21. Vgl. Mar­tin Vöh­ler: Die „Erfin­dung“ des Huma­nis­mus im 18. Jahr­hun­dert. In: Horst Gro­schopp (Hrsg.): Huma­nis­mus­per­spek­ti­ven. Aschaf­fen­burg 2010, S. 30–41, beson­ders S. 30.

  22. Vgl. Fried­rich Imma­nu­el Niet­ham­mer: Der Streit des Phil­an­thro­pi­nis­mus und des Huma­nis­mus in der Theo­rie des Erzie­hungs-Unter­richts uns­rer Zeit. Jena 1808.

  23. Vgl. Gro­schopp: Der gan­ze Mensch, S. 61–68.

  24. Vgl. Frie­de­mann Sten­gel: Was ist Huma­nis­mus? In: Pie­tis­mus und Neu­zeit. Ein Jahr­buch zur Geschich­te des neue­ren Pro­tes­tan­tis­mus. Band 41. Göt­tin­gen 2015, S. 154–213.

  25. So ist „Huma­nis­mus heu­te“ eine Stif­tung des Lan­des Baden-Würt­tem­berg, die sich der Pfle­ge und Wei­ter­ga­be des kul­tu­rel­len Erbes der Anti­ke wid­met und z. B. all­jähr­lich den „Land­wett­be­werb Alte Spra­chen“ aus­schreibt. Sie unter­sag­te im Früh­jahr 1998 der „Huma­nis­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin“, ihre Zeit­schrift unter die­sem Namen zu füh­ren, wes­halb sie ab der drit­ten Aus­ga­be „huma­nis­mus aktu­ell“ hieß.

  26. Vgl. Johann Gott­fried Her­der: Brie­fe zu Beför­de­rung der Huma­ni­tät (1793–1797). In: Johann Gott­fried Her­der: Wer­ke in 10 Bän­den. Hans Diet­rich Irm­scher (Hrsg.). Band 7, Frank­furt a.M. 1991.

  27. Vgl. Fried­rich Paul­sen: Geschich­te des gelehr­ten Unter­richts auf den deut­schen Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten vom Aus­gang des Mit­tel­al­ters bis zur Gegen­wart. Mit beson­de­rer Rück­sicht auf den klas­si­schen Unter­richt. 2 Bän­de. Leip­zig 1885. Band 1: Der gelehr­te Unter­richt im Zei­chen des alten Huma­nis­mus 1450–1740; Band 2: Der gelehr­te Unter­richt im Zei­chen des Neu­hu­ma­nis­mus.

  28. Vgl. Bar­ba­ra Stie­we: Der „Drit­te Huma­nis­mus”. Aspek­te deut­scher Grie­chen­re­zep­ti­on vom Geor­ge-Kreis bis zum Natio­nal­so­zia­lis­mus. Ber­lin 2011.

  29. Vgl. Gro­schopp: Der gan­ze Mensch, S. 90–165. – Gene­rell zu Huma­nis­mus­be­grif­fen vgl. Horst Gro­schopp: Kon­zep­tio­nen des Huma­nis­mus. Alpha­be­ti­sche Samm­lung zur Wort­ver­wen­dung in deutsch­spra­chi­gen Tex­ten. Mit einer Biblio­gra­phie. Aschaf­fen­burg 2018.

  30. Vgl. Sem Dres­den: Huma­nis­mus und Renais­sance. Mün­chen 1968.

  31. Vgl. Hein­rich Wein­stock: Die Tra­gö­die des Huma­nis­mus. Wahr­heit und Trug im abend­län­di­schen Men­schen­bild. Wies­ba­den 1953.

  32. Vgl. Hans Pfeil: Der athe­is­ti­sche Huma­nis­mus der Gegen­wart. Aschaf­fen­burg 1959 (Der Christ in der Welt, Eine Enzy­klo­pä­die, XVIII. Rei­he, Reli­gi­ons­er­satz der Gegen­wart, Band 2). – Hans-Rudolf Mül­ler-Schwe­fe: Athe­is­mus. Stutt­gart 1962. – Kar­di­nal Dr. Franz König: Athe­is­mus und Huma­nis­mus. Wien/Linz/Passau 1962 (Wor­über wir dis­ku­tie­ren, Heft 2). – Karl Stür­mer: Athe­is­ti­scher Huma­nis­mus? Göt­tin­gen 1964.

  33. Vgl. Hans Opper­mann (Hrsg.): Huma­nis­mus. Darm­stadt 1970 (Wege der For­schung, Band XVII).

  34. Vgl. Rudolph Pen­zig: Ohne Kir­che. Eine Lebens­füh­rung auf eige­nem Wege. Mit einem Geleit­wort von Wil­helm Böl­sche. Jena 1907.

  35. Karl Barth: „Huma­nis­mus“. In: Huma­nis­mus. Zürich 1950, S. 21.

  36. Umfäng­lich dar­ge­stellt und doku­men­tiert in: Horst Groschopp/Eckhard Mül­ler: Aus der Ethik eine Reli­gi­on machen. Der prak­ti­sche Huma­nis­mus einer sozi­al­li­be­ra­len Kul­tur­be­we­gung. Zur Geschich­te der „Deut­schen Gesell­schaft für ethi­sche Kul­tur“ (Okto­ber 1892 bis Janu­ar 1937), erscheint im Herbst 2023 bei Ali­bri.

  37. Hubert Can­cik: Ent­ro­hung und Barm­her­zig­keit, Herr­schaft und Wür­de. Anti­ke Grund­la­gen von Huma­nis­mus. In: Ders.: Euro­pa – Anti­ke – Huma­nis­mus. Huma­nis­ti­sche Ver­su­che und Vor­ar­bei­ten. Hil­de­gard Can­cik-Lin­de­mai­er (Hrsg.). Bie­le­feld 2011, S. 255–279, hier S. 276 f.

  38. Hubert Can­cik: Huma­nis­mus als offe­nes Sys­tem. Ver­ge­mein­schaf­tung, Begriff­lich­keit, Dar­stel­lungs­for­men. Horst Gro­schopp (Hrsg.). Aschaf­fen­burg 2014. S. 15–34, hier S. 19.

  39. Can­cik: Euro­pa – Anti­ke – Huma­nis­mus. In: Can­cik: Euro­pa, S. 13–41, hier S. 38. – Zitat im Zitat: Ernst Mach: Die Mecha­nik in ihrer Ent­wick­lung. Leip­zig 1883, S. 479.

  40. Hubert Can­cik: Huma­nis­mus als offe­nes Sys­tem, S. 18 f.

  41. Die wohl umfas­sends­te Phi­lo­so­phie des Huma­nis­mus vgl. Frie­der Otto Wolf: Huma­nis­mus für das 21. Jahr­hun­dert. Ber­lin 2008.

  42. Fried­mar Küh­nert: Zum Huma­nis­mus im Rom der repu­bli­ka­ni­schen und augus­te­ischen Zeit? Magna est enim vis huma­ni­ta­tis. In: Der anti­ke und der sozia­lis­ti­sche Huma­nis­mus. In: Wis­sen­schaft­li­che Zeit­schrift der Fried­rich-Schil­ler-Uni­ver­si­tät. H. 5/6. Jena 1972, S. 871–880, hier S. 872, 876).

  43. Hubert Can­cik: Gleich­heit und Men­schen­lie­be. Huma­nis­ti­sche Begrün­dung huma­ni­tä­rer Pra­xis. In: Horst Gro­schopp (Hrsg.): Barm­her­zig­keit und Men­schen­wür­de. Selbst­be­stim­mung, Ster­be­kul­tur, Spi­ri­tua­li­tät. Aschaf­fen­burg 2011, S. 17–33, hier S. 17.

  44. Gita Neu­mann: Frei­er Geist – Stirb und Wer­de. In: dies­seits 1991, Heft 16, S. 12.

  45. Vgl. Gus­tav Rad­bruch: Kri­mi­na­lis­ti­sche Goe­the-Stu­di­en (1938). In: Ders.: Kul­tur­phi­lo­so­phi­sche und kul­tur­his­to­ri­sche Schrif­ten. Bear­bei­tet von Gün­ter Spen­del. Hei­del­berg 2002, S. 278–283. – Ders: Das Straf­recht der Zau­ber­flö­te (1946). In: Rad­bruch: Kul­tur­phi­lo­so­phi­sche und kul­tur­his­to­ri­sche Schrif­ten, S. 283–298.

  46. Vgl. Tho­mas Hein­richs: Prin­zi­pi­en sozia­ler Güter­ver­tei­lung. Gleich­heit, Gerech­tig­keit, Soli­da­ri­tät und Huma­ni­tät. In: Gro­schopp (Hrsg.): Barm­her­zig­keit und Men­schen­wür­de, S. 197–222. – Ders.: Huma­ni­sie­rung des Staa­tes? Armen­hil­fe und Sozi­al­staat. In: Horst Gro­schopp (Hrsg.): Huma­nis­mus und Huma­ni­sie­rung. Aschaf­fen­burg 2014, S. 71–94.

  47. Die­se Stel­le wird in diver­ser Lite­ra­tur immer wie­der zitiert, sei es in Geschich­ten der Renais­sance, aber auch in sol­chen der Berg­stei­ge­rei und Tou­ris­mus­his­to­rie.

  48. Vgl. Eliza­beth Guilhamon/Daniel Mey­er (Hrsg.): Die streit­ba­re Klio. Zur Reprä­sen­ta­ti­on von Macht und Geschich­te in der Lite­ra­tur. Frank­furt a.M. 2010, S. 43 ff. (Schrif­ten zur poli­ti­schen Kul­tur der Wei­ma­rer Repu­blik). – Tar­mo Kun­nas: Das Wer­den des Huma­nis­mus bei Hein­rich Mann. Hel­sin­ki 1973.

  49. Vgl. Hubert Can­cik: „Huma­nis­mus“, „Huma­nis­mus­kri­tik“ und „‚Anti­hu­ma­nis­mus“ am Bei­spiel von Fried­rich Nietz­sche. In: Horst Gro­schopp (Hrsg.): Huma­nis­tik. Bei­trä­ge zum Huma­nis­mus. Aschaf­fen­burg 2012, S. 130–141.

  50. Juli­an Nida-Rüme­lin: Huma­nis­ti­sche Refle­xio­nen. Ber­lin 2016, S. 400.