Definition “Weltanschauung”
Weltanschauungen sind alle kulturellen Deutungssysteme, Religionen eingeschlossen, mit denen die Menschen gemeinschaftlich ihre Stellung in der Natur und die Formen ihres sozialen Lebens zu verstehen und zu regeln suchen, und die ihnen Orientierung geben hinsichtlich des Ganzen ihrer Lebensumstände. Entsprechungen für das Wort in anderen Sprachen fehlen, oder es ist dort – im Französischen und Englischen – ein Lehnwort.
Im engeren Verständnis und im deutschen Verfassungsrecht seit 1919 gebräuchlich ist Weltanschauung „eine wertende Stellungnahme zum Weltganzen, welche allein unter immanenten Aspekten Antwort auf die letzten Fragen nach Ursprung, Sinn und Ziel der Welt und des menschlichen Lebens zu geben sucht.“ (Mertesdorf 2008, S. 129). Diese eine Transzendenz verneinende Sicht ist wesentlich Produkt der Freidenkerbewegung, der Säkularisierung und besonders der Revolution von 1918.
Erst im 19. Jahrhundert verschwand mit dem Rückgang des Kircheneinflusses und schließlich der allgemeinen staats- und gesellschaftspolitischen Freigabe des „Zweifels“ die allgemeinste Ursache der Freidenkerei, nämlich die Aufgabe, die Fackel der Aufklärung in die Kultur zu tragen, um dort das Dunkel auszuleuchten. Friedrich Nietzsche hat im Jahr 1880/81 „Freidenker“ allgemein charakterisiert, zeitgleich mit der Gründung der „Brüsseler-Freidenker-Internationale“ und des „Deutschen Freidenkerbundes“, was ihm wohl unbekannt blieb. Er meinte, es würden diejenigen zu Freidenkern, denen „schon ein Ausdenken und Aussprechen von verbotenen Dingen … Befriedigung gibt“. Er unterscheidet sie strikt von den „Freitätern“, die er höher schätzt.